{"id":16293,"date":"2026-08-04T09:03:34","date_gmt":"2026-08-04T07:03:34","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/japan-und-suedkorea-bringen-gemeinsam-den-us-dollar-unter-druck\/"},"modified":"2026-08-04T09:03:34","modified_gmt":"2026-08-04T07:03:34","slug":"japan-und-suedkorea-bringen-gemeinsam-den-us-dollar-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/japan-und-suedkorea-bringen-gemeinsam-den-us-dollar-unter-druck\/","title":{"rendered":"Japan und S\u00fcdkorea bringen gemeinsam den US-Dollar unter Druck"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden Japans und S\u00fcdkoreas haben eine gemeinsame Intervention am Devisenmarkt durchgef\u00fchrt, um ihre Landesw\u00e4hrungen zu st\u00fctzen. Dieser Schritt ist ein seltenes und beispielloses Beispiel f\u00fcr koordiniertes Vorgehen, m\u00f6glicherweise unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, schreibt die Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em>.<\/p>\n<p>Der Kursanstieg des japanischen Yen gegen\u00fcber dem US-Dollar in der vergangenen Woche hatte Ger\u00fcchte \u00fcber neue Interventionen der japanischen Beh\u00f6rden ausgel\u00f6st. In nur 50 Minuten festigte sich der Kurs der japanischen W\u00e4hrung im Handel unerwartet von 162 auf 158 Yen pro US-Dollar. Dabei war \u00fcber viele Monate hinweg eine starke Abwertung des Yen zu beobachten, doch als sein Kurs den tiefsten Stand seit 40 Jahren erreichte, kam es in weniger als einer Stunde zu einer unerwarteten Trendwende und einer Aufwertung. Noah Baffem von CIBC Capital Markets schrieb damals, dass die Entwicklung des US-Dollar-Yen-Kurses klassische Anzeichen einer Intervention gezeigt habe. Und dies geschah nach einer Sitzung der US-Notenbank (Fed).<\/p>\n<p>Das enorme Volumen der Devisenzufl\u00fcsse hat die gro\u00dfen Akteure \u00fcberrascht und es erm\u00f6glicht, den Spekulanten einen schweren Schlag zu versetzen. Die Beh\u00f6rden greifen zu solchen Ma\u00dfnahmen, um die Wirtschaft vor einer \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Abwertung der Landesw\u00e4hrung zu sch\u00fctzen und Importe zu verbilligen. Nikolai Dudtschenko, Analyst bei der Finanzgruppe &#8222;Finam&#8220;, erkl\u00e4rt das Bestreben der japanischen Beh\u00f6rden, den Yen zu st\u00e4rken, wie folgt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Japan ist ein Nettoimporteur. Seine Exporte belaufen sich auf rund 10,9 Milliarden Yen, w\u00e4hrend die Importe bei etwa 11,3 Milliarden Yen liegen. Dabei entfallen nach Angaben f\u00fcr das Jahr 2025 rund 20 Prozent der Importe auf Energietr\u00e4ger. Unter den derzeitigen Bedingungen wirkt sich der schwache Yen ziemlich stark negativ auf die Importe aus, schm\u00e4lert die Kaufkraft der Bev\u00f6lkerung und verschlechtert die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wirtschaft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Gleichzeitig hat S\u00fcdkorea durch seine Interventionen zum Verkauf des US-Dollars die s\u00fcdkoreanische W\u00e4hrung Won um zwei Prozent gest\u00e4rkt. Die W\u00e4hrung erreichte damit den h\u00f6chsten Stand der letzten neun Monate.<\/p>\n<p>Die Interessen Japans und S\u00fcdkoreas stimmen \u00fcberein, weshalb ihr gemeinsamer Verkauf des US-Dollars dazu beitr\u00e4gt, den Effekt f\u00fcr ihre eigenen W\u00e4hrungen zu verst\u00e4rken. Dudtschenko sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;S\u00fcdkorea ist zwar ein Nettoexporteur, hat aber auch einen hohen Anteil an Energietr\u00e4gern in seiner Importstruktur. Die W\u00e4hrungen beider L\u00e4nder korrelieren recht stark miteinander, sodass sich eine Abschw\u00e4chung des Yen entsprechend auf die s\u00fcdkoreanische Landesw\u00e4hrung auswirkt. Infolgedessen waren die Interventionen f\u00fcr alle von Vorteil.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Japan und S\u00fcdkorea ihre Landesw\u00e4hrungen st\u00fctzen wollten, ist eine Abwertung des US-Dollars gegen\u00fcber diesen W\u00e4hrungen f\u00fcr die USA von Vorteil; daher geht Reuters davon aus, dass diese Interventionen mit Zustimmung Washingtons durchgef\u00fchrt wurden. Dudtschenko meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Je schw\u00e4cher der US-Dollarkurs ist, desto vorteilhafter ist dies f\u00fcr US-amerikanische Exporteure. Im Rahmen seiner protektionistischen Politik dr\u00e4ngt Donald Trump nicht ohne Grund auf eine Senkung des Leitzinses und damit auf eine Abschw\u00e4chung des US-Dollars. Dies k\u00f6nnte zu einem Umsatzwachstum der US-amerikanischen Unternehmen beitragen und die Produktion von Waren und Dienstleistungen f\u00fcr den weiteren Export ankurbeln.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Zudem bedeutet ein schwacher US-Dollar die M\u00f6glichkeit einer Abwertung der US-Staatsschulden \u2013 also eine Art Zahlungsausfall durch Inflation, f\u00fcgt der Experte hinzu. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Man darf nicht vergessen, dass gerade Japan der gr\u00f6\u00dfte Gl\u00e4ubiger der USA ist. Nach Sch\u00e4tzungen des US-Finanzministeriums hielt Japan im Mai Anleihen im Wert von \u00fcber einer Billion US-Dollar. Aus dieser Perspektive ist die Abschw\u00e4chung des US-Dollarkurses ebenfalls in gewissem Ma\u00dfe vorteilhaft.