{"id":17072,"date":"2026-08-09T22:02:52","date_gmt":"2026-08-09T20:02:52","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/billigere-waffen-benoetigt-pentagon-will-den-us-ruestungskomplex-neu-strukturieren\/"},"modified":"2026-08-09T22:02:52","modified_gmt":"2026-08-09T20:02:52","slug":"billigere-waffen-benoetigt-pentagon-will-den-us-ruestungskomplex-neu-strukturieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/billigere-waffen-benoetigt-pentagon-will-den-us-ruestungskomplex-neu-strukturieren\/","title":{"rendered":"&#8222;Billigere Waffen ben\u00f6tigt&#8220;: Pentagon will den US-R\u00fcstungskomplex neu strukturieren"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Boris Dscherelejewski<\/em><\/p>\n<p>Das US-amerikanische Zentrum f\u00fcr strategische und internationale Studien (CSIS) hat f\u00fcr die USA vernichtende Erkenntnisse \u00fcber den Zustand der US-amerikanischen Arsenale ver\u00f6ffentlicht. Die aktuellen Best\u00e4nde an gelenkten Flugabwehrraketen f\u00fcr das Patriot-System belaufen sich derzeit auf weniger als 1.000 St\u00fcck (vor Beginn des Krieges mit Iran befanden sich etwa 2.330 Raketen auf Lager), f\u00fcr das THAAD-System auf etwa 250 (360 Raketen vor Beginn des Konflikts).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden mehr als 1.000 Tomahawk-Marschflugk\u00f6rper und 1.100 JASSM-Raketen eingesetzt. Auch die Best\u00e4nde an SM-3-, SM-6- und PrSM-Raketen seien erheblich reduziert worden, wobei ihre urspr\u00fcngliche Anzahl nicht angegeben wird.<\/p>\n<p>Demnach werde es allein mehr als drei Jahre dauern, bis die Best\u00e4nde an Tomahawk-, THAAD- und Patriot-Raketen wieder das Vorkriegsniveau erreichen, wobei die Patriot-Systeme, f\u00fcr die im Jahr 2027 Mittel bereitgestellt werden sollen, erst im Mai 2029 lieferbar sein werden \u2013 fr\u00fcher sei dies f\u00fcr die US-R\u00fcstungsindustrie schlichtweg nicht machbar.<\/p>\n<p>Das CSIS beklagt, dass die entstandene Situation eine langj\u00e4hrige Verwundbarkeit gegen\u00fcber China bedeute und zudem dazu f\u00fchre, dass US-amerikanische Waffenlieferanten ihren Verpflichtungen gegen\u00fcber den US-Verb\u00fcndeten nicht nachkommen k\u00f6nnten, von denen viele die Raketen bereits bezahlt h\u00e4tten, diese aber nicht so bald erhalten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nat\u00fcrlich vermuten, dass das Zentrum eine Anti-Trump-Agenda verfolgt und damit andeuten will, dass das Iran-Abenteuer die USA gegen\u00fcber Gegnern, die st\u00e4rker sind als Iran, entwaffnet hat. Doch selbst wenn man bei diesem Bericht von einem politischen Auftrag ausgeht, \u00e4ndert dies nichts an der Tatsache, dass die US-Streitkr\u00e4fte nicht auf einen mehr oder weniger langwierigen Konflikt vorbereitet sind. Umso mehr, als das Pentagon laut der Nachrichtenagentur <em>Bloomberg<\/em> dringend 18,2 Milliarden US-Dollar f\u00fcr den Sofortkauf von 1.137 PAC-3 MSE, 479 THAAD, 462 Tomahawk-Marschflugk\u00f6rpern, 433 PRSM und 442 SM-6 beantragt.<\/p>\n<p>Trump selbst versucht, sich zu rechtfertigen, indem er seinen Vorg\u00e4nger Joe Biden beschuldigt, zu viele Waffen nach Kiew geliefert und damit die Arsenale des Pentagons leerger\u00e4umt zu haben. Doch THAAD- und Tomahawk-Raketen beispielsweise wurden nicht an die ukrainischen Streitkr\u00e4fte \u00fcbergeben. Zudem orientiert sich Washington an einem Konzept, wonach die US-Streitkr\u00e4fte in der Lage sein m\u00fcssen, einen gro\u00dfen, hochintensiven Konflikt (beispielsweise mit der Volksrepublik China) zu f\u00fchren und gleichzeitig an mehreren weiteren Fronten &#8222;Aggressionen einzud\u00e4mmen&#8220;. Doch allem Anschein nach wird dieses Konzept nicht umgesetzt.