{"id":16680,"date":"2026-08-06T16:02:47","date_gmt":"2026-08-06T14:02:47","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/der-ursprung-von-erdol-teil-3-das-fazit-der-wissenschaftlichen-diskussion-von-jochen-mitschka\/"},"modified":"2026-08-06T16:02:47","modified_gmt":"2026-08-06T14:02:47","slug":"der-ursprung-von-erdol-teil-3-das-fazit-der-wissenschaftlichen-diskussion-von-jochen-mitschka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/der-ursprung-von-erdol-teil-3-das-fazit-der-wissenschaftlichen-diskussion-von-jochen-mitschka\/","title":{"rendered":"Der Ursprung von Erd\u00f6l (Teil 3): Das Fazit der wissenschaftlichen Diskussion | Von Jochen Mitschka"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Im zweiten Teil dieser Serie haben wir gezeigt, dass sich sowohl die biogene als auch die abiogene Entstehung von Kohlenwasserstoffen im Labor experimentell nachweisen lassen \u2013 und dass die klassische Geologie spektakul\u00e4re \u00d6lfunde im kristallinen Urgestein, etwa im Dnjepr-Donez-Becken oder in Tatarstan, nicht als Beleg f\u00fcr einen Aufstieg aus dem Erdmantel wertet, sondern als Ergebnis klassischer Migration entlang tektonischer Risse.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Jochen Mitschka<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Doch damit ist die Kontroverse nicht ausger\u00e4umt. In diesem dritten und letzten Teil wenden wir uns der wohl provokantesten Antwort auf das ungel\u00f6ste Biomarker-Problem zu: Thomas Golds Theorie der \u201e<em>Deep Hot Biosphere<\/em>&#8222;. Anschlie\u00dfend gehen wir der Frage nach, ob die immer wiederkehrende Deckungsgleichheit beider Theorien am Ende nur Zufall sein kann \u2013 und ziehen das Fazit dieser gesamten wissenschaftlichen Debatte, die im <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/apolut.net\/woher-kommt-erdol-wirtschaftliche-interessen-hinter-bio-und-abiogenese-von-jochen-mitschka\"><u>ersten Teil dieser Serie<\/u><\/a> ihren Ausgang bei den wirtschaftlichen Interessen hinter Bio- und Abiogenese nahm.<\/p>\n<p><strong>Thomas Golds \u201e<em>Deep Hot Biosphere<\/em>\u201c im Kreuzfeuer<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Gold versuchte, das eklatante Biomarker-Problem seiner Theorie (das Vorhandensein rein biologischer Molek\u00fcle im tiefen \u00d6l) durch ein faszinierendes Konzept zu l\u00f6sen: die <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/scispace.com\/pdf\/abiogenic-origin-of-hydrocarbons-an-historical-overview-uv64k8tu4b.pdf?ref=apolut.net\"><em><u>Deep Hot Biosphere<\/u><\/em><\/a>. Er postulierte, dass das \u00d6l tats\u00e4chlich rein anorganisch aus dem Mantel aufsteigt, in der Erdkruste jedoch von extremophilen, tiefenlebenden Bakterien als Nahrung genutzt wird. Die biologischen Spuren im \u00d6l seien demnach keine Relikte von Urzeit-Plankton, sondern die sterblichen \u00dcberreste dieser Tiefen-Mikroben.<\/p>\n<p>Die moderne Geochemie konnte diese Hypothese inzwischen \u00fcberpr\u00fcfen. Zwar hatte Gold recht mit der Annahme, dass es mikrobielles Leben in extremen Tiefen gibt, die chemische Feinstruktur der Biomarker im Roh\u00f6l <strong>widerspricht jedoch seiner These<\/strong>. Die Verteilung bestimmter Kohlenstoff-Isotope und die spezifische Geometrie der Porphyrin-Molek\u00fcle im gef\u00f6rderten Erd\u00f6l entsprechen exakt den Photosynthese-Produkten von Algen und marinen Organismen an der Oberfl\u00e4che \u2013 sie lassen sich nicht durch den Stoffwechsel rein chemosynthetischer Tiefenbakterien reproduzieren.<\/p>\n<p><em>Die Antwort der Gold-Schule<\/em><\/p>\n<p>Um ihre These zu verteidigen, nutzen Anh\u00e4nger der Gold-These eine dreistufige Gegenargumentation, die von der Neudefinition der Biomarker bis hin zu kosmischen Vergleichen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abiogenic_petroleum_origin?ref=apolut.net\"><u>reicht<\/u><\/a>:<\/p>\n<p><strong>A. Das \u201e<em>Bio-Addition<\/em>\u201c-Prinzip (Die Kontaminations-These)<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Gold selbst argumentierte, dass Geochemiker den Unterschied zwischen der <em>Entstehung<\/em> von Erd\u00f6l und dessen <em>Veredelung<\/em> <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/phe.rockefeller.edu\/docs\/DeepHot.pdf?ref=apolut.net\"><u>verwechseln<\/u><\/a>.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Antwort:<\/strong> Nach Golds Auffassung wandert das anorganisch im Erdmantel entstandene \u00d6l durch Risse in der Erdkruste nach oben. Auf diesem Weg passiert es unweigerlich die kilometerdicke Zone der <em>Deep Hot Biosphere<\/em>. Die dort lebenden, extremophilen Mikroben ern\u00e4hren sich vom aufsteigenden \u00d6l, sterben darin und hinterlassen ihre chemischen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.intechopen.com\/chapters\/41889?ref=apolut.net\"><u>H\u00fcllen<\/u><\/a>.<\/li>\n<li><strong>Das Argument:<\/strong> Gold bezeichnete die Biomarker daher als <strong>\u201e<em>Bio-Addition<\/em>\u201c (Biologische Beimischung)<\/strong>. Er verglich Erd\u00f6l mit einer Kanne Wein, in die eine Fliege f\u00e4llt: Niemand w\u00fcrde behaupten, der Wein sei aus Fliegen entstanden, nur weil man Fliegen-DNA darin findet. Die biogene Feinstruktur zeigt laut Gold lediglich, <em>womit<\/em> das \u00d6l auf seinem Weg in Kontakt kam, nicht woraus es <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abiogenic_petroleum_origin?ref=apolut.net\"><u>besteht<\/u><\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>B. Die thermodynamische Unausweichlichkeit im Labor<\/strong><\/p>\n<p>Wegweisende Vertreter der russischen Schule (wie J. F. Kenney) gingen noch einen Schritt weiter und bezichtigten westliche Geochemiker einer <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/courses.seas.harvard.edu\/climate\/eli\/Courses\/EPS281r\/Sources\/Origin-of-oil\/thermodinamic%202001-Kenney.pdf?ref=apolut.net\"><u>Fehlinterpretation <\/u><\/a>chemischer Gesetze.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Antwort:<\/strong> In mathematisch-thermodynamischen Berechnungen wiesen Forscher nach, dass komplexe Molek\u00fcle wie <em>Isoprenoide<\/em>, <em>Pristan<\/em> oder <em>Phytan<\/em> (die typischen Biomarker) energetisch absolut stabil genug sind, um unter den extremen Druck- und Temperaturbedingungen des Erdmantels rein anorganisch zu <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/courses.seas.harvard.edu\/climate\/eli\/Courses\/EPS281r\/Sources\/Origin-of-oil\/thermodinamic%202001-Kenney.pdf?ref=apolut.net\"><u>entstehen<\/u><\/a>.<\/li>\n<li><strong>Das Argument:<\/strong> Kenney argumentierte in seinen Arbeiten, dass die molekulare Feinstruktur und Geometrie dieser Molek\u00fcle keineswegs ein Monopol des Lebens (der Photosynthese) sind. Unter Dr\u00fccken von \u00fcber 30 Kilobar (Mantle-Bedingungen) zwinge die Thermodynamik die Kohlenstoff- und Wasserstoffatome exakt in jene geometrischen Gitterstrukturen, die man heute im Roh\u00f6l findet. Das Vorhandensein dieser Strukturen sei daher ein Beweis f\u00fcr <strong>hohen Druck aus der Tiefe<\/strong> und nicht f\u00fcr biologische Prozesse an der <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/drs.nio.res.in\/drs\/bitstream\/handle\/2264\/1485\/Curr_Sci_95_1018.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y&amp;ref=apolut.net\"><u>Oberfl\u00e4che<\/u><\/a>. Eine starke Argumentation.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>C. Der kosmische Gegenbeweis (Meteoriten und Titan)<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Gold und seine Anh\u00e4nger ist der st\u00e4rkste Trumpf gegen das Biomarker-Argument der Blick ins <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC5502609\/?ref=apolut.net\"><u>Weltall<\/u><\/a>.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Antwort:<\/strong> In kohligen Chondriten (einer bestimmten Klasse von Meteoriten) sowie in den dichten Wolken und Seen des Saturnmondes Titan wurden komplexe organische Molek\u00fcle, darunter Aminos\u00e4uren und langkettige Kohlenwasserstoffe (wie Isoprenoide), nachgewiesen.<\/li>\n<li><strong>Das Argument:<\/strong> Da auf diesen Himmelsk\u00f6rpern nachweislich nie Photosynthese, W\u00e4lder oder marines Plankton existiert haben, m\u00fcssen diese komplexen Molek\u00fcle dort rein anorganisch (abiogen) entstanden sein. Die abiogene Schule fragt die biogene Geochemie: Wenn das Universum komplexe Kohlenwasserstoffketten ohne ein einziges Lebewesen fehlerfrei synthetisieren kann, warum sollte die Erde daf\u00fcr Plankton <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Abiogenic_petroleum_origin?ref=apolut.net\"><u>ben\u00f6tigen<\/u><\/a>?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Anh\u00e4nger von Thomas Gold drehen das Argument der Geochemiker also um: Sie sagen nicht, dass die biologischen \u00c4hnlichkeiten erfunden sind. Sie sagen, dass <strong>das Leben selbst eine evolution\u00e4re Anpassung an die bereits vorhandenen, tiefen Kohlenwasserstoffe war<\/strong>. Die Natur hat die Geometrie dieser Molek\u00fcle an der Oberfl\u00e4che (z. B. im Chlorophyll) kopiert, weil sie in der Erdtiefe thermodynamisch bereits <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC5502609\/?ref=apolut.net\"><u>vorgegeben <\/u><\/a>waren.<\/p>\n<p>Die Argumente der abiogenen Entstehung erscheinen \u00fcberzeugend. K\u00f6nnte es Zufall sein, dass \u00d6l eher gefunden wird, wenn mit biogenen Thesen danach gesucht wird?<\/p>\n<p>Diese Perspektive f\u00fchrt direkt zum Kern des Dilemmas, das Thomas Gold und seine Anh\u00e4nger aufgeworfen haben. Die Annahme, dass Erd\u00f6l <strong>ubiquit\u00e4r<\/strong> (also fast \u00fcberall) in der tieferen Erdkruste vorhanden sein k\u00f6nnte und die biogenen Suchmethoden nur zuf\u00e4llig darauf sto\u00dfen, ist gedanklich bestechend. Sie w\u00fcrde erkl\u00e4ren, warum man auch dort \u00d6l findet, wo es laut klassischen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oleochemie?ref=apolut.net\"><u>Modellen <\/u><\/a>theoretisch kaum sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>In der geowissenschaftlichen Praxis wird diese Hypothese des \u201e<em>Suchtrupp-Zufalls<\/em>\u201c jedoch durch fundamentale geologische und physikalische Fakten angezweifelt. Das Gegenargument der klassischen Geologie st\u00fctzt sich im Wesentlichen auf die folgenden drei Punkte:<\/p>\n<p><em>1. Das Prinzip der geologischen Barrieren (Trockene Bohrungen)<\/em><\/p>\n<p>Wenn \u00d6l \u00fcberall aus der Tiefe aufsteigen w\u00fcrde und ubiquit\u00e4r vorhanden w\u00e4re, m\u00fcsste man bei Bohrungen im Grunde fast \u00fcberall auf Spuren von Kohlenwasserstoffen sto\u00dfen, sobald man tief genug bohrt.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t der Exploration zeigt jedoch das Gegenteil: <strong>Die weitaus meiste Erdkruste ist \u00f6lfrei.<\/strong> Die Erd\u00f6lindustrie verzeichnet au\u00dferhalb der bekannten Sedimentbecken eine enorme Anzahl sogenannter \u201e<strong><em>trockener Bohrungen<\/em><\/strong>\u201c (Dusters). Wenn man in Regionen bohrt, die zwar tektonische Risse und tief reichende Spalten aufweisen, aber kein organisches Muttergestein im Umfeld besitzen, findet man in der Regel keinerlei fl\u00fcssige Kohlenwasserstoffe. Das \u00d6l ist eben nicht \u00fcberall, sondern geografisch und geologisch extrem scharf abgegrenzt.<\/p>\n<p><em>2. Die mathematische Passgenauigkeit der Massenbilanz<\/em><\/p>\n<p>Der st\u00e4rkste Einwand gegen den Zufall ist die quantitative Berechenbarkeit. Die moderne Geochemie nutzt Software-Modelle, die auf der biogenen Theorie basieren (die sogenannte <em>Basin Modeling<\/em> oder Becken-Modellierung).<\/p>\n<p>Dabei berechnen Geologen:<\/p>\n<ol>\n<li>Wie viel Plankton hat sich in einer bestimmten Epoche in diesem Becken abgelagert? (Volumen des Muttergesteins)<\/li>\n<li>Welchen Temperaturen war es ausgesetzt? (Reifegrad)<\/li>\n<li>Wie viel \u00d6l konnte daraus entstehen und in benachbarte Speichergesteine wandern?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das verbl\u00fcffende Ergebnis: Die real gef\u00f6rderten \u00d6lmengen in Feldern wie der Nordsee oder im Golf von Mexiko stimmen mathematisch oft fast exakt mit der Masse des im Muttergestein nachgewiesenen, organischen Kohlenstoffs \u00fcberein. W\u00e4re das \u00d6l ubiquit\u00e4r von unten aufgestiegen, g\u00e4be es keinen Grund, warum die Menge des \u00d6ls so pr\u00e4zise mit der Dicke und Qualit\u00e4t der dar\u00fcber- oder darunterliegenden biologischen Sedimentschichten korrelieren sollte.<\/p>\n<p><em>3. Das Gesetz der Dichte und Migration<\/em><\/p>\n<p>\u00d6l ist spezifisch leichter als Wasser. In einer wasserges\u00e4ttigten Erdkruste steigt \u00d6l physikalisch immer so weit nach oben, bis es auf eine undurchdringliche Barriere (wie eine Tonschicht oder Salzst\u00f6cke) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/golf-von-mexiko-forscher-finden-oelplacken-auf-dem-meeresgrund-a-717439.html?ref=apolut.net\"><u>st\u00f6\u00dft<\/u><\/a>.<\/p>\n<p>Wenn \u00d6l ubiquit\u00e4r aus dem Erdmantel aufsteigen w\u00fcrde, m\u00fcsste es sich unter <em>jeder<\/em> luftdichten geologischen Schicht der Erde ansammeln. In der Realit\u00e4t findet man diese gigantischen \u00d6llagerst\u00e4tten aber fast ausschlie\u00dflich in sogenannten \u201e<em>Erd\u00f6lfallen<\/em>\u201c, die in direkter Verbindung mit organischen Schiefern stehen. Unter identischen geologischen Barrieren au\u00dferhalb von Sedimentbecken findet man meist nur steriles Grundwasser.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung der Debatte<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass die biogene Suche nur ein \u201e<em>Symptom<\/em>\u201c f\u00fcr das Auffinden eines eigentlich ubiquit\u00e4ren Stoffes ist, bleibt ein faszinierendes theoretisches Konstrukt. Es scheitert in den Augen der Industrie jedoch an der <strong>Pr\u00e4zision der Vorhersagen<\/strong>: \u00d6lkonzerne investieren Milliarden nicht auf Basis von Zufallstreffern, sondern weil die mathematische Verkn\u00fcpfung von urzeitlicher Biologie und heutigem Fundort eine mathematische Realit\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der doppelten Best\u00e4tigung: <br \/>Wenn zwei Theorien denselben Fund voraussagen<\/p>\n<p>Ein historisches und wissenschaftliches R\u00e4tsel wirft jedoch ein v\u00f6llig neues Licht auf den gesamten Konflikt: In der Geschichte der Erd\u00f6lexploration gab es wiederholt F\u00e4lle, in denen die Vorhersagen beider Lager verbl\u00fcffend pr\u00e4zise