{"id":16043,"date":"2026-08-01T16:03:06","date_gmt":"2026-08-01T14:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/warum-trump-im-iran-konflikt-feststeckt\/"},"modified":"2026-08-01T16:03:06","modified_gmt":"2026-08-01T14:03:06","slug":"warum-trump-im-iran-konflikt-feststeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/warum-trump-im-iran-konflikt-feststeckt\/","title":{"rendered":"Warum Trump im Iran-Konflikt feststeckt"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Geworg Mirsajan<\/em><\/p>\n<p>Seit Monaten schon sucht US-Pr\u00e4sident Donald Trump nach einem Ausweg aus der Iran-Sackgasse. Er unterzeichnet ein Memorandum nach dem anderen, gibt scharfe Erkl\u00e4rungen ab, ruft Waffenruhen aus und l\u00e4sst kurz darauf wieder massive Bombardierungen folgen. Er schimpft auf die Europ\u00e4er, weil von ihnen keine Unterst\u00fctzung kommt.<\/p>\n<p>Manchen Experten erscheint dieses Verhalten widerspr\u00fcchlich. Warum sollte man Europa Vorw\u00fcrfe machen, wenn es doch gar nicht Europas Krieg ist? Warum sollte man von Teheran eine Denuklearisierung fordern, wenn ohnehin klar ist, dass es nicht gelingen wird, den Iranern ihr Atomprogramm zu nehmen \u2013 zumal Teheran im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags durchaus ein Recht darauf hat?<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich die wichtigste Frage: Wenn Trump keinen gro\u00df angelegten Krieg riskieren will (f\u00fcr den ihm weder die Kr\u00e4fte noch das politische Kapital noch letztlich die Zeit zur Verf\u00fcgung stehen), warum beendet er dann nicht einfach die Kampfhandlungen, ganz ohne irgendwelche Deals oder Abkommen? Zumal die Iraner bereits zu verstehen gegeben haben: Wenn die USA aufh\u00f6ren, sie anzugreifen, werden auch die Iraner aufh\u00f6ren, US-St\u00fctzpunkte im Persischen Golf zu beschie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ja, das w\u00e4re eine dem\u00fctigende Niederlage \u2013 aber wohl kaum dem\u00fctigender als nach dem Afghanistan-Krieg, geschweige denn nach dem Vietnamkrieg. Ja, die USA w\u00fcrden f\u00fcr die Monarchien des Nahen Ostens als Verb\u00fcndeter an Bedeutung verlieren \u2013 aber selbst dann w\u00fcrden sie keine Alternativen suchen. Ja, Iran w\u00fcrde sein Atomprogramm beibehalten \u2013 aber das w\u00fcrde er ohnehin tun. Ja, dieser R\u00fcckzug w\u00fcrde Trump in den Umfragen schaden \u2013 doch wenn es dem US-Pr\u00e4sidenten beispielsweise gelingen sollte, bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress Kuba zu erobern, k\u00f6nnte er s\u00e4mtliche Verluste wieder wettmachen. Denn f\u00fcr die US-Bev\u00f6lkerung w\u00e4re die Einnahme der &#8222;Freiheitsinsel&#8220; weitaus wichtiger als irgendwelche &#8222;Milit\u00e4rgeschichten&#8220; aus dem Nahen Osten.<\/p>\n<p>Diesen Pragmatismus weist Trump jedoch zur\u00fcck. Nicht, weil er dumm oder stur ist, sondern weil in der Iran-Kampagne derzeit weit mehr auf dem Spiel steht als sein pers\u00f6nliches Ansehen oder gar das iranische Atomprogramm. Auf dem Spiel steht n\u00e4mlich die gesamte westzentrierte Weltordnung \u2013 und Iran schl\u00e4gt gerade den dritten &#8222;Nagel&#8220; in deren &#8222;Sargdeckel&#8220;, nachdem Russland bereits zwei eingeschlagen hat.<\/p>\n<p>Als der Kollektive Westen 2014 und dann erneut 2022 mit antirussischen Sanktionen &#8222;explodierte&#8220; \u2013 bis hin zum Versuch, Russland und die Russen einfach zu &#8222;canceln&#8220; \u2013, geschah dies nicht aus gro\u00dfer Liebe zur Ukraine. Und auch nicht so sehr aufgrund einer tiefsitzenden Russophobie. Die westlichen L\u00e4nder handelten aus vollkommen n\u00fcchternem Kalk\u00fcl. Ihre Politiker und Experten machten keinen Hehl daraus, Russland daf\u00fcr bestrafen zu wollen, dass es sich demonstrativ weigerte, die westlichen Regeln einzuhalten \u2013 daf\u00fcr, dass Moskau nicht nur seine nationalen Interessen \u00fcber die &#8222;internationalen Regeln&#8220; stellte, sondern diese Interessen auch noch mit Gewalt verteidigte.