{"id":15475,"date":"2026-07-28T18:03:08","date_gmt":"2026-07-28T16:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/nach-dem-anschlag-in-berlin-die-grosse-empoerung-der-heuchler-taktiker-und-nutzniesser\/"},"modified":"2026-07-28T18:03:08","modified_gmt":"2026-07-28T16:03:08","slug":"nach-dem-anschlag-in-berlin-die-grosse-empoerung-der-heuchler-taktiker-und-nutzniesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/nach-dem-anschlag-in-berlin-die-grosse-empoerung-der-heuchler-taktiker-und-nutzniesser\/","title":{"rendered":"Nach dem Anschlag in Berlin: Die gro\u00dfe Emp\u00f6rung der Heuchler, Taktiker und Nutznie\u00dfer"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong><\/strong><em>Von Alexandra Nollok<\/em><\/p>\n<p>Der blutige Anschlag auf die CSD-Parade am Samstag im Berliner Tiergarten f\u00fcllt noch immer die Schlagzeilen. Es geht vor allem um Migrations- und Islamkritik, um Forderungen nach mehr Abschiebungen, Ausb\u00fcrgerungen und h\u00e4rterer Staatsgewalt bis hin zu Fu\u00dffesseln und (l\u00e4ngerer) Pr\u00e4ventivhaft f\u00fcr mutma\u00dfliche Gef\u00e4hrder. Letzteres kam vom <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/dobrindt-will-fussfesseln-und-praeventivhaft-fuer-gefaehrder-a-c2281500-4ed9-48e3-9013-4226856ad4e2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CSU-Hardliner und Bundesinnenminister<\/a> Alexander Dobrindt\u00a0\u2013 demselben, der gerade die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/dobrindt-will-fussfesseln-und-praeventivhaft-fuer-gefaehrder-a-c2281500-4ed9-48e3-9013-4226856ad4e2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rechtsberatung f\u00fcr homosexuelle Fl\u00fcchtlinge abschaffen<\/a> will<strong>\u00a0<\/strong>und letztes Jahr ein <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/politik\/queere-menschen-im-sonderregister-gruene-kritisieren-dobrindt-art-266694\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sonderregister f\u00fcr &#8222;queere&#8220; Menschen<\/a> verlangte.<\/p>\n<p>Worum es hingegen kaum geht, sind die Opfer: eine get\u00f6tete Frau, 29 teils schwer verletzte Teilnehmer des Berliner Christopher Street Day. Und wenn doch, erscheinen die Opfer fast immer instrumentalisiert: f\u00fcr angebliche &#8222;westliche Werte&#8220;, die &#8222;freiheitlich-demokratische Grundordnung&#8220; oder gar die &#8222;deutsche Kultur&#8220;\u00a0\u2013 dies zuweilen von einer Seite, die Homosexuelle am liebsten in Umerziehungslager stecken w\u00fcrde. Die Ungereimtheiten, die man in \u00e4hnlicher Auspr\u00e4gung bereits von anderen F\u00e4llen kennt, hinterfragt keiner.<\/p>\n<p><strong>Todessch\u00fcsse statt Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p>Ein R\u00e4tsel dr\u00e4ngt sich besonders auf: Warum hat das Sondereinsatzkommando der Polizei, bewaffnet bis an die Z\u00e4hne und in voller Montur, den Tatverd\u00e4chtigen Abdul\u00a0B. erschossen und sich so des wichtigsten Zeugen entledigt? Weil er mit einem Messer auf sie losgegangen sei? Klar, das ist nat\u00fcrlich kein Spielzeug, sondern eine potenziell t\u00f6dliche Waffe.<\/p>\n<p>Vor Ort war aber keine \u00fcberraschte Polizeistreife, sondern eine Truppe der deutschen Elitepolizei, ausger\u00fcstet mit Waffen, Schilden und Schutzkleidung. Die hatte \u00fcber Stunden die Gartenlaube in Berlin-Spandau observiert, in der sich der 21-j\u00e4hrige Tatverd\u00e4chtige verschanzt hatte\u00a0\u2013 f\u00fcr ein SEK-Kommando wohl gen\u00fcgend Zeit, den Zugriff recht pr\u00e4zise zu planen.<\/p>\n<p>Dieses eine mutma\u00dfliche Messer in der Hand des Verd\u00e4chtigen soll also die gesamte taktische Finesse der Eliteeinheit auf die Alternative einer t\u00f6dlichen Kugelsalve\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/csd-anschlag-in-berlin-tatverdaechtiger-in-spandauer-kleingarten-von-polizei-erschossen-a-82147d84-9e5f-4a15-8ee0-391f42b65043\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zeugen sprachen von sechs bis neun Sch\u00fcssen<\/a>\u00a0\u2013 reduziert haben? Ein Schuss ins Bein oder den Arm h\u00e4tte es nicht getan? B. war ja nicht nur tatverd\u00e4chtig, sondern auch derjenige, der sich zu seinen Motiven, Kontakten und m\u00f6glichen Helfern h\u00e4tte \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wieder mal &#8222;missgl\u00fcckte&#8220; \u00dcberwachung?