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass die USA beabsichtigen, einen Krieg gegen China mit konventionellen Mitteln oder im Extremfall im Rahmen eines begrenzten Atomkriegs zu f\u00fchren; andernfalls h\u00e4tte die Anzahl der THAAD- und Tomahawk-Raketen keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung, ebenso wenig wie der Verlauf der Konflikte an anderen Fronten. Wir wollen die Realit\u00e4tsn\u00e4he des US-amerikanischen Szenarios nicht bewerten, aber es ist offensichtlich, dass sie auch darauf nicht vorbereitet sind.<\/p>\n<p><strong>Nicht einmal den Jemen verm\u00f6gen die USA zu besiegen<\/strong><\/p>\n<p>Den aktuellen Krieg gegen Iran kann man bislang kaum als einen langwierigen bezeichnen (obwohl die Chancen gut stehen, dass er sich zu einem solchen entwickeln wird), doch das Pentagon hat bereits die H\u00e4lfte seiner Vorr\u00e4te aufgebraucht. Und in Washington hat man die eigene Verwundbarkeit voll und ganz zu sp\u00fcren bekommen. Die USA haben gezeigt, dass sie in einem modernen Hightech-Krieg Iran nicht besiegen k\u00f6nnen, ja nicht einmal den Jemen, und riskieren nun, ihre f\u00fchrende Position auf dem weltweiten R\u00fcstungsmarkt zu verlieren, da sie ihre Lieferverpflichtungen nicht einmal ihren engsten Verb\u00fcndeten gegen\u00fcber zu erf\u00fcllen in der Lage sind. Das hei\u00dft, die blo\u00dfe Wiederauff\u00fcllung des Vorkriegsbestands ist keine L\u00f6sung f\u00fcr das entstandene Problem \u2013 es wird ein Vielfaches an Waffen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Doch was hindert die USA daran, den Umfang ihrer Waffenproduktion drastisch zu steigern?<\/p>\n<p>In erster Linie sind dies das enorme Haushaltsdefizit und die gigantische Staatsverschuldung. Dabei versch\u00e4rfen die laufenden Kampfhandlungen gegen Iran die Situation noch weiter. Einigen Angaben zufolge wurden daf\u00fcr bereits mehr als 130 Milliarden US-Dollar ausgegeben.<\/p>\n<p>Ein weiteres Hindernis sind die Grundprinzipien der Funktionsweise des US-amerikanischen R\u00fcstungskomplexes. Grob gesagt ist es f\u00fcr die Hersteller weitaus rentabler, eine einzige unglaublich teure Rakete herzustellen als hundert mit \u00e4hnlichen Eigenschaften, die jedoch billiger sind. Da die produzierten Waffenmengen gering sind, sind auch die Produktionskapazit\u00e4ten begrenzt. Es ist dort nicht \u00fcblich, Montagelinien f\u00fcr eine m\u00f6gliche Ausweitung der Produktion zu reservieren \u2013 sie werden entweder umger\u00fcstet oder abgebaut. Alle oben genannten US-amerikanischen Raketen, sowohl Flugabwehrraketen als auch Marschflugk\u00f6rper und ballistische Raketen, sind unglaublich teuer, und ihre Herstellung in der erforderlichen Menge w\u00fcrde exorbitante Summen erfordern. Und um sie herstellen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste die Produktionsbasis erheblich erweitert werden. Das hei\u00dft, die Situation ist fast ausweglos.<\/p>\n<p>Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Pentagon versuchen, diese Situation zu l\u00f6sen, indem es die bestehenden Ans\u00e4tze zur Gestaltung des Waffensystems \u00e4ndert und massenproduzierte, kosteng\u00fcnstige Modelle zur Grundlage macht. Bestimmte Schritte in diese Richtung wurden bereits vor Beginn der Aggression gegen Iran unternommen, insbesondere, als die Produktion der LUCAS-Drohnen aufgenommen wurde, bei denen es sich um einen Klon der iranischen Shahed-136 handelt. Das Unternehmen SpektreWorks, das diese &#8222;Raubkopie&#8220; herstellt, erh\u00e4lt vom Pentagon 35.000 US-Dollar pro St\u00fcck \u2013 nach US-amerikanischen Ma\u00dfst\u00e4ben ein Klacks.