{"id":16738,"date":"2026-08-06T22:03:34","date_gmt":"2026-08-06T20:03:34","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/vor-inkrafttreten-des-verbots-europaeer-kaufen-gesamtes-verfuegbares-russisches-fluessigerdgas-auf\/"},"modified":"2026-08-06T22:03:34","modified_gmt":"2026-08-06T20:03:34","slug":"vor-inkrafttreten-des-verbots-europaeer-kaufen-gesamtes-verfuegbares-russisches-fluessigerdgas-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/vor-inkrafttreten-des-verbots-europaeer-kaufen-gesamtes-verfuegbares-russisches-fluessigerdgas-auf\/","title":{"rendered":"Vor Inkrafttreten des Verbots: Europ\u00e4er kaufen gesamtes verf\u00fcgbares russisches Fl\u00fcssigerdgas auf"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Im Juli bezog Belgien Fl\u00fcssigerdgas (LNG), das vollst\u00e4ndig aus Russland stammte. Im Laufe des Monats nahm Br\u00fcssel rund 0,4 Millionen Tonnen Fl\u00fcssigerdgas entgegen. Einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren die Kampfhandlungen im Nahen Osten, die die traditionellen Lieferwege f\u00fcr LNG nach Europa und Asien unterbrachen, weshalb Asien begann, den europ\u00e4ischen Verbrauchern Mengen abzuwerben.<\/p>\n<p>Und in dieser Situation beabsichtigt die Europ\u00e4ische Kommission, ab Januar 2027 vollst\u00e4ndig auf russisches Fl\u00fcssigerdgas zu verzichten.<\/p>\n<p>Michail Wakiljan, ein Experte des russischen Instituts f\u00fcr die Entwicklung von Technologien im Brennstoff- und Energiesektor, sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der russische Anteil ist auf 100 Prozent gestiegen, weil Katar aus der Bilanz herausgefallen ist. Der Hafen von Zeebr\u00fcgge st\u00fctzte sich jahrelang auf zwei S\u00e4ulen \u2013 LNG aus Katar und von Jamal, nun ist nur noch eine \u00fcbrig.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dabei kaufe Belgien LNG nicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern auch f\u00fcr seine Nachbarn. Das Land sei ein Einfuhrknotenpunkt f\u00fcr ganz Nordwesteuropa, f\u00fcgt der Experte hinzu.<\/p>\n<p>Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, vermutet:<\/p>\n<p><em>&#8222;Belgien nimmt LNG zumindest noch f\u00fcr Deutschland entgegen und leitet es nach der Regasifizierung m\u00f6glicherweise sogar \u00fcber eine Pipeline nach Frankreich weiter. Da russisches LNG nur im Rahmen langfristiger Vertr\u00e4ge auf den europ\u00e4ischen Markt geliefert werden kann, denke ich, dass hier gerade die Vertr\u00e4ge von &#8218;Jamal LNG&#8216; mit Total Energy erf\u00fcllt werden, das als H\u00e4ndler fungieren k\u00f6nnte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seinen Worten zufolge sei es auch f\u00fcr die russische Seite \u2013 das Projekt &#8222;Jamal LNG&#8220; \u2013 vorteilhafter, Fl\u00fcssiggas nach Europa zu liefern, da die Preise dort h\u00f6her sind als in Asien und die Transportwege k\u00fcrzer, was wiederum bedeutet, dass auch die Logistikkosten geringer ausfallen. Juschkow meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich denke, dass dies auch f\u00fcr Kunden, die russisches LNG \u00fcber Belgien beziehen, vorteilhafter ist. Ein langfristiger Vertrag mit Total Energy beinhaltet in der Regel niedrigere Preise als auf dem Spotmarkt. Deshalb entscheidet sich der K\u00e4ufer nicht f\u00fcr US-amerikanisches LNG, sondern f\u00fcr das g\u00fcnstigere russische.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dabei flie\u00dft US-amerikanisches Fl\u00fcssiggas in gro\u00dfem Umfang auf die asiatischen M\u00e4rkte. Michail Wakiljan erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;US-amerikanisches LNG ist aus Europa nicht verschwunden, ist aber keine g\u00fcnstige Option mehr. Der Grund liegt im Spread: Auf dem asiatischen Markt kostete Gas im Juni vier US-Dollar mehr als in Europa, was die Differenz bei den Frachtkosten nach Asien ausgleicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Rolle spielten auch die europ\u00e4ischen Abnehmer selbst, die ihre Eink\u00e4ufe in der Erwartung sinkender Preise zur\u00fcckhielten, sowie \u00c4gypten, das eine Rekordmenge von 1,06 Millionen Tonnen mit einem Aufschlag gegen\u00fcber dem TTF (der europ\u00e4ischen B\u00f6rse) abnahm.