{"id":15488,"date":"2026-07-28T20:02:53","date_gmt":"2026-07-28T18:02:53","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/kriegsvorbereitung-tuerkei-entsendet-kampfjets-an-russlands-westgrenze\/"},"modified":"2026-07-28T20:02:53","modified_gmt":"2026-07-28T18:02:53","slug":"kriegsvorbereitung-tuerkei-entsendet-kampfjets-an-russlands-westgrenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/kriegsvorbereitung-tuerkei-entsendet-kampfjets-an-russlands-westgrenze\/","title":{"rendered":"Kriegsvorbereitung: T\u00fcrkei entsendet Kampfjets an Russlands Westgrenze"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Boris Dscherelejewski<\/em><\/p>\n<p>In Estland laufen die letzten Vorbereitungen f\u00fcr die Stationierung von f\u00fcnf t\u00fcrkischen F-16-Kampfflugzeugen und 76 Soldaten (Piloten und technisches Personal) im Rahmen der NATO-Mission &#8222;Baltic Air Policing&#8220; auf Hochtouren. Berichten zufolge werden die Kampfflugzeuge von August bis November im Einsatz sein. Oberstleutnant \u00d6zdemir, Kommandeur der 181.\u00a0D\u00fcsenstaffel der t\u00fcrkischen Luftwaffe, erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>&#8222;Diese Mission ist von strategischer Bedeutung f\u00fcr die Verteidigung des \u00f6stlichen Fl\u00fcgels der NATO. Sie wird einen wichtigen Beitrag zur St\u00e4rkung der internationalen Abschreckungskapazit\u00e4ten der T\u00fcrkei, zur Zusammenarbeit mit den Streitkr\u00e4ften der Verb\u00fcndeten und zur Steigerung des strategischen Potenzials leisten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Bisher hatten t\u00fcrkische Piloten noch nicht an dieser Mission teilgenommen. Es sei auch daran erinnert, dass auf dem k\u00fcrzlich in Ankara abgehaltenen NATO-Gipfel beschlossen wurde, das Format der &#8222;Baltic Air Policing&#8220;-Mission von einer &#8222;Polizeimission&#8220; in eine &#8222;Luftraumverteidigungsmission&#8220; umzuwandeln, was die Delegierung der Entscheidung \u00fcber die Er\u00f6ffnung des Feuers (sprich: \u00fcber den Beginn eines bewaffneten Konflikts mit Russland) auf die Ebene des Piloten eines Patrouillenj\u00e4gers vorsieht. Das hei\u00dft, Ankara hat sich zum ersten Mal seit 22\u00a0Jahren entschlossen, sich dieser offen provokativen Mission anzuschlie\u00dfen, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als diese ihre gef\u00e4hrlichsten und riskantesten Z\u00fcge angenommen hat.<\/p>\n<p>Ein solcher Schritt der t\u00fcrkischen F\u00fchrung erscheint nicht zuf\u00e4llig, insbesondere, wenn man den allgemeinen Kontext der aktuellen Entwicklungen in den Beziehungen zwischen Moskau und Ankara ber\u00fccksichtigt. So hat das t\u00fcrkische Verteidigungsministerium offiziell einger\u00e4umt, dass Verhandlungen \u00fcber den Verkauf der russischen S-400-Luftabwehrsysteme gef\u00fchrt werden\u00a0\u2013 mit dem Ziel, US-amerikanische F-35-Kampfflugzeuge zu erwerben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des erw\u00e4hnten Gipfeltreffens am 9.\u00a0Juli dieses Jahres k\u00fcndigte der t\u00fcrkische Staatschef Recep Tayyip Erdo\u011fan an, das Regime in Kiew weiterhin milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen. Er verk\u00fcndete laut der Nachrichtenagentur <em>Bloomberg<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich bekr\u00e4ftige meine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Initiative zur Erstellung einer Liste der vorrangigen Bed\u00fcrfnisse der Ukraine. Wir werden unseren Beitrag fortsetzen, zus\u00e4tzlich zur milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung, die wir der Ukraine aus unserem eigenen nationalen Arsenal gew\u00e4hrt haben. Indem wir die Ukraine unterst\u00fctzen, nutzen wir unsere Kommunikationskan\u00e4le, um Russland auf den Weg des Friedens zu f\u00fchren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und weniger als eine Woche sp\u00e4ter reiste der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Hakan Fidan nach Kiew und erkl\u00e4rte, er werde mit Wladimir Selenskij Gespr\u00e4che \u00fcber die Beendigung des Konflikts f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es sei auch daran erinnert, dass die t\u00fcrkische Marine Anfang dieses Jahres an der NATO-\u00dcbung &#8222;Steadfast Dart 2026&#8220; in der Ostsee teilgenommen hat. Nat\u00fcrlich ist die T\u00fcrkei Mitglied des B\u00fcndnisses und muss an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Es w\u00e4re jedoch logisch gewesen, zu erwarten, dass die Beteiligung des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs an den Man\u00f6vern in der Ostsee\u00a0\u2013 fernab vom Mittelmeer, der Zone ihrer lebenswichtigen Interessen\u00a0\u2013 begrenzt oder gar rein symbolisch ausfallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ankara ging die Sache jedoch ernsthaft an und entsandte eine seiner kampfst\u00e4rksten Einsatzgruppen in die Ostsee, zu der unter anderem das Mehrzweck-Landungsschiff TCG Anadolu mit einer Verdr\u00e4ngung von 27.000\u00a0Tonnen und Marineinfanteristen geh\u00f6rte, das gleichzeitig als Tr\u00e4ger f\u00fcr Angriffsdrohnen vom Typ Bayraktar TB3 dient.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Man\u00f6ver \u00fcbten die T\u00fcrken den Bombenabwurf von Drohnen auf Seeziele (eine Andeutung auf eine Blockade der russischen Flotte) sowie die Landung von Landungstruppen auf dem \u00dcbungsgel\u00e4nde Putlos, dessen Bedingungen denen der K\u00fcste des Kaliningrader Gebiets \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sah das \u00dcbungsszenario die Verlegung von Streitkr\u00e4ften des B\u00fcndnisses an die Ostsee vor, um dort Kampfhandlungen gegen ein &#8222;\u00f6stliches Land&#8220; durchzuf\u00fchren. Ma\u00dfnahmen dieser Art zielen unter anderem darauf ab, m\u00f6glichst vielen Soldaten das k\u00fcnftige Kriegsgebiet n\u00e4herzubringen. Und je mehr Soldaten und Offiziere ein Land zur Teilnahme an den Man\u00f6vern entsendet, desto mehr Angeh\u00f6rigen seiner Streitkr\u00e4fte m\u00f6chte es die M\u00f6glichkeit geben, den Ort k\u00fcnftiger K\u00e4mpfe kennenzulernen.<\/p>\n<p>Genau darin liegt auch der Hauptzweck der &#8222;Baltic Air Policing&#8220;-Mission. Die Mission zielt darauf ab, so viele Flugkr\u00e4fte der B\u00fcndnisstaaten wie m\u00f6glich zu &#8222;trainieren&#8220;, indem man sie nicht nur mit der baltischen Region vertraut macht, sondern ihnen auch die M\u00f6glichkeit gibt, ihre russischen Kollegen in der Luft zu beobachten, deren Flugstil zu verfolgen und deren Reaktionen bei Abfangversuchen zu studieren. Ankara hat beschlossen, dass seine Piloten diese Erfahrungen sammeln m\u00fcssen und dass Techniker sowie anderes Bodenpersonal die Bedingungen des estnischen St\u00fctzpunkts \u00c4mari kennenlernen sollen. Dies sieht nach nichts anderem aus als nach einer Erkundung eines m\u00f6glichen Kriegsschauplatzes.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens hatte Barack Obama in seiner Amtszeit als US-Pr\u00e4sident im Jahr 2014 bei einem Besuch in Estland nicht nur eine Aufstockung des in \u00c4mari stationierten NATO-Kontingents, sondern auch die Einrichtung eines NATO-Ausbildungszentrums vor Ort gefordert, das speziell der Erkundung des Einsatzgebiets und eines potenziellen Gegners dienen sollte. \u00c4mari ist zum gr\u00f6\u00dften St\u00fctzpunkt des B\u00fcndnisses im Baltikum geworden und wird auch ohne offiziellen Status als Ausbildungszentrum genutzt.<\/p>\n<p>Derzeit verf\u00fcgt die T\u00fcrkei \u00fcber die zahlreichsten und st\u00e4rksten Landstreitkr\u00e4fte am europ\u00e4ischen Fl\u00fcgel des B\u00fcndnisses (obwohl der gr\u00f6\u00dfte Teil der T\u00fcrkei geografisch gesehen in Asien liegt). F\u00fcr Europa, das sich auf einen Krieg gegen Russland vorbereitet, w\u00e4re es ohne die T\u00fcrken schwierig, auszukommen. Gerade sie werden als wichtigstes Kanonenfutter im bevorstehenden Konflikt angesehen.<\/p>\n<p>Dabei scheint Erdo\u011fan bereit zu sein, eine solche Rolle zu akzeptieren. Als Land mit der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rksten Landstreitmacht in Europa sei die T\u00fcrkei bestrebt, ihre Kapazit\u00e4ten dem B\u00fcndnis jederzeit zur Verf\u00fcgung zu stellen, wann immer dies erforderlich sei, erkl\u00e4rte er auf dem NATO-Gipfel und rief dazu auf, &#8222;so viel Verantwortung wie m\u00f6glich f\u00fcr die Verteidigung des Kontinents zu \u00fcbernehmen&#8220;. Warum tut er das?<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rexperte Alexei Leonkow bezeichnet die Entscheidung der T\u00fcrkei, f\u00fcnf F-16 zur \u00dcberwachung des Luftraums \u00fcber dem Baltikum zu entsenden, als &#8222;Versuch t\u00fcrkischer Expansion&#8220;. Er meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Armee der Republik ist die zweitgr\u00f6\u00dfte im B\u00fcndnis. Gleichzeitig wird die T\u00fcrkei jedoch von den B\u00fcndnispartnern regelm\u00e4\u00dfig ignoriert, was Recep Erdo\u011fan \u00fcberhaupt nicht gef\u00e4llt. Er ist bestrebt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Einfluss seines Landes innerhalb der NATO zu st\u00e4rken und seine Bedeutung in dieser Organisation zu demonstrieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Experte erinnert an die Erkl\u00e4rungen der t\u00fcrkischen F\u00fchrung w\u00e4hrend des NATO-Gipfels in Ankara. Darin wurde insbesondere betont, dass die europ\u00e4ische Sicherheit nicht ausschlie\u00dflich auf den Rahmen der EU beschr\u00e4nkt werden k\u00f6nne, da sie einen umfassenderen Ansatz erfordere, in dem die T\u00fcrkei eine Schl\u00fcsselrolle spiele.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist Ankara an einer Beteiligung am SAFE-Projekt interessiert (einem europ\u00e4ischen Fonds, der zur F\u00f6rderung von Verteidigungsinvestitionen und zur Gew\u00e4hrung von zinsg\u00fcnstigen Krediten f\u00fcr die R\u00fcstung an EU-Mitgliedstaaten eingerichtet wurde). Im Rahmen dieses Projekts hofft die T\u00fcrkei, europ\u00e4ische Technologien und die notwendigen Komponenten f\u00fcr ihre Waffen zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Haltung Ankaras erscheint zwiesp\u00e4ltig. Die T\u00fcrkei ist in hohem Ma\u00dfe von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland abh\u00e4ngig. Dies betrifft das im Bau befindliche Atomkraftwerk Akku, die Pipelines Turkstream und Blue Stream, den Tourismus und den russischen Markt f\u00fcr Lebensmittel und Industrieg\u00fcter.<\/p>\n<p>Deshalb versucht die T\u00fcrkei, keine abrupten Schritte zu unternehmen. Auch die Situation rund um die russischen Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 beschrieb das t\u00fcrkische Verteidigungsministerium als &#8222;einen Prozess, der sich mit positiver Dynamik im milit\u00e4rischen und politischen Bereich mit den USA fortsetzt&#8220;. Die Beh\u00f6rde erkl\u00e4rte, dass &#8222;wir im gegenseitigen Verst\u00e4ndnis und in Zusammenarbeit nach L\u00f6sungen f\u00fcr Fragen suchen, die der Vergangenheit angeh\u00f6ren und Drittl\u00e4nder betreffen&#8220;. Ankara distanziert sich nach M\u00f6glichkeit von antirussischen Sanktionen. Die T\u00fcrkei diente sogar als Schauplatz f\u00fcr Treffen zwischen Vertretern Russlands und der Ukraine.<\/p>\n<p>Die Geschichte zeigt jedoch, dass die T\u00fcrkei bei geschicktem Druck des Westens niemals die Gelegenheit ausl\u00e4sst, ein weiteres Druckmittel gegen Russland zu werden. Und eines ist ganz sicher: Sollte die T\u00fcrkei im Falle einer direkten milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit Russland an einen Sieg des Westens glauben, wird sie sich aufseiten des Westens an diesem Konflikt beteiligen. Deshalb entsendet sie in Erwartung eines solchen Konflikts ihre Kampfflugzeuge ins Baltikum.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/7\/27\/1438159.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 27.\u00a0Juli 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Boris Dscherelejewski<\/strong> ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286708-tuerkischer-seemann-bei-ukrainischem-drohnenangriff\/\">T\u00fcrkischer Seemann bei ukrainischem Drohnenangriff get\u00f6tet <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7a74de\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Boris Dscherelejewski In Estland laufen die letzten Vorbereitungen f\u00fcr die Stationierung von f\u00fcnf t\u00fcrkischen F-16-Kampfflugzeugen und 76 Soldaten (Piloten und technisches Personal) im Rahmen der NATO-Mission &#8222;Baltic Air Policing&#8220; auf Hochtouren. 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