{"id":18043,"date":"2026-08-16T12:03:22","date_gmt":"2026-08-16T10:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/zurueck-in-die-barbarei-kapitallobby-trommelt-fuer-grenzenlose-ausbeutung\/"},"modified":"2026-08-16T12:03:22","modified_gmt":"2026-08-16T10:03:22","slug":"zurueck-in-die-barbarei-kapitallobby-trommelt-fuer-grenzenlose-ausbeutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/zurueck-in-die-barbarei-kapitallobby-trommelt-fuer-grenzenlose-ausbeutung\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck in die Barbarei: Kapitallobby trommelt f\u00fcr grenzenlose Ausbeutung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Alexandra Nollok<\/em><\/p>\n<p>Seit Ewigkeiten sinnt der Mensch dar\u00fcber nach, wie er sich von harter Arbeit befreien kann. Nun sind sie da, die segensreichen Maschinen und Computer. Doch von Befreiung keine Spur: Die Bundesregierung will zur\u00fcck ins 19. Jahrhundert, als t\u00e4gliche Zw\u00f6lfstundenschichten normal und Lohnarbeiter trotzdem bettelarm waren. Zusammen mit dem Sozialstaat soll auch der Achtstundentag unter den Hammer kommen. Die passende Propaganda dazu liefern Leitmedien\u00a0\u2013 aus den M\u00fcndern von Milliard\u00e4ren und Konzernbossen.<\/p>\n<p><strong>Ausbeutung wie vor 150 Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Wie den umfassenden Sozialkahlschlag hatten die Unionsparteien CDU und CSU den Angriff auf die Arbeitszeit zur Bedingung ihrer Koalition mit der SPD gemacht. Eigentlich ist der Begriff Achtstundentag ein Euphemismus, denn tats\u00e4chlich sind schon gegenw\u00e4rtig Ausnahmen von bis zu zehn, in bestimmten F\u00e4llen bis zu zw\u00f6lf Stunden Arbeit t\u00e4glich m\u00f6glich \u2013 sofern eine 48-Stunden-Woche nicht \u00fcberschritten wird.<\/p>\n<p>Formal soll diese Wochenarbeitszeit zwar bestehen bleiben, aber noch viel drastischer als bisher \u00fcberschritten werden k\u00f6nnen, sofern die Mehrarbeit binnen eines Jahres ausgeglichen wird. Konkret bedeutet das: Wenn Unternehmen elf Stunden Ruhezeit pro Tag und einmal in der Woche mindestens 24 Stunden Freizeit einhalten, k\u00f6nnten sie ihre Besch\u00e4ftigten \u00fcber viele Monate hinweg sechs Tage pro Woche jeweils 13 Stunden schuften lassen. M\u00f6glich w\u00fcrden Arbeitswochen mit \u00fcber 70 Stunden.<\/p>\n<p>Das kann mit Fug und Recht als Ausbeutung wie vor 150 Jahren bezeichnet werden \u2013 dieses Mal sogar rechtlich abgesegnet, wie nun mal in b\u00fcrgerlichen Demokratien \u00fcblich.<\/p>\n<p><strong>Tr\u00e4ger DGB, zynische Ausbeuter<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, das w\u00e4re ein Anlass f\u00fcr die Gewerkschaften, sich endlich einmal \u00fcber das politische Streikverbot in Deutschland hinwegzusetzen. Zumindest Gro\u00dfproteste k\u00f6nnte ihr Dachverband, der DGB, organisieren\u00a0\u2013 die Mittel und Mitglieder daf\u00fcr hat er schlie\u00dflich. Doch staatstreu wie gehabt beschr\u00e4nkt er sich aufs Verbale. <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-08\/arbeitszeitgesetz-dgb-wochenhoecharbeitszeit-tarifvertraege-acht-stunden-tag\">Zahm warnt er in den Medien<\/a> vor einem &#8222;R\u00fcckfall ins 19. Jahrhundert&#8220;.\u00a0Und freilich h\u00e4lt die Kapitallobby nun w\u00fctend dagegen: Die faulen Arbeiter sollen sich mal nicht so anstellen!<\/p>\n<p>Der tobende Klassenkampf von oben kommt dem Axel-Springer-Verlag gelegen. Dankbar <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6a785e8c0ffb05c5b7b19129\/dulger-ueber-arbeitszeitreform-wenn-es-so-gefaehrlich-waere-muessten-arbeitnehmer-reihenweise-krank-im-bett-liegen.html\">inszeniert die\u00a0<em>Welt<\/em>\u00a0<\/a>ihn als &#8222;erbitterten Streit&#8220; zweier Seiten mit angeblich gleichberechtigten &#8222;Meinungen&#8220;.\u00a0Das Blatt gab der h\u00f6chsten Entit\u00e4t der Konzernlobby, Rainer Dulger, Pr\u00e4sident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb\u00e4nde (BDA), die B\u00fchne: Das jetzige Gesetz stamme &#8222;aus der \u00c4ra von Telex und W\u00e4hlscheibe&#8220;, tobte dieser und setzte noch einen zynischen Haufen obendrauf: &#8222;Wenn es [Anm. d. Red.: l\u00e4ngere Arbeitszeiten] so gef\u00e4hrlich w\u00e4re, m\u00fcssten Arbeitnehmer reihenweise krank im Bett liegen&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Erbmilliard\u00e4r fordert Lohnk\u00fcrzungen<\/strong><\/p>\n<p>Man sieht: Weit vor dem Intellekt bestimmt vor allem das Verm\u00f6gen, wer in der Presse reden darf. Kaum warf Unternehmens- und Milliardenerbe Nikolas Stihl \u2013 das <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/regional\/baden-wuerttemberg\/das-sind-die-reichsten-menschen-in-baden-wuerttemberg-4013235\">Verm\u00f6gen seiner Familie wird auf knapp acht Milliarden Euro gesch\u00e4tzt<\/a>\u00a0\u2013 eine asoziale Forderung in den Raum, druckten Medien wie <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmer-nicolas-stihl-35-stunden-woche-nicht-mehr-zeitgemaess-a-a69431e3-905a-4c8a-ba45-abdaa6dfceff\">der Spiegel\u00a0<\/a>und <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/stihl-chef-fordert-ende-der-35-stunden-woche-laenger-arbeiten-ohne-gehalt\/\">Business Insider<\/a>\u00a0seinen Erguss penibel ab.\u00a0<\/p>\n<p>Der Erbmilliard\u00e4r, der zeitlebens andere f\u00fcr sich arbeiten lie\u00df, verlangte dreist !ein Ende der 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich&#8220;. Damit rief der superreiche Faulenzer, von <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/um-jobs-zu-retten-nikolas-stihl-will-ende-der-35-stunden-woche-bei-gleichem-lohn-6a796446054a6bdac20a5e7d\">Springers\u00a0<em>Bild<\/em>\u00a0als &#8222;Topp Boss&#8220; betitelt<\/a>, nicht nur zu Lohnk\u00fcrzungen auf. Er suggerierte auch, dass alle Arbeiter von dem angeblichen &#8222;Luxus vergangener Tage&#8220; profitierten. Tats\u00e4chlich sind nur wenige Privilegierte damit &#8222;gesegnet&#8220;. Nicht einmal die H\u00e4lfte der Lohnabh\u00e4ngigen arbeitet \u00fcberhaupt in tarifgebundenen Unternehmen \u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/03\/PD26_097_623.html\">nur ein geringer Teil davon hