{"id":17756,"date":"2026-08-14T06:02:57","date_gmt":"2026-08-14T04:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/putins-kurilen-besuch-klare-ansage-an-tokio\/"},"modified":"2026-08-14T06:02:57","modified_gmt":"2026-08-14T04:02:57","slug":"putins-kurilen-besuch-klare-ansage-an-tokio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/putins-kurilen-besuch-klare-ansage-an-tokio\/","title":{"rendered":"Putins Kurilen-Besuch: Klare Ansage an Tokio"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Oleg Issaitschenko<\/em><\/p>\n<p>Der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin besuchte im Rahmen einer Arbeitsreise nach Sachalin erstmals die Kurilen-Insel Iturup. Empfangen wurde das Staatsoberhaupt vom Gouverneur dieses Gebiets, Waleri Limarenko. Erste Station des Besuchs war das Fischverarbeitungskombinat &#8222;Jasny&#8220;. Dem Pr\u00e4sidenten wurden die Erzeugnisse des Unternehmens gezeigt, darunter Thunfisch, der in diesen Gew\u00e4ssern ein Gewicht von bis zu 300 Kilogramm erreichen kann. Das Staatsoberhaupt wurde zudem zum Heilbuttfischen eingeladen.<\/p>\n<p>Zudem konnte sich der russische Pr\u00e4sident ein Bild von der Arbeit des Zentralen Kreiskrankenhauses der Kurilen sowie der nach dem Helden Russlands Eduard Norpolow benannten Sekundarschule machen. Der russische Staatschef besichtigte die Sporthalle, die Unterrichtsr\u00e4ume und das Museum. Ihm wurde berichtet, dass Sch\u00fcler der f\u00fcnften bis achten Klassen Drohnen zusammenbauen, mit denen Fl\u00fcsse \u00fcberflogen und m\u00f6gliche Stauungen aufgesp\u00fcrt werden k\u00f6nnen, w\u00e4hrend sich die Oberstufensch\u00fcler mit flugzeugartigen Drohnen besch\u00e4ftigen. Zum Abschluss der Reise traf Putin zu einem gesonderten Gespr\u00e4ch mit dem Gouverneur des Gebiets Sachalin zusammen, wie der Kreml mitteilte.<\/p>\n<p>Die Nachricht von Wladimir Putins Ankunft auf den Kurilen r\u00fcckte im japanischen Segment des sozialen Netzwerks X (ehemals Twitter, in Russland gesperrt) innerhalb k\u00fcrzester Zeit an die Spitze der meistdiskutierten Themen. Bereits in der ersten halben Stunde hinterlie\u00dfen die Nutzer \u00fcber 2.000 Kommentare. Die Nachrichtenagentur <em>Kyodo<\/em> versah ihre Meldung \u00fcber den Besuch mit dem Hinweis &#8222;Eilmeldung&#8220;. Auch auf der Webseite des japanischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Senders <em>NHK<\/em> nahm das Ereignis einen zentralen Platz ein.<\/p>\n<p>Das japanische Au\u00dfenministerium wiederum \u00e4u\u00dferte wegen des Besuchs des russischen Pr\u00e4sidenten auf Iturup &#8222;entschiedenen Protest&#8220; und bestellte den russischen Botschafter in Tokio ein. Die Premierministerin des Landes, Sanae Takaichi, erkl\u00e4rte, dieser Schritt des russischen Staatschefs &#8222;verletze die Gef\u00fchle der Japaner&#8220; und sei kategorisch &#8222;inakzeptabel&#8220;. Ihren Worten zufolge seien alle &#8222;N\u00f6rdlichen Territorien&#8220;, wie Japan den s\u00fcdlichen Teil der Kurilen bezeichnet, &#8222;aus historischer und rechtlicher Sicht angestammtes japanisches Territorium&#8220;.<\/p>\n<p>Die Premierministerin wies darauf hin, dass Tokio die russische Seite wiederholt aufgefordert habe, von Besuchen auf den &#8222;N\u00f6rdlichen Territorien&#8220; abzusehen, und dass nach Putins Besuch die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern auf mittlere und lange Sicht schwieriger werde. Auf Takaichis \u00c4u\u00dferungen reagierte der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew. Er betonte: Die Kurilen seien russisches Territorium gewesen, seien es heute und w\u00fcrden es auch in Zukunft bleiben. &#8222;Wer das nicht versteht, wird mit den ungeheuerlichen Folgen seiner Illusion konfrontiert werden&#8220;, warnte Medwedew.