{"id":17845,"date":"2026-08-14T15:02:12","date_gmt":"2026-08-14T13:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/deutsche-autoindustrie-die-jobs-verschwinden-rasend-schnell-38105752-html\/"},"modified":"2026-08-14T15:02:12","modified_gmt":"2026-08-14T13:02:12","slug":"deutsche-autoindustrie-die-jobs-verschwinden-rasend-schnell-38105752-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/deutsche-autoindustrie-die-jobs-verschwinden-rasend-schnell-38105752-html\/","title":{"rendered":"Stellenabbau: Jobs in der Autoindustrie verschwinden rasend schnell"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die deutsche Autoindustrie verliert Arbeitspl\u00e4tze wie nie zuvor: 42.300 weniger binnen eines Jahres. Seit 2019 ist jeder sechste Job verschwunden. Das hat auch Auswirkungen auf andere Industriezweige.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>In der deutschen Autoindustrie schwinden die Arbeitspl\u00e4tze derzeit schneller als in jeder anderen Industriebranche. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der deutschen Leitbranche noch 691.500 Menschen besch\u00e4ftigt und damit so wenig wie noch nie seit Beginn der vergleichbaren Statistikreihe im Jahr 2005, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Weiterer Stellenabbau steht bevor.<\/p>\n<p>Die aktuelle Zahl entspricht einem R\u00fcckgang von 42.300 Besch\u00e4ftigten oder 5,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Auch in anderen Industriezweigen gingen Arbeitspl\u00e4tze verloren, wenn auch im geringeren Tempo. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe sind in der Jahresfrist 144.000 Jobs verschwunden. Die Zahl der Besch\u00e4ftigten ging damit um 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Stellenabbau versch\u00e4rft sich<\/h2>\n<p>Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sind in der Autoindustrie 16 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze (142.400 Jobs) weggefallen, stellt die Beratungsgesellschaft EY in ihrem aktuellen Industriebarometer fest. Experte Jan Brorhilker erwartet weitere Stellenverluste:<\/p>\n<p>\u201eViele Unternehmen haben ihren Restrukturierungskurs noch lange nicht abgeschlossen. Angesichts hoher Arbeitskosten, einer schwachen Produktivit\u00e4tsentwicklung und zunehmenden internationalen Wettbewerbs planen viele Unternehmen, den Stellenabbau in Deutschland sogar weiter zu versch\u00e4rfen.\u201c<\/p>\n<p>Die Automobilbranche bleibt hinter dem Maschinenbau (905.900 Besch\u00e4ftigte) der zweitgr\u00f6\u00dfte Industriezweig Deutschlands. Besonders stark fiel der Stellenabbau mit 7,6 Prozent bei den Zulieferern von Teilen und Zubeh\u00f6r f\u00fcr Kraftwagen aus. Bei den Herstellern selbst gingen 6,1 Prozent der Jobs verloren.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Ringen im VW-Konzern<\/h2>\n<p>In den Destatis-Zahlen noch gar nicht enthalten sind die neuesten Streichpl\u00e4ne der gro\u00dfen deutschen Autohersteller. Erst vor kurzem hat BMW den Abbau von rund 8000 Jobs weltweit angek\u00fcndigt. Doch im Vergleich zu anderen Konzernen ist das gar nicht so viel:<\/p>\n<p>Im VW-Konzern, zu dem auch Porsche und Audi geh\u00f6ren, wird \u2013 grob gerechnet \u2013 um eine Verdoppelung der bereits laufenden K\u00fcrzung um 50.000 Jobs gerungen. Bosch will weltweit bis zu 22.000 Stellen im Zuliefererbereich streichen, bei ZF sind es 14.000 in Deutschland. Auch Mercedes-Benz hat bereits tausende Jobs abgebaut.<\/p>\n<p>\u201e2030 wird die deutsche Automobilindustrie auf 500.000 Arbeitspl\u00e4tze oder weniger geschrumpft sein\u201c, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenh\u00f6ffer. Er sieht m\u00e4chtige Kostennachteile am heimischen Standort. Hierzulande investiere zu den bestehenden Kostenstrukturen niemand mehr, neue Produktionskapazit\u00e4ten entst\u00fcnden beispielsweise in Ungarn, Rum\u00e4nien oder Spanien.