{"id":15356,"date":"2026-07-27T22:02:49","date_gmt":"2026-07-27T20:02:49","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/merz-und-das-ministerkarussell-der-fisch-stinkt\/"},"modified":"2026-07-27T22:02:49","modified_gmt":"2026-07-27T20:02:49","slug":"merz-und-das-ministerkarussell-der-fisch-stinkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/merz-und-das-ministerkarussell-der-fisch-stinkt\/","title":{"rendered":"Merz und das Ministerkarussell: Der Fisch stinkt &#8230;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dagmar Henn<\/em><\/p>\n<p>Das Schreiben, das die CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz an Bundeskanzler Friedrich Merz schickte, ist alles andere als gew\u00f6hnlich. Wenn man zur\u00fcckblickt, gab es Vergleichbares bestenfalls gelegentlich von der CSU, wenn mal wieder mit Abtrennung gedroht wurde. Und es sieht so aus, als sei der erw\u00e4hnte Umgang mit Verkehrsminister Patrick Schnieder der Anlass, aber nicht der ganze Grund.<\/p>\n<p>Wenn man die letzten Tage zusammenfassen will, bleibt eigentlich nur ein Fazit: Merz kann Kanzler nicht. Es ist ja nicht so, als bef\u00e4nde er sich erst seit gestern in seiner Partei. Allerdings \u2013 reine Parteifunktionen hatte er kaum; er wurde zwar 2021 zum CDU-Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt, aber zust\u00e4ndig daf\u00fcr, den Laden zusammenzuhalten, ist eher der Generalsekret\u00e4r. Und Merz ist vor allem Wirtschaftslobbyist; von 2009 bis 2021 war er im Grunde nichts anderes.<\/p>\n<p>Aber Parteien sind wesentlich komplexere Strukturen als Konzerne, in denen Entscheidungen vor allem von oben nach unten laufen. Immerhin entsprechen 15 Landesverb\u00e4nde 15 Provinzf\u00fcrstent\u00fcmern. Sie zu behandeln, als seien sie Filialen oder Konzernabteilungen, geht auf Dauer nicht gut \u2013 schlie\u00dflich beruhen, obwohl es viele Berufspolitiker gibt, gro\u00dfe Teile dieser Struktur auf Freiwilligkeit.<\/p>\n<p>&#8222;Ein pers\u00f6nlicher Austausch zwischen der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz und Ihnen&#8220;, steht am Ende des Briefes, &#8222;setzt aus unserer Sicht ein Mindestma\u00df an gegenseitigem Vertrauen und Wertsch\u00e4tzung voraus, was durch die aktuelle Situation so leider nicht gegeben ist.&#8220;<\/p>\n<p>Normalerweise m\u00fcssten sich im Umfeld von Merz Leute befinden, die ihm Ratschl\u00e4ge erteilen oder ihn davor warnen, Unfug wie mit der \u00fcberraschenden Ersetzung von Verkehrsminister Patrick Schnieder zu machen. Oder ihm zumindest sp\u00e4testens nach der Pressekonferenz am Freitag, als die ganze Geschichte hochkochte, raten, baldm\u00f6glichst Abbitte zu leisten. Aber mit glaubw\u00fcrdigen Emotionen hat es Merz nicht so; Versuche, Mitgef\u00fchl zu zeigen, geraten bei ihm immer zur h\u00f6lzernen Karikatur. Und so richtig begriffen hat er es wohl immer noch nicht, was er eigentlich falsch gemacht hat.<\/p>\n<p>Ja, das k\u00f6nnte auch mit der allgemeinen politischen Lage zu tun haben. Schlie\u00dflich ist ganz Deutschland gerade dabei, wirtschaftlich abzuschmieren; das einzige Gegenmittel, das es g\u00e4be, w\u00e4re ein Ausscheren aus der EU-Linie der Russlandsanktionen, das vielleicht noch Teile der Deindustrialisierung verhindern k\u00f6nnte. Aber Merz war vor allem Lobbyist von BlackRock (an Rheinmetall beteiligt), und das ist reine Finanzwirtschaft, die Verwaltung von in gro\u00dfem Ma\u00df parasit\u00e4ren Beteiligungen oder, anders gesagt, eine Umgebung, in der man sich wenig Gedanken dar\u00fcber macht, ob eine Volkswirtschaft noch funktioniert oder nicht \u2013 wenn nicht, wird das Geld eben rausgezogen und andernorts angelegt.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt tauchte ein Spitzname wie Pinocchio nur deshalb auf, weil von den Wahlversprechen sehr schnell nichts mehr \u00fcbrig war; nach Ukraine-Milliarden und Aufr\u00fcstungsprogramm blieb ja nicht einmal mehr die M\u00f6glichkeit, die ber\u00fcchtigte schw\u00e4bische Hausfrau zu geben. Andererseits ist eine Wahrnehmung der Wirklichkeit bei EU und NATO gerade nicht wirklich gefragt, und was das betrifft, ist Merz bestens auf Linie. Wenn aber der gesamte politische Alltag weitgehend davon gepr\u00e4gt ist, die Wirklichkeit zu verleugnen, wie soll er dann ausgerechnet bezogen auf die innerparteiliche Stimmung ein Sensorium entwickeln?