{"id":17011,"date":"2026-08-09T08:03:30","date_gmt":"2026-08-09T06:03:30","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/mecca-pakt-sorgt-fuer-schlagzeilen-doch-die-eigentliche-machtverschiebung-findet-in-der-strasse-von-hormus-statt\/"},"modified":"2026-08-09T08:03:30","modified_gmt":"2026-08-09T06:03:30","slug":"mecca-pakt-sorgt-fuer-schlagzeilen-doch-die-eigentliche-machtverschiebung-findet-in-der-strasse-von-hormus-statt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/mecca-pakt-sorgt-fuer-schlagzeilen-doch-die-eigentliche-machtverschiebung-findet-in-der-strasse-von-hormus-statt\/","title":{"rendered":"Mecca-Pakt sorgt f\u00fcr Schlagzeilen \u2013 doch die eigentliche Machtverschiebung findet in der Stra\u00dfe von Hormus statt"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Welt auf den \u00fcberraschend unterzeichneten Verteidigungspakt zwischen Saudi-Arabien, der T\u00fcrkei und Pakistan blickt, k\u00f6nnte sich fast zeitgleich eine weit bedeutendere geopolitische Verschiebung vollziehen. Nach Einsch\u00e4tzung des Journalisten Pepe Escobar ist nicht der neue \u201eMecca-Pakt\u201c die eigentliche Geschichte, sondern die sich abzeichnende Neuordnung der Stra\u00dfe von Hormus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar beschreibt die aktuelle Lage in Westasien als einen Moment, in dem sich die \u201etektonischen Platten\u201c der geopolitischen Ordnung verschieben. Sein Ausgangspunkt ist der \u00fcberraschende Auftritt des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan und der pakistanischen F\u00fchrung in Mekka. Dort wurde ein Verteidigungspakt unterzeichnet, der nach den bislang bekannt gewordenen Informationen eine NATO-\u00e4hnliche Beistandsklausel enthalten soll: Ein Angriff auf einen der drei Staaten soll als Angriff auf alle betrachtet werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schon hier beginnt das Problem.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"BREAKING-Pepe EXPOSES MECCA PACT SIGNED \u2014 HORMUZ IS THE REAL STORY  What They&amp;apos;re Not Telling You\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KRZVkPrtWDY?start=262&amp;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div>\n<\/figure>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Niemand wei\u00df, was tats\u00e4chlich unterschrieben wurde<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar weist mehrfach darauf hin, dass der eigentliche Vertragstext nicht \u00f6ffentlich vorliegt. Die \u00d6ffentlichkeit kenne bislang nur jene Teile, die offenbar bewusst aus saudischen Quellen an die Medien weitergegeben wurden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was genau unter gegenseitiger Verteidigung verstanden wird, wann die Beistandsklausel greift, welche milit\u00e4rischen Verpflichtungen daraus entstehen und gegen wen sich der Pakt tats\u00e4chlich richtet, bleibt damit offen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar bezeichnet das Abkommen deshalb als \u201ehazy, tricky, dodgy\u201c \u2013 verschwommen, heikel und undurchsichtig. F\u00fcr ihn ist entscheidend, dass es keinerlei transparente Ver\u00f6ffentlichung des Vertrags gegeben habe. Das macht jede schnelle Interpretation problematisch. Von einer \u201esunnitischen NATO gegen Iran\u201c zu sprechen, h\u00e4lt Escobar ausdr\u00fccklich f\u00fcr falsch.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gegen Iran ergibt der Pakt f\u00fcr Escobar keinen Sinn<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Begr\u00fcndung ist simpel: Pakistan ist aktuell einer der wichtigsten Vermittler zwischen Iran und den Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Islamabad versuche seit Wochen, die Gespr\u00e4che zwischen beiden Seiten wiederzubeleben und eine R\u00fcckkehr zu dem zuvor ausgehandelten Memorandum zu erm\u00f6glichen. Gleichzeitig h\u00e4tten sich die Beziehungen zwischen Pakistan und Iran zuletzt deutlich verbessert. Escobar fragt deshalb: Warum sollte Pakistan gleichzeitig einen Verteidigungspakt unterzeichnen, dessen eigentliches Ziel Iran w\u00e4re?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Iran habe derzeit keinen erkennbaren Grund, Saudi-Arabien, die T\u00fcrkei oder Pakistan anzugreifen. Deshalb passe die Interpretation eines gegen Teheran gerichteten B\u00fcndnisses nicht zur aktuellen Lage. Hinzu kommt, dass Pakistan nach Escobars Darstellung bereits heute hervorragend mit fast allen wichtigen Akteuren der Region vernetzt ist: mit Iran, China, der T\u00fcrkei, den Golfstaaten und Washington.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Pakt sei daher nicht notwendig, damit Pakistan seine Rolle als geopolitische Br\u00fccke ausbauen k\u00f6nne \u2013 diese Rolle habe Islamabad l\u00e4ngst.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb stellt Escobar eine viel grunds\u00e4tzlichere Frage: Gibt es ein nicht ver\u00f6ffentlichtes strategisches Ziel hinter dem Vertrag?<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine neue regionale Sicherheitsordnung<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine m\u00f6gliche Antwort sieht Escobar in der Entstehung einer eigenst\u00e4ndigen Sicherheitsarchitektur f\u00fcr Westasien. Pakistan ist Atommacht. Die T\u00fcrkei besitzt die zweitgr\u00f6\u00dfte Armee innerhalb der NATO. Saudi-Arabien verf\u00fcgt \u00fcber enorme finanzielle Ressourcen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammen k\u00f6nnten die drei Staaten den Kern einer neuen regionalen Sicherheitsstruktur bilden, die zunehmend unabh\u00e4ngig von Washington funktioniert. Doch auch hier gibt es einen Widerspruch: Die T\u00fcrkei bleibt NATO-Mitglied.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar fragt deshalb, ob der Pakt tats\u00e4chlich der Beginn einer eigenst\u00e4ndigen regionalen Ordnung ist \u2013 oder ob die NATO \u00fcber Ankara ihren Einfluss tiefer nach Westasien und S\u00fcdasien ausdehnt. Beides w\u00e4re geopolitisch bedeutend.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gef\u00e4hrlichste Frage lautet Jemen<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch explosiver ist die m\u00f6gliche Bedeutung des Paktes f\u00fcr den Krieg im Jemen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar erinnert daran, dass Saudi-Arabien zuletzt erneut milit\u00e4risch gegen den Jemen vorgegangen sei und damit nach seiner Darstellung ein bestehendes Memorandum verletzt habe. Gleichzeitig h\u00e4lt Riad an der Blockade des Landes fest. Sollte Saudi-Arabien erneut einen gr\u00f6\u00dferen Krieg gegen Ansarallah beginnen, k\u00f6nnte der neue Beistandspakt theoretisch dazu benutzt werden, Pakistan und die T\u00fcrkei hineinzuziehen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar bezeichnet dies ausdr\u00fccklich als spekulatives Szenario \u2013 allerdings als eines, das er f\u00fcr plausibel h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine zentrale Frage lautet daher: Hat Mohammed bin Salman den neuen Pakt auch deshalb vorangetrieben, um k\u00fcnftig bei einem erneuten Krieg gegen den Jemen milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung aus Pakistan und der T\u00fcrkei verlangen zu k\u00f6nnen? Sp\u00e4ter im Gespr\u00e4ch wird diese Bef\u00fcrchtung allerdings relativiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Gespr\u00e4chspartner berichtet unter Berufung auf eigene pakistanische Quellen, Islamabad habe ausdr\u00fccklich die Aufgabe \u00fcbernommen, sowohl Iran als auch Ansarallah zu versichern, dass sich der Pakt nicht gegen sie richte. Selbst ein neuer Angriff Ansarallahs auf Saudi-Arabien solle demnach keine automatische milit\u00e4rische Reaktion Pakistans oder der T\u00fcrkei ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er verweist darauf, dass Pakistan bereits zuvor eine saudische Aufforderung zu milit\u00e4rischem Eingreifen abgelehnt habe. Die pakistanische F\u00fchrung habe sinngem\u00e4\u00df erkl\u00e4rt, man werde versuchen, den Konflikt politisch zu l\u00f6sen, sich aber nicht in den Krieg hineinziehen lassen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00fcrde bedeuten: Der \u00f6ffentlich verbreitete Vergleich mit Artikel 5 der NATO k\u00f6nnte in der Praxis sehr viel weniger automatisch funktionieren, als der Begriff vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">W\u00e4hrend alle auf Mekka schauen, verhandeln Iran und Oman \u00fcber Hormus<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kommt Escobar zum entscheidenden Punkt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Saudi-Arabien, Pakistan und die T\u00fcrkei ihren spektakul\u00e4ren Verteidigungspakt pr\u00e4sentieren, laufen parallel Verhandlungen zwischen Iran und Oman \u00fcber einen neuen Status der Stra\u00dfe von Hormus. Nach den Informationen, die Escobar im Gespr\u00e4ch wiedergibt, sei eine tempor\u00e4re Vereinbarung bereits weitgehend ausgehandelt. Er spricht von einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent f\u00fcr eine Einigung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und deren Inhalt w\u00e4re geopolitisch weit explosiver als der Mecca-Pakt.