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend der milit\u00e4rische Einsatz Russlands im Jahr 2008 im Gro\u00dfen und Ganzen noch folgenlos blieb \u2013 damals musste der Westen sogar \u00f6ffentlich einr\u00e4umen, dass der Ex-Pr\u00e4sident Georgiens Michail Saakaschwili als Erster S\u00fcdossetien und die russischen Friedenstruppen angegriffen hatte \u2013, wurden die Ereignisse nach dem &#8222;Maidan&#8220; in der Ukraine und erst recht der Beginn der milit\u00e4rischen Sonderoperation genau als direkter milit\u00e4rischer Angriff auf die gesamte westliche Welt wahrgenommen. Eine solche Herausforderung, so die Logik, k\u00f6nnten auch andere Gro\u00dfm\u00e4chte wiederholen, wenn man sie unbeantwortet und unbestraft lie\u00dfe \u2013 vor allem China. Schlie\u00dflich habe Peking gen\u00fcgend Territorialstreitigkeiten mit amerikanischen Verb\u00fcndeten und dazu eine ganze separatistische Provinz: Taiwan.<\/p>\n<p>Die Bestrafung Russlands ist jedoch misslungen. Die Sanktionen konnten die milit\u00e4rische Sonderoperation nicht stoppen, ebenso wenig wie die westliche Hilfe dem Kiewer Regime zum Erfolg verhalf. Dabei beruhigten sich US-Strategen damit, dass erstens die Ma\u00dfnahmen gegen die russische Wirtschaft all jene abschrecken w\u00fcrden, die versucht sein k\u00f6nnten, Russlands Weg zu folgen, und zweitens Russland immerhin eine Supermacht mit enormer Widerstandsf\u00e4higkeit sei, die den Konflikt notfalls in eine nukleare Dimension eskalieren lassen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Nun stellt sich jedoch heraus, dass Iran den neuen, dritten \u2013 nach 2014 und 2022 \u2013 &#8222;Nagel&#8220; in den &#8222;Sarg&#8220; der US-Weltordnung schl\u00e4gt. Dabei handelt es sich aber um eine Regionalmacht, die nicht \u00fcber Atomwaffen verf\u00fcgt. Inspiriert vom russischen Beispiel und unter Berufung auf das Prinzip der Selbstverteidigung taten die Iraner das, wozu Russland aus objektiven und humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden nicht bereit war.<\/p>\n<p>Insbesondere richteten sie eine Reihe von Angriffen gegen L\u00e4nder der Region, deren Infrastruktur die USA f\u00fcr Angriffe auf Iran nutzen \u2013 wobei sich die Iraner zunutze machten, dass diese L\u00e4nder nicht der NATO angeh\u00f6ren. Jetzt sehen sich die USA mit der Situation konfrontiert, dass die Staaten,\u00a0deren Schutz sie nominell garantieren, diese Angriffe den USA anlasten \u2013 und nicht bereit sind, milit\u00e4risch gegen Iran vorzugehen. Das hei\u00dft, sie weigern sich, &#8222;den Aggressor kollektiv zu bestrafen&#8220;.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus machte sich Iran das zunutze, was Russland seit fast 1.000 Jahren (seit der Zeit der Kreuzz\u00fcge und dem Bedeutungsverlust der Route &#8222;von den War\u00e4gern zu den Griechen&#8220;) fehlt \u2013 die N\u00e4he zu den beiden gr\u00f6\u00dften Verkehrsadern der weltweiten Schifffahrt. Dies sind die Handelsroute &#8222;von den Europ\u00e4ern zu den Asiaten&#8220; (\u00fcber den Suezkanal und die Meerenge von Bab al-Mandab) sowie die Stra\u00dfe von Hormus, \u00fcber die der L\u00f6wenanteil des Nahost-\u00d6ls auf den Weltmarkt gelangt. Die Stra\u00dfe von Hormus wurde von Teheran faktisch blockiert (wobei Teheran ank\u00fcndigte, dass es auch nach der Aufhebung der Blockade Geb\u00fchren f\u00fcr die Durchfahrt von Schiffen durch den Teil der Meerenge erheben werde, den es als seine Hoheitsgew\u00e4sser betrachtet \u2013 auch wenn das internationale Seerecht dies anders sieht). Zugleich drohte Teheran damit, auch die zweite Verkehrsader zu blockieren.