{"id":17745,"date":"2026-08-13T21:03:15","date_gmt":"2026-08-13T19:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/seeblockade-verschaerft-krise-ukraine-droht-einbruch-des-getreideexports\/"},"modified":"2026-08-13T21:03:15","modified_gmt":"2026-08-13T19:03:15","slug":"seeblockade-verschaerft-krise-ukraine-droht-einbruch-des-getreideexports","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/seeblockade-verschaerft-krise-ukraine-droht-einbruch-des-getreideexports\/","title":{"rendered":"Seeblockade versch\u00e4rft Krise: Ukraine droht Einbruch des Getreideexports"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Der Getreideexport aus der Ukraine steht aufgrund zunehmender Behinderungen des Schiffsverkehrs \u00fcber das Schwarze Meer unter massivem Druck. Dadurch wird eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes gef\u00e4hrdet, und die Probleme der ukrainischen Landwirtschaft werden zugleich versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Laut einer Prognose des ukrainischen Landwirtschaftsministeriums, \u00fcber die <em>Bloomberg<\/em> berichtet, k\u00f6nnten die ukrainischen Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Wirtschaftsjahr 2026\/27 auf rund 29,6\u00a0Millionen Tonnen sinken. Das w\u00e4re ein R\u00fcckgang um 54\u00a0Prozent gegen\u00fcber den zuvor erwarteten 64,4\u00a0Millionen Tonnen. Beim Weizen k\u00f6nnte der Export demnach um 53\u00a0Prozent auf 8,3\u00a0Millionen Tonnen zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Eine sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte offizielle Prognose fiel etwas weniger pessimistisch aus. So erkl\u00e4rte Landwirtschaftsminister Taras Wyssozki\u00a0<em>Reuters<\/em>, Kiew rechne inzwischen mit einem Getreideexport von 38 bis 40\u00a0Millionen Tonnen im Wirtschaftsjahr 2026\/27, zuvor waren 43\u00a0Millionen Tonnen erwartet worden. Auch diese Prognose bedeutet einen deutlichen R\u00fcckgang.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4fen als entscheidender Engpass<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr den Einbruch liegt vor allem in den Problemen an der ukrainischen Schwarzmeerk\u00fcste. Normalerweise werden mehr als 90\u00a0Prozent der ukrainischen Getreideexporte \u00fcber Seeh\u00e4fen abgewickelt. Dabei spielen die H\u00e4fen von Odessa, Tschernomorsk und Juschny\u00a0eine zentrale Rolle. Seit Ende Juli ist der Schiffsverkehr infolge der Angriffe auf die Hafenregion jedoch erheblich eingeschr\u00e4nkt. Laut ukrainischen Angaben laufen Schiffe mit Agrarprodukten die H\u00e4fen nicht mehr an. Wyssozki erkl\u00e4rte dazu am 23.\u00a0Juli:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das ist eine Entscheidung der Reeder\u00a0\u2013 der Staat hat seinerseits nichts eingeschr\u00e4nkt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Auch ausl\u00e4ndische Reedereien reagierten auf die Sicherheitslage. So hatte die d\u00e4nische Maersk am 22.\u00a0Juli angek\u00fcndigt, die Entladung ihrer Schiffe vom ukrainischen Tschernomorsk in den rum\u00e4nischen Hafen Constan\u021ba zu verlegen. Laut der ukrainischen Zeitung <em>Ekonomitscheskaja Prawda<\/em>\u00a0entstehen durch jeden Tag des Stillstands in den H\u00e4fen von Odessa, Tschernomorsk und\u00a0Juschny\u00a0rund 70\u00a0Millionen US-Dollar entgangene Exporterl\u00f6se.<\/p>\n<p><strong>Exporte brechen ein<\/strong><\/p>\n<p>Die Auswirkungen zeigen sich bereits in den aktuellen Exportzahlen. So ging der Weizenexport in den ersten zw\u00f6lf Augusttagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut dem ukrainischen Portal <em>Strana.ua<\/em> um das 4,3-Fache auf 175.000\u00a0Tonnen zur\u00fcck. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 759.000\u00a0Tonnen gewesen. Der Gerstenexport sank demnach um das 5,6-Fache auf 37.000\u00a0Tonnen und der Maisexport um das 2,7-Fache auf 68.000\u00a0Tonnen. Insgesamt wurden f\u00fcr die ersten Augusttage lediglich 463.000\u00a0Tonnen Getreideexporte gemeldet. Landwirtschaftsminister Wyssozki warnte vor m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr den Weltmarkt: <\/p>\n<p><em>&#8222;Wenn es so weitergeht, werden wir erneut einen weltweiten Preisanstieg von mindestens 25 bis 30\u00a0Prozent erleben\u00a0\u2013 mit all den Folgen, die wir 2022 bei der globalen Lebensmittelinflation hatten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Lagerkapazit\u00e4ten werden knapp<\/strong><\/p>\n<p>Die Exportprobleme treffen die Ukraine ausgerechnet w\u00e4hrend der laufenden Ernte. Weil gro\u00dfe Mengen Getreide nicht wie gewohnt ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, f\u00fcllen sich die ukrainischen Lagerh\u00e4user. Nach den Angaben aus Kiew k\u00f6nnten sich bis Anfang November rund 59\u00a0Millionen Tonnen Getreide in den Speichern befinden. Bis zum Ende des Herbstes k\u00f6nnte dadurch ein Fehlbedarf bei den Lagerkapazit\u00e4ten von rund elf Millionen Tonnen entstehen.