<\/p>\n<p>Der stellvertretende russische Au\u00dfenminister Alexander Gruschko erkl\u00e4rte seinerseits, die Demarchen Tokios w\u00fcrden am Status der Kurilen nichts \u00e4ndern. &#8222;Diese diplomatische Aktivit\u00e4t wird zu nichts f\u00fchren. Russisches Land wird in voller \u00dcbereinstimmung mit dem V\u00f6lkerrecht weiterhin russisches Land bleiben&#8220;, betonte er im Gespr\u00e4ch mit Journalisten am Rande des IV. Forums &#8222;Arktis \u2013 Regionen&#8220; in Archangelsk.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass Wladimir Putins Besuch auf Iturup nur einen Tag nach seiner Teilnahme an der Abschlussphase der Man\u00f6ver der Pazifikflotte stattfand. Dort sprach er von einem wachsenden Konfliktpotenzial im asiatisch-pazifischen Raum und ging gesondert auf die Haltung Japans ein, das &#8222;unter dem Vorwand der Ereignisse in der Ukraine, ohne sich mit den Ursachen dieses Konflikts auseinanderzusetzen, Sanktionen gegen Russland verh\u00e4ngt hat, die von unserer Seite nicht provoziert wurden&#8220;. Das Staatsoberhaupt betonte, Russland stelle keine Bedrohung f\u00fcr Tokio dar.<\/p>\n<p>Dass die japanische Regierung das Kiewer Regime unterst\u00fctzt, erkl\u00e4rte auch der russische Botschafter Nikolai Nosdrew. Seinen Worten zufolge gehe es unter anderem darum, dass japanische Unternehmen in die Produktion von Drohnen in der Ukraine investieren. Diese Aktivit\u00e4ten betrachte Moskau als feindselige Schritte, die darauf abzielen, den aktuellen Konflikt in die L\u00e4nge zu ziehen, erl\u00e4uterte der Diplomat. Zuvor hatte die Zeitung <em>Wsgljad <\/em>dar\u00fcber berichtet, wie Japan die Maske eines &#8222;ausschlie\u00dflich auf Verteidigung ausgerichteten Landes&#8220; fallen lie\u00df.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Experten ist es kein Zufall, dass Putin gerade jetzt beschlossen hat, zum ersten Mal die Kurilen zu besuchen. Der Besuch auf Iturup sei nicht nur eine Arbeitsreise, sondern ein starkes politisches Signal f\u00fcr die Unantastbarkeit der russischen Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die Inseln.<\/p>\n<p>Pawel Danilin, Dozent an der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, ist der Ansicht:<\/p>\n<p>&#8222;Diese Reise unterstreicht einmal mehr, dass die Kurilen russisches Land sind und dieser Status nicht zur Diskussion steht. Der russische Staatschef zeigt der ganzen Welt: Diese Gebiete sind nicht verhandelbar.&#8220;<\/p>\n<p>Er erinnert daran, dass die Zugeh\u00f6rigkeit der Inseln in internationalen Dokumenten als eine infolge des Zweiten Weltkriegs entstandene Realit\u00e4t festgeschrieben ist.<\/p>\n<p>Danilin weist darauf hin:<\/p>\n<p>&#8222;Moskau hat wiederholt seine Bereitschaft zum Dialog und zur Suche nach L\u00f6sungen mit Tokio auf Grundlage der Gemeinsamen Erkl\u00e4rung von 1956 gezeigt. Doch Japan wies dies zur\u00fcck und verh\u00e4ngte antirussische Sanktionen, wodurch sich die Lage nur weiter versch\u00e4rfte. Putins Besuch auf Iturup stellt eine Ohrfeige f\u00fcr die revanchistischen Ambitionen Japans dar.&#8220;<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Auffassung vertritt Fjodor Lukjanow, Chefredakteur von <em>Russia in Global Affairs<\/em>. Er zeichnete die Entwicklung der Beziehungen zwischen Moskau und Tokio chronologisch nach und wies darauf hin, dass Wladimir Putin Japan insgesamt sehr positiv gegen\u00fcberstehe. Er erl\u00e4utert:<\/p>\n<p>&#8222;Diese Haltung hat ihre Wurzeln vermutlich in seiner sportlichen Jugend und seiner Besch\u00e4ftigung mit Judo.