<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber wird B. nichts mehr ausplaudern k\u00f6nnen. Und die \u00d6ffentlichkeit bekommt die praktische Kurzfassung vorgesetzt: Messer gezogen, erschossen, erledigt. Dabei stellen sich auch politische Fragen: Der wegen K\u00f6rperverletzung und Raubes vorbestrafte Tatverd\u00e4chtige stand n\u00e4mlich unter Dauerbewachung.<\/p>\n<p>Im Mai dieses Jahres wurde er zu einer 22-monatigen Jugendstrafe verurteilt worden, unter anderem wegen des Vorwurfs der &#8222;Vorbereitung einer schweren, staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat&#8220;. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sah als erwiesen an, dass B. sich in der zweiten H\u00e4lfte des vergangenen Jahres dem &#8222;Islamischen Staat&#8220; in Syrien hatte anschlie\u00dfen wollen.<\/p>\n<p>Von November bis Mai sa\u00df er deshalb in Untersuchungshaft, kam aber nach dem Urteil trotzdem frei. Denn das Gericht \u00fcberlegte, die Jugendstrafe zur Bew\u00e4hrung auszusetzen, w\u00e4hrend die Generalstaatsanwaltschaft Berufung eingelegt und eine l\u00e4ngere Haftstrafe gefordert hatte.<\/p>\n<p>Erst Anfang dieses Monats durchsuchte die Polizei die Wohnung des Tatverd\u00e4chtigen. Laut Staatsanwaltschaft bestand der Verdacht auf Versto\u00df gegen das Waffengesetz. Angeblich sei dabei nur eine &#8222;Spielzeugwaffe&#8220; gefunden worden. Kurzum: B. stand im Fokus der deutschen Beh\u00f6rden, \u00e4hnlich \u00fcbrigens wie beispielsweise der Angreifer auf den Berliner Weihnachtsmarkt namens Anis Amri, der Ende\u00a02016, wenige Tage nach der Tat auf der Flucht, ebenfalls erschossen worden war.<\/p>\n<p><strong>N\u00fctzlich f\u00fcr die Wahlen?<\/strong><\/p>\n<p>Und dann ist da noch der Zeitpunkt des Anschlags: In knapp acht Wochen, am 20.\u00a0September, steht die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus an. Am selben Tag soll Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag w\u00e4hlen, Sachsen-Anhalt bereits zwei Wochen zuvor. Und in Niedersachsen stehen am 13.\u00a0September Kommunalwahlen an.<\/p>\n<p>Ein etwaiger Zusammenhang mit diesen Terminen ist nat\u00fcrlich reine Spekulation. Auff\u00e4llig ist die zeitliche N\u00e4he dennoch: Amri war seinerzeit etwa neun Monate vor der anstehenden Bundestagswahl\u00a02017 in den Berliner Weihnachtsmarkt gefahren, wobei 13 Menschen get\u00f6tet und knapp 70 weitere teils schwer verletzt worden waren. Der T\u00e4ter hatte wie B. unter Beobachtung gestanden. In Magdeburg raste Taleb A. zwei Monate vor der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar\u00a02025 in den dortigen Weihnachtsmarkt, t\u00f6tete sechs Personen, darunter ein Kind, und verletzte mehr als 300 Menschen. Auch er war den Beh\u00f6rden bekannt.<\/p>\n<p>Dass die Universit\u00e4t Frankfurt am Main erst k\u00fcrzlich herausgefunden hat, <a href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/de\/newsroom\/meldungen\/webexklusiv\/wie-sich-terroranschlaege-auf-den-wahlerfolg-der-afd-auswirken\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dass Terroranschl\u00e4ge die Wahlergebnisse massiv beeinflussen<\/a>,\u00a0ist nun wirklich nicht verwunderlich. Und dass Geheimdienste nicht immer das Wohl der Bev\u00f6lkerung im Sinn haben, sollte man sp\u00e4testens seit dem NSU-Komplex auf dem Schirm haben, denn immerhin gilt als erwiesen, dass V-Mann-F\u00fchrer Andreas Temme bei einem der Morde in einem Internetcaf\u00e9 anwesend war\u00a0\u2013 neben vielen anderen &#8222;Missgeschicken&#8220;.<\/p>\n<p>Man kann auf jeden Fall am Interesse des deutschen Staates zweifeln, bestimmte Verbrechen aufzukl\u00e4ren\u00a0\u2013 vielleicht nur, um eigenes Fehlverhalten zu verschleiern, m\u00f6glicherweise sogar, weil sie ihm zeitlich und politisch gerade gelegen kommen. Die Verwaltung eines Herrschaftssystems ist nun mal kein Job f\u00fcr sanftm\u00fctige Menschenrechtsfreunde, vor allem dann nicht, wenn man gerade neoliberalen Kahlschlag gegen die Interessen von 90\u00a0Prozent der Bev\u00f6lkerung durchboxt.