{"id":15306,"date":"2026-07-27T15:03:38","date_gmt":"2026-07-27T13:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/china-abkehr-kostet-billionen-von-thomas-roeper\/"},"modified":"2026-07-27T15:03:38","modified_gmt":"2026-07-27T13:03:38","slug":"china-abkehr-kostet-billionen-von-thomas-roeper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/china-abkehr-kostet-billionen-von-thomas-roeper\/","title":{"rendered":"China-Abkehr kostet Billionen | Von Thomas R\u00f6per"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"China-Abkehr kostet Billionen | Von Thomas R\u00f6per\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/gp46tZy43xEDpBzNKBe124\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/07\/apolut_20260727_SP_Montag.mp3\" preload=\"metadata\" controls><\/audio><\/div>\n<p><strong>Ist das \u201eDe-Risking\u201c, also die wirtschaftliche Abkopplung der EU von China, \u00fcberhaupt realistisch?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nicht beachtet von den Medien wurde ver\u00f6ffentlicht, was die vom Westen geplante Abkopplung von China wegen der angeblichen Abh\u00e4ngigkeit von Peking tats\u00e4chlich kosten w\u00fcrde. Da stellt sich die generelle Frage, wie realistisch diese Ideen sind.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Standpunkt von\u00a0<strong>Thomas R\u00f6per<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>In der TASS hat eine Expertin sich aktuelle Berechnungen dar\u00fcber angeschaut, was die vom Westen geplante Abkopplung von China wegen der angeblichen Abh\u00e4ngigkeit von Peking tats\u00e4chlich kosten w\u00fcrde. Das Ergebnis sind astronomische 23,6 Billionen US-Dollar bis 2050, also fast eine Billion US-Dollar pro Jahr, wobei der L\u00f6wenanteil auf die EU entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Wenn die EU diese Pl\u00e4ne umsetzen will, und danach sieht es aus, wird sie sich auf die Suche nach sehr viel zus\u00e4tzlichem Geld machen m\u00fcssen. Und das tut sie bereits, denn in Br\u00fcssel wird \u00fcber die Erhebung eigener Steuern durch die EU gesprochen und es werden\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20250501175805\/https:\/\/anti-spiegel.ru\/2025\/wie-die-eu-ihre-ersparnisse-in-die-ruestung-lenken-will\/\">bereits Pl\u00e4ne ausgearbeitet<\/a>, wie die EU an die Ersparnisse der Europ\u00e4er kommen kann, um sie in die gewollten Bahnen zu lenken.<\/p>\n<p>Da das Thema hochbrisant ist, habe ich den\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/tass.ru\/opinions\/27944585?ref=apolut.net\">Artikel<\/a>\u00a0aus der TASS \u00fcbersetzt, denn auch wenn er auf den ersten Blick sehr trocken wirkt, enth\u00e4lt er Sprengstoff, \u00fcber den die Medien nicht berichten.<\/p>\n<p><strong><em>Beginn der \u00dcbersetzung:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Scheidung von China: Woher soll Europa das Geld nehmen, das es nicht hat?<\/strong><\/p>\n<p>Xenia Bondarenko, Professorin am Lehrstuhl f\u00fcr Weltwirtschaft der Fakult\u00e4t f\u00fcr Weltwirtschaft und Politik der Nationalen Forschungsuniversit\u00e4t f\u00fcr Wirtschaft und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, dar\u00fcber, ob eine echte Entkopplung von China m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Als ich die Zahl von 23,6 Billionen US-Dollar zum ersten Mal sah, glaubte ich es nicht, denn sie klang zu sehr nach der abstrakten <em>\u201eVerschuldung der gr\u00f6\u00dften L\u00e4nder der Welt\u201c<\/em>, die vor zehn Jahren in den Schlagzeilen stand. Aber nein: Genau so viel wird die <em>\u201eBeendigung der Abh\u00e4ngigkeit von China\u201c <\/em>in kritischen Sektoren die USA und die europ\u00e4ischen L\u00e4nder laut Berechnungen der Beratungssparte von EY-Parthenon bis 2050 kosten. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das zus\u00e4tzlichen Investitionen von rund 940 Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>Dieser Prozess, die wirtschaftliche Trennung und Unabh\u00e4ngigkeit der M\u00e4rkte voneinander, wird als Entkopplung (decoupling) bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Wenn die W\u00fcnsche nicht zu den M\u00f6glichkeiten passen<\/strong><\/p>\n<p>Die Financial Times bezieht sich auf diese Studie und liefert folgende Aufschl\u00fcsselung: 58 Prozent der Summe (13,7 Billionen US-Dollar \u00fcber 25 Jahre bzw. 550 Milliarden US-Dollar j\u00e4hrlich) entfallen auf die USA, 39 Prozent (9,1 Billionen US-Dollar bzw. 360 Milliarden US-Dollar j\u00e4hrlich) auf die Eurozone und lediglich 3 Prozent (insgesamt 800 Milliarden US-Dollar bzw. 32 Milliarden US-Dollar j\u00e4hrlich) auf Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Die Analysten von EY-Parthenon betrachten dabei ausschlie\u00dflich die Eurozone und nicht die gesamte EU (also ohne Tschechien, D\u00e4nemark, Ungarn, Polen, Rum\u00e4nien und Schweden, die den Euro nicht eingef\u00fchrt haben). Das hat zwei Gr\u00fcnde. Erstens orientieren sie sich bei ihren Berechnungen an den W\u00e4hrungs- und Finanzbl\u00f6cken und nicht an den politischen Grenzen, den Verantwortungsbereichen der Zentralbanken (der Federal Reserve, der EZB und der Bank of England), und verkn\u00fcpfen den Entkopplungseffekt mit Inflation und Zinss\u00e4tzen. Zweitens bildet die Eurozone das R\u00fcckgrat der EU-Wirtschaft (die 21 L\u00e4nder erwirtschaften rund 85 Prozent des BIP), sodass die Fehlermarge f\u00fcr das Gesamtbild minimal ist.<\/p>\n<p>In dieser Analyse trenne ich die Eurozone von der EU, betrachte aber aus Budgetgr\u00fcnden die gesamte EU, was sinnvoller ist.<\/p>\n<p>So sind 550 Milliarden US-Dollar j\u00e4hrlich f\u00fcr die USA eine enorme Summe, aber durchaus \u201everdaubar\u201c. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa den Investitionen amerikanischer Technologieunternehmen in den Bau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur im Jahr 2025. Bei einem BIP von 30,8 Billionen US-Dollar und Staatsausgaben von 11,6 Billionen US-Dollar wird die Initiative die Amerikaner in den n\u00e4chsten sechs Jahren 1,4 bis 1,8 Prozent des BIP und etwa 4 bis 5 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben kosten (basierend auf den IWF-Prognosen f\u00fcr makro\u00f6konomische Indikatoren bis 2031 vom April) und anschlie\u00dfend sinken (Basiseffekt). In Gro\u00dfbritannien sind die Verpflichtungen weniger ambitioniert: Die zus\u00e4tzlichen Ausgaben werden j\u00e4hrlich 0,6 bis 0,9 Prozent des BIP bzw. 1,4 bis 1,8 Prozent der Haushaltsausgaben betragen.<\/p>\n<p>Die Staatshaushalte beider L\u00e4nder stehen aufgrund von Defiziten und steigenden Verteidigungsausgaben unter Druck, k\u00f6nnen aber durch die Koordinierung der Interessen der Regierungen noch bis zu einem gewissen Grad angepasst werden. Dar\u00fcber hinaus wird die Regierung \u2013 und das ist meiner Ansicht nach eine der unvermeidlichen Optionen zur Entkopplung von China \u2013 einen Teil der Kosten freiwillig-verpflichtend auf die Wirtschaft abw\u00e4lzen.<\/p>\n<p>Doch in der Eurozone ist die Situation grundlegend anders. Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder haben es historisch schwer, sich darauf zu einigen, welche L\u00e4nder, welche konkreten Projekte und welche Standorte die Kosten f\u00fcr die Schw\u00e4chung des chinesischen Einflusses tragen sollen. Und das trotz ihrer betr\u00e4chtlichen Wirtschaftskraft. Im Jahr 2025 betrug die Bruttoinlandsproduktivit\u00e4t der Eurozone 18 Billionen US-Dollar (die der EU insgesamt 21,2 Billionen US-Dollar), die konsolidierten Haushaltsausgaben beliefen sich auf 9 Billionen (10,5 Billionen US-Dollar f\u00fcr die gesamte EU). Der aktuelle mittelfristige Finanzierungsbedarf entspricht zus\u00e4tzlichen 1,3 bis 2,0 Prozent des BIP und satten 3 bis 4 Prozent der Haushaltsausgaben. Und hier stellt sich mir, als jemandem, der die Verhandlungen \u00fcber den EU-Haushalt<strong> <\/strong>seit vielen Jahren verfolgt, eine entscheidende Frage: Woher und wie genau will Br\u00fcssel dieses Geld nehmen?