{"id":18027,"date":"2026-08-16T09:07:45","date_gmt":"2026-08-16T07:07:45","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/ki-koennte-die-welt-in-eine-neue-finanzkrise-stuerzen\/"},"modified":"2026-08-16T09:07:45","modified_gmt":"2026-08-16T07:07:45","slug":"ki-koennte-die-welt-in-eine-neue-finanzkrise-stuerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/ki-koennte-die-welt-in-eine-neue-finanzkrise-stuerzen\/","title":{"rendered":"KI k\u00f6nnte die Welt in eine neue Finanzkrise st\u00fcrzen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Technologiekonzerne liegen hinsichtlich ihres Anteils am Kreditrisiko auf dem US-Markt mittlerweile vor den Banken und k\u00f6nnten die Welt in eine neue Finanzkrise st\u00fcrzen, berichtet <em>Bloomberg<\/em>.<\/p>\n<p>Die sechs gr\u00f6\u00dften Technologiekonzerne stehen mittlerweile f\u00fcr 8,4 Prozent des gesamten Kreditrisikos am US-Markt f\u00fcr Unternehmensanleihen \u2013 mehr als die sechs gr\u00f6\u00dften Banken, auf die 7,3 Prozent entfallen, wie Analysten von Barclays feststellen. Das wirtschaftliche Gewicht verlagert sich damit zunehmend vom Finanz- auf den Technologiesektor, wodurch neue Risiken f\u00fcr das gesamte System entstehen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher finanzierten KI-Unternehmen ihre Projekte aus eigenen Gewinnen. Inzwischen zwingt sie jedoch das Ausma\u00df der Investitionen dazu, verst\u00e4rkt Fremdkapital aufzunehmen. Nach Sch\u00e4tzungen von JPMorgan sollen von insgesamt 5,5 Billionen US-Dollar, die f\u00fcr KI ausgegeben werden sollen, rund 4,1 Billionen \u00fcber Kredite finanziert werden. F\u00fcnf Technologiegiganten \u2013 Amazon, Alphabet, Meta (in Russland als extremistisch eingestuft und verboten), Microsoft und Oracle \u2013 wollen allein im kommenden Jahr mehr als eine Billion US-Dollar in die weitere KI-Entwicklung investieren. Gleichzeitig nimmt ihr freier Cashflow ab: Bei Alphabet ist er erstmals in den negativen Bereich gerutscht, bei Meta sank er um 91 Prozent.<\/p>\n<p>Die Aktienkurse dieser Unternehmen steigen zwar, doch der Anleihemarkt erkennt Probleme oft als Erster: Die derzeitige Versch\u00e4rfung der Finanzierungsbedingungen k\u00f6nnte sich als vor\u00fcbergehend erweisen \u2013 oder den Beginn einer ernsthaften Krise markieren.<\/p>\n<p>Investoren, die KI-Unternehmen Kapital zur Verf\u00fcgung stellen, sind vorsichtiger geworden und verlangen h\u00f6here Risikopr\u00e4mien, berichtet <em>Bloomberg<\/em>. Das erinnert einige Analysten an den Eisenbahnboom in den USA im 19. Jahrhundert \u2013 damals f\u00fchrte der Zusammenbruch der Finanzierung zur Finanzpanik von 1873.<\/p>\n<p>Alexander Firantschuk, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor f\u00fcr internationalen Handel des Gaidar-Instituts, erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Vergleich mit dem Eisenbahnboom des 19. Jahrhunderts erscheint nicht ganz treffend \u2013 dieses Beispiel ist zu weit von der heutigen Realit\u00e4t entfernt. N\u00e4her liegt die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende. Viele Unternehmen verschwanden damals vom Markt, einige Akteure \u00fcberstanden den Zusammenbruch jedoch und wuchsen weiter. Vermutlich werden auch diesmal zahlreiche Unternehmen und Gesch\u00e4ftsmodelle vom Markt verschwinden.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das Risiko einer \u00dcberbewertung von KI-Investitionen bestehe, r\u00e4umt Firantschuk ein. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Bei Technologien, die sich rasant entwickeln, ist es immer schwierig einzusch\u00e4tzen, wie sie sich auf die Produktivit\u00e4t auswirken und welche Rendite die Investitionen letztlich bringen werden. Gleichzeitig versuchen viele, als Erste zu investieren, wodurch die Gefahr einer Blasenbildung entsteht. Eine Korrektur bei der Bewertung von KI ist durchaus m\u00f6glich. Wann sie eintritt und ob sie drastisch ausfallen wird, l\u00e4sst sich jedoch kaum vorhersagen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Warum aber sind IT-Unternehmen dazu \u00fcbergegangen, Schulden anzuh\u00e4ufen, das hei\u00dft, mehr zu investieren, als sie erwirtschaften?