{"id":17625,"date":"2026-08-13T09:12:34","date_gmt":"2026-08-13T07:12:34","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/putins-schlimmster-albtraum-wie-blick-aus-einer-westlich-vernetzten-umfragequelle-eine-krise-im-kreml-konstruiert\/"},"modified":"2026-08-13T09:12:34","modified_gmt":"2026-08-13T07:12:34","slug":"putins-schlimmster-albtraum-wie-blick-aus-einer-westlich-vernetzten-umfragequelle-eine-krise-im-kreml-konstruiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/putins-schlimmster-albtraum-wie-blick-aus-einer-westlich-vernetzten-umfragequelle-eine-krise-im-kreml-konstruiert\/","title":{"rendered":"\u201ePutins schlimmster Albtraum\u201c? Wie Blick aus einer westlich vernetzten Umfragequelle eine Krise im Kreml konstruiert"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<a href=\"https:\/\/archive.is\/wBOeC#selection-561.0-1255.313\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/archive.is\/wBOeC#selection-561.0-1255.313\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Putins schlimmster Albtraum wird wahr<\/a>\u201c, titelt <em>Blick<\/em>. Der Krieg komme nach Hause, die Russen beg\u00e4nnen zu zweifeln, und der Kremlchef werde ausgerechnet im eigenen Land verwundbar. Als zentralen Beleg pr\u00e4sentiert die Zeitung Zahlen des Levada-Zentrums, das sie als \u201eunabh\u00e4ngig\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schaut man genauer hin, wird die Geschichte wesentlich komplizierter. Das betrifft nicht nur die Interpretation der Umfragen. Es betrifft auch die Institution, auf deren Zahlen <em>Blick<\/em> seine dramatische Erz\u00e4hlung st\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Levada-Zentrum ist tats\u00e4chlich kein staatliches russisches Meinungsforschungsinstitut. \u201eUnabh\u00e4ngig\u201c im Sinne von \u201enicht vom Kreml kontrolliert\u201c ist deshalb eine nachvollziehbare Beschreibung. <strong>Finanziell v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von westlichen Institutionen war Levada zumindest in der Vergangenheit jedoch ebenfalls nicht.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb wurde das Institut 2016 in Russland als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c registriert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem damaligen Pr\u00fcfbericht des russischen Justizministeriums hatte Levada ausl\u00e4ndische Einnahmen erhalten, wobei laut der von RBC wiedergegebenen Beh\u00f6rdenfeststellung <strong>der gr\u00f6\u00dfte Teil der festgestellten Auslandsfinanzierung aus den USA kam<\/strong>. Genannt wurden unter anderem die University of Wisconsin\u2013Madison, George Washington University, Columbia University und University of Colorado. Hinzu kamen Gallup aus den USA, Ipsos MORI aus Gro\u00dfbritannien sowie die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Technische Zusammenarbeit und weitere ausl\u00e4ndische Einrichtungen. (<a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/politics\/06\/09\/2016\/57ceaf969a79473d2c782a3d\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u0420\u0411\u041a<\/a>) (<a href=\"https:\/\/www.interfax.ru\/russia\/527200\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.interfax.ru\/russia\/527200\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Levada<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist f\u00fcr die Einordnung relevant \u2013 aber kein Beweis daf\u00fcr, dass diese Institutionen Levada kontrollierten oder Umfrageergebnisse vorgaben. Levada argumentierte, es habe sich um internationale Forschungs- und kommerzielle Auftr\u00e4ge gehandelt, und bek\u00e4mpfte die Einstufung als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c. Die russische Regierung wiederum wertete diese Einnahmen zusammen mit der politischen T\u00e4tigkeit des Instituts als Grundlage f\u00fcr die Registrierung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Geschichte journalistisch sauber erz\u00e4hlen will, m\u00fcsste deshalb eigentlich <strong>beide Seiten<\/strong> erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Blick<\/em> tut das nur zur H\u00e4lfte. Der Leser erf\u00e4hrt zwar, dass der Kreml Levada als \u201eausl\u00e4ndischen Agenten\u201c einstuft. Warum es zu dieser Einstufung kam und dass tats\u00e4chlich ausl\u00e4ndische Geldfl\u00fcsse festgestellt wurden, erf\u00e4hrt er nicht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch entsteht ein bequemes Bild: Hier das \u201eunabh\u00e4ngige Levada-Zentrum\u201c, dort der Kreml, der kritische Meinungsforscher mit einem repressiv klingenden Etikett versieht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die dokumentierte Vorgeschichte passt weniger gut in dieses Schema.