<\/p>\n<p>Die Antwort, die ich in den aktuellen Dokumenten und Stellungnahmen sehe, besteht aus vier recht unangenehmen Szenarien, keines von ihnen erscheint schmerzlos.<\/p>\n<p><strong>Zahlen werden nicht die Unternehmen, sondern die Verbraucher<\/strong><\/p>\n<p>Die erste und offensichtlichste Einnahmequelle ist die Ausweitung der Eigenmittel der EU. Gemeint sind europaweite Steuern, die direkt in den Haushalt der EU flie\u00dfen und die nationalen Finanzministerien umgehen.<\/p>\n<p>Um das wachsende Defizit im Entwurf des EU-Haushalts f\u00fcr 2028\u20132034 (dem mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen) zu decken, werden regelm\u00e4\u00dfig verschiedene Ideen diskutiert: eine Tabaksteuer, Steuern auf Online-Wetten, auf Kryptotransaktionen und auf digitale Dienstleistungen f\u00fcr Gro\u00dfkonzerne wie Google, Amazon und Meta. Von all diesen Ma\u00dfnahmen wurde bisher nur eine umgesetzt. Mit Wirkung zum 1. Juli 2026 hat die EU einen einheitlichen Zoll von 3 Euro auf preiswerte Waren aus ausl\u00e4ndischen Online-Shops eingef\u00fchrt und damit die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro abgeschafft. Das ist ein direkter Schlag f\u00fcr die chinesischen Giganten Temu, AliExpress und Shein. Alle anderen fiskalischen Ma\u00dfnahmen existieren bisher nur auf dem Papier. So auch die Finanztransaktionssteuer, \u00fcber die in Br\u00fcssel seit Anfang der 2010er-Jahre gesprochen wird, die aber nicht europaweit eingef\u00fchrt werden konnte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bezahlen am Ende die normalen Europ\u00e4er f\u00fcr die Steuererh\u00f6hungen, da die Unternehmen die Kosten an die Verbraucher weitergeben. Au\u00dferdem gilt, je breiter die Steuerbasis wird, desto mehr sinkt durch Ausnahmen, Lobbyarbeit und Kapitalflucht in andere Jurisdiktionen die M\u00f6glichkeit zur Eintreibung der Steuern. Den j\u00e4hrlichen Bedarf von 360 Milliarden Dollar mit diesen Ma\u00dfnahmen zu decken, ist unm\u00f6glich. Im besten Fall werden sie einige Dutzend Milliarden Euro einbringen, was angesichts der Kosten der Entkopplung nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein ist.<\/p>\n<p><strong>Der EU-Haushalt als politisches Schlachtfeld<\/strong><\/p>\n<p>Die zweite Einnahmequelle sind die direkten Beitr\u00e4ge der Mitgliedstaaten. Sie bilden die Grundlage der Einnahmen des gemeinsamen Haushalts der EU-27. Und hier beginnt die pure Politik: Die Verhandlungen \u00fcber den Haushalt 2028\u20132034 haben den Block bereits in zwei Lager gespalten, wobei deren wirtschaftliche Widerspr\u00fcche tief in der Struktur der EU verwurzelt sind.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite sind die sogenannten \u201eSparsamen\u201c (frugals), angef\u00fchrt von Deutschland, den Niederlanden und den skandinavischen L\u00e4ndern. Sie bestehen auf einer Reduzierung des Appetits der EU und sind kategorisch gegen jegliche Mehrausgaben. Auf der anderen Seite steht eine Koalition der 16 s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen L\u00e4nder, die sich selbst als \u201eFreunde des Zusammenhalts\u201c (friends of cohesion) bezeichnen. Diese L\u00e4nder, angef\u00fchrt von Polen, Italien und Spanien, fordern eine Erh\u00f6hung der Mittel f\u00fcr regionale Entwicklungsprogramme.