{"id":16356,"date":"2026-08-04T14:02:04","date_gmt":"2026-08-04T12:02:04","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/die-rente-mit-63-ist-unsozial-und-kostet-alle-anderen-viel-geld-38056012-html\/"},"modified":"2026-08-04T14:02:04","modified_gmt":"2026-08-04T12:02:04","slug":"die-rente-mit-63-ist-unsozial-und-kostet-alle-anderen-viel-geld-38056012-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/die-rente-mit-63-ist-unsozial-und-kostet-alle-anderen-viel-geld-38056012-html\/","title":{"rendered":"Meinung: Rente mit 63: Die meckernden Ministerpr\u00e4sidenten sollten sich was sch\u00e4men"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Fr\u00fchrente mit 63 ohne Abschl\u00e4ge ist beliebt, gilt als gerecht, doch das ist sie nicht: Sie bevorzugt Rentner, die schon viel haben. Der neue Streit untergr\u00e4bt eine sichere Rente.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Wer 45 Jahre geschuftet oder zumindest so viele Versicherungsjahre zusammenhat, der soll ohne Abschl\u00e4ge in Rente k\u00f6nnen. So regelt es aktuell die sogenannte Rente mit 63 (auch wenn das Mindestalter inzwischen auf 64,5 Jahre gestiegen ist). Das klingt fair und entspricht dem Gerechtigkeitsempfinden sehr vieler. Aber es beruht auf einem Denkfehler: Dem Rentensystem ist es egal, wie lange jemand gearbeitet hat. Wer k\u00fcrzer arbeitet und mehr einzahlt, leistet genauso viel f\u00fcr den Generationenvertrag \u2013 und kriegt genauso viel an Rente heraus. Oder sollte es jedenfalls.<\/p>\n<p>Das Problem ist n\u00e4mlich: Wer zwei Jahre fr\u00fcher abschlagsfrei in Rente gehen kann, weil er die 45 Beitragsjahre zusammen hat, bekommt auch zwei Jahre l\u00e4nger seine Rente ausgezahlt. Und belastet damit das Rentensystem st\u00e4rker als alle anderen, die normal in Rente gehen. Die zwei Jahresrenten on top sind schlicht geschenkt, rund 9,5 Mrd. Euro im Jahr kostet das, wie <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2026\/abschaffung-der-altersrente-fuer-besonders-langjaehrig-versicherte-wuerde-95-milliarden-euro-pro-jahrgang-sparen-und-125000-arbeitskraefte-erhalten\" class=\"external-link\">das DIW in einer Studie im Fr\u00fchjahr berechnet<\/a> hat. Dass die abschlagsfreie Fr\u00fchrente im Zuge der Rentenreform gestrichen werden soll, ist richtig. Und dass diesen Kompromiss nun ausgerechnet CDU-Ministerpr\u00e4sidenten infrage stellen, ist fatal.<\/p>\n<\/p>\n<p>Aus dem Rentenjahrgang 1957 haben fast 300.000 Rentner von insgesamt gut einer Million diese Regel in Anspruch genommen. Sie bekamen laut DIW zum Renteneintritt im Schnitt 1649 Euro \u2013 und damit 109 Euro mehr, als wenn sie mit den aktuellen Abschl\u00e4gen in Rente gegangen w\u00e4ren, die f\u00fcr alle anderen gelten.<\/p>\n<h2>Alle anderen verzichten auf 29 Euro Rente<\/h2>\n<p>Bleibt die Frage: Wer bezahlt das eigentlich? Tats\u00e4chlich schie\u00dft der Bund aus Steuergeldern Mittel zu f\u00fcr die Ma\u00dfnahme. Nehmen wir einmal an, er w\u00fcrde stattdessen das Geld an alle Altersrentner verteilen. Dann bek\u00e4men die besonders langj\u00e4hrig Versicherten jeder 48 Euro mehr (solange sie nicht in Fr\u00fchrente gehen), die \u00fcbrigen Altersrentner 29 Euro mehr. Das liegt daran, dass die Gruppe der restlichen Altersrentner im Schnitt nur auf 998 Euro Monatsrente kommt.