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Noch problematischer wird es bei den Zahlen selbst<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn selbst Levada liefert <em>Blick<\/em> keineswegs das eindeutige Bild eines politischen Zusammenbruchs, das die Schlagzeile suggeriert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levada berichtete f\u00fcr Juni 2026, dass <strong>67 Prozent der Befragten die Handlungen der russischen Streitkr\u00e4fte in der Ukraine unterst\u00fctzten<\/strong>. 35 Prozent antworteten \u201edefinitiv\u201c, weitere 32 Prozent \u201eeher\u201c. Nur 24 Prozent erkl\u00e4rten, die milit\u00e4rischen Handlungen nicht zu unterst\u00fctzen. (<a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/2026\/07\/07\/konflikt-s-ukrainoj-v-iyune-2026-goda-vnimanie-podderzhka-rossijskih-vooruzhennyh-sil-mnenie-o-neobhodimosti-peregovorov-i-primenenii-yadernogo-oruzhiya\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Levada<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Levada-Zentrum selbst fasst den Befund entsprechend n\u00fcchtern zusammen: Die Mehrheit der Russen unterst\u00fctze weiterhin die Handlungen der russischen Streitkr\u00e4fte. (<a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/publications\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Levada<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgerechnet diese Feststellung passt schlecht zu:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201ePutins schlimmster Albtraum wird wahr.\u201c<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Blick<\/em> r\u00fcckt stattdessen eine andere Zahl in den Vordergrund: Nur noch acht Prozent betrachteten den Krieg als \u201esehr erfolgreich\u201c.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das ist nicht dasselbe wie die Frage, ob jemand den Krieg beziehungsweise die russischen Streitkr\u00e4fte unterst\u00fctzt. Ein Befragter kann mit dem Verlauf eines Krieges unzufrieden sein und trotzdem die eigene Armee unterst\u00fctzen. Werden diese unterschiedlichen Fragen sprachlich miteinander verbunden, entsteht schnell ein wesentlich dramatischeres Bild.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Friedensverhandlungen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tats\u00e4chlich sagten im Juni <strong>64 Prozent<\/strong>, Russland solle zu Friedensverhandlungen \u00fcbergehen. Das ist ein deutliches Zeichen f\u00fcr Kriegsm\u00fcdigkeit und sollte keineswegs kleingeredet werden. Gleichzeitig unterst\u00fctzen aber 67 Prozent die russischen Streitkr\u00e4fte. (<a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/2026\/07\/07\/konflikt-s-ukrainoj-v-iyune-2026-goda-vnimanie-podderzhka-rossijskih-vooruzhennyh-sil-mnenie-o-neobhodimosti-peregovorov-i-primenenii-yadernogo-oruzhiya\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Levada<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese scheinbar widerspr\u00fcchlichen Zahlen sind gerade der entscheidende Befund. Viele Russen k\u00f6nnen offenbar <strong>gleichzeitig ihre Armee unterst\u00fctzen und Verhandlungen w\u00fcnschen<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201e64 Prozent wollen Verhandlungen\u201c l\u00e4sst sich deshalb nicht automatisch \u201e64 Prozent wenden sich gegen Putin\u201c ableiten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wenig eindeutig diese Zahlen sind, zeigt der zeitliche Verlauf. Im Mai wollten 60 Prozent Friedensverhandlungen. Gleichzeitig war der Anteil jener, die eine Fortsetzung der milit\u00e4rischen Operationen bef\u00fcrworteten, innerhalb von zwei Monaten von 24 auf <strong>30 Prozent gestiegen<\/strong>. Levada selbst schrieb damals ausdr\u00fccklich von einem langsamen R\u00fcckgang der Verhandlungsbef\u00fcrworter w\u00e4hrend der vorausgegangenen drei Monate. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Monat sp\u00e4ter bewegten sich die Werte wieder in die andere Richtung. Das sieht nach einer Bev\u00f6lkerung aus, deren Stimmung schwankt und in der eine erhebliche Kriegsm\u00fcdigkeit vorhanden ist.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es sieht aber nicht nach dem unmittelbar bevorstehenden politischen Albtraum aus, den die Blick-Schlagzeile daraus macht.