<\/p>\n<p>Und wieder einmal befinden sich die USA in einer Situation, in der das Vorgehen Irans von den anderen L\u00e4ndern als Selbstverst\u00e4ndlichkeit hingenommen wird. Zwar mit Kritik und Emp\u00f6rung \u2013 aber gleichzeitig mit v\u00f6lliger Unwilligkeit, etwas dagegen zu unternehmen. Selbst die Europ\u00e4er, die man als wichtigste Komplizen der USA in der westzentrierten Weltordnung ansehen k\u00f6nnte, halten sich heraus. Sie betrachten dies nicht als ihren Krieg. Entweder, weil sie am Beispiel Russlands von der Aussichtslosigkeit der Bestrafung derjenigen \u00fcberzeugt sind, die zu allem bereit sind, um ihre Souver\u00e4nit\u00e4t zu verteidigen, oder weil sie sich bereits damit abgefunden haben, dass der Prozess, der der westzentrierten Weltordnung den Todessto\u00df versetzt, nicht aufzuhalten ist.<\/p>\n<p>Die USA hingegen haben sich damit nicht abgefunden: Ja, Europa k\u00f6nne sich heraushalten und sich (im Falle eines Regierungswechsels) sogar an neue Formen der internationalen Beziehungen anpassen. Es habe seinen imperialen Geist l\u00e4ngst hinter sich gelassen und sich zu einer &#8222;Zivilisation des Sich-Anpassens&#8220; gewandelt.<\/p>\n<p>Amerika hingegen h\u00e4lt sich immer noch f\u00fcr ein Imperium, das seinen Status und seine &#8222;regelbasierte Ordnung&#8220; so lange wie m\u00f6glich bewahren muss. Es geht davon aus \u2013 und vielleicht zu Recht \u2013, dass, wenn der iranische &#8222;Nagel&#8220; nicht herausgezogen und abgebrochen werde, als N\u00e4chstes endlich der chinesische eingeschlagen werde. Gegen den man dann mit Sicherheit nichts mehr ausrichten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Deshalb sucht Trump nach einem Weg, sich mit den Iranern darauf zu einigen, dass sie diesen &#8222;Nagel&#8220; selbst herausziehen \u2013 dass sie wieder zur Einhaltung der Regeln zur\u00fcckkehren. Dabei geht es nicht darum, dass sie auf ihr Atomprogramm verzichten, sondern darum, dass sie die Stra\u00dfe von Hormus und die Monarchien des Nahen Ostens in Ruhe lassen.<\/p>\n<p>Nur zeigen die Iraner bisher keine Bereitschaft, Trump entgegenzukommen. Es macht ihnen Spa\u00df, die westzentrierte Welt zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und wer wollte ihnen daf\u00fcr Vorw\u00fcrfe machen?<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/7\/30\/1438553.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 30. Juli 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Geworg Mirsajan<\/strong> (geboren 1984 in Taschkent) ist au\u00dferordentlicher Professor an der Finanzuniversit\u00e4t der Regierung der Russischen F\u00f6deration, Politikwissenschaftler und eine Pers\u00f6nlichkeit des \u00f6ffentlichen Lebens. Er erwarb seinen Abschluss an der Staatlichen Universit\u00e4t des Kubangebiets und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Mirsajan war in der Zeit von 2005 bis 2016 Forscher am Institut f\u00fcr die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2012 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/280206-muss-brics-endlich-us-gefuehl\/\">Das US-Gef\u00fchl der Straflosigkeit &#8211; Muss BRICS es endlich zerschlagen? <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7batfi\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Geworg Mirsajan Seit Monaten schon sucht US-Pr\u00e4sident Donald Trump nach einem Ausweg aus der Iran-Sackgasse. 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