{"id":16136,"date":"2026-08-02T20:03:22","date_gmt":"2026-08-02T18:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/was-macht-die-nordostpassage-so-begehrt\/"},"modified":"2026-08-02T20:03:22","modified_gmt":"2026-08-02T18:03:22","slug":"was-macht-die-nordostpassage-so-begehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/was-macht-die-nordostpassage-so-begehrt\/","title":{"rendered":"Was macht die Nordostpassage so begehrt?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Russland nutzt die Nordostpassage zunehmend f\u00fcr den Export seines Erd\u00f6ls. Laut der Nachrichtenagentur <em>Bloomberg<\/em> sind Lieferungen \u00fcber die Nordostpassage in den warmen Sommermonaten zwar mittlerweile an der Tagesordnung, doch wurden die Fahrten in Richtung Norden in dieser Saison fr\u00fcher begonnen und werden umfangreicher ausfallen als in den Vorjahren.<\/p>\n<p>Sechs Schiffe, die in diesem Jahr eine derartige \u00dcberfahrt antreten, \u00fcbertreffen in dieser Hinsicht einen \u00d6ltanker, der im Juli letzten Jahres gen Norden gestartet war.<\/p>\n<p>Ein Tanker, die Bris (Briese), hat bereits mehr als die H\u00e4lfte der Strecke durch die Laptewsee entlang der russischen Arktisk\u00fcste zur\u00fcckgelegt. Er wird von einem atomgetriebenen Eisbrecher begleitet. F\u00fcnf weitere Tanker befinden sich im Hafen von Dikson, unweit der Eisfelder. Zwei Eisbrecher bahnen sich derzeit einen Weg durch das Eis. Diese Schiffe befinden sich etwa 1.000\u00a0Seemeilen \u00f6stlich von Murmansk und Primorsk, wo das Erd\u00f6l geladen wurde.<\/p>\n<p>Dabei erh\u00f6ht die Arktisroute zwar nicht das Gesamtvolumen der russischen Exporte, doch durch die k\u00fcrzeren Lieferzeiten k\u00f6nnen die Schiffe schneller zur\u00fcckkehren, um neue Ladungen aufzunehmen, wodurch mehr Schiffe f\u00fcr den \u00d6ltransport zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Dies trage auch dazu bei, Spannungen im Roten Meer zu vermeiden, wo die jemenitischen Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verh\u00e4ngt haben, so die Nachrichtenagentur. Im Ergebnis liegt der Roh\u00f6lexport aus Russland nun bereits die f\u00fcnfte Woche in Folge \u00fcber vier Millionen Barrel pro Tag. Laut <em>Bloomberg<\/em>-Sch\u00e4tzungen hat Russland im letzten Monat mit dem \u00d6lexport auf dem Seeweg 1,61\u00a0Milliarden US-Dollar pro Woche eingenommen. Igor Juschkow, leitender Analyst des Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Den Zahlen nach zu urteilen, handelt es sich hier ausschlie\u00dflich um Lieferungen von Roh\u00f6l ohne Gaskondensat und Erd\u00f6lprodukte. Denn Russland exportiert in der Regel etwa sieben Millionen Barrel pro Tag, und wenn man nur den Export von Roh\u00f6l betrachtet, ergibt sich genau diese Menge von vier Millionen Barrel pro Tag.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seinen Angaben zufolge kann von enormen Exportmengen \u00fcber die Nordostpassage keine Rede sein. Die Hauptmengen w\u00fcrden nach wie vor \u00fcber die H\u00e4fen der Ostsee und des Schwarzen Meeres abgewickelt. Der Experte betont:<\/p>\n<p><em>&#8222;Diese ganze Geschichte mit dem Roten Meer hat \u00fcberhaupt nichts mit uns zu tun, denn die jemenitischen Huthi blockieren den Transport russischen Erd\u00f6ls nicht. Selbst als sie das letzte Mal versuchten, das Rote Meer zu sperren, wurde ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rt, dass russische und chinesische Schiffe mit jeglicher Ladung ungehindert passieren d\u00fcrfen. Andere Schiffe haben sogar versucht, sich als unsere Schiffe auszugeben, damit man sie in Ruhe l\u00e4sst. Deshalb spielen die jemenitischen Huthi in dieser Angelegenheit mit dem arktischen Erd\u00f6l keinerlei Rolle.