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Iran kontrolliert hinein \u2013 Oman und Iran kontrollieren hinaus<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Escobars Darstellung soll der neue Mechanismus ungef\u00e4hr so funktionieren: Schiffe, die in die Stra\u00dfe von Hormus einlaufen, w\u00fcrden vollst\u00e4ndig unter iranische Regeln und Kontrollen fallen. Iran h\u00e4tte damit praktisch die vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber den einlaufenden Verkehr.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim auslaufenden Verkehr w\u00fcrde zun\u00e4chst Oman zust\u00e4ndig sein. Doch auch dort soll Iran eine \u00fcbergeordnete Kontrollfunktion behalten. Escobar fasst es drastisch zusammen: hinein 100 Prozent iranische Kontrolle, hinaus m\u00f6glicherweise 50 bis 70 Prozent iranischer Einfluss. Hinzu k\u00e4men Verwaltungs-, Sicherheits- und andere Geb\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollte dieses Modell tats\u00e4chlich umgesetzt werden, w\u00e4re das eine fundamentale Ver\u00e4nderung der bisherigen Ordnung an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Washington w\u00e4re drau\u00dfen<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch bedeutender w\u00e4re, was nach Escobars Darstellung fehlt: eine amerikanische Rolle. Die USA w\u00e4ren an der neuen Ordnung nicht beteiligt. Escobar geht sogar so weit zu behaupten, dass amerikanische Kriegsschiffe unter dem m\u00f6glichen neuen Regime keinen freien Zugang zur Stra\u00dfe von Hormus mehr h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb bezeichnet er einen solchen Vertrag zwischen Oman und Iran als faktische strategische Niederlage der Vereinigten Staaten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der eigentliche Kern seiner Analyse. Nicht der Mecca-Pakt ver\u00e4ndert die Machtbalance unmittelbar. Die Neuordnung von Hormus w\u00fcrde es tun.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hormus war immer der Kern des Krieges<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar widerspricht dabei der verbreiteten Darstellung, wonach der Konflikt vor allem um das iranische Atomprogramm gef\u00fchrt worden sei. Nach seiner Interpretation war Hormus von Anfang an das eigentliche Zentrum. Er nennt den Konflikt einen \u201e\u00d6lkrieg\u201c, einen Krieg um einen strategischen Engpass und letztlich einen Krieg um die Stabilit\u00e4t des Petrodollar-Systems.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran sei deshalb so problematisch f\u00fcr Washington, weil das Land nicht nur au\u00dferhalb des amerikanisch dominierten Finanz- und Sicherheitssystems operiere, sondern seine Energie zunehmend au\u00dferhalb der traditionellen Dollarstrukturen verkaufe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verbindet Escobar den Iran-Konflikt unmittelbar mit Russland und China.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran, Russland und China seien drei miteinander verbundene S\u00e4ulen der eurasischen Integration. Druck auf Iran sei deshalb indirekt auch Druck auf Moskau und Peking.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">China steht hinter den Vermittlungsbem\u00fchungen<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig ist dabei China.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Escobars Darstellung arbeitet Peking im Hintergrund darauf hin, das urspr\u00fcngliche Memorandum zwischen Iran und den USA wiederzubeleben. China brauche stabile Handelswege und eine berechenbare Stra\u00dfe von Hormus. Peking unterst\u00fctze deshalb sowohl Pakistan als Vermittler als auch die Bem\u00fchungen Omans und Katars.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die chinesische Position sei einfach: freie Navigation, Einhaltung internationaler Regeln und R\u00fcckkehr zu den bereits ausgehandelten Vereinbarungen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit entsteht ein bemerkenswertes Bild.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Washington milit\u00e4risch immer st\u00e4rker unter Druck ger\u00e4t, organisiert China im Hintergrund eine diplomatische Ordnung, in der regionale Staaten selbst verhandeln.