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Im Juni kostete Fl\u00fcssigerdgas auf dem asiatischen JKM-Markt durchschnittlich 17,33 US-Dollar pro Million britischer W\u00e4rmeeinheiten (MMBtu) gegen\u00fcber 13,19 US-Dollar auf dem europ\u00e4ischen Spotmarkt TTF. Wakiljan merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des russischen LNG ist derzeit die Vorhersehbarkeit der Lieferungen. &#8218;Jamal LNG&#8216; ist langfristig vertraglich gebunden, wird mit einer spezialisierten Arc7-Flotte auf dem kurzen Seeweg nach Zeebr\u00fcgge transportiert, die Regasifizierungsslots sind im Voraus gebucht, und nach dem EU-Verbot der Umladung in Drittl\u00e4nder gibt es f\u00fcr diese Lieferungen fast keine alternativen Abnehmer. F\u00fcr die Europ\u00e4er ist dies die einzige Ladung, die Asien nicht aufkaufen kann.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Innerhalb eines halben Jahres hat die EU rekordverd\u00e4chtige 9,89 Millionen Tonnen LNG von Jamal abgenommen, das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Europ\u00e4er kaufen das gesamte verf\u00fcgbare russische LNG auf, bevor ab dem 1. Januar 2027 die EU-Sanktionen dagegen in Kraft treten. Igor Juschkow hebt hervor:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wenn die Europ\u00e4er k\u00f6nnten, w\u00fcrden sie noch mehr russisches LNG abnehmen. Doch die US-Amerikaner haben Sanktionen gegen zwei mittelgro\u00dfe russische Anlagen verh\u00e4ngt, die zuvor ausschlie\u00dflich f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt produziert haben. Dabei handelt es sich um &#8218;Portowaja LNG&#8216; von Gazprom und &#8218;Kriogas-Wyssozk&#8216; von Nowatek. Auch \u00fcber &#8218;Arktik LNG-2&#8216; h\u00e4tte das Gas auf den europ\u00e4ischen Markt gelangen k\u00f6nnen, da die Lieferung dorthin schneller w\u00e4re. Doch nun verkauft das Unternehmen seine Produktion ausschlie\u00dflich nach China an ein eigens daf\u00fcr vorgesehenes Terminal f\u00fcr die Annahme von russischem, unter Sanktionen stehendem LNG.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Michail Wakiljan skizziert die Folgen f\u00fcr die Wirtschaft und Industrie der EU wie folgt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Hauptproblem des Verbots der Europ\u00e4ischen Kommission ist sein Zeitpunkt. Die LNG-Lieferungen werden am 1. Januar, mitten in der Entnahmesaison, eingestellt. Europa geht mit den niedrigsten saisonalen Vorr\u00e4ten seit 2009 in diesen Winter und verliert mitten in der K\u00e4lteperiode rund 20 Millionen Tonnen der j\u00e4hrlichen Importmenge.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf einem ruhigen Markt l\u00e4sst sich dies finanziell ausgleichen. Bei einer Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus und einem kalten Winter wird Europa Asien Lieferungen abwerben \u2013 und zwar zu einem hohen Preis. Als Erste werden dies die Ammoniak-, D\u00fcngemittel-, Glas- und Metallindustrie zu sp\u00fcren bekommen, wo Gas einen wesentlichen Teil der Selbstkosten ausmacht; sp\u00e4ter wird sich dies \u00fcber die Strompreise in den Verbraucherpreisen niederschlagen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er\u00a0beraubten\u00a0sich mitten im Winter selbst des russischen Fl\u00fcssigerdgases, dabei sei Russland der zweitgr\u00f6\u00dfte Gaslieferant, sagt Igor Juschkow. Er f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;LNG aus Katar k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise gar nicht erst eintreffen, und es ist der drittgr\u00f6\u00dfte Lieferant auf dem europ\u00e4ischen Markt. Die Gasvorr\u00e4te in den Untergrundspeichern befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass im Winter deutlich mehr LNG importiert werden muss, dessen Preise noch weiter steigen werden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seiner Meinung nach w\u00e4re es logisch, das Einfuhrverbot f\u00fcr russisches LNG zumindest auf das Fr\u00fchjahr zu verschieben, wenn die Heizperiode endet und die Lage nicht mehr unter so starkem Druck steht. Wakiljan h\u00e4lt jedoch au\u00dferordentliche Ausnahmen von den Sanktionen und nationale Ausnahmeregelungen f\u00fcr realistischer: Spanien beispielsweise bittet bereits um einen Aufschub, und Griechenland blockiert das 21. Paket wegen der Schiffe der Reederei Dynagas.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/8\/5\/1440120.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 5. August 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/287077-totalenergies-profitiert-von-eu-ausnahme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">TotalEnergies profitiert von EU-Ausnahme bei Sanktionen gegen russisches LNG <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b9j50\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Im Juli bezog Belgien Fl\u00fcssigerdgas (LNG), das vollst\u00e4ndig aus Russland stammte. 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