{"id":17919,"date":"2026-08-15T07:03:03","date_gmt":"2026-08-15T05:03:03","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/keine-alternative-zum-kompletten-us-rueckzug-aus-mittleren-osten-teil-i\/"},"modified":"2026-08-15T07:03:03","modified_gmt":"2026-08-15T05:03:03","slug":"keine-alternative-zum-kompletten-us-rueckzug-aus-mittleren-osten-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/keine-alternative-zum-kompletten-us-rueckzug-aus-mittleren-osten-teil-i\/","title":{"rendered":"Keine Alternative zum kompletten US-R\u00fcckzug aus Mittleren Osten\u00a0\u2013 Teil\u00a0I"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>Die Zeitschrift <em>Foreign Affairs<\/em> ist nicht irgendeine Publikation \u2013\u00a0 sie wird vom &#8222;US-Council for Foreign Relations&#8220; herausgegeben. Die in diesem &#8222;US-Rat f\u00fcr Au\u00dfenbeziehungen&#8220; versammelten &#8222;Grauen Eminenzen&#8220; aus Politik, Milit\u00e4r und Wissenschaft bedienen seit Jahrzehnten die imperialistischen Ambitionen der herrschenden US-Klasse und deren Vasallen mit milit\u00e4rpolitischen Analysen und Angriffspl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Zugleich sind die Mitglieder des Rats gro\u00dfe Spezialisten darin, die Verbrechen des US-Imperialismus mit einem passenden ideologischen \u00dcberbau zu exkulpieren und medial in wohlt\u00e4tige Interventionen f\u00fcr Demokratie, Menschenrechte und &#8222;Freie Finanzm\u00e4rkte&#8220; zu verwandeln.<\/p>\n<p><strong>Bitteres Erwachen der US-Eliten?<\/strong><\/p>\n<p>In der Vergangenheit haben Aufs\u00e4tze und Diskussionen in <em>Foreign Affairs<\/em> nicht selten das au\u00dfenpolitische Establishment der USA richtungsweisend beeinflusst. Deshalb kann man es ruhig als kleine Sensation betrachten, dass jetzt ein Beitrag unter dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/united-states\/america-must-let-go-middle-east\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Amerika muss den Nahen Osten loslassen<\/a>&#8220; erschienen ist. Der Untertitel lautete:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der gescheiterte Iran-Krieg sollte einen l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen R\u00fcckzug ausl\u00f6sen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das ist aber nur einer von einer ganzen Reihe von kritischen Meinungs\u00e4u\u00dferungen anerkannter Experten in j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichungen des &#8222;US-Council for Foreign Relations&#8220;.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte das der Anfang eines radikalen Umdenkens sein? Hat der kl\u00e4glich gescheiterte, unprovozierte, v\u00f6lkerrechtswidrige US-Angriffskrieg gegen Iran in Washington der Erkenntnis den Weg gebahnt, dass die imperiale \u00dcberausdehnung des US-Milit\u00e4rs nicht l\u00e4nger aufrechtzuerhalten ist, weil wichtige Ressourcen (z.B. &#8222;Seltene Erden&#8220;) und die notwendigen industriellen und milit\u00e4rtechnologischen Kapazit\u00e4ten fehlen? Oder weil mit dem Erscheinen billiger und schlagkr\u00e4ftiger Drohnen die Lage auf den Kriegsschaupl\u00e4tzen sich zugunsten \u00e4rmerer, aber gegen Angriffe des kollektiven Westens gesellschaftlich resilienter L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens ver\u00e4ndert hat?<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist vor allem in den letzten Jahren die Kluft zwischen den selbst gesteckten hegemonialen Zielen Washingtons und den dahingeschmolzenen real existierenden US-F\u00e4higkeiten immer breiter geworden. Diese Tatsache der imperialen \u00dcberforderung der F\u00e4higkeiten des US-Milit\u00e4rs, der US-Industrie und der US-Gesellschaft ist vor allem seit Beginn des verbrecherischen Angriffskriegs gegen Iran nicht nur der Welt, sondern auch zunehmend der amerikanischen \u00d6ffentlichkeit deutlich geworden, die inzwischen zu zwei Dritteln den Iran-Krieg ablehnt.<\/p>\n<p>Leider ist es der herrschenden Klasse in den USA schnurzegal, was das Volk will. Parallelen zu Deutschland und Europa sind kein Zufall! Wichtiger f\u00fcr die zuk\u00fcnftige au\u00dfenpolitische Richtung ist daher die Wahrnehmung des sicherheitspolitischen US-Establishments. Und in dieser Hinsicht scheint sich einiges zu tun. Denn in den j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichungen des &#8222;US-Council for Foreign Relations&#8220; k\u00f6nnen wir inzwischen einige radikale Prozesse des Umdenkens und des Abschieds von den globalen US-Machtanspr\u00fcchen erkennen.<\/p>\n<p>Hiernach und in den folgenden zwei Beitr\u00e4gen wollen wir die teils radikalen Prozesse des Umdenkens zusammenfassen und analysieren. Zun\u00e4chst ist jedoch eine kurze Bestandsaufnahme der oben angedeuteten milit\u00e4r-technologischen Ver\u00e4nderungen und r\u00fcstungsindustriellen Engp\u00e4sse n\u00f6tig, die von den eitlen Strategen der &#8222;einzigen Supermacht&#8220; lange ignoriert und zum aktuellen b\u00f6sen Erwachen gef\u00fchrt haben, zur Erkenntnis, dass der Krieg gegen Iran kl\u00e4glich gescheitert ist. Dies einzugestehen, f\u00e4llt vor allem der Trump-Administration und dem Gro\u00dfteil des US-Kongresses ungeheuer schwer, weshalb sie im derzeitigen Modus der Realit\u00e4tsverweigerung verharren, in der vergeblichen Hoffnung, dass ein &#8222;deus ex machina&#8220; ihre Probleme l\u00f6sen wird.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Akella hat den Sprung verfehlt&#8220;: Der Leitwolf lahmt<\/strong><\/p>\n<p>Sie alle sind in einer Welt aufgewachsen, in der nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion die USA den Globus geradezu allm\u00e4chtig regierten. Entweder mit wirtschaftlichen oder finanziellen Sanktionen, mit &#8222;Farbenrevolutionen&#8220; oder anderen Arten von Umst\u00fcrzen, zuweilen mit kurzen Milit\u00e4rinterventionen bis zu langen Kriegen, die die Dinge in der Welt zum Besten der herrschenden Klasse in den Vereinigten Staaten regelten.<\/p>\n<p>Wie in einem Wolfsrudel bekamen dabei willige US-Vasallen in Europa oder Asien einige Brocken von der Beute des US-Leitwolfes ab. So funktionierte bisher die &#8222;Karotten und Stock&#8220;-Methode, um auch die Vasallen auf Linie zu halten.<\/p>\n<p>Jetzt aber lahmt der Leitwolf, seine wichtigsten Rei\u00dfz\u00e4hne, die Flugzeugtr\u00e4ger-Angriffsgruppen (&#8222;Die Carrier Strike Groups&#8220;) sind stumpf geworden und seine einstigen, alles zerquetschenden finanziellen Kr\u00e4fte (die Position der Dollars und die ma\u00dflose \u00dcberschuldung der US-Regierung) sind am Schwinden, w\u00e4hrend sich zugleich die US-amerikanische Gesellschaft zunehmend selbst zerfleischt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Trump sich bei seinen kriminellen Angriffskriegen oder bei seiner Unterst\u00fctzung des israelischen Verbrechens gegen die Menschlichkeit (Genozid in Gaza) auf seine willigen Helfer im Kongress verlassen kann, w\u00e4chst \u2013 wie bereits dargelegt \u2013 im elit\u00e4ren sicherheitspolitischen Establishment der USA die Erkenntnis, dass die imperiale \u00dcberdehnung des US-Milit\u00e4rs und dessen fehlender, milit\u00e4risch-industrieller R\u00fcckhalt nicht l\u00e4nger aufrechtzuerhalten sind.