{"id":16905,"date":"2026-08-08T08:03:01","date_gmt":"2026-08-08T06:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/sterben-fuers-baltikum-in-ganz-europa-wird-nach-freiwilligen-gesucht\/"},"modified":"2026-08-08T08:03:01","modified_gmt":"2026-08-08T06:03:01","slug":"sterben-fuers-baltikum-in-ganz-europa-wird-nach-freiwilligen-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/sterben-fuers-baltikum-in-ganz-europa-wird-nach-freiwilligen-gesucht\/","title":{"rendered":"Sterben f\u00fcrs Baltikum: In ganz Europa wird nach Freiwilligen gesucht"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Nikita Demjanow<\/em><\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat Lettland seine Militarisierung intensiv vorangetrieben. Gem\u00e4\u00df dem Entwicklungsplan der Nationalen Streitkr\u00e4fte f\u00fcr die Jahre 2025 bis 2036 ist vorgesehen, eine geplante St\u00e4rke von 31.000 Soldaten in Friedenszeiten zu erreichen. Dar\u00fcber hinaus sollen voraussichtlich weitere 30.000 Personen, die ihren Wehrdienst abgeleistet haben, in der allgemeinen Bereitschaftsreserve stehen.<\/p>\n<p>Insgesamt strebt Lettland somit an, j\u00e4hrlich 4.000 Wehrpflichtige zu haben. Die Wehrpflicht wurde im Land 2013 wieder eingef\u00fchrt, l\u00e4sst sich jedoch nur schwer umsetzen \u2013 das Land leidet unter einer demografischen Krise, es gibt nur wenige junge Menschen, und viele der potenziellen Rekruten m\u00fcssen aufgrund schlechter Gesundheit aussortiert werden.<\/p>\n<p>Dies hat die Beh\u00f6rden dazu veranlasst, im Ausland nach Personal zu suchen, da in den letzten gut zwanzig Jahren Hunderttausende Letten in westeurop\u00e4ische L\u00e4nder ausgewandert sind. Es wurde ein Gesetz verabschiedet, wonach ab dem Jahr 2027 in Lettland nicht nur junge Menschen, die ihren st\u00e4ndigen Wohnsitz im Land haben, sondern auch im Ausland lebende lettische Staatsb\u00fcrger zur Wehrpflicht herangezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Aussicht auf eine Einberufung zum Milit\u00e4r hat in der lettischen Diaspora eine heftige Debatte ausgel\u00f6st. Einige Eltern erkl\u00e4ren bereits, dass ihre Kinder lieber auf die lettische Staatsb\u00fcrgerschaft verzichten w\u00fcrden, als zum Dienst in der lettischen Armee anzutreten. Viele Vertreter der Diaspora emp\u00f6ren sich in Bezug auf die Einberufungspl\u00e4ne und weisen darauf hin, dass ihre Kinder nie in Lettland gelebt h\u00e4tten und nicht einmal Lettisch sprechen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Betreiber der gro\u00dfen Social-Media-Gruppe &#8222;Forum der Letten in England&#8220; ver\u00f6ffentlichten einen Beitrag, der die Emp\u00f6rung deutlich zum Ausdruck brachte. Die Letten in England emp\u00f6ren sich:<\/p>\n<p><em>&#8222;Unsere Kinder sind in Gro\u00dfbritannien aufgewachsen, ihre Schulen, Freunde und ihre Zukunft sind hier. Aber in ihren P\u00e4ssen steht nach wie vor &#8218;Staatsb\u00fcrger der Republik Lettland&#8216;. Und nun ist dieser Pass mit einer Verpflichtung verbunden \u2013 elf Monaten Milit\u00e4rdienst. Ist das gegen\u00fcber den jungen Menschen der Diaspora fair?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dort wird au\u00dferdem daran erinnert, dass der Gesetzgeber eine L\u00fccke offengelassen hat, die es erm\u00f6glicht, sich dem Milit\u00e4rdienst zu entziehen. Eine Befreiung vom Dienst bis zum Jahr 2027 ist m\u00f6glich, sofern die lettische Beh\u00f6rde f\u00fcr Staatsb\u00fcrgerschaft und Migration die ausl\u00e4ndische Adresse des potenziellen Wehrpflichtigen registriert hat. Die Betreiber des &#8222;Forums der Letten in England&#8220; appelierten diesbez\u00fcglich:<\/p>\n<p><em>&#8222;Viele haben dies nicht getan. Lasst uns nicht zulassen, dass die B\u00fcrokratie die Pl\u00e4ne unserer Jugend zunichtemacht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>In den Kommentaren unter dem Beitrag erkl\u00e4rten viele Nutzer, dass sie die M\u00f6glichkeit in Betracht ziehen, die lettische Staatsb\u00fcrgerschaft aufzugeben, oder zumindest bereit sind, die Geldstrafe f\u00fcr das Nichterscheinen bei der Einberufungsstelle zu zahlen. Am meisten entr\u00fcsteten sich die M\u00fctter potenzieller Wehrpflichtiger. Die Lettin Antra schrieb:<\/p>\n<p><em>&#8222;Kein in Gro\u00dfbritannien lebender Mann aus Lettland ist verpflichtet, in der lettischen Armee zu dienen. Unsere M\u00e4nner w\u00fcrden lieber eine Geldstrafe zahlen, als mit Hilfe eines Dolmetschers Lettland zu verteidigen, nur weil sie noch keine Zeit hatten, ihre Staatsangeh\u00f6rigkeit zu wechseln.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Inese aus Irland erz\u00e4hlt, dass ihre Familie bereits beschlossen habe, die lettische Staatsangeh\u00f6rigkeit aufzugeben. Sie merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die jungen Leute hier haben ihr eigenes Leben: Die einen studieren an der Universit\u00e4t, die anderen arbeiten. Es gibt auch solche, die bereits getrennt von ihren Eltern in einer Mietwohnung leben. Das bedeutet, dass sie ihren Job, ihr Studium und ihre Mietwohnung verlieren werden. Auf diese Weise versucht die lettische Regierung, Steuerzahler zur\u00fcckzuholen, aber was kann sie im Gegenzug bieten? Nichts.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Liene, die in Schottland lebt, forderte ihrerseits:<\/p>\n<p><em>&#8222;Man soll unsere Kinder in Ruhe lassen, die Lettland verlassen und in einem anderen Land ein neues Leben begonnen haben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Eine weitere Diskussionsteilnehmerin, Baiba, merkt an, dass die lettischen Beh\u00f6rden sich nur dann an ihre Landsleute erinnern, wenn &#8222;die Kriegsmaschinerie Kanonenfutter braucht.&#8220;<\/p>\n<p>Die lettischen Botschaften in den L\u00e4ndern,\u00a0wo besonders viele Letten leben, organisieren Treffen mit Vertretern der Diaspora, bei denen sie den Kern des neuen Gesetzes zur Einberufung im Ausland lebender Letten erl\u00e4utern. Allein in Gro\u00dfbritannien sind solche Seminare in zehn St\u00e4dten geplant.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise wird die Organisation dieser Treffen von Vertretern der Emigrantenorganisation &#8222;Daugavas Vanagi&#8220; (D\u00fcnafalken) unterst\u00fctzt, die 1945 von geflohenen Mitgliedern der lettischen Waffen-SS-Legion gegr\u00fcndet wurde, die sich nach dem Krieg in westlichen L\u00e4ndern niedergelassen hatten. Die &#8222;Falken&#8220; bekunden ihren Wunsch, in den Augen der Diaspora &#8222;Stereotypen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung&#8220; zu widerlegen, als die Armee als etwas &#8222;wirklich Gef\u00e4hrliches, Furchteinfl\u00f6\u00dfendes und den Letten Feindliches&#8220; wahrgenommen wurde. Die &#8222;Daugavas Vanagi&#8220; versichern, dass Lettland heute \u00fcber eine &#8222;neue, moderne Armee&#8220; verf\u00fcge, &#8222;die jungen Menschen die M\u00f6glichkeit gibt, stolz auf ihr Land zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>Doch solche Parolen sto\u00dfen beim Publikum auf keine positive Resonanz. Die Menschen kommen, gelinde gesagt, ohne Begeisterung zu diesen Veranstaltungen. Sie stellen berechtigte Fragen: Wie sollen eigentlich junge Menschen, die kein Lettisch sprechen, ihren Dienst leisten? Was bringt ihnen dieser Dienst? Sarmite Lasmane, Lehrerin an der lettischen Schule Burtnieki in der britischen Stadt Wolverhampton, sagte im Rahmen einer dieser Veranstaltungen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Warum sollten wir f\u00fcr dem Land dienen, aus dem wir weggegangen sind?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Viele sagen schon w\u00e4hrend der Seminare in den Botschaften ganz offen: Auf unsere Kinder k\u00f6nnt ihr nicht z\u00e4hlen. Der in London lebende Lette Dainis Cekuls warnte die Beamten:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Werte haben sich stark ver\u00e4ndert. Ehrlich gesagt, ist das keine Frage der Ehre mehr. Und die jungen Leute geben einfach auf und sagen: Ich wechsle den Pass. Und das war&#8217;s, Ende der Geschichte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Auslosung, bei der die Rekruten aus der Diaspora ermittelt werden sollen, soll im November 2026 stattfinden. Die F\u00fchrung der lettischen Armee rechnet damit, dass allein in Gro\u00dfbritannien bis zu 1.000 Wehrpflichtige gefunden werden. Der Direktor der Abteilung f\u00fcr den staatlichen Verteidigungsdienst, Vitalijs Rieksti\u0146\u0161, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Nicht alle werden sofort zum Dienst antreten. Wenn sie noch die Sekundarschule besuchen, wird die Einberufung in ihrem Fall bis zum Abschluss ihrer Schulausbildung aufgeschoben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dieses Zugest\u00e4ndnis hat niemanden begeistert. Die lettischen Vertreter wurden daran erinnert, dass, wenn ein junger Mann aus der Diaspora zum Milit\u00e4rdienst einr\u00fcckt, ihm niemand garantieren kann, dass sein Studienplatz oder sein Arbeitsplatz erhalten bleibt. Das Einzige, was der lettische Staat ihnen garantieren kann, sind kostenlose Online-Kurse f\u00fcr diejenigen, die die lettische Sprache nicht beherrschen. Zudem wird die M\u00f6glichkeit einer Erstattung der Reisekosten gepr\u00fcft, da es f\u00fcr junge Menschen aus der Diaspora praktisch unm\u00f6glich ist, die Reise in die historische Heimat aus eigener Tasche zu bezahlen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Seminare finden auch in Deutschland statt. Und auch dort geizen die Organisatoren nicht mit hochtrabenden Worten. Lelde B\u0113rzi\u0146a, Organisatorin eines dieser Treffen, sagte:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die lettischen Werte tragen wir im Herzen. Wir bewahren die lettischen Traditionen und die lettische Kultur, aber all das g\u00e4be es bei uns nicht, wenn es Lettland nicht g\u00e4be. Und mal ehrlich: Wie viele von uns wissen eigentlich, wie man dieses Lettland verteidigt?&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Vertreter der Armee scheuen keine Worte, um Jugendliche und ihre Eltern davon zu \u00fcberzeugen, dass der Milit\u00e4rdienst keineswegs schwer, sondern im Gegenteil cool und unterhaltsam sei.<\/p>\n<p>So berichten sie beispielsweise, dass die Rekruten nur in den ersten drei Monaten ihres elfmonatigen Dienstes rund um die Uhr auf dem Truppen\u00fcbungsplatz bleiben m\u00fcssen, danach aber von 17 Uhr bis 8:30 Uhr nach Hause entlassen werden. Zudem werden den Soldaten finanzielle Zuwendungen und weitere Verg\u00fcnstigungen versprochen: kostenlose medizinische Versorgung w\u00e4hrend des Dienstes, die M\u00f6glichkeit, einen F\u00fchrerschein zu erwerben, und nach Beendigung des Dienstes sogar ein staatlich finanzierter Studienplatz an einer beliebigen staatlichen Hoch- oder Fachhochschule.<\/p>\n<p>Die Jugend nimmt all dies jedoch ohne besondere Begeisterung auf. Zumal es noch einen weiteren Grund f\u00fcr die Abneigung der lettischen Jugend gibt, zum Milit\u00e4r zu gehen. Die lettischen Medien verbreiten beharrlich die Aussagen westlicher Politiker, dass &#8222;Russland beabsichtigt, die St\u00e4rke des NATO-B\u00fcndnisses in den baltischen Staaten auf die Probe zu stellen.&#8220; Diese Art der Einsch\u00fcchterung hat auf die Bev\u00f6lkerung Lettlands jedoch ganz und gar nicht die Wirkung, die sich die Propagandisten erhoffen: Anstelle des Wunsches, sich bei der Einberufungsstelle zu melden, besteht die Bereitschaft, im Falle der &#8222;Stunde X&#8220; sofort ihre Sachen zu packen und in Richtung Grenze zu fliehen.<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit werden in Lettland Umfragen zur Bereitschaft der Bev\u00f6lkerung durchgef\u00fchrt, ihr Land im Falle eines Kriegsausbruchs zu verteidigen. Die Ergebnisse dieser Umfragen bereiten ihren Organisatoren in der Regel keine Freude \u2013 die Mehrheit hat nicht die Absicht, zu k\u00e4mpfen. Eine k\u00fcrzlich vom Meinungsforschungsinstitut SKDS durchgef\u00fchrte Umfrage zur Bereitschaft der lettischen Gesellschaft, das Land im Falle einer &#8222;Invasion&#8220; mit milit\u00e4rischen Mitteln zu verteidigen, ergab, dass etwa 30 Prozent der Bev\u00f6lkerung dazu bereit w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Natalja Jeremina, Doktor der Politikwissenschaften und Professorin an der Staatlichen Universit\u00e4t Sankt Petersburg, weist darauf hin, dass die B\u00fcrger Lettlands keineswegs aus bequemen Lebensumst\u00e4nden ins Ausland gegangen sind. Vor diesem Hintergrund erscheint ihre Reaktion auf den Versuch, ihre Kinder zum Dienst in der lettischen Armee zu verpflichten, durchaus nachvollziehbar. Die Politologin fasst zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Vertreter der Diaspora stellen zu Recht die Frage: Warum sollen wir unser Leben f\u00fcr einen Staat opfern, dem wir nur noch rein formal angeh\u00f6ren? F\u00fcr einen Staat, der es nicht geschafft hat, uns menschenw\u00fcrdige Lebensbedingungen zu bieten, und uns ins Ausland vertrieben hat?&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/8\/4\/1439967.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 4. August 2026 zuerst auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Nikita Demjanow<\/strong> ist Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/283904-brigade-litauen-pistorius-bestaetigt-aufhebung-der-freiwilligkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brigade Litauen: Pistorius best\u00e4tigt Aufhebung der Freiwilligkeit <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b2czg\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Nikita Demjanow In den letzten Jahren hat Lettland seine Militarisierung intensiv vorangetrieben. 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