{"id":16720,"date":"2026-08-06T19:03:32","date_gmt":"2026-08-06T17:03:32","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/die-sonderoperation-in-der-ukraine-veraendert-das-system-der-militaerfuehrung\/"},"modified":"2026-08-06T19:03:32","modified_gmt":"2026-08-06T17:03:32","slug":"die-sonderoperation-in-der-ukraine-veraendert-das-system-der-militaerfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/die-sonderoperation-in-der-ukraine-veraendert-das-system-der-militaerfuehrung\/","title":{"rendered":"Die Sonderoperation in der Ukraine ver\u00e4ndert das System der Milit\u00e4rf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Boris Dscherelejewski<\/em><\/p>\n<p>Der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin nahm wichtige Umbesetzungen in der F\u00fchrung des russischen Verteidigungsministeriums vor. Seine Entscheidung gab der Oberste Befehlshaber bei einer Beratung bekannt, an der der Verteidigungsminister, der Generalstabschef der russischen Streitkr\u00e4fte sowie die Befehlshaber und Stabschefs der Truppenverb\u00e4nde Mitte und Ost teilnahmen.<\/p>\n<p>Doch es geht nicht nur um Personalentscheidungen \u2013 auch die F\u00fchrungsstruktur der Schl\u00fcsselbereiche des Verteidigungsressorts erf\u00e4hrt Ver\u00e4nderungen. Dem russischen Pr\u00e4sidenten zufolge werde die Struktur des Verteidigungsministeriums entsprechend den Erfordernissen und den im Verlauf der milit\u00e4rischen Sonderoperation gewonnenen Erfahrungen optimiert.<\/p>\n<p>So sei insbesondere &#8222;die Entscheidung getroffen worden, alle Fragen im Zusammenhang mit der Bewaffnung in einer Hand zu b\u00fcndeln \u2013 sowohl die Aufgaben der Beschaffungs- als auch der Versorgungsstellen&#8220;, sagte der Pr\u00e4sident und f\u00fcgte hinzu, auf Vorschlag des Verteidigungsministers sei dar\u00fcber hinaus beschlossen worden, auch s\u00e4mtliche r\u00fcckw\u00e4rtigen Dienste in einer Hand zu b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>Damit wird aus dem in Russland traditionell einheitlichen System der materiell-technischen Versorgung der Truppen die technische Komponente herausgel\u00f6st. K\u00fcnftig kann das Verteidigungsministerium \u00fcber eine einheitliche F\u00fchrungsstruktur milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung sowohl beschaffen als auch ihren Einsatz organisieren \u2013 dadurch lassen sich die gewonnenen Erfahrungen unmittelbar in Forderungen nach technischen Anpassungen oder Modernisierungen umsetzen.<\/p>\n<p>Der Logik der neuen F\u00fchrungsstruktur zufolge k\u00f6nnten ihr jene Hauptverwaltungen des Verteidigungsministeriums unterstellt werden, die f\u00fcr Technik und Bewaffnung zust\u00e4ndig sind \u2013 darunter die Hauptverwaltung f\u00fcr Raketen und Artillerie, die Hauptverwaltung f\u00fcr Panzer- und Kraftfahrzeugtechnik sowie weitere vergleichbare Dienststellen. Die Leitung der neuen Struktur wird im Rang eines stellvertretenden Verteidigungsministers Generaloberst Alexander Santschik \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Nicht weniger bedeutsam f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte ist die vom Pr\u00e4sidenten angek\u00fcndigte Reform des Nachschubwesens, die eine Zentralisierung der F\u00fchrung s\u00e4mtlicher r\u00fcckw\u00e4rtiger Dienste vorsieht. Dadurch lassen sich die Logistikketten optimieren, die Versorgung der Einheiten beschleunigen und die Widerstandsf\u00e4higkeit der r\u00fcckw\u00e4rtigen Infrastruktur im Einsatz erh\u00f6hen. Es liegt nahe, dass die r\u00fcckw\u00e4rtigen Dienste der russischen Streitkr\u00e4fte k\u00fcnftig die Versorgung der Truppen mit Treibstoff, Lebensmitteln, Bekleidung und sonstigem pers\u00f6nlichem Ausr\u00fcstungsmaterial, die medizinische und transporttechnische Versorgung sowie die milit\u00e4rische Logistik in einer Hand b\u00fcndeln werden.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung weist in gewisser Hinsicht Parallelen zu der Reform des Nachschubwesens der Roten Armee auf, die kurz vor dem Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg von dem herausragenden sowjetischen Heerf\u00fchrer und Armeegeneral Andrei Chruljow durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Die Ereignisse des Finnischen Krieges von 1939 bis 1940 hatten erhebliche Probleme in der Organisation des Nachschubwesens der Roten Armee offengelegt. Nachdem Chruljow die Erfahrungen der damals f\u00fchrenden Milit\u00e4rm\u00e4chte ausgewertet hatte, schlug er bereits im Juni 1941 eine umgehende Modernisierung der r\u00fcckw\u00e4rtigen Dienste vor. Dabei sollten s\u00e4mtliche bislang voneinander getrennten Versorgungsdienste in einer einheitlichen Beh\u00f6rde zusammengef\u00fchrt werden, die f\u00fcr die materiell-technische, transporttechnische, finanzielle und medizinische Versorgung der Streitkr\u00e4fte zust\u00e4ndig sein sollte.<\/p>\n<p><em>&#8222;Man kann nicht von einem geordneten Ablauf ausgehen, wenn das milit\u00e4rische Transportwesen in einer Hand liegt, s\u00e4mtliche materiellen Ressourcen jedoch von anderen Dienststellen kontrolliert werden&#8220;,<\/em> erkl\u00e4rte Chruljow. Stalin unterst\u00fctzte diesen Vorschlag, und das eingef\u00fchrte System wurde zu einem der wesentlichen Faktoren des Sieges.<\/p>\n<p>Nun soll ein vergleichbares Modell geschaffen werden, allerdings auf einem grundlegend neuen technologischen Niveau. Die Zentralisierung der Nachschubverwaltung und -erfassung soll durch ein automatisiertes Steuerungssystem gew\u00e4hrleistet werden, das Elemente k\u00fcnstlicher Intelligenz einsetzt.<\/p>\n<p>Andrei Klinzewitsch, Leiter des Zentrums f\u00fcr das Studium milit\u00e4rischer und politischer Konflikte, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Armee muss das Ben\u00f6tigte genau dann erhalten, wenn es gebraucht wird, und nicht nach dem Prinzip, dass die Artilleriemunition nicht heute, sondern erst morgen geliefert wird. Dadurch l\u00e4sst sich die Zeitspanne zwischen den Anforderungen der Front und den Entscheidungen der zentralen Leitung verk\u00fcrzen. Das System beginnt also nach einem anderen Paradigma zu funktionieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Von entscheidender Bedeutung ist selbstverst\u00e4ndlich auch, wer die Reform des Nachschubwesens umsetzen wird. F\u00fcr diese Aufgabe wurde Generaloberst Waleri Solodtschuk ausgew\u00e4hlt, den Wladimir Putin als einen der talentiertesten Befehlshaber bezeichnete.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rexperte und Redakteur der Zeitschrift &#8222;Arsenal Otetschestwa&#8220; [&#8222;Arsenal des Vaterlandes&#8220;] Alexei Leonkow merkt dazu an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Er ist unter anderem daf\u00fcr bekannt, an der Befreiung des Gebiets Kursk beteiligt gewesen zu sein. Bereits zuvor hatte er sich w\u00e4hrend der Offensive bei Kiew im Februar 2022 ausgezeichnet. Auf diesem Kampfweg konnte sich Solodtschuk aus eigener Erfahrung davon \u00fcberzeugen, wie wichtig es ist, dass die r\u00fcckw\u00e4rtige, ingenieurtechnische und bauliche Versorgung einen einheitlichen, reibungslos funktionierenden Mechanismus bildet. Im Wesentlichen geht es um die Modernisierung des gesamten Nachschubwesens der Streitkr\u00e4fte, damit dieses bereit ist, alle vom Generalstab und vom Obersten Befehlshaber gestellten Aufgaben zu erf\u00fcllen.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Klinzewitsch f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Er ist ein Kommandeur mit praktischer Erfahrung. Ich bin \u00fcberzeugt, dass nun viele Abl\u00e4ufe optimiert und die Zust\u00e4ndigkeiten daf\u00fcr klarer definiert werden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident hob insbesondere die umfangreiche Kampferfahrung des Generals hervor und betonte, dass die F\u00fchrung des Nachschubwesens unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen &#8222;eine Aufgabe mit unmittelbarem Kampfbezug&#8220; sei. Damit machte der Oberste Befehlshaber deutlich, dass gerade die umfassende Kampferfahrung f\u00fcr die Leitung des Nachschubwesens von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist. Dessen Priorit\u00e4ten sollen sich k\u00fcnftig an den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen der im Einsatz stehenden Truppen orientieren, mit denen der neue stellvertretende Verteidigungsminister bestens vertraut ist.<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Personalentscheidung war die Ernennung des bisherigen Stabschefs des Truppenverbandes Mitte, Denis Ljamin, zum Befehlshaber der Truppen f\u00fcr unbemannte Systeme. Der 47-j\u00e4hrige Generalleutnant stammt aus einer Milit\u00e4rfamilie und durchlief alle Stufen der milit\u00e4rischen Laufbahn \u2013 vom Zugf\u00fchrer bis zum Befehlshaber der 58. Gardearmee. Seit Oktober 2023 war er Stabschef des Zentralen Milit\u00e4rbezirks und des Truppenverbandes Mitte.<\/p>\n<p>Russlands Pr\u00e4sident begr\u00fcndete die Ernennung von Denis Ljamin zum Befehlshaber der neuen Truppengattung mit dessen Erfolgen als Stabschef des Truppenverbandes Mitte. Dort befasste er sich unter anderem mit der Integration digitaler Gefechtsf\u00fchrungssysteme und der Einf\u00fchrung unbemannter Systeme in die Truppenstruktur. Das Staatsoberhaupt erkl\u00e4rte, die Aufgabe habe darin bestanden, &#8222;eine Person zu finden, die sich in dieser Arbeit bestens bew\u00e4hrt hat&#8220; \u2013 Ljamin ist folglich genau diese Person.<\/p>\n<p>Alexei Leonkow erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Als Ljamin Einheiten der 58. Armee an den Frontabschnitten Saporoschje und Cherson befehligte, wo aufgrund des dort verlaufenden Dnjepr ein erheblicher Teil der Kampfhandlungen unter Einsatz von Drohnen gef\u00fchrt wurde, gelang es ihm, diese Arbeit so effizient zu organisieren, dass es f\u00fcr den Gegner \u00e4u\u00dferst schwierig wurde, in diesen Abschnitten zu operieren, w\u00e4hrend ihm russische Drohnen schwere Verluste zuf\u00fcgten. Diese und weitere Verdienste waren ausschlaggebend f\u00fcr seine Ernennung zum Befehlshaber der neuen Truppengattung.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Voraussichtlich spielte bei dieser Ernennung auch die Tatsache eine Rolle, dass Ljamin bis zu seiner Ernennung Stabschef unter Solodtschuk war. Beide kennen sich daher sehr gut und m\u00fcssen sich in ihrer Zusammenarbeit nicht erst aufeinander einstellen. Solange sich die neue Truppengattung noch formiert, ben\u00f6tigt sie besondere F\u00fcrsorge und Aufmerksamkeit seitens des Nachschubdienstes. Angesichts ihrer besonderen Bedeutung liegt es auf der Hand, dass ihre Versorgung zu einem der vorrangigsten Aufgabenbereiche des Nachschubdienstes werden wird.<\/p>\n<p>Vor dem neuen Befehlshaber steht eine enorme Aufgabe: Er muss die Formierung der erst im vergangenen Jahr geschaffenen neuen Truppengattung abschlie\u00dfen. Bereits heute weisen deren Einheiten beim Einsatz von Drohnen eine dreimal h\u00f6here Effektivit\u00e4t auf als herk\u00f6mmliche Drohnentrupps, wie Verteidigungsminister Andrei Beloussow erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Drohnen geh\u00f6ren jedoch zu den innovativsten und am schnellsten weiterentwickelten Mitteln der heutigen Kampff\u00fchrung. Unbemannte Waffensysteme ver\u00e4ndern sich fortlaufend, und entsprechend wandelt sich auch die Taktik ihres Einsatzes. Der neue Befehlshaber muss daher ein System schaffen, das flexibel auf all diese Ver\u00e4nderungen reagiert und es erm\u00f6glicht, die leistungsf\u00e4higsten Drohnen innerhalb k\u00fcrzester Zeit bei den Truppen einzuf\u00fchren und dem Gegner damit stets einen Schritt voraus zu sein.<\/p>\n<p>Daher wird Generalleutnant Ljamin aller Wahrscheinlichkeit nach eng mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister Alexei Kriworutschko zusammenarbeiten, der von nun an f\u00fcr die Entwicklung zukunftsweisender Bewaffnung und von Spezialtechnik zust\u00e4ndig ist. Dies ist im \u00dcbrigen eine weitere bedeutende strukturelle Ver\u00e4nderung innerhalb des Verteidigungsministeriums: die Schaffung eines eigenst\u00e4ndigen Aufgabenbereichs, der f\u00fcr die Entwicklung zukunftsweisender Waffen verantwortlich sein wird, darunter auch f\u00fcr die Entwicklung von Technologien der k\u00fcnstlichen Intelligenz und neuartigen Materialien.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/m.vz.ru\/society\/2026\/8\/6\/1440473.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 6. August 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Boris Dscherelejewski<\/em><\/strong><em> ist Analyst bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/287897-medien-spekulationen-ueber-russische-attentatsplaene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medien: Spekulationen \u00fcber &#8222;russische Attentatspl\u00e4ne&#8220; auf deutschen Drohnenhersteller<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7bm6g0\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Boris Dscherelejewski Der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin nahm wichtige Umbesetzungen in der F\u00fchrung des russischen Verteidigungsministeriums vor. 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