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach ist diese Spaltung das gr\u00f6\u00dfte praktische Risiko f\u00fcr die Idee der Unabh\u00e4ngigkeit von China. Der wohlhabendere Norden sieht sich als Hauptsponsor und will die Ambitionen anderer L\u00e4nder weiter zu subventionieren, reduzieren. Das f\u00fchrt zu einem Paradoxon: Die wichtigsten Profite der Entkopplung entfallen auf die k\u00fcnftigen Produktionszentren f\u00fcr Chips und Batterien wie Deutschland und Frankreich. S\u00fcd- und Osteuropa sind weitaus mehr daran interessiert, Mittel zur Unterst\u00fctzung ihrer gef\u00e4hrdeten Industrien (einschlie\u00dflich der Landwirtschaft) zu sichern, als Br\u00fcssels abstrakte technologische Souver\u00e4nit\u00e4t zu finanzieren. Zudem erhalten sie seit Jahren Direktinvestitionen und Billigwaren aus Peking (wenn auch nach den am 1. Juli eingef\u00fchrten Z\u00f6llen nicht mehr ganz so billig).<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden wird jeder Versuch, die nationalen Beitr\u00e4ge zur Bek\u00e4mpfung des chinesischen Einflusses deutlich zu erh\u00f6hen, auf ein Veto oder langwieriges Feilschen sto\u00dfen. Die Verhandlungen \u00fcber den EU-Haushalt ziehen sich \u00fcber Jahre hin, und der Kompromiss bleibt am Ende stets weit hinter den urspr\u00fcnglichen Zielen zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Kredite aufnehmen oder in die Pensionskassen greifen<\/strong><\/p>\n<p>Die dritte Option ist die Finanzierung durch Schulden. Einen Pr\u00e4zedenzfall gibt es schon: das Antikrisenpaket NextGenEU, als die EU zum ersten Mal in ihrer Geschichte in eigener Regie einen Kredit am Markt aufgenommen hat. Die Logik ist dieselbe: Da die Staatshaushalte \u00fcberlastet sind und Steuererh\u00f6hungen politisch brisant (und ineffektiv) sind, bleibt als einzige Option die Kreditaufnahme.<\/p>\n<p>Da eine ewige Erh\u00f6hung der staatlichen Investitionen bei hohen Zinsen gef\u00e4hrlich ist, h\u00f6rt man in Br\u00fcssel immer \u00f6fter die Idee, privates Kapital anzuziehen. Gemeint ist dabei vor allem das \u201elange Geld\u201c von Pensions- und Versicherungsfonds. Dieses Geld soll \u00fcber Mechanismen wie die Spar- und Investitionsunion (Savings and Investments Union, SIU) eingesetzt werden. Br\u00fcssel versucht, europ\u00e4ische Ersparnisse innerhalb der EU zu halten und zu verhindern, dass sie auf den amerikanischen Markt flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich halte diese Idee f\u00fcr recht realistisch, aber gleichzeitig f\u00fcr extrem riskant.<\/p>\n<p>Der Realismus liegt darin, dass europ\u00e4ische Pensionsfonds tats\u00e4chlich Billionen von Euro angesammelt haben, von denen ein Teil ohne sofortige Steuererh\u00f6hungen in die Infrastruktur flie\u00dfen k\u00f6nnte. Das w\u00fcrde jedoch einen neuen politischen Kampf ausl\u00f6sen. Es br\u00e4uchte Gesetzes\u00e4nderungen, gegen die sich einige L\u00e4nder vehement wehren w\u00fcrden. Mehr als 60 Prozent der Pensionsersparnisse der EU sind in nur drei L\u00e4ndern konzentriert, den Niederlanden, D\u00e4nemark und Schweden.<\/p>\n<p>Das Risiko ist also, dass Pensionsfonds naturgem\u00e4\u00df konservativ sind. Investitionen in den kompletten Umbau von Produktionsketten sind ein jahrzehntelanges Unterfangen mit ungewisser Rendite. Sollten Politiker die Fonds \u201efreiwillig-verpflichtend\u201c in geopolitisch motivierte, aber unrentable Projekte investieren lassen, w\u00e4ren die Leidtragenden letztendlich die zuk\u00fcnftigen europ\u00e4ischen Rentner.<\/p>\n<p><strong>Die alten Z\u00f6pfe abschneiden: Koh\u00e4sion als Druckmittel<\/strong><\/p>\n<p>Die vierte, und derzeit wahrscheinlichste M\u00f6glichkeit ist die banale Umverteilung von Mitteln innerhalb des laufenden Haushalts. Vereinfacht gesagt: Es werden einige Posten gek\u00fcrzt, um andere zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Im Haushaltsentwurf f\u00fcr 2028\u20132034 k\u00fcrzt Br\u00fcssel die Ausgaben f\u00fcr Koh\u00e4sionsfonds und regionale Entwicklung erheblich. Daf\u00fcr werden die Mittel f\u00fcr Verteidigung und Raumfahrt gleich verf\u00fcnffacht, die Ausgaben f\u00fcr Migrationsmanagement verdreifacht und auch die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Energiesektor ausgeweitet. Das Dokument ist noch nicht formell verabschiedet, doch die Richtung ist klar: Das Geld f\u00fcr die neuen Priorit\u00e4ten beschaffen die Beamten auf Kosten der gewohnten Unterst\u00fctzung f\u00fcr \u00e4rmere EU-Mitgliedstaaten und ignorieren damit faktisch das Problem der innereurop\u00e4ischen Ungleichheit.