<\/p>\n<p>Dort seien neben den Arbeitskosten auch die steuerlichen Belastungen geringer und Energie billiger. Auch die T\u00fcrkei steht bei Herstellern als Produktionsstandort hoch im Kurs. Zuletzt hat der koreanische Konzern Hyundai 250 Mio. Euro investiert, um im Werk Izmit das neue Elektroauto \u201eIoniq 3\u201c zu bauen.<\/p>\n<\/p>\n<h2>VDA: Unternehmen verabschieden sich<\/h2>\n<p>Die Unternehmen m\u00fcssten sich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden zunehmend gegen den Standort Deutschland entscheiden, sagt die Pr\u00e4sidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard M\u00fcller. Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze wanderten ab. Die VDA-Chefin nennt hohe Kosten f\u00fcr Arbeit und Energie, langwierige Verfahren, B\u00fcrokratie und marode Infrastruktur als Investitionshemmnisse. Es m\u00fcssten die richtigen politischen Schl\u00fcsse gezogen werden: \u201eAlles, was den Standort st\u00e4rkt, Wachstum schafft und hilft, Besch\u00e4ftigung zu erhalten, muss in Berlin und auch in Br\u00fcssel ganz oben auf der Agenda stehen.\u201c<\/p>\n<p>Versuche, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit mit Lohnk\u00fcrzungen oder Einschnitten bei den Sozialleistungen zu verbessern, gingen am Problem vorbei, meint hingegen der \u00d6konom Sebastian Dullien vom gewerkschaftlichen Institut f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK).<\/p>\n<p>Er sagt: \u201eWenn die Regierung in Peking beschlossen hat, dass m\u00f6glichst keine Autos westlicher Hersteller mehr in China verkauft werden sollen oder dass das Energiesystem Chinas ohne ausl\u00e4ndische Technologie auskommen soll, dann helfen ein paar Prozent niedrigere Lohnkosten in Deutschland wenig.\u201c Gefragt seien deshalb konsequente Local-Content-Klauseln, selektive Schutzz\u00f6lle f\u00fcr Schl\u00fcsselbranchen und die gezielte F\u00f6rderung von Zukunftstechnologien.\u00a0<\/p>\n<p>Die IG Metall verortet die Verantwortung f\u00fcr die Misere beim Management, das \u00fcber Jahrzehnte plan- und ideenlos vorgegangen sei. \u201eDie Branche braucht keine endlosen Sparprogramme, sondern Investitionen in Innovation, Forschung, Softwarekompetenz, Qualifizierung und moderne Produktionsanlagen\u201c, verlangt die Gewerkschaft. Die Besch\u00e4ftigten seien nicht l\u00e4nger bereit, dem schleichenden Sterben ihrer Branche zuzusehen. F\u00fcr den 21. September ist ein bundesweiter Aktionstag geplant.<\/p>\n<\/p>\n<h2>Auftr\u00e4ge fehlen<\/h2>\n<p>Die Autoindustrie sei f\u00fcr den Standort Deutschland weiterhin von zentraler Bedeutung, sagt EY-Berater Brorhilker. \u201eWenn diese Branche schw\u00e4chelt, trifft das nicht nur die Hersteller, sondern auch zahlreiche Zulieferer und viele weitere Industriebranchen. Die anhaltend schwache Entwicklung der Autoindustrie kann sich daher wie ein Bremsklotz f\u00fcr die gesamte deutsche Industrie auswirken.\u201c Unter anderem sind Chemie, Maschinenbau oder Metallerzeugung auf Auftr\u00e4ge aus der Autoindustrie angewiesen.<\/p>\n<p>\u201eErst wenn die Kosten sinken, werden Investitionen f\u00fcr die Unternehmen wieder attraktiver und somit Arbeitspl\u00e4tze gesichert\u201c, hei\u00dft es beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Der Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang in der Metall- und Elektro-Industrie seit 2019 sei dramatisch, sagt Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Oliver Zander.<\/p>\n<p>\u201eDer Wegfall von 340.000 Arbeitspl\u00e4tzen bedeutet einen Verlust von rund 40 Mrd. Euro Wertsch\u00f6pfung f\u00fcr unser Land. Jeder verlorene Arbeitsplatz hei\u00dft auch weniger Steuereinnahmen und Sozialbeitr\u00e4ge.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Die deutsche Autoindustrie verliert Arbeitspl\u00e4tze wie nie zuvor: 42.300 weniger binnen eines Jahres. Seit 2019 ist jeder sechste Job verschwunden. 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