<\/p>\n<p>Die US-Marine investiert 70 Millionen US-Dollar in die Entwicklung einer &#8222;Oberfl\u00e4che-zu-Oberfl\u00e4che&#8220;-Version des ebenfalls vergleichsweise kosteng\u00fcnstigen Fl\u00fcgelraketen-Systems RAACM-ER. Diese Raketen, deren Reichweite voraussichtlich bei etwa 900 Kilometern liegen wird, gelten als Alternative zum Tomahawk (sie werden deutlich g\u00fcnstiger sein) und sollen auch an US-Verb\u00fcndete geliefert werden. Es sei angemerkt, dass der Hersteller CoAspire, ebenso wie SpektreWorks, ein vergleichsweise junges Unternehmen ist: Es wurde 2013 gegr\u00fcndet und ist bereit, zur Eroberung des Marktes Dumpingpreise in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass das Pentagon \u2013 unter Umgehung der f\u00fcr die USA \u00fcblichen Lobbyverfahren \u2013 f\u00fcr die Massenproduktion kosteng\u00fcnstiger Waffen lieber junge Unternehmen oder gar Start-ups heranzieht, sorgt bei R\u00fcstungsgiganten wie Lockheed Martin f\u00fcr enorme Anspannung. Aus Angst, seine Marktposition zu verlieren, hat dieses Unternehmen eine beispiellose Preissenkung f\u00fcr seine Produkte vorgenommen und eine neue Rakete f\u00fcr das Patriot-Luftabwehrsystem PAC-3 ACE (Adapted Capability Effector \u2013 effektive angepasste F\u00e4higkeiten) vorgestellt, die halb so teuer ist wie die Standardrakete PAC-3 MSE (etwa 2,5 Millionen statt f\u00fcnf Millionen US-Dollar). Doch auch das ist immer noch extrem teuer, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die &#8222;g\u00fcnstige&#8220; Rakete im Vergleich zur Basisversion nur eingeschr\u00e4nkte Kampfeigenschaften aufweisen wird. Ein Marktvorsto\u00df &#8222;junger&#8220; Wettbewerber im Bereich der Flugabwehrraketensysteme ist daher nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Zudem hat das Pentagon eine Eilausschreibung f\u00fcr die Entwicklung eines neuen Langstrecken-Angriffssystems (\u00fcber 1.100 Kilometer) namens GBAM (Ground-Based Affordable Mass \u2013 bodengest\u00fctzt, erschwinglich, massentauglich) ver\u00f6ffentlicht. Die wichtigsten Anforderungen sind dabei: der Preis (nicht mehr als 250.000 US-Dollar pro Einheit), die Geschwindigkeit des Produktionsstarts \u2013 der Prototyp muss in den n\u00e4chsten drei Monaten fertig sein, und f\u00fcr den Aufbau der Produktion stehen anderthalb Jahre zur Verf\u00fcgung \u2013 sowie das Produktionsvolumen \u2013 mindestens 100 Einheiten pro Monat.<\/p>\n<p>Die USA befinden sich nicht nur in einer Situation des Haushaltsdefizits, sondern auch unter gro\u00dfem Zeitdruck \u2013 ihre F\u00e4higkeit, in einen regionalen Konflikt einzugreifen oder einen solchen zu provozieren, steht infrage, ebenso wie die M\u00f6glichkeit, den Markt mit eigenen Waffen zu \u00fcberschwemmen (Vertr\u00e4ge \u00fcber die Lieferung US-amerikanischer Waffen \u00e4hneln zunehmend Investitionen in ein Pyramidensystem). Und genau dies sind wichtige Grundlagen der US-amerikanischen Vorherrschaft. Um die Kontrolle \u00fcber den Teil der Welt, der noch in ihrer Einflusssph\u00e4re liegt, nicht zu verlieren, ist Washington bestrebt, seine Verwundbarkeit so schnell wie m\u00f6glich zu beseitigen. Ob das gelingen wird, ist eine gro\u00dfe Frage. Inwieweit sind die R\u00fcstungsgiganten, deren Einfluss auf die US-amerikanische Politik sehr gro\u00df ist, zu einer solchen &#8222;Umstrukturierung&#8220; bereit? Wird die US-Regierung vielleicht auf Sabotage oder sogar Aufruhr ihrerseits sto\u00dfen?<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/opinions\/2026\/8\/6\/1439695.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 6. August 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Boris Dscherelejewski<\/strong> ist Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0<strong>\u2013<\/strong>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/287807-verteidigungsminister-hegseth-draengt-auf-sofortmassnahmen\/\">Kriegsminister Hegseth dr\u00e4ngt auf Sofortma\u00dfnahmen: Munitionslager sind alarmierend leer<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7bnqns\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Boris Dscherelejewski Das US-amerikanische Zentrum f\u00fcr strategische und internationale Studien (CSIS) hat f\u00fcr die USA vernichtende Erkenntnisse \u00fcber den Zustand der US-amerikanischen Arsenale ver\u00f6ffentlicht. 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