{"id":17990,"date":"2026-08-15T17:03:16","date_gmt":"2026-08-15T15:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/fuenf-jahre-nach-kabul-die-ukraine-auf-dem-weg-zum-zweiten-afghanistan\/"},"modified":"2026-08-15T17:03:16","modified_gmt":"2026-08-15T15:03:16","slug":"fuenf-jahre-nach-kabul-die-ukraine-auf-dem-weg-zum-zweiten-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/fuenf-jahre-nach-kabul-die-ukraine-auf-dem-weg-zum-zweiten-afghanistan\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Jahre nach Kabul: Die Ukraine auf dem Weg zum zweiten Afghanistan"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Hans-Ueli L\u00e4ppli<\/em><\/p>\n<p>Am 15. August 2021 brauchte es keine gro\u00dfe Schlacht, um Kabul zu Fall zu bringen. Es brauchte nur die Erkenntnis der Taliban, dass die Amerikaner tats\u00e4chlich gehen w\u00fcrden, und die gleichzeitige Erkenntnis der afghanischen Armee, dass sie f\u00fcr ein System k\u00e4mpfte, an das ihre eigene Schutzmacht nicht mehr glaubte.<\/p>\n<p>Die Stadt fiel nicht durch milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit, sie fiel durch politische Ersch\u00f6pfung, eine \u00fcber zwanzig Jahre gewachsene Ersch\u00f6pfung in Washington, die sich in wenigen Wochen in einen vollst\u00e4ndigen Zusammenbruch vor Ort \u00fcbersetzte. Genau dieses Muster \u2013 keine milit\u00e4rische Niederlage, sondern politisches Erm\u00fcden der Schutzmacht \u2013 zeichnet sich heute bei der Ukraine ab.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich unterscheidet sich die Ukraine in vielerlei Hinsicht von Afghanistan. Doch der politische Zustand des Landes erinnert zunehmend an ein System, dessen Stabilit\u00e4t ohne dauerhafte Unterst\u00fctzung von au\u00dfen kaum noch gew\u00e4hrleistet werden kann. Die Ukraine verf\u00fcgt weiterhin \u00fcber eine eigene Armee und k\u00e4mpft mit gro\u00dfer milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung des Westens. Politisch jedoch h\u00e4ngt Kiew immer st\u00e4rker von den Entscheidungen Washingtons und Europas ab.<\/p>\n<p>In Kiew werden weiterhin keine neuen Wahlen angesetzt. Die Regierung h\u00e4lt am Kriegszustand fest und verschiebt damit eine politische Erneuerung auf unbestimmte Zeit. Gleichzeitig wird das Land mit Milliarden, Waffen und politischer R\u00fcckendeckung aus dem Westen am Leben gehalten. Dadurch entsteht ein Staat, dessen politische Ordnung immer st\u00e4rker von ausl\u00e4ndischer Unterst\u00fctzung abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Nach dem Maidan von 2014 wurde die neue politische Ordnung der Ukraine ma\u00dfgeblich durch amerikanische Unterst\u00fctzung gepr\u00e4gt. Namen wie Victoria Nuland, Barack Obama und sp\u00e4ter Joe Biden stehen f\u00fcr eine Politik Washingtons, die Kiew \u00fcber Jahre hinweg politisch, finanziell und milit\u00e4risch f\u00f6rderte. Die USA bauten ihren Einfluss auf die ukrainische F\u00fchrung erheblich aus und machten die Unterst\u00fctzung des Landes zu einem festen Bestandteil ihrer europ\u00e4ischen Sicherheitsstrategie.<\/p>\n<p>Afghanistan zeigte bereits, wie fragil ein solches von au\u00dfen gest\u00fctztes System werden kann. Solange Washington Geld, Waffen, Geheimdienstinformationen und milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung bereitstellte, blieb die Regierung in Kabul funktionsf\u00e4hig. Als der politische Wille in den USA nachlie\u00df, brach dieses System innerhalb k\u00fcrzester Zeit zusammen.