{"id":17855,"date":"2026-08-14T16:02:08","date_gmt":"2026-08-14T14:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/es-zupfen-menschen-an-mir-so-erlebt-georg-stawowy-den-ceo-job-38101188-html\/"},"modified":"2026-08-14T16:02:08","modified_gmt":"2026-08-14T14:02:08","slug":"es-zupfen-menschen-an-mir-so-erlebt-georg-stawowy-den-ceo-job-38101188-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/es-zupfen-menschen-an-mir-so-erlebt-georg-stawowy-den-ceo-job-38101188-html\/","title":{"rendered":"Podcast: \u201eWenn mich einer lobt, wei\u00df ich nicht, ob er es ehrlich meint\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Als CEO des Ventilbauers B\u00fcrkert bekommt Georg Stawowy Kennzahlen und Kundenfeedback zuhauf, pers\u00f6nliches Feedback dagegen kaum. Warum F\u00fchrung an der Spitze einsam machen kann \u2013 und N\u00e4he trotzdem unverzichtbar bleibt<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p><em>B\u00fcrkert Fluid Control Systems sitzt in Ingelfingen und stellt unter anderem Ventile, Regler und Messger\u00e4te f\u00fcr Fl\u00fcssigkeiten und Gase her. Die Kunden kommen zum Beispiel aus der Pharma- und Lebensmittelindustrie, sind Raumfahrt- oder Energieunternehmen. B\u00fcrkert besch\u00e4ftigt weltweit \u00fcber 3700 Menschen und hat 2025 rund 680 Mio. Euro umgesetzt. Die Gesch\u00e4fte f\u00fchrt seit 2023 Georg Stawowy.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Stawowy, Sie waren Manager in bekannten deutschen Familienunternehmen wie Freudenberg und Lapp. Bei B\u00fcrkert sind Sie nun erstmals in der Rolle des CEO. Was hat sich dadurch f\u00fcr Sie ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>GEORG STAWOWY: In Unternehmen gibt es so eine Tendenz, dass Dinge hoch delegiert werden. Wenn der Audioguide f\u00fcrs Unternehmensmuseum freigegeben werden muss, dann sagen alle: Keine Ahnung, wer das machen kann. Dann geben wir es mal dem CEO! Bei Lapp war ich Vorstandsmitglied, aber nicht Vorstandsvorsitzender. Da geht vieles an einem vorbei. Ich habe also Respekt davor entwickelt, was jetzt pl\u00f6tzlich alles auf meinen Tisch landet. Aber ich habe mich ja bewusst daf\u00fcr entschieden, nach vielen Berufsjahren zu sagen: Jetzt m\u00f6chte ich es mal so machen, wie ich es f\u00fcr gut erachte. Realistisch betrachtet w\u00fcrde ich sagen: Da wird kein weiteres berufliches Kapitel mehr kommen, sondern das ist jetzt das Finale.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Am Ende sind Sie es nun, der die Entscheidungen trifft. Erleben Sie das als Druck oder als Freiheit?<\/strong><br \/>Definitiv als beides. Ich erinnere mich, wie ich als Berufsanf\u00e4nger wichtige berufliche Meetings hatte. Da habe ich geschwitzt, war gestresst und habe vorher schlecht geschlafen. Wenn es so weitergegangen w\u00e4re, k\u00f6nnte ich den Job nicht machen. Aber man entwickelt eine Routine. Je h\u00f6her man kommt, desto mehr Autonomie gewinnt man auch, weil man nicht nur getrieben ist, sondern selbst derjenige ist, der die Akzente und das Tempo setzt. Damit hat man es in der Hand. Das f\u00fchlt sich anders an, als wenn man getrieben wird.<\/p>\n<p><strong>Empfinden Sie es gleichzeitig als anstrengend, immer derjenige zu sein, der die anderen antreibt?