<\/p>\n<p><strong>Drohnen machen Flugzeugtr\u00e4ger obsolet<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem ist der Pfeiler der globalen milit\u00e4rischen Machtprojektion der Vereinigten Staaten, n\u00e4mlich die Flugzeugtr\u00e4ger-Angriffgruppen (Carrier-Strike-Groups), zunehmend obsolet geworden. Angesichts billiger, aber zielgenauer und zunehmend weitreichender Antischiffraketen, die im Zielanflug nicht selten hyperschnell, sondern auch durch wendige Man\u00f6ver unverwundbar sind, haben die Carrier-Strike-Groups als Instrument der erpresserischen Drohungen im Fall des Iran bereits ausgedient. Bald werden andere kleine L\u00e4nder, die sich nicht l\u00e4nger vom US-Bully herumkommandieren lassen wollen, ihre Raketenarsenale entsprechend aufstocken.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit war es die Aufgabe der Carrier-Strike-Groups, vor der K\u00fcste des anzugreifenden Landes in etwa 50\u00a0km Entfernung von der K\u00fcste aufzukreuzen, um von dort ihre je 60 bis 80 Kampfbomber loszuschicken. Diese schalteten als Erstes mit hoch technisierten Raketen, z.\u00a0B.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AGM-88_HARM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AGM-88 HARM<\/a>, die Radarleitstellen und die Stellungen der gegnerischen Luftabwehr aus. Danach konnten die Jet-Bomber mit zielgenauen, schweren Gravitationsbomben die eingebunkerten gegnerischen K\u00fcstenbatterien zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Da die auf den Flugzeugtr\u00e4gern stationierten US-Bomber ohne Reservetank eine maximale Reichweite von etwa 400\u00a0km haben, konnten sie sich nach der Eliminierung der gegnerischen Luftabwehr tiefer ins Landesinnere wagen. Zugleich konnten die Carrier-Groups n\u00e4her an die K\u00fcste heran, um von dort mit Artillerie wichtige Landziele unter Beschuss zu nehmen.<\/p>\n<p>In diesen Szenarien kamen auch Cruise Missiles und andere see- oder luftgest\u00fctzte Raketen gegen Bodenziele mit l\u00e4ngerer Reichweite zum Einsatz, aber vom Volumen her nur in einer begrenzten Anzahl. Denn diese sehr teuren Raketen waren f\u00fcr die wenigen wichtigen Ziele reserviert, die entweder zu gut gesch\u00fctzt oder in schwierigem geografischem Terrain lagen, die auszuschalten f\u00fcr die Piloten der Carrier-Kampfbomber zu gef\u00e4hrlich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Iran ist nun das erste gute Beispiel daf\u00fcr, dass die bisherige US-Methode der Machtprojektion mit Carrier-Strike-Groups nicht mehr funktionierte: Aus Sorge vor iranischen Antischiffraketen bleiben die US-Tr\u00e4ger auf mindestens 300\u00a0km Distanz zur iranischen K\u00fcste. In den ersten Tagen und Wochen, als der US-Air-Force noch gen\u00fcgend teure Langstreckenraketen zur Verf\u00fcgung standen, wurden diese von US-Bombern recht gro\u00dfz\u00fcgig eingesetzt, in dem festen Glauben, dass die Iraner schon bald kapitulieren w\u00fcrden. Mit diesen teuren Raketen wurden oft zweit- und drittklassige Ziele im Inneren des Iran zerst\u00f6rt, ohne dass die US-Bomber daf\u00fcr in den iranischen Luftraum h\u00e4tten eindringen m\u00fcssen, womit sie riskiert h\u00e4tten, abgeschossen zu werden, was das Schicksal einiger US-Piloten war, die sich im Rahmen einer Kommando-Operation tiefer in den Iran gewagt hatten.