&#8220;<\/p>\n<p>Der Experte erinnert zudem an die konstruktiven und sogar freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Shinzo Abe, der die japanische Regierung von 2006 bis 2007 und von 2012 bis 2020 f\u00fchrte: &#8222;Sie trafen sich regelm\u00e4\u00dfig und tauschten sich intensiv aus.&#8220;<\/p>\n<p>Lukjanow f\u00fchrt n\u00e4her aus:<\/p>\n<p>&#8222;Der russische Pr\u00e4sident bem\u00fchte sich um eine Kompromissl\u00f6sung im Territorialstreit \u2013 ein Thema, das Tokio als Hauptproblem der bilateralen Beziehungen in den Vordergrund stellt. Bedeutende Fortschritte konnten jedoch nicht erzielt werden. Abe, der ebenfalls an einer L\u00f6sung des Streits um die Inseln interessiert war, konnte die starre Denkweise des japanischen au\u00dfenpolitischen Apparats nicht durchbrechen.&#8220;<\/p>\n<p>Derzeit habe die Politik Tokios, einschlie\u00dflich der Haltung zur Ukraine-Krise, die russisch-japanischen Beziehungen in eine Sackgasse gef\u00fchrt, so der Politologe weiter. Er h\u00e4lt es zudem f\u00fcr m\u00f6glich, dass der russische Staatschef diese Gebiete bislang nicht besucht habe, um bei den Japanern &#8222;keine unn\u00f6tigen Emotionen hervorzurufen&#8220;. Lukjanow pr\u00e4zisiert:<\/p>\n<p>&#8222;Nun zieht dieser Besuch jedoch gewisserma\u00dfen einen Schlussstrich und sendet ein Signal an Tokio: Wenn Japan gegen\u00fcber Russland keine eigenst\u00e4ndige, vom Westen unabh\u00e4ngige Politik verfolgen will, wird Moskau keine R\u00fccksicht auf seine Gef\u00fchle nehmen. Zumal eine Arbeitsreise des Pr\u00e4sidenten an jeden beliebigen Ort des Landes v\u00f6llig normal ist. Und ich gehe davon aus, dass solche Reisen k\u00fcnftig regelm\u00e4\u00dfiger stattfinden werden.&#8220;<\/p>\n<p>Jewgeni Mintschenko, Leiter der Kommunikationsholding &#8222;Minchenko Consulting&#8220;, ist ebenfalls der Ansicht, Putin habe die Kurilen bislang nicht besucht, weil er eine Versch\u00e4rfung der Beziehungen zu Tokio vermeiden wollte. Inzwischen habe Japan jedoch einen Kurs der Militarisierung eingeschlagen. Mintschenko erinnert:<\/p>\n<p>&#8222;Die F\u00fchrung des Landes diskutiert unter anderem dar\u00fcber, von den freiwillig \u00fcbernommenen Verpflichtungen abzur\u00fccken, keine Atomwaffen zu stationieren, herzustellen oder zu besitzen.&#8220;<\/p>\n<p>Er betont:<\/p>\n<p>&#8222;Angesichts der sich radikalisierenden Haltung der japanischen Beh\u00f6rden verlieren demonstrative Gesten des guten Willens jeglichen Sinn.&#8220;<\/p>\n<p>Was den &#8222;entschiedenen Protest&#8220; des japanischen Au\u00dfenministeriums angeht, so handle es sich dabei um einen formell notwendigen Schritt \u2013 eine Frage des Protokolls, f\u00fcgte Lukjanow hinzu. Der Politologe f\u00e4hrt fort:<\/p>\n<p>&#8222;Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Besuch weitere Konsequenzen nach sich ziehen wird. Dass sich die russisch-japanischen Beziehungen jedoch in einer Sackgasse befinden, ist v\u00f6llig offensichtlich, und wir sehen keine besonderen Auswege daraus.&#8220;<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des Milit\u00e4rkorrespondenten Alexander Koz habe der Territorialstreit keine Perspektive. Es gebe &#8222;von Japan geleistete Unterschriften und eine Kampagne, die Tokio begann, als diese zum Problem wurden&#8220;.