<\/strong><br \/>Ja. Ich sage immer: Es zupfen Menschen an mir. Es sind so kleine Sachen. Man geht in die Kantine und wird trotzdem noch mal kurz angesprochen und muss immer verf\u00fcgbar sein. Dieses permanente Zupfen, das empfinde ich als anstrengend. Aber ich bekomme auch etwas zur\u00fcck. Die entscheidende Frage ist: Wie ist die Balance? Ich hatte berufliche Phasen, in denen sie negativ war, in denen ich mehr reingesteckt als zur\u00fcckbekommen habe. Das ist jetzt anders. Das erm\u00f6glicht mir, immer wieder reinzugehen, auch wenn ich st\u00e4ndig gepikst werde. Ich erm\u00fcde nicht dabei, sondern sch\u00f6pfe viel Energie daraus.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was hat sich noch ver\u00e4ndert?<\/strong><br \/>In der CEO-Rolle bekommt man sehr viel R\u00fcckmeldung \u00fcber Kennzahlen oder Kundenfeedback. Pers\u00f6nliches Feedback gibt es dagegen wenig \u2013 oder man wertet es selbst ab. Wenn mir einer sagt: Du, Georg, toll gemacht, dann wei\u00df ich nicht, ob er das ehrlich so meint. Ich glaube, ich kann gut auf Menschen in allen Funktionen und Hierarchieebenen zugehen. Das zu tun, ist wichtig, um Stimmungen aufzufangen und zu sp\u00fcren, welches Thema ansteht. Ich habe f\u00fcr mich das Bild entwickelt, dass eine F\u00fchrungskraft schwingen und d\u00e4mpfen k\u00f6nnen muss. Man muss Dinge abfedern, die nicht durchregnen sollen. Man muss aber auch Akzente setzen und schwingen, damit andere Dinge st\u00e4rker sp\u00fcrbar werden. Ich glaube, daf\u00fcr braucht man ein Ohr an den Leuten.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie nie wissen, wie ehrlich ein Lob ist: Macht Ihre Rolle Sie einsam?<\/strong><br \/>In gewisser Weise ist das so. Als ich noch bei Freudenberg war, habe ich mich gewundert, wenn der CEO allein in der Kantine sa\u00df. Heute bin ich es, der manchmal allein in der Kantine sitzt. Es ist schon so, dass man vorsichtiger wird. Das Feedback kann ja aufrichtig sein, aber man wei\u00df es eben nicht. Die Schwierigkeit ist, dass ich auf der einen Seite f\u00fcr mich entschieden habe, einen Zaun um mich zu ziehen und eine gewisse Distanz zu halten. Ich lade Mitarbeitende zum Beispiel nicht zu mir nach Hause zum Essen ein. Aber umgekehrt braucht es N\u00e4he, damit ich wei\u00df: Dieses Feedback kann ich ernst nehmen und es ist mir wichtig. Diese Beziehung muss ich pflegen, das ist eine Energiequelle. Das ist eine schwierige Gratwanderung.<\/p>\n<p><strong>Was sind aktuell im Unternehmen die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen?<\/strong><br \/>Ich \u00fcberzeichne immer ein bisschen, wenn ich sage: B\u00fcrkert ist wie ein Franchiseunternehmen gro\u00df geworden. Das gilt f\u00fcr andere deutsche Familienunternehmen genauso. Man entwickelt in Deutschland, produziert hier, das Marketing kommt aus Deutschland. Wir sehen aber, dass es weltweit Produkte in \u00e4hnlicher Qualit\u00e4t gibt, dass die Vertriebswege transparent sind, dass es Handelsbeschr\u00e4nkungen gibt, dass also \u201elocal for local\u201c nat\u00fcrlich der richtige Weg ist. F\u00fcr uns bedeutet das eine Transformation, weil wir hier in Ingelfingen akzeptieren m\u00fcssen: In Indien gibt es Menschen, die das genauso gut k\u00f6nnen und vielleicht sogar schneller. Wir m\u00fcssen also eine dezentralere Organisation schaffen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt dann in Zukunft noch die Unternehmenszentrale?