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der amerikanische milit\u00e4rische Spielraum schrumpft<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Escobar beschreibt die milit\u00e4rische Situation der Vereinigten Staaten dramatisch.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner Darstellung seien gro\u00dfe Teile der amerikanischen milit\u00e4rischen Infrastruktur in Westasien schwer besch\u00e4digt. Gleichzeitig gebe es Engp\u00e4sse bei Patriot-Raketen und anderen Waffensystemen. Auch die strategischen \u00d6lreserven der USA w\u00fcrden nach seiner Darstellung kritisch niedrig. Er interpretiert diese Entwicklung als einen wesentlichen Grund daf\u00fcr, dass Washington derzeit vor einer neuen gro\u00dfen Eskalation zur\u00fcckschreckt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu komme der Druck aus den Golfstaaten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mohammed bin Salman habe Trump nach Escobars Darstellung pers\u00f6nlich davor gewarnt, einen neuen Gro\u00dfangriff auf Iran zu beginnen, weil die Golfstaaten anschlie\u00dfend die iranische Vergeltung tragen m\u00fcssten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Botschaft sei sinngem\u00e4\u00df gewesen: Wir werden uns f\u00fcr euren Krieg nicht opfern. Sollte diese Darstellung zutreffen, w\u00e4re das ein bemerkenswerter Bruch mit der bisherigen regionalen Ordnung. Denn jahrzehntelang garantierten die USA den Golfmonarchien Sicherheit.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun scheinen zumindest einige dieser Staaten davon auszugehen, dass Washington sie im Ernstfall nicht mehr ausreichend sch\u00fctzen kann.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Mecca-Pakt w\u00e4re dann eine Reaktion auf amerikanische Schw\u00e4che<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier erh\u00e4lt der neue Verteidigungspakt eine v\u00f6llig andere Bedeutung. Der zweite Gespr\u00e4chspartner erkl\u00e4rt unter Berufung auf seine Quellen, Pakistan, die T\u00fcrkei und Saudi-Arabien seien davon \u00fcberzeugt, dass sich die Vereinigten Staaten aus der Region zur\u00fcckziehen w\u00fcrden. Nicht freiwillig als unangefochtene Supermacht, sondern geschw\u00e4cht. Der Mecca-Pakt solle deshalb helfen, das entstehende Sicherheitsvakuum zu f\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Staaten k\u00f6nnten nach dieser Darstellung folgen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Katar werde m\u00f6glicherweise Teil einer solchen Sicherheitsstruktur. Kuwait unterhalte bereits enge milit\u00e4rische Beziehungen zu Pakistan. Oman k\u00f6nnte ebenfalls enger eingebunden werden. Nur die Vereinigten Arabischen Emirate seien bislang unsicher.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit w\u00fcrde sich eine v\u00f6llig neue Architektur herausbilden: Pakistan, Iran und die T\u00fcrkei als milit\u00e4rische Schwergewichte, Saudi-Arabien und andere Golfstaaten als finanzielle und wirtschaftliche Partner \u2013 und China als wichtigster au\u00dfenwirtschaftlicher Gewinner.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pakistan wird zum Drehkreuz<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vielleicht untersch\u00e4tzteste Gewinner dieser Entwicklung w\u00e4re Pakistan.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Islamabad verbindet heute Akteure, die noch vor wenigen Jahren kaum gemeinsam gedacht wurden. Pakistan verf\u00fcgt \u00fcber enge Beziehungen zu China, gute Beziehungen zu Iran, eine jahrzehntelange Sicherheitsbeziehung zu Saudi-Arabien und immer engere milit\u00e4rische Beziehungen zur T\u00fcrkei.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig ist Pakistan Vermittler zwischen Washington und Teheran. Das macht Islamabad zu einem m\u00f6glichen Drehkreuz einer neuen regionalen Ordnung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Quellen des Gespr\u00e4chspartners seien die Beziehungen zwischen Iran und Pakistan inzwischen so eng wie seit Jahrzehnten nicht mehr.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der eigentliche Gewinner hei\u00dft Iran<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Escobars Informationen \u00fcber Hormus zutreffen, w\u00e4re der strategische Gewinner allerdings Iran.