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Alle anderen Altersrentner m\u00fcssen auf 29 Euro pro Monat verzichten, damit die langj\u00e4hrig Versicherten abschlagsfrei in Rente gehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Rente ist l\u00e4ngst nicht mehr ausk\u00f6mmlich. Um im Alter den gewohnten Lebensstandard zu halten, braucht es als Erg\u00e4nzung eine Riesterrente, eine Betriebsrente oder eine rein private Vorsorge. F\u00fcr alle Sonderrechte kommt am Ende letztlich die Gemeinschaft der Rentner in Form eines niedrigeren Rentenniveaus auf, oder die der Beitragszahler in Form von h\u00f6heren Lohnnebenkosten.\u00a0<\/p>\n<p>Oder die Steuerzahler, die nicht mal alle rentenversichert sind. Und trotzdem in den kommenden Jahren die Stabilisierung des Rentenniveaus finanzieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dazu kommt: Wer 45 Rentenjahre zusammenhat, hat ohnehin eine h\u00f6here Rente zu erwarten als diejenigen, die wegen Arbeitslosigkeit, Selbstst\u00e4ndigkeit oder Minijobs auf weniger Jahre kommen. Auch die These, Menschen mit 45 Rentenjahren h\u00e4tten h\u00e4rter gearbeitet, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.927861.de\/publikationen\/wochenberichte\/2024_48_1\/rente_nach_45_jahren__auch_personen_mit_geringer_arbeitsbelastung_gehen_fruehzeitig_abschlagsfrei_in_ruhestand.html\" class=\"external-link\">ist inzwischen widerlegt<\/a>: Tats\u00e4chlich sind es eher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit k\u00fcrzerer Erwerbsbiografie, die in aufreibenden Jobs arbeiten \u2013 und gerade deshalb oft die 45 Jahre nicht vollkriegen.<\/p>\n<h2>Die Debatte gef\u00e4hrdet den Rentenkompromiss<\/h2>\n<p>Seit zw\u00f6lf Jahren haben SPD und CDU\/CSU in der Rentenpolitik nur noch Geschenke verteilt, anstatt die Finanzierung der Renten wieder auf sichere Beine zu stellen. Der gro\u00dfe Rentenkompromiss des Koalitionsausschusses von Anfang Juli, in dem sich die Regierungsparteien verpflichtet haben, die Empfehlungen der Alterssicherungskommission vollst\u00e4ndig umzusetzen, ist eine historische Chance, dieses Vers\u00e4umnis zu beheben.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Dass nun ausgerechnet mit Michael Kretschmer aus Sachsen, Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt und Mario Voigt aus Th\u00fcringen drei CDU-Ministerpr\u00e4sidenten aus dem Osten die Debatte neu aufmachen, ist nur mit der Angst vor der AfD zu erkl\u00e4ren. Schlie\u00dflich war die CDU schon immer gegen die abschlagsfreie Fr\u00fchrente und die Hauptprofiteure sitzen auch nicht im Osten des Landes. Es sind gut situierte Facharbeiter in bislang sicheren Jobs, die eher im Westen zu finden sind.<\/p>\n<p>Und wie soll eigentlich die SPD das Streichen der abschlagsfreien Fr\u00fchrente noch verteidigen, wenn dies ausgerechnet von CDU-Politikern hintertrieben wird? Die Debatte gef\u00e4hrdet daher im Kern den Rentenkompromiss \u2013\u00a0und damit sichere Renten in der Zukunft. Die drei Ministerpr\u00e4sidenten Kretschmer, Schulze und Voigt tun ihren W\u00e4hlern deshalb auch keinen Gefallen. Sie sollten sich was sch\u00e4men.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist eine \u00dcbernahme des Stern, der wie Capital zu RTL Deutschland geh\u00f6rt. Auf Capital.de wird er sechs Monate hier aufrufbar sein. Danach finden Sie ihn auf www.stern.de.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die Fr\u00fchrente mit 63 ohne Abschl\u00e4ge ist beliebt, gilt als gerecht, doch das ist sie nicht: Sie bevorzugt Rentner, die schon viel haben. 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