\u00a0<\/strong><br \/>Wir m\u00fcssen definieren, was der europ\u00e4ische Markt braucht. So wird heute noch nicht unbedingt gedacht. In Ingelfingen sitzen noch immer alle und sagen: Ich muss f\u00fcr die Welt mitdenken. Und ich sage denen jetzt: Nein, ihr m\u00fcsst den europ\u00e4ischen Weg definieren. Wir haben in Deutschland hervorragend ausgebildete Menschen und eine Tradition, weltoffen zu sein. Wir sprechen Englisch, wir sind es gewohnt zu reisen. Die Kompetenz, die wir im Headquarter brauchen, ist, dass wir ein internationales Netzwerk koordinieren k\u00f6nnen. Das ist ein komplett anderes Verst\u00e4ndnis: Ich denke nicht f\u00fcr Indien vor, sondern ich beantworte die Frage: Was m\u00fcssen wir f\u00fcr Indien tun, damit sie das selbst entwickeln k\u00f6nnen? Das ist das Skillset, aus dem wir ein st\u00e4rkeres Selbstbewusstsein beziehen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rt man manchen Unternehmern und Gr\u00fcndern zu, hat man das Gef\u00fchl, einige h\u00e4tten den Standort Deutschland abgeschrieben. Zu denen scheinen Sie nicht zu geh\u00f6ren.<\/strong><br \/>Das ist so. Wird das alles gut gehen? Wei\u00df ich nicht. Haben wir hohe Risiken, dass hier alles den Bach runtergeht? Definitiv. Wenn ich mit Mitte 50 in meiner Blase unterwegs bin, dann unterhalten wir uns \u00fcber Eltern, die pflegebed\u00fcrftig sind, und \u00fcber Kinder, die aus dem Haus sind. Dann stellt man fest: Wir sind jetzt diejenigen, die den Unterschied machen k\u00f6nnen. Auf wen soll ich schimpfen? \u00dcber wen l\u00e4stern? Wir haben es jetzt in der Hand. Das verpflichtet. Meine Aufgabe verpflichtet mich nat\u00fcrlich auch zu einer gewissen Zuversicht. Aber ich bin davon \u00fcberzeugt, dass es keinen Trend ohne Gegentrend gibt. Wenn wir sagen, die Arbeitskosten in Deutschland sind zu hoch, die jungen Leute wollen nicht mehr arbeiten \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob es wahr ist oder nicht \u2013 muss man fragen: Haben die jungen Menschen in China Lust, 70 Stunden die Woche zu arbeiten? Nein, haben sie nicht. Es gibt ja auch da eine gewisse Saturierung. Es gleicht sich alles irgendwie an, das ist nur eine Frage der Fristigkeit. Bei allen Pisa-Schw\u00e4chen haben wir immer noch ein Top-Ausbildungsniveau und eine weltoffene Gesellschaft, die wir weiter pflegen sollten. Das sind die F\u00e4higkeiten und Kompetenzen, die wir brauchen.<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Bei den aktuellen Umfrageergebnissen der AfD fragt sich allerdings, ob es mit der Weltoffenheit in Deutschland wirklich so weit her ist.\u00a0<\/strong><br \/>Unternehmen kommt eine immer gr\u00f6\u00dfere gesellschaftliche Verantwortung zu. Wir brauchen diese Weltoffenheit, weil wir jeden Tag mit Menschen aus der ganzen Welt zu tun haben. Wenn sie im Kontakt sind, geht es um das Fu\u00dfballergebnis oder das Bier, nicht um Migrationsprobleme. Haben wir als Gesellschaft eine weltoffene Einstellung? Na ja, wir sind in einer Zerrei\u00dfprobe. Aber f\u00fcr das Unternehmen kann ich sagen: Das sind das ganz praktische und gar nicht so sehr ethische Aspekte, wir brauchen das, weil es unser Tagesgesch\u00e4ft ist.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Als CEO des Ventilbauers B\u00fcrkert bekommt Georg Stawowy Kennzahlen und Kundenfeedback zuhauf, pers\u00f6nliches Feedback dagegen kaum. 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