<\/p>\n<p>Seit einigen Tagen zitieren US-Medien zunehmend Quellen aus dem Pentagon, wonach der Vorrat teuren und komplexen Langstreckenraketen, die f\u00fcr den Iran-Krieg bereitgestellt worden waren, aufgebraucht ist. Um mit dieser Art Abstandswaffen weiter angreifen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste die US-F\u00fchrung die &#8222;eisernen Reserven&#8220; freigeben, die sie f\u00fcr einen eventuellen US-Krieg im Pazifik oder gegen Russland reserviert hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben die Amerikaner noch gen\u00fcgend Schwerkraftbomben und Gleitbomben in ihrem Arsenal. Letztere sind mit Fl\u00fcgeln versehene Bomben, die aus gro\u00dfer H\u00f6he abgeworfen und \u00fcber GPS ins Ziel gesteuert werden, das bis zu 100\u00a0km entfernt sein kann. Um mit dieser Methode Ziele anzugreifen, die mehr als 100\u00a0km von der K\u00fcste entfernt im Landesinneren Irans liegen, m\u00fcssten sich US-Piloten in die operative Reichweite der landgest\u00fctzten iranischen Flugabwehr begeben. Erschwerend kommt hinzu, dass sie im Fall des Einsatzes von Gleitbomben vor dem Abwurf sogar auf gro\u00dfe H\u00f6hen aufsteigen m\u00fcssten, wodurch sie f\u00fcr gegnerisches Radar gut erkennbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Da die iranischen Luftabwehrsysteme anscheinend immer noch gut funktionieren, hat die Vorstellung von massiven Verlusten an teuren Flugzeugen und von blamablen Fotos von kostbaren US-Piloten in iranischer Gefangenschaft die US-F\u00fchrung davon abgehalten, unter diesen Bedingungen Gravitations- oder Gleitbomben einzusetzen. Stattdessen fordert Trump jetzt mit Macht einen Waffenstillstand und sein f\u00fcr den Mittleren Osten verantwortliches CENTCOM-Kommando hat seit fast einer Woche keine Angriffe mehr gegen Iran durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Selbst nachdem Iran in den vergangenen Tagen weitere \u00d6ltanker mit Raketen gestoppt hatte, die der US-CENTCOM-Anweisung gefolgt waren, n\u00e4mlich \u00fcber die Route entlang der K\u00fcste von Oman die Stra\u00dfe von Hormus zu durchqueren, blieb die f\u00fcr einen solchen Fall von CENTCOM ausgesprochene Vergeltung aus.<\/p>\n<p><em>In Teil II werden wir uns dem eingangs bereits angesprochenen Artikel in &#8222;Foreign Affairs&#8220; widmen, der mit seinem Titel: &#8222;Amerika muss den Nahen Osten loslassen&#8220;, f\u00fcr Aufregung gesorgt hat.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/287098-keine-guten-optionen-mehr-fuer\/\">Keine guten Optionen mehr f\u00fcr Trump und seine zionistischen Antreiber<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n                                                <iframe title='Kann eine \"Islamische NATO\" sowohl Israel als auch Iran in Schach halten?' allowtransparency=\"true\" height=\"300\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:300px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?i=hzg8a-1b33f97-pb&amp;from=pb6admin&amp;square=1&amp;share=1&amp;download=1&amp;rtl=0&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7&amp;size=300\" loading=\"lazy\" allowfullscreen=\"\"><\/iframe>\n                    <\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp Die Zeitschrift Foreign Affairs ist nicht irgendeine Publikation \u2013\u00a0 sie wird vom &#8222;US-Council for Foreign Relations&#8220; herausgegeben. 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