deckungsgleich waren. Insbesondere bei den spektakul\u00e4ren Entdeckungen sowjetischer Geologen im Dnjepr-Donez-Becken oder beim gigantischen Romaschkino-\u00d6lfeld in Tatarstan liefen die Ereignisse nach einem faszinierenden Muster ab: Zuerst sagten Vertreter der abiogenen Schule auf Basis von Erdmantel-Modellen ein \u00d6lvorkommen voraus. Bevor jedoch gebohrt wurde, wendeten andere Geowissenschaftler klassische, biogene Methoden der Beckenanalyse an, best\u00e4tigten die Existenz einer geologischen Falle \u2013 und die anschlie\u00dfende Bohrung stie\u00df tats\u00e4chlich auf riesige Mengen \u00d6l.<\/p>\n<p>Was will uns diese verbl\u00fcffende \u00dcberschneidung sagen? Ist es reiner Zufall, oder \u00fcbersehen beide Seiten, dass sie flussaufw\u00e4rts und flussabw\u00e4rts an demselben Strom stehen? Bei genauerer Analyse offenbart dieses Ph\u00e4nomen drei fundamentale Wahrheiten:<\/p>\n<p><em>Die tektonische Schnittmenge<\/em><\/p>\n<p>Wenn zwei v\u00f6llig unterschiedliche Theorien auf dieselbe Koordinate im Boden zeigen, liegt das daran, dass sie dieselbe physikalische Geometrie der Erdkruste beschreiben. Die abiogene Logik sucht nach tiefen tektonischen St\u00f6rungen und Rissen, weil dort die Kohlenwasserstoffe aus dem Erdmantel emporsteigen sollen. Die biogene Logik sucht nach exakt denselben tiefen St\u00f6rungen, argumentiert jedoch, dass diese Risse als Migrationswege dienen, durch die \u00d6l aus den <em>seitlich oder tiefer liegenden<\/em> Sedimentgesteinen in Speichersteine wandert. Beide Theorien nutzen dieselbe tektonische Bruchlinie. Die erfolgreiche Bohrung verifiziert somit zun\u00e4chst nur die Struktur des Untergrunds, liefert aber noch keinen automatischen Beweis f\u00fcr die Herkunft der Fl\u00fcssigkeit.<\/p>\n<p><em>Die biogene Methode als wirtschaftlicher Filter<\/em><\/p>\n<p>Dass die abiogenen Erstprognosen in der Praxis fast immer durch biogene Werkzeuge (wie die Analyse von <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bionity.com\/en\/encyclopedia\/Abiogenic_petroleum_origin.html?ref=apolut.net\"><u>Kerogen-Reifegraden oder seismische Beckenmodellierungen<\/u><\/a>) verifiziert werden mussten, zeigt die pragmatische Limitierung der reinen Mantel-These. Die abiogene Theorie kann zwar sagen: <em>\u201eHier ist die Erdkruste gebrochen, hier steigen Gase auf.\u201c<\/em> Sie besitzt jedoch kaum mathematische Formeln, um zu berechnen, ob dieses \u00d6l in wirtschaftlich f\u00f6rderbaren Mengen in einer Porenschicht gefangen bleibt. Erst die biogenen Modelle bringen die Berechenbarkeit von organischen Deckschichten und Speichergesteinen ins Spiel. Sie wirken in der Praxis wie ein Filter, der bestimmt, ob eine Tiefenbohrung finanziell \u00fcberhaupt rentabel ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Ein geologisches \u201eAuch, aber&#8230;\u201c und die duale Realit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die vorurteilsfreie Synthese f\u00fchrt weg vom dogmatischen, ideologisch aufgeladenen \u201e<em>Entweder-Oder\u201c<\/em> hin zu einer differenzierten, wissenschaftlichen Koexistenz:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die abiogene Entstehung von Kohlenwasserstoffen ist eine physikalische Realit\u00e4t.<\/strong> Das Labor beweist, dass unter den Bedingungen des Erdmantels Methan und einfache Alkanketten rein anorganisch aus Stein und Wasser synthetisiert werden k\u00f6nnen. Dass das Universum komplexe organische Molek\u00fcle ohne Biologie erzeugen kann, ist kosmochemischer Standard.<\/li>\n<li><strong>Die Masse des globalen, fl\u00fcssigen Erd\u00f6ls ist biogenen Ursprungs.