{"id":17741,"date":"2026-08-13T20:12:35","date_gmt":"2026-08-13T18:12:35","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/er-stimmte-gegen-krieg-vor-155-jahren-wurde-karl-liebknecht-geboren\/"},"modified":"2026-08-13T20:12:35","modified_gmt":"2026-08-13T18:12:35","slug":"er-stimmte-gegen-krieg-vor-155-jahren-wurde-karl-liebknecht-geboren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/er-stimmte-gegen-krieg-vor-155-jahren-wurde-karl-liebknecht-geboren\/","title":{"rendered":"Er stimmte gegen Krieg: Vor 155 Jahren wurde Karl Liebknecht geboren"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Anton Gentzen<\/em><\/p>\n<p>Am 13. August 1871 wurde in Leipzig ein Mann geboren, dessen Name zum Symbol f\u00fcr den kompromisslosen Kampf f\u00fcr Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit wurde: Karl Paul Friedrich August Liebknecht. Sein Vater, Wilhelm Liebknecht, war einer der Mitbegr\u00fcnder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), sodass Karl von Kindesbeinen an mit den Ideen des Sozialismus und der Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels vertraut war.<\/p>\n<p>Beide Klassiker des Kommunismus erkl\u00e4rten sich bereit, Karls Taufpaten zu sein. Wenn sie auch bei der christlichen Taufe nicht pers\u00f6nlich anwesend waren, pr\u00e4gten sie die ideologische Reifung ihres Patenkindes zweifellos.<\/p>\n<p>Karl studierte Jura in Leipzig und Berlin und wurde nach erfolgreichem Abschluss, Wehrdienstjahr, Referendariat und mit magna cum laude abgeschlossener Promotion Anwalt in der preu\u00dfischen Hauptstadt. Sein Herz brannte jedoch weniger f\u00fcr die Anwaltspraxis als f\u00fcr die Sache der Arbeiterklasse. Liebknecht machte sich einen Namen als leidenschaftlicher Redner, trat 1900 der SPD bei und wurde 1902 Berliner Stadtverordneter, ein Mandat, das er bis 1913 behielt.\u00a0Er war zudem aktives Mitglied der\u00a0Zweiten Internationale\u00a0und einer der Gr\u00fcnder der\u00a0Sozialistischen Jugendinternationale.\u00a0<\/p>\n<p>Die Revolution von 1905 in Russland nahm Liebknecht mit gro\u00dfer Begeisterung auf und appellierte an die deutschen Arbeiter, dem Beispiel ihrer russischen Br\u00fcder zu folgen.<\/p>\n<p>Bei den Reichstagswahlen 1912 wurde die SPD mit 34,8 Prozent zur mit Abstand st\u00e4rksten politischen Kraft Deutschlands und Liebknecht zog als Abgeordneter in das Parlament ein. Von dessen Trib\u00fcne aus prangerte er furchtlos die R\u00fcstungsindustriellen an, die seiner Meinung nach bewusst einen Weltkrieg vorbereiteten.<\/p>\n<p>Die absolute Sternstunde Liebknechts, die h\u00f6chste und mit Bravour bestandene Pr\u00fcfung seines Lebens, dank der er in den Annalen der deutschen und der Weltgeschichte erinnert werden wird, so lange die Menschheit existiert, kam mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die SPD h\u00e4tte das Blutbad, das am Schluss Millionen Menschen das Leben gekostet hat, vielleicht verhindern k\u00f6nnen, folgte jedoch der Einladung des Kaisers zum &#8222;Burgfrieden&#8220; und stimmte f\u00fcr die Kriegskredite.<\/p>\n<p>Auch Karl Liebknecht folgte zun\u00e4chst der Partei- und Fraktionsdisziplin und stimmte bei der ersten Abstimmung am 4. August 1914 daf\u00fcr. Es folgte bei ihm jedoch ein schnelles Umdenken: Bei der zweiten Abstimmung am 2. Dezember 1914 war er der einzige (sic!) Reichstagsabgeordnete, der mit &#8222;Nein&#8220; votierte. Dann gab er eine Erkl\u00e4rung zu Protokoll, an deren Wahrheit und Richtigkeit es r\u00fcckblickend betrachtet nichts auszusetzen gibt.<\/p>\n<p>Urteilen Sie selbst:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dieser Krieg, den keines der beteiligten V\u00f6lker selbst gewollt hat, ist nicht f\u00fcr die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes, um die politische Beherrschung wichtiger Siedlungsgebiete f\u00fcr das Industrie- und Bankkapital. Es handelt sich vom Gesichtspunkt des Wettr\u00fcstens um einen von der deutschen und \u00f6sterreichischen Kriegspartei gemeinsam im Dunkel des Halbabsolutismus und der Geheimdiplomatie hervorgerufenen Pr\u00e4ventivkrieg. Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisierung und Zertr\u00fcmmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung. Das haben die verflossenen Monate trotz einer r\u00fccksichtslosen Verwirrungsregie mit steigender Deutlichkeit gelehrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die deutsche Parole &#8222;Gegen den Zarismus'&#8220;diente \u2013 \u00e4hnlich der jetzigen englischen und franz\u00f6sischen Parole &#8222;Gegen den Militarismus&#8220; \u2013 dem Zweck, die edelsten Instinkte, die revolution\u00e4ren \u00dcberlieferungen und Hoffnungen des Volkes f\u00fcr den V\u00f6lkerha\u00df zu mobilisieren. Deutschland, der Mitschuldige des Zarismus, das Muster politischer R\u00fcckst\u00e4ndigkeit bis zum heutigen Tage, hat keinen Beruf zum V\u00f6lkerbefreier. Die Befreiung des russischen wie des deutschen Volkes muss deren eigenes Werk sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Krieg ist kein deutscher Verteidigungskrieg. Sein geschichtlicher Charakter und bisheriger Verlauf verbieten, einer kapitalistischen Regierung zu vertrauen, dass der Zweck, f\u00fcr den sie die Kr\u00e4fte fordert, die Verteidigung des Vaterlandes ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein schleuniger, f\u00fcr keinen Teil dem\u00fctigender Friede, ein Friede ohne Eroberungen, ist zu fordern; alle Bem\u00fchungen daf\u00fcr sind zu begr\u00fc\u00dfen. Nur die gleichzeitige, dauernde St\u00e4rkung der auf einen solchen Frieden gerichteten Str\u00f6mungen in allen kriegsf\u00fchrenden Staaten kann dem blutigen Gemetzel vor der v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung aller beteiligten V\u00f6lker Einhalt gebieten. Nur ein auf dem Boden der internationalen Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Freiheit aller V\u00f6lker erwachsener Friede kann ein gesicherter sein. So gilt es f\u00fcr das Proletariat aller L\u00e4nder, auch heute im Kriege gemeinsame sozialistische Arbeit f\u00fcr den Frieden zu leisten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Leipziger Linke hat bis heute ihren Sitz im Geburtshaus von Karl Liebknecht. Gern schm\u00fcckt sie sich mit seinem Namen und plakatiert &#8222;<a href=\"https:\/\/www.dielinke-sachsen.de\/partei\/parteistruktur\/weitere-strukturen\/lks\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nein sagen wie Liebknecht<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Aber hat sie &#8222;Nein&#8220; gesagt als es darauf ankam? Ist der Leipziger Bundestagsabgeordnete S\u00f6ren Pellmann etwa wie Liebknecht? Hat er sich mutig \u2013 und wenn n\u00f6tig einsam \u2013 gegen den deutschen Imperialismus gestellt, als dieser es wieder wagte, in den Osten, in die Ukraine, zu expandieren? Oder folgt er, folgen alle Linken nicht vielmehr der modernen Abwandlung der Mainstreamparole &#8222;Gegen den Zarismus&#8220;, indem sie einen russischen Imperialismus und eine &#8222;russische Gefahr&#8220; herbeifantasieren, die es nicht gibt, aber gegen die sie sich wie einst Ebert und Noske mit dem deutschen Militarismus verb\u00fcndet haben?\u00a0<\/p>\n<p>Das m\u00f6ge jeder f\u00fcr sich beurteilen. Tatsache ist, dass Karl Liebknecht damals des Landesverrats beschuldigt und in Festungshaft genommen wurde. S\u00f6ren Pellmann droht das nicht, und das nicht deshalb, weil es keine Verfahren wegen &#8222;Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges&#8220; in &#8222;unserer Demokratie&#8220; gibt \u2013 die Verfahren gibt es nachweislich.<\/p>\n<p>Am 1. Mai 1916 organisierte Liebknecht in Berlin eine Antikriegsdemonstration mit der Forderung nach dem Sturz der Regierung, wof\u00fcr er erneut verhaftet und ins Gef\u00e4ngnis gesteckt wurde. Freigelassen wurde er erst Ende 1918, auf dem H\u00f6hepunkt der Novemberrevolution.\u00a0Am 9. November 1918 proklamierte Liebknecht vom Balkon des Kaiserpalastes in Berlin aus die &#8222;Freie Sozialistische Republik Deutschland&#8220;. Im Dezember hielten er und Rosa Luxemburg die Gr\u00fcndungsversammlung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) ab.<\/p>\n<p>Die SPD verzieh ihm nichts davon. Sie erdolchte den Versuch der sozialistischen Revolution in Deutschland, f\u00fcr die sie angeblich seit ihrer Gr\u00fcndung gek\u00e4mpft hatte. Am 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin auf Befehl des Sozialdemokraten Gustav Noske von Freikorps-Soldaten ermordet.<\/p>\n<p>Wer kann, bringe Blumen zu Karls Geburtshaus, Braustra\u00dfe 15 in Leipzig. Die Linken haben dort zwar das Hausrecht, aber Liebknecht geh\u00f6rt nicht mehr ihnen.<\/p>\n<p><em>Der Autor dankt\u00a0<a href=\"https:\/\/t.me\/iaroslavlistovistorik\/892\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jaroslaw Listow<\/a>\u00a0f\u00fcr die Erinnerung an das Datum.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/228053-wo-ist-karl-liebknecht-wenn\/\">Wo ist ein Karl Liebknecht, wenn man ihn braucht?<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v66bmfg\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Anton Gentzen Am 13. 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