<\/p>\n<p>Carsten Linnemann, der Generalsekret\u00e4r, wurde gerade von ihm auf den Sessel des Gesundheitsministers geschubst, und wie gl\u00fccklich dieser damit ist, darf man durchaus in Frage stellen. Schlie\u00dflich hatte Linnemann schon vor etwas \u00fcber einem Jahr, bei der ersten Kabinettsbesetzung, erkl\u00e4rt, er halte sich nicht f\u00fcr qualifiziert f\u00fcr diese Position. Damit f\u00e4llt aber auch der Noch-Generalsekret\u00e4r aus, um die Wogen zu gl\u00e4tten, w\u00e4hrend eine Noch-nicht-Generalsekret\u00e4rin das nicht kann. Das belegt das besondere Gesp\u00fcr des Friedrich Merz f\u00fcr Timing: Kaum ein Zeitpunkt w\u00e4re ung\u00fcnstiger gewesen, um einen ganzen Landesverband zu br\u00fcskieren. Und noch mehr.<\/p>\n<p>Zu einer Wette auf Polymarket hat er es immerhin schon <a href=\"https:\/\/polymarket.com\/de\/event\/friedrich-merz-out-as-chancellor-of-germany-before-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gebracht<\/a>: Bei &#8222;Wird Friedrich Merz bis Ende 2026 nicht mehr Kanzler sein&#8220; wetten bisher nur 14 Prozent auf Ja; das sieht noch recht stabil aus \u2013 wenn man davon absieht, dass bereits die Existenz dieser Wette belegt, dass es nicht wirklich stabil ist. Die Wette existiert bereits seit November 2025; die h\u00f6chste Zustimmung erreichte die Frage am 1. Juni mit 27 Prozent. Da hat er sich also sogar verbessert. Aber nur zum Vergleich \u2013 bei der Wette &#8222;Wird Trump vor 2027 zur\u00fccktreten&#8220; gibt es lediglich vier Prozent Wetter, die auf Ja setzen.<\/p>\n<p>Nun, Merz gelangt irgendwie immer auf Positionen, wenn sonst halt keiner da ist. So farb- wie erfolglos er ist (in dieser Hinsicht ein passendes Gegenst\u00fcck zu den letzten zehn britischen Premierministern), es ist einzig dieser Grund, der ihn auf seinem Stuhl h\u00e4lt. Allerdings: Wenn er dort bleibt, d\u00fcrfte danach von der CDU nicht mehr allzu viel \u00fcbrig sein.<\/p>\n<p>Denn die Ereignisse der letzten Tage sagen nicht nur etwas \u00fcber das Sozialverhalten eines Friedrich Merz, sie sagen auch etwas \u00fcber sein Umfeld. Dass ihn niemand ausgebremst hat, zeigt, dass er in seiner N\u00e4he keinen Widerspruch mag und im Ernstfall beratungsresistent ist. Dass er kein Gesp\u00fcr f\u00fcr das Land hat, l\u00e4sst sich an seinen (Un-)Beliebtheitswerten ablesen. Nun, er hat auch keins f\u00fcr seine Partei. Und ist sich seiner eigenen Schw\u00e4chen nicht bewusst, achtet aber sehr wohl, an diesem Punkt wie Angela Merkel, darauf, keine echte Konkurrenz neben sich zuzulassen.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hlerstimmen, die die CDU bei der vorgezogenen Bundestagswahl im vergangenen Februar erreichte, wird sie wohl nicht mehr erzielen k\u00f6nnen. Die Neigung, einem Machtverlust durch weitere Repressionen zuvorzukommen, d\u00fcrfte nur noch zunehmen. Wie gef\u00e4hrlich das ist, d\u00fcrfte einem Egozentriker wie Merz v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich bleiben.<\/p>\n<p>Aber warum sollte es der CDU eigentlich besser ergehen als dem Land? Auf dem Weg in den Abstieg zu f\u00fchren scheint sein einziges wahres Talent, und es sollte nicht \u00fcberraschen, dass das auf alles zutrifft, das er anfasst. Der Fisch stinkt nun einmal vom Kopf her.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2014\u00a0 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/244303-kanzlerwahl-eine-nutzlose-stabilitaet\/\">Kanzlerwahl: Eine nutzlose Stabilit\u00e4t <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b55ki\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dagmar Henn Das Schreiben, das die CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz an Bundeskanzler Friedrich Merz schickte, ist alles andere als gew\u00f6hnlich. Wenn man zur\u00fcckblickt, gab es Vergleichbares bestenfalls gelegentlich von der CSU, wenn mal wieder mit Abtrennung gedroht wurde. 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