<\/p>\n<p>Julia Katassonowa, leitende Direktorin f\u00fcr Ratings von Nichtfinanzunternehmen und ESG bei der Nationalen Ratingagentur (NRA), erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Fr\u00fcher finanzierten sich die IT-Giganten tats\u00e4chlich aus eigenen Mitteln. Inzwischen hat das Investitionsvolumen jedoch eine v\u00f6llig andere Gr\u00f6\u00dfenordnung erreicht \u2013 es geht um Billionen US-Dollar f\u00fcr den Bau von Rechenzentren und den Kauf von Chips. Die eigenen Gewinne reichen f\u00fcr Investitionen in diesem Umfang nicht mehr aus. Als Alternative bleiben Kredite, solange die Finanzierungskonditionen noch g\u00fcnstig sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Natalia Miltschakowa, leitende Analystin bei Freedom Finance Global, f\u00fchrt weiter aus:<\/p>\n<p><em>&#8222;Fr\u00fcher waren die Investitionen in KI vergleichsweise gering und lie\u00dfen sich durch Einnahmen aus Abonnements und Lizenzen relativ leicht amortisieren. Inzwischen ben\u00f6tigen gro\u00dfe Sprachmodelle f\u00fcr den normalen Betrieb jedoch eine entsprechende Infrastruktur, etwa Rechenzentren, um Daten nicht nur in der &#8218;Cloud&#8216; zu speichern, sondern auch die Grundlage f\u00fcr den Betrieb von Neuronetzen k\u00fcnftiger Generationen zu schaffen.<\/em><em>\u00a0Rechenzentren wiederum ben\u00f6tigen Hochleistungscomputer, diese wiederum Hochleistungschips \u2013 und all dies erfordert Investitionen in die Stromversorgung, da Rechenzentren enorme Mengen an Strom verbrauchen. Daraus resultiert der Anstieg der Verschuldung im KI-Sektor, insbesondere in den USA.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ihr zufolge erleichtere KI den Menschen bereits heute die Bew\u00e4ltigung vieler Aufgaben, da sie zumindest Routinefunktionen \u00fcbernehmen k\u00f6nne. Sie helfe Unternehmen dabei, Kosten einzusparen, indem sie geringqualifiziertes B\u00fcropersonal ersetze.<\/p>\n<p>Miltschakowa merkt an:<\/p>\n<p><em>&#8222;KI ist heute ein zuverl\u00e4ssiger Helfer des Menschen und nicht sein Feind. Sie ist ein Instrument zur Steigerung der Effizienz von Unternehmen und des Vertriebs sowie zur m\u00f6glichen Ausweitung des Marktanteils. Unternehmen und Finanzinstitute senken ihre Kosten mithilfe von KI bereits um 25 bis 40 Prozent. Nach Sch\u00e4tzungen von McKinsey wird der Beitrag der KI zum weltweiten BIP ab 2025 und in den folgenden Jahren j\u00e4hrlich etwa 1,2 Prozent betragen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Auch Russland halte in Bezug auf die Einf\u00fchrung von KI mit diesem Trend Schritt, meint die Expertin. Eine gro\u00dfe Zahl von Russen nutze die Neuronetze Alice von Yandex, GigaChat von Sberbank sowie vergleichbare Systeme. Im Jahr 2026 h\u00e4tten bereits 55 Subjekte der Russischen F\u00f6deration KI im Rahmen des Entwicklungsprogramms &#8222;Smart Cities&#8220; eingef\u00fchrt. KI sei zudem aktiv in die digitalen staatlichen Dienstleistungen integriert, und auch der KI-gest\u00fctzte autonome Verkehr entwickele sich weiter.<\/p>\n<p>Miltschakowa fasst zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8222;In Russland entstehen zudem eigene Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Chips sowie eigene Software zum Betrieb von Neuronetzen. Viele Gro\u00dfkonzerne errichten bereits Rechenzentren oder k\u00fcndigen Pl\u00e4ne f\u00fcr deren Bau in den n\u00e4chsten drei Jahren an. Ende 2025 erreichte der russische KI-Markt ein Volumen von 316,1 Milliarden Rubel, was einem Wachstum von 29,7 Prozent entspricht, und 2026 wird sich dieser Trend zu zweistelligem Wachstum mit Sicherheit fortsetzen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em><\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/8\/11\/1441729.html\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 11. August 2026 auf der Webseite der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong><\/strong><\/em><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong><\/em><em> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/288166-mitgruender-wikipedia-ist-zum-propagandainstrument\/\">Mitgr\u00fcnder: Wikipedia ist zum Propagandainstrument geworden<\/a><\/p>\n<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v76xovo\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Technologiekonzerne liegen hinsichtlich ihres Anteils am Kreditrisiko auf dem US-Markt mittlerweile vor den Banken und k\u00f6nnten die Welt in eine neue Finanzkrise st\u00fcrzen, berichtet Bloomberg. 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