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rkorrespondent betont:<\/p>\n<p>&#8222;Die Kurilen geh\u00f6ren zu Russland. Nicht kraft des Rechts des St\u00e4rkeren, sondern aufgrund der Unterschrift, die Tokio einst eigenh\u00e4ndig gesetzt hat. Ein Dialog ist m\u00f6glich, doch er beginnt genau mit der Anerkennung dieser Tatsache \u2013 und keine Sekunde fr\u00fcher.&#8220;<\/p>\n<p>Allerdings hat Putins Besuch auf Iturup nicht nur eine au\u00dfenpolitische Dimension. Danilin merkt an, dass diese Arbeitsreise darauf abzielt, zu demonstrieren, dass Russland die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur der Kurilen aktiv ausbaut. Er ist der Ansicht:<\/p>\n<p>&#8222;Putins Besuch sollte auch als Best\u00e4tigung daf\u00fcr betrachtet werden, dass selbst unter den Bedingungen der milit\u00e4rischen Sonderoperation der Staat die Menschen nicht vergisst und an der L\u00f6sung der f\u00fcr sie wichtigen Fragen arbeitet.&#8220;<\/p>\n<p>Danilin erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>&#8222;Das zeigt sich daran, dass auf den Kurilen aktiv soziale Einrichtungen, ein neues Polizeigeb\u00e4ude und ein Kindergarten errichtet werden. Die regionalen Beh\u00f6rden widmen Personalfragen und der Gestaltung des \u00f6ffentlichen Raums gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Investoren setzen im Rahmen der auf den Inseln geltenden Pr\u00e4ferenzregelung Dutzende Projekte um.&#8220;<\/p>\n<p>Besonderes Augenmerk legt der Politologe auf die Inbetriebnahme des ersten Solarkraftwerks auf Iturup:<\/p>\n<p>&#8222;Das Projekt verringert die Abh\u00e4ngigkeit von angeliefertem Dieselkraftstoff und spart Haushaltsmittel. Zudem demonstriert es den Modernisierungsprozess der Infrastruktur der Inseln sowie den\u00a0\u00dcbergang zu einem neuen technologischen Niveau.&#8220;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus verliere der russische Staatschef auch die Herausforderungen f\u00fcr die Sicherheit Russlands nicht aus den Augen, f\u00e4hrt der Experte fort. Er fasst zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Als Reaktion auf die Versuche der NATO, ihre Pr\u00e4senz im Fernen Osten auszubauen, st\u00e4rkt Putin die Pazifikflotte. Und in diesem Sinne kommt uns die Erfahrung aus der milit\u00e4rischen Sonderoperation in der Ukraine zugute. Sie erm\u00f6glicht es, bereits erprobte fortschrittliche Verfahren und modernste Technologien einzuf\u00fchren. Der Pr\u00e4sident richtet Milit\u00e4rangeh\u00f6rige, Seeleute und Grenzsch\u00fctzer auf den Schutz der Grenzen aus. Zwar ist die Lage derzeit an den westlichen Grenzen am angespanntesten, doch auch im Osten darf die Wachsamkeit nicht nachlassen.&#8220;<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/politics\/2026\/8\/13\/1442469.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 13. August 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Oleg Issaitschenko<\/em><\/strong><em> ist ein Analyst bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2012<\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/freedert.online\/international\/288570-putin-entdeckt-fuer-sich-fernoestliche-insel-iturup\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Putin entdeckt f\u00fcr sich fern\u00f6stliche Insel Iturup: Japan erhebt entschiedenen Protest<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7bxt3i\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Oleg Issaitschenko Der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin besuchte im Rahmen einer Arbeitsreise nach Sachalin erstmals die Kurilen-Insel Iturup. 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