<\/strong> Die hochkomplexen geochemischen Marker, die optische Aktivit\u00e4t der Molek\u00fcle und die spezifischen Kohlenstoff-Isotopenverh\u00e4ltnisse (<sup>12<\/sup>C zu <sup>13<\/sup>C) weltweit gef\u00f6rderter Roh\u00f6le lassen sich chemisch nur durch die biologische Ursuppe aus urzeitlichem Plankton und Algen erkl\u00e4ren.<\/li>\n<li><strong>Die biogene Theorie dominiert aus pragmatischen Gr\u00fcnden.<\/strong> Die Erd\u00f6lindustrie nutzt biogene Computermodelle nicht aus dogmatischer Verblendung, sondern weil sie eine verl\u00e4ssliche, mathematische Prognosekraft besitzen, die Milliardeninvestitionen absichert. F\u00fcr die abiogene Theorie existiert bis heute kein funktionierendes, eigenst\u00e4ndiges Modell, das ohne den \u201e<em>biogenen Filter<\/em>\u201c vorhersagen k\u00f6nnte, wo im kilometerdicken Urgestein sich f\u00f6rderbare \u00d6lmengen in nennenswerter Konzentration befinden.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Es ist daher die wahrscheinlichste und eleganteste Erkl\u00e4rung,<\/strong> <strong>dass beide Prozesse in der Natur nebeneinander existieren<\/strong>.<\/p>\n<p>Es ist denkbar, dass aus den Tiefen des Erdmantels kontinuierlich anorganische Ur-Gase und einfache Kohlenwasserstoffe aufsteigen. Sobald sie jedoch die oberen Schichten der Erdkruste erreichen, treffen sie auf die gewaltigen Sedimentbecken der Erde. Dort vermischen sie sich mit den komplexen, fl\u00fcssigen Produkten der biologischen Reifung oder dienen der \u201e<em>Deep Hot Biosphere<\/em>\u201c \u2013 jenen extremophilen Tiefenbakterien \u2013 als prim\u00e4re Nahrung.<\/p>\n<p>Die Natur betreibt keine Ideologie und kennt keine \u00f6konomischen Machtk\u00e4mpfe. Sie folgt schlicht den Gesetzen der Thermodynamik. F\u00fcr die globale Energiewirtschaft bleibt das abiogene \u00d6l ein faszinierendes, reales Fundament der Erdtiefe; der Treibstoff, der die Motoren unserer modernen Welt am Laufen h\u00e4lt, bleibt jedoch in seiner Masse derzeit verbunden mit dem fossilen Erbe Jahrmillionen alter Sonnenenergie, eingefangen von den kleinsten Lebewesen der Urzeitoozeane.<\/p>\n<p>Beide Lager haben einen Teil der Wahrheit entschl\u00fcsselt \u2013 der wirtschaftliche Erfolg geh\u00f6rt demjenigen, der diese Wahrheit am pr\u00e4zisesten berechnen kann.<\/p>\n<p>Damit schlie\u00dft sich der Kreis dieser dreiteiligen Serie: Von den wirtschaftlichen Interessen, die im ersten Teil hinter der Debatte sichtbar wurden, \u00fcber die Laborbeweise beider Lager im zweiten Teil bis hin zur komplexen Beweisrealit\u00e4t in diesem dritten Teil zeigt sich, dass die Wahrheit \u00fcber den Ursprung des Erd\u00f6ls komplizierter ist, als es Dogmatiker auf beiden Seiten zugeben wollen.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: blaues Erd\u00f6lfass mit F\u00f6rderanlagen im Hintergrund<br \/>Bildquelle: PX Media \/ shutterstock<\/p>\n<p><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<img data-opt-id=42473522  fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/5025faf8d79749d8b3c09d10be16fdaa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"Der Ursprung von Erd\u00f6l (Teil 3): Das Fazit der wissenschaftlichen Diskussion | Von Jochen Mitschka\"><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Im zweiten Teil dieser Serie haben wir gezeigt, dass sich sowohl die biogene als auch die abiogene Entstehung von Kohlenwasserstoffen im Labor experimentell nachweisen lassen \u2013 und dass die klassische Geologie spektakul\u00e4re \u00d6lfunde im kristallinen Urgestein, etwa im Dnjepr-Donez-Becken oder in Tatarstan, nicht als 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