<\/p>\n<p>In der Ukraine w\u00e4chst inzwischen ebenfalls die Erm\u00fcdung der Unterst\u00fctzer. Nach Jahren des Krieges sinkt die Bereitschaft, immer neue Milliarden bereitzustellen, w\u00e4hrend Korruptionsvorw\u00fcrfe und politische Machtk\u00e4mpfe in Kiew das Vertrauen zus\u00e4tzlich besch\u00e4digen. Die Geduld des Westens ist nicht unbegrenzt und auch die Bereitschaft, die politische F\u00fchrung in Kiew unabh\u00e4ngig von ihren Entscheidungen dauerhaft abzusichern, nimmt ab.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die milit\u00e4rische Ersch\u00f6pfung. Die westlichen Staaten haben ihre eigenen Waffenbest\u00e4nde \u00fcber Jahre hinweg stark beansprucht. Gleichzeitig hat die Trump-Regierung im Krieg gegen Iran innerhalb weniger Monate erhebliche Mengen an Munition und anderen milit\u00e4rischen Ressourcen eingesetzt. Damit stehen die USA vor der schwierigen Aufgabe, mehrere Konflikte gleichzeitig mit begrenzten industriellen und milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist noch lange nicht Afghanistan. Doch je st\u00e4rker ihr politisches und milit\u00e4risches \u00dcberleben von ausl\u00e4ndischem Geld, westlichen Waffen und der Geduld Washingtons abh\u00e4ngt, desto deutlicher wird die Gefahr eines Systems, das von au\u00dfen stabilisiert wird, w\u00e4hrend seine eigene politische Grundlage zunehmend erodiert.<\/p>\n<p>Kiew k\u00f6nnte damit in eine Lage geraten, die Afghanistan bereits erlebt hat. Ein Staat kann \u00fcber Jahre hinweg k\u00fcnstlich stabilisiert werden, solange seine Schutzmacht bereit ist, die Kosten zu tragen. Wenn dieser Wille jedoch ersch\u00f6pft ist, kann die Stabilit\u00e4t weitaus schneller verschwinden, als es zuvor f\u00fcr m\u00f6glich gehalten wurde.<\/p>\n<p>Die afghanische Regierung verlor nicht deshalb, weil ihre Soldaten schlechter k\u00e4mpften als die Taliban. Sie verlor, weil ihr gesamtes System \u2013 Ausbildung, Finanzierung, Luftunterst\u00fctzung, Logistik \u2013 \u00fcber zwanzig Jahre so tief mit amerikanischer Pr\u00e4senz verwoben worden war, dass es ohne diese Pr\u00e4senz nicht mehr funktionsf\u00e4hig war. Als Washington den Stecker zog, brach nicht nur eine Armee zusammen, sondern ein ganzes politisches Konstrukt, das sich nie wirklich von seiner Abh\u00e4ngigkeit gel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p>Strukturell h\u00e4ngt die Ukraine inzwischen in hohem Ma\u00dfe vom Westen ab. Luftverteidigung, Munition und ein erheblicher Teil der staatlichen Finanzierung werden durch westliche Waffenlieferungen und Kredite erm\u00f6glicht. Zun\u00e4chst waren es vor allem die USA, die diese Unterst\u00fctzung finanzierten. Nun springt zunehmend die EU ein und verschuldet sich daf\u00fcr in Milliardenh\u00f6he. Die Rechnung wird damit nicht kleiner, sondern lediglich weitergereicht.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/europa\/288445-wer-zahlt-am-ende-90\/\">Wer zahlt am Ende den 90-Milliarden-Kredit an die Ukraine? \u2013 Die EU-Kommission wei\u00df es nicht<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v6t9fp1\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Hans-Ueli L\u00e4ppli Am 15. August 2021 brauchte es keine gro\u00dfe Schlacht, um Kabul zu Fall zu bringen. 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