<\/p>\n<p>Die Situation stellt die Landwirte vor zus\u00e4tzliche Probleme: Wenn die neue Ernte nicht abtransportiert werden kann, fehlen Lagerpl\u00e4tze f\u00fcr die n\u00e4chste Ernte\u00a0\u2013 und damit auch die Einnahmen, die f\u00fcr die Finanzierung der kommenden Aussaat ben\u00f6tigt werden. Die direkten Sch\u00e4den f\u00fcr den ukrainischen Agrarsektor k\u00f6nnten sich in diesem Jahr nach Einsch\u00e4tzung des Landwirtschaftsministers auf 1,5 bis drei Milliarden US-Dollar belaufen.<\/p>\n<p><strong>Teure Alternativen \u00fcber Land<\/strong><\/p>\n<p>Kiew versucht deshalb, die ausgefallenen Seewege durch alternative Transitrouten zu ersetzen. Doch diese k\u00f6nnen die bisherigen Mengen bislang nicht ann\u00e4hernd kompensieren. Der Transport \u00fcber Land ist den vorliegenden Angaben zufolge pro Tonne um 50 bis 70\u00a0US-Dollar teurer als der Seeweg. Damit wird der Export f\u00fcr viele Unternehmen unwirtschaftlich.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Schwierigkeiten bereiten die Beschr\u00e4nkungen der Nachbarl\u00e4nder. So halten Polen, Ungarn und die Slowakei an ihren Importbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr ukrainische Agrarprodukte fest. Polen erlaubt zwar den Transit von Getreide, doch bef\u00fcrchten polnische Landwirte zugleich, dass ukrainische Ware illegal auf den heimischen Markt gelangen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Kiew vereinbarte au\u00dferdem mit Bukarest eine Ausweitung der Lieferungen \u00fcber den rum\u00e4nischen Hafen Constan\u021ba. Die ukrainische Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja ist auf der Suche nach weiteren Transitrouten. Zudem pr\u00fcft die Ukraine einen Bahntransport \u00fcber Moldau nach Constan\u021ba. Die geplante Route k\u00f6nnte nach bisherigen Angaben bis zu 4,5\u00a0Millionen Tonnen Getreide pro Jahr bef\u00f6rdern. Auch die Donau als alternative Transportader st\u00f6\u00dft an ihre Grenzen. Eine D\u00fcrre hat den Wasserstand teilweise stark reduziert und damit den Transport von Agrarg\u00fctern erschwert.<\/p>\n<p><strong>Kiew bittet EU um Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Um die Folgen der Krise abzufedern, hat die ukrainische Regierung verschiedene Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Landwirtschaft beschlossen. Unter anderem wurden zinsverbilligte Kredite f\u00fcr Agrarbetriebe genehmigt. Dar\u00fcber hinaus bat Kiew die EU-Kommission um Zusch\u00fcsse in H\u00f6he von 220\u00a0Millionen Euro. Mit diesen Mitteln sollen unter anderem die Zinsen f\u00fcr Kredite an kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe subventioniert werden.<\/p>\n<p>Der ukrainische Agrarsektor ist f\u00fcr die Wirtschaft des Landes von herausragender Bedeutung. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete er mehr als die H\u00e4lfte der ukrainischen Exporterl\u00f6se. Ein anhaltender Einbruch der Ausfuhren w\u00fcrde deshalb nicht nur die Landwirte, sondern auch die Deviseneinnahmen und die wirtschaftliche Stabilit\u00e4t des Landes erheblich belasten.<\/p>\n<p><strong>Gefahr f\u00fcr den Weltmarkt<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklungen in der Ukraine k\u00f6nnten auch internationale Auswirkungen haben. Das Land z\u00e4hlt zu den weltweit bedeutendsten Exporteuren von Weizen, Mais und anderen Agrarprodukten. L\u00e4nger andauernde Lieferunterbrechungen k\u00f6nnten die Preise auf den Weltm\u00e4rkten in die H\u00f6he treiben. Die ukrainische Regierung warnt bereits vor einem m\u00f6glichen Preisanstieg von 25 bis 30\u00a0Prozent. Besonders betroffen w\u00e4ren L\u00e4nder, die traditionell auf Getreidelieferungen aus dem Schwarzmeerraum angewiesen sind.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versucht Russland, seine eigenen Getreideexporte \u00fcber alternative Routen aufrechtzuerhalten. Auch die russische Seite warnt jedoch vor m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr die weltweite Versorgung, nachdem es zuletzt ebenfalls zu Angriffen auf Infrastruktur und Handelsschiffe im Schwarzmeerraum gekommen ist.<\/p>\n<p>Damit entwickelt sich die Blockade der ukrainischen Seeexporte zu einem Problem, das weit \u00fcber die Landwirtschaft hinausgeht. F\u00fcr Kiew stehen Exporterl\u00f6se, Lagerkapazit\u00e4ten und die Finanzierung der n\u00e4chsten Ernte auf dem Spiel. Auf den internationalen M\u00e4rkten stellt sich dagegen die Frage, wie lange die fehlenden Lieferungen aus dem Schwarzmeerraum durch andere Exportwege und Anbieter ausgeglichen werden k\u00f6nnen.<br \/><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013 <a href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/287147-russland-kappt-kiews-schwarzmeerzugang-westen-heult-krokodilstranen-hungernde-afrikaner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russland kappt Kiews Schwarzmeerzugang\u00a0\u2013 der Westen heult Krokodilstr\u00e4nen \u00fcber &#8222;hungernde Afrikaner&#8220;<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7aq6ac\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Getreideexport aus der Ukraine steht aufgrund zunehmender Behinderungen des Schiffsverkehrs \u00fcber das Schwarze Meer unter massivem Druck. 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