<\/p>\n<p>Alle Politiker, die den deutschen Kapitalstandort gerade verwalten oder danach streben, h\u00e4tten besser einfach geschwiegen zu diesem neuen Anschlag. Ihnen geht es nicht um die Opfer, nicht um Aufkl\u00e4rung, nicht um Deutschland (wovon die allermeisten Einwohner sowieso nichts besitzen), auch nicht um Rechte f\u00fcr irgendwen und schon gar nicht um die Sicherheit irgendwelcher Minderheiten.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte da mal ein paar Fragen:<\/p>\n<p>Also, das SEK erschie\u00dft den CSD-Tatverd\u00e4chtigen bei der Festnahme in letzter Not\u00a0&#8230;<\/p>\n<p>Stundenlange Observation, massive \u00dcbermacht, volle Ausr\u00fcstung\u00a0\u2013 und am Ende trotzdem ein toter Verd\u00e4chtiger? Ist das der neue Status quo deutscher Spezialeinheiten? Ein Spezialeinsatzkommando observiert \u00fcber Stunden eine Gartenlaube in Berlin-Spandau, plant den Zugriff, bestimmt Zeitpunkt und Vorgehen und r\u00fcckt schlie\u00dflich mit jener personellen und technischen \u00dcberlegenheit an, die f\u00fcr besonders gef\u00e4hrliche Lagen vorgesehen ist.<\/p>\n<p>Dann soll der 21-j\u00e4hrige B. mit seinem scharfen Messer auf die Einsatzkr\u00e4fte losgegangen sein, woraufhin Sch\u00fcsse fallen und der wichtigste Tatverd\u00e4chtige stirbt. Und da soll man ernsthaft keine Fragen stellen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein Messer kein Spielzeug, und nat\u00fcrlich kann ein Angreifer damit binnen Sekunden t\u00f6ten. Aber wir sprechen hier eben auch nicht von zwei \u00fcberraschten Streifenbeamten in einem dunklen Hausflur, sondern von gut ausgebildeten, schwer gesch\u00fctzten und zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegenen Spezialkr\u00e4ften, die sich stundenlang auf genau diesen Zugriff vorbereiten konnten.<\/p>\n<p>Und dann soll dieses eine Messer die gesamte taktische Kunst deutscher Elitepolizei augenblicklich auf die schlichte Alternative reduziert haben: entweder wir oder er? Schilde, Distanz, Blendmittel, Zugriffsteams, Schutzkleidung, pr\u00e4zise Planung\u00a0\u2013 offenbar alles eindrucksvolles Zubeh\u00f6r, solange kein 21-J\u00e4hriger mit einem Messer auftaucht. Dann wird aus der Spezialeinheit binnen Sekunden eine Gruppe, der angeblich nur noch der t\u00f6dliche Schuss bleibt.<\/p>\n<p>Vielleicht war es ja tats\u00e4chlich so. Vielleicht war die Gefahr unmittelbar, die Entfernung gering und jede andere Reaktion zu langsam. Nur m\u00fcsste genau das l\u00fcckenlos belegt werden, statt der \u00d6ffentlichkeit die praktische Kurzfassung &#8222;Messer gezogen, geschossen, erledigt&#8220; vorzusetzen.<\/p>\n<p>Denn mit B. starb nicht nur ein Tatverd\u00e4chtiger, sondern auch derjenige, der zu Motiven, Kontakten, m\u00f6glichen Helfern, beh\u00f6rdlichen Erkenntnissen und \u00fcbersehenen Warnzeichen h\u00e4tte ausplaudern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und dann dr\u00e4ngt sich jene ausdr\u00fccklich unbelegte Verschw\u00f6rungstheorie auf, die man eigentlich gar nicht denken m\u00f6chte: War ein toter Verd\u00e4chtiger am Ende wom\u00f6glich bequemer als ein lebender, der h\u00e4tte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, was Beh\u00f6rden wussten, was sie \u00fcbersahen und wer politisch unangenehme Fragen h\u00e4tte beantworten m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es nat\u00fcrlich keinen Beleg. Aber wer solche Spekulationen aus der Welt schaffen will, muss mehr liefern als Floskeln.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df war die Entfernung? Wie viele Sch\u00fcsse fielen? Welche nicht t\u00f6dlichen Mittel standen bereit? Gab es Aufnahmen? Und weshalb konnte ein stundenlang vorbereiteter SEK-Zugriff nur mit dem Tod des Gesuchten enden? Ist das wirklich der Status quo?<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/kurzclips\/video\/287012-mutmasslicher-csd-attentaeter-tot-video\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mutma\u00dflicher CSD-Attent\u00e4ter tot \u2013 Video soll SEK-Zugriff zeigen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b55ki\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexandra Nollok Der blutige Anschlag auf die CSD-Parade am Samstag im Berliner Tiergarten f\u00fcllt noch immer die Schlagzeilen. 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