<\/strong><\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus Daten wird eine Erz\u00e4hlung<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch auff\u00e4lliger ist die Sprache des Artikels. Putin \u201edreht auf\u201c, sein \u201eschlimmster Albtraum\u201c werde wahr, die Russen \u201ebeginnen zu zweifeln\u201c, die Ukraine \u201esch\u00fcttelt ein Ass aus dem \u00c4rmel\u201c, und der neue ukrainische Armeechef wird zum m\u00f6glichen \u201eAlbtraum\u201c Moskaus aufgebaut.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine neutrale Sprache zur Beschreibung einer Meinungsumfrage. Es ist dramaturgisches Framing.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich darf eine Zeitung analysieren und zuspitzen. Problematisch wird es dort, wo die Zuspitzung den Eindruck vermittelt, die zugrunde liegenden Daten w\u00fcrden eine wesentlich eindeutigere Entwicklung zeigen, als sie tats\u00e4chlich tun.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn liest man die Originaldaten statt der Schlagzeile, lautet der Befund ungef\u00e4hr so:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Russlands Milit\u00e4roperation ist zuletzt deutlich gesunken. Gleichzeitig unterst\u00fctzt sie weiterhin eine klare Mehrheit. Die Zahl der Bef\u00fcrworter von Verhandlungen ist hoch. Viele Russen scheinen also einen Verhandlungsfrieden zu wollen, ohne deshalb ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die russischen Streitkr\u00e4fte aufzugeben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist politisch durchaus interessant. Aber es ist eine v\u00f6llig andere Geschichte als <strong>\u201ePutins schlimmster Albtraum wird wahr\u201c<\/strong>.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und ausgerechnet Levada zeigt das<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss Levada \u00fcberhaupt nicht diskreditieren, um die Blick-Erz\u00e4hlung infrage zu stellen. Im Gegenteil: <strong>Man kann Levada beim Wort nehmen.<\/strong> Das Institut, auf das sich <em>Blick<\/em> beruft, meldet selbst eine Unterst\u00fctzung der russischen Streitkr\u00e4fte von 67 Prozent. (<a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/2026\/07\/07\/konflikt-s-ukrainoj-v-iyune-2026-goda-vnimanie-podderzhka-rossijskih-vooruzhennyh-sil-mnenie-o-neobhodimosti-peregovorov-i-primenenii-yadernogo-oruzhiya\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Levada<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig sollte bei einer transparenten Einordnung erw\u00e4hnt werden, dass Levada historisch erhebliche internationale Verbindungen hatte und 2016 nach festgestellten ausl\u00e4ndischen Einnahmen als \u201eausl\u00e4ndischer Agent\u201c registriert wurde. Unter den damals genannten Partnern befanden sich mehrere US-Universit\u00e4ten, Gallup, Ipsos MORI und eine deutsche Entwicklungsorganisation.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht Levada <strong>nicht automatisch zu einem Instrument Washingtons<\/strong> und beweist keine Manipulation seiner Umfragen. Ebenso wenig macht die russische Einstufung seine Daten automatisch falsch. Aber es macht die unkommentierte Bezeichnung als \u201eunabh\u00e4ngiges Levada-Zentrum\u201c unvollst\u00e4ndig, wenn gleichzeitig die Finanzierungsgeschichte ausgeblendet wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und selbst mit diesen Vorbehalten bleibt das Entscheidende bestehen:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die von Blick gew\u00e4hlte Quelle widerlegt die dramatischste Interpretation des Blick-Artikels teilweise selbst.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, es gibt Kriegsm\u00fcdigkeit. Ja, die Unterst\u00fctzung ist gesunken. Ja, eine Mehrheit will Verhandlungen. Aber ebenfalls ja: Nach derselben Levada-Erhebung unterst\u00fctzen weiterhin <strong>zwei Drittel der Russen die Handlungen ihrer Streitkr\u00e4fte<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem widerspr\u00fcchlichen gesellschaftlichen Stimmungsbild einen \u201eschlimmsten Albtraum Putins\u201c zu machen, ist keine zwingende Schlussfolgerung aus den Daten. <strong>Es ist eine redaktionelle Erz\u00e4hlung.<\/strong><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201ePutins schlimmster Albtraum wird wahr\u201c, titelt Blick. Der Krieg komme nach Hause, die Russen beg\u00e4nnen zu zweifeln, und der Kremlchef werde ausgerechnet im eigenen Land verwundbar. Als zentralen Beleg pr\u00e4sentiert die Zeitung Zahlen des Levada-Zentrums, das sie als \u201eunabh\u00e4ngig\u201c bezeichnet. Doch schaut man genauer hin, wird die Geschichte wesentlich komplizierter. 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