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Warum ist die Nordostpassage dann so beliebt geworden? Juschkow meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Hauptproblem dabei ist, dass die Ukraine im Schwarzen Meer Jagd auf unsere Tanker macht. Und f\u00fcr \u00d6ltanker, die aus der Ostsee kommen, gibt es eine weitere Bedrohung\u00a0\u2013 n\u00e4mlich die Europ\u00e4er, die regelrecht Piraterie betreiben und unsere Tanker im \u00c4rmelkanal blockieren und aufhalten. Aber es geht auch hier nicht darum, dass wir das Erd\u00f6l physisch nicht ausf\u00fchren k\u00f6nnen. Das ist nicht der Fall. Aber das wirkt sich auf die Fracht- und Versicherungskosten aus. Deshalb wird die Arktisroute aufgrund der wirtschaftlichen Risiken attraktiver.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seiner Meinung nach stamme der Gro\u00dfteil des Erd\u00f6ls, das \u00fcber die Nordostpassage transportiert wird, vom Warandei-Terminal der Firma Lukoil in der Barentssee. Juschkow sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich denke, man kann davon ausgehen, dass sich der Trend zu h\u00f6heren Transportvolumina auf der Nordostpassage im August, September und bis Mitte Oktober fortsetzen wird. Erstens ist dies der g\u00fcnstigste Zeitraum f\u00fcr die Durchfahrt durch den \u00f6stlichen Teil der Nordostpassage, da dann die Eisbelastung am geringsten ist. Zweitens machen teure Versicherungen und steigende Frachtkosten auf alternativen Routen die Nordostpassage wettbewerbsf\u00e4higer.<\/em><\/p>\n<p><em>Das hei\u00dft, es ist nicht so, dass die Nordostpassage irgendwie radikal besser geworden w\u00e4re als fr\u00fcher, vielmehr hat die Verschlechterung der Lage auf anderen Routen dazu beigetragen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Arktisroute sei deutlich k\u00fcrzer als die traditionellen Routen nach Asien, bemerkt Nikolai Dudtschenko, Analyst bei der Finanzgruppe Finam. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Auf der Strecke Murmansk\u2013Shanghai betr\u00e4gt die Entfernung \u00fcber die Nordostpassage beispielsweise etwa 7.300\u00a0Kilometer, w\u00e4hrend sie \u00fcber den Suezkanal mehr als 11.000\u00a0Kilometer betr\u00e4gt. Dementsprechend dauert die \u00dcberfahrt von Murmansk nach Shanghai etwa 18 Tage, w\u00e4hrend sie \u00fcber den Suezkanal 37\u00a0Tage in Anspruch nimmt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Hauptabnehmer sowohl der arktischen \u00d6lsorten als auch der Urals-Sorte, die \u00fcber die Nordostpassage geliefert werden, ist nat\u00fcrlich China.<\/p>\n<p>Allerdings gebe es nach wie vor keine ganzj\u00e4hrige Schifffahrt auf der Nordostpassage, weshalb die Kosten auf der arktischen Route mit Beginn des Winters steigen w\u00fcrden, bis sie irgendwann ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlieren, so Juschkow.<\/p>\n<p>Ein zentrales Problem sei derzeit der Mangel an Schiffen, f\u00fcgt Dudtschenko hinzu. In der Arktis-Direktion des russischen Staatskonzerns Rosatom wurde darauf hingewiesen, dass Russland zur Erreichung des Ziels eines Frachtumschlags von 100\u00a0Millionen Tonnen pro Jahr auf der Nordostpassage etwa 60 bis 100 Schiffe der Klasse Arc7 ben\u00f6tigen k\u00f6nnte. Juschkow fasst zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Eine radikale Ver\u00e4nderung des Verkehrsaufkommens auf der Nordostpassage wird es h\u00f6chstwahrscheinlich erst nach dem Start des Projekts Vostok Oil geben, das buchst\u00e4blich in der Mitte der Nordostpassage liegt. Von diesem Projekt aus wird auf jeden Fall Erd\u00f6l abtransportiert werden m\u00fcssen, und es spielt keine Rolle, ob nach Osten oder nach Westen. In jedem Fall wird dies als Transport \u00fcber die Nordostpassage gelten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/7\/30\/1438689.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 30.\u00a0 Juli 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7bajlc\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Russland nutzt die Nordostpassage zunehmend f\u00fcr den Export seines Erd\u00f6ls. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sind Lieferungen \u00fcber die Nordostpassage in den warmen Sommermonaten zwar mittlerweile an der Tagesordnung, doch wurden die Fahrten in Richtung Norden in dieser Saison fr\u00fcher begonnen und werden umfangreicher ausfallen als in den Vorjahren. 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