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die M\u00e4rkte f\u00fcr Staatsanleihen der USA und Japans sind miteinander verflochten. Sergei Klisenko, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Ratingagentur NRA, sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Problem der japanischen Staatsverschuldung spitzt sich zu: Die Renditen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige Staatsanleihen haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und n\u00e4hern sich nun fast drei Prozent pro Jahr. Dies ist ein Rekordniveau der letzten 30 Jahre.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass die Bedienung der Staatsschulden sehr teuer geworden ist. Klisenko merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Japan hat eine extrem hohe Staatsverschuldung im Verh\u00e4ltnis zum BIP von rund 250 Prozent, und der Anstieg der Renditen f\u00fcr Staatsanleihen \u00fcber drei Jahrzehnte hinweg von Werten nahe Null auf drei Prozent macht die Bedienung der Staatsschulden langfristig untragbar. Die Abwertung des Yen erfolgte parallel zu den Problemen mit der Staatsverschuldung, die durch die Nahostkrise versch\u00e4rft wurden und mit einem raschen R\u00fcckzug institutioneller Anleger vom japanischen Markt zugunsten der USA einhergingen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Um die Abwertung des Yen zu stoppen, f\u00fchrte Japan Devisenmarktinterventionen durch, indem es die Gold- und Devisenreserven des Landes verkaufte, von denen der gr\u00f6\u00dfte Teil in US-Staatsanleihen angelegt ist. Daher wirken sich diese Ma\u00dfnahmen direkt auf den Zustand der US-amerikanischen Staatsverschuldung aus. Und auch die USA haben gro\u00dfe Probleme mit ihrer Staatsverschuldung, da deren Bedienung zunimmt. Die Renditen zehnj\u00e4hriger US-Staatsanleihen n\u00e4hern sich bereits 4,8 Prozent \u2013 einem Niveau, das am Vorabend der globalen Kreditkrise 2008 zu beobachten war, bemerkt der Experte.<\/p>\n<p>Was S\u00fcdkorea und die USA betrifft, so zeichnen sich ihre Beziehungen durch eine starke Abh\u00e4ngigkeit der Entwicklung des s\u00fcdkoreanischen Aktienmarktes vom Hightech-Sektor des US-amerikanischen Marktes aus \u2013 von Unternehmen wie Google, Meta, Nvidia, Microsoft und anderen, die in gro\u00dfem Umfang Chips von den s\u00fcdkoreanischen Herstellern Samsung und SK Hynix kaufen, sagt Klisenko. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der s\u00fcdkoreanische Aktienmarkt war in den letzten Jahren stark mit den US-Big-Tech-Unternehmen verflochten. Der Einbruch des s\u00fcdkoreanischen Marktes um fast 50 Prozent in den letzten anderthalb Monaten vor dem Hintergrund wachsender Skepsis hinsichtlich der Rentabilit\u00e4t von Investitionen in KI k\u00f6nnte sich letztlich auf den US-Aktienmarkt auswirken, was dort bef\u00fcrchtet wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch in den USA ist eine starke Blase zu beobachten, und bereits mehr als 30 Prozent der Marktkapitalisierung des S&amp;P-500-Index konzentrieren sich auf nur sieben Unternehmen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Daher zielen die Interventionen S\u00fcdkoreas darauf ab, die Krisenerscheinungen einzud\u00e4mmen und die Panikverk\u00e4ufe auf dem s\u00fcdkoreanischen Markt abzuk\u00fchlen. Klisenko merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die USA hoffen auf eine Normalisierung der Lage in S\u00fcdkorea, damit das Problem letztendlich nicht auf sie selbst \u00fcbergreift.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ob es Japan und Korea gelingen wird, die Bedrohung f\u00fcr ihre Volkswirtschaften und f\u00fcr die USA einzud\u00e4mmen, ist bislang noch nicht ganz klar. Dudtschenko betont:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Wechselkurse der nationalen W\u00e4hrungen dieser L\u00e4nder sind gegen\u00fcber dem US-Dollar gestiegen. Dabei muss jedoch ber\u00fccksichtigt werden, dass die Wirkung solcher Ma\u00dfnahmen nur vor\u00fcbergehender Natur ist und in der Regel zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen erfordert \u2013 zum Beispiel eine \u00c4nderung des Leitzinsverlaufs.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das Problem werde lediglich f\u00fcr eine gewisse Zeit aufgeschoben, l\u00f6se aber nicht die fundamentalen Risiken, die mit der extrem hohen Schuldenlast nicht nur in Japan, sondern auch in den USA sowie mit der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen \u00dcberkauftheit des US-amerikanischen Aktienmarktes verbunden seien, sagt Klisenko. Er merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Abbauprozess am s\u00fcdkoreanischen Aktienmarkt hat bereits begonnen und birgt trotz der technischen Erholung am 31. Juli vor dem Hintergrund der Ank\u00fcndigung von St\u00fctzungsma\u00dfnahmen durch die s\u00fcdkoreanischen Beh\u00f6rden ernsthafte Risiken, dass er sich in den kommenden Monaten fortsetzen wird.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/8\/3\/1439194.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 3. August 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/287253-russland-in-kernwaffen-zange-nehmen-us-strategie-japan-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Washingtons Atomstrategie: Deutschland und Japan gegen Russland<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7bh9ws\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Die Beh\u00f6rden Japans und S\u00fcdkoreas haben eine gemeinsame Intervention am Devisenmarkt durchgef\u00fchrt, um ihre Landesw\u00e4hrungen zu st\u00fctzen. 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