<\/p>\n<p>Analysten von CaixaBank Research haben die Vorg\u00e4nge treffend als eher politischen denn wirtschaftlichen Umbau bezeichnet. Ich f\u00fchre diesen Gedanken weiter aus: Die Philosophie des europ\u00e4ischen Haushalts \u00e4ndert sich vor unseren Augen. Es vollzieht sich ein Wandel von Solidarit\u00e4t und Angleichung der Lebensstandards hin zum geopolitischen \u00dcberleben. Dies ist keine neutrale technische Ma\u00dfnahme, sondern eine konkrete strategische Entscheidung, f\u00fcr die Europa teuer bezahlen wird.<\/p>\n<p><strong>Nicht alles und nicht sofort<\/strong><\/p>\n<p>Z\u00e4hlt man alle vier Faktoren zusammen, ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<ul>\n<li>Die neuen Steuern werden bestenfalls einige Dutzend Milliarden Euro pro Jahr einbringen, also ein Vielfaches weniger als n\u00f6tig.<\/li>\n<li>Die Beitr\u00e4ge der Mitgliedstaaten werden aufgrund der Spaltung zwischen Nord und S\u00fcdost in eine politische Sackgasse geraten.<\/li>\n<li>Marktkredite, die durch Pensionsfonds gesichert sind, bergen aufgrund ihrer unvorhersehbaren Renditen Risiken.<\/li>\n<li>Die Streichung alter Bestimmungen ist f\u00fcr die B\u00fcrokraten zwar der einfachste Weg, aber der zerst\u00f6rerischste f\u00fcr die innereurop\u00e4ische Solidarit\u00e4t (auf der das europ\u00e4ische Integrationsprojekt selbst beruht).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dabei ist ein vollst\u00e4ndiger Bruch mit China v\u00f6llig unrealistisch. Peking bleibt mit einem Anteil von 22,3 Prozent an den Importen der gr\u00f6\u00dfte Warenlieferant der EU, und diese Mengen wachsen weiter. F\u00fcr Europa wird die Lage durch Inflationsrisiken, teure Kredite und fiskalischen Druck zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Wenn man ber\u00fccksichtigt, mit welchem Knirschen die EU \u00fcber den regul\u00e4ren Siebenjahreshaushalt verhandelt, ist es gelinde gesagt, naiv zu erwarten, dass sie j\u00e4hrlich zus\u00e4tzliche 360 \u200b\u200bMilliarden Dollar zur Bek\u00e4mpfung des chinesischen Einflusses aufbringen wird. Es ist weitaus wahrscheinlicher, dass die aufgebrachte Summe deutlich geringer ausf\u00e4llt als angek\u00fcndigt und dass die Ergebnisse lediglich partiell bleiben. Statt einem totalen Umbau der M\u00e4rkte wird sich Br\u00fcssel auf den gezielten Schutz einiger weniger kritischer Sektoren beschr\u00e4nken: Halbleiter, Batterien und Seltene Erden.<\/p>\n<p>Alles andere bleiben sch\u00f6ne Zahlen auf dem Papier der Consulting-Agenturen.<\/p>\n<p><strong><em>Ende der \u00dcbersetzung<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Thomas R\u00f6per, geboren 1971, hat als Experte f\u00fcr Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt \u00fcber 15 Jahre in Russland und spricht flie\u00dfend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst am 24. Juli 2026 auf\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/anti-spiegel.ru\/2026\/ist-das-de-risking-also-die-wirtschaftliche-abkopplung-der-eu-von-china-ueberhaupt-realistisch\/?ref=apolut.net\">anti-spiegel.ru<\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Euro-Schiff mit gerissener Flagge sinken. Krisenkonzept.<\/p>\n<p>Bildquelle:  Elena Schweitzer \/ Shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist das \u201eDe-Risking\u201c, also die wirtschaftliche Abkopplung der EU von China, \u00fcberhaupt realistisch? 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