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teheran h\u00e4tte dann etwas erreicht, was Washington jahrzehntelang verhindern wollte: eine institutionalisierte iranische Kontrollfunktion \u00fcber den wichtigsten Energieengpass der Welt. Nicht nur milit\u00e4risch. Nicht nur faktisch. Sondern m\u00f6glicherweise durch eine Vereinbarung mit Oman diplomatisch abgesichert. Das w\u00fcrde den iranischen Einfluss auf die weltweiten Energiefl\u00fcsse enorm erh\u00f6hen. Gleichzeitig w\u00fcrde Iran zu einem unverzichtbaren Akteur f\u00fcr China, Indien, die Golfstaaten und praktisch jeden gro\u00dfen Energieimporteur Asiens.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und genau deshalb ist Hormus die eigentliche Geschichte<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mecca-Pakt ist spektakul\u00e4r.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei der wichtigsten sunnitischen Staaten schlie\u00dfen einen NATO-\u00e4hnlichen Vertrag. Pakistan bringt Atomwaffen und milit\u00e4rische St\u00e4rke ein, die T\u00fcrkei ihre gro\u00dfe Armee und R\u00fcstungsindustrie, Saudi-Arabien seine Finanzkraft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Escobars Analyse legt nahe, dass dieses Abkommen eher eine Reaktion auf die neue Realit\u00e4t ist als deren Ursache. Die eigentliche tektonische Verschiebung findet wenige hundert Kilometer weiter \u00f6stlich statt. In der Stra\u00dfe von Hormus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Iran und Oman tats\u00e4chlich einen neuen Mechanismus f\u00fcr die Kontrolle des Schiffsverkehrs vereinbaren und Washington dabei au\u00dfen vor bleibt, ver\u00e4ndert sich die Sicherheitsordnung des gesamten Persischen Golfs.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann w\u00e4re nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich, dass die Vereinigten Staaten die Regeln an der wichtigsten \u00d6lroute der Welt bestimmen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau deshalb k\u00f6nnte der scheinbar technische Hormus-Deal langfristig bedeutender werden als jede spektakul\u00e4re Milit\u00e4rallianz.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Eine neue Ordnung entsteht gleichzeitig auf mehreren Ebenen<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Au\u00dfergew\u00f6hnliche an der aktuellen Situation ist nicht ein einzelnes Abkommen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist die Gleichzeitigkeit. Saudi-Arabien, Pakistan und die T\u00fcrkei bauen eine eigene Verteidigungsstruktur auf. Pakistan vermittelt zwischen Iran und den USA. Iran und Oman verhandeln \u00fcber die praktische Kontrolle der Stra\u00dfe von Hormus. China unterst\u00fctzt eine regional ausgehandelte Sicherheitsarchitektur.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Golfstaaten wollen keinen neuen amerikanischen Krieg mit Iran.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Washington besitzt offenbar weniger milit\u00e4rischen und politischen Spielraum als noch vor wenigen Monaten. Escobar sieht darin den Beginn einer grundlegenden Neuordnung Westasiens.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist vieles unklar. Der Mecca-Pakt ist nicht \u00f6ffentlich. Die endg\u00fcltige Hormus-Vereinbarung liegt ebenfalls noch nicht vor. Zahlreiche Aussagen im Gespr\u00e4ch beruhen auf nicht \u00f6ffentlich \u00fcberpr\u00fcfbaren Quellen, und Escobar selbst betont mehrfach seine Skepsis gegen\u00fcber Teilen der ihm zugespielten Informationen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch sollte sich nur ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung best\u00e4tigen, w\u00e4re die Konsequenz enorm:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Nahe Osten w\u00fcrde sich nicht mehr l\u00e4nger prim\u00e4r um Washington organisieren. Regionale M\u00e4chte beginnen, ihre eigene Sicherheitsordnung aufzubauen \u2013 und ausgerechnet Iran k\u00f6nnte k\u00fcnftig \u00fcber den strategisch wichtigsten Energieengpass der Welt verf\u00fcgen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mecca-Pakt w\u00e4re dann lediglich das sichtbare Symptom.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die eigentliche Revolution findet in Hormus statt<\/strong>.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die Welt auf den \u00fcberraschend unterzeichneten Verteidigungspakt zwischen Saudi-Arabien, der T\u00fcrkei und Pakistan blickt, k\u00f6nnte sich fast zeitgleich eine weit bedeutendere geopolitische Verschiebung vollziehen. Nach Einsch\u00e4tzung des Journalisten Pepe Escobar ist nicht der neue \u201eMecca-Pakt\u201c die eigentliche Geschichte, sondern die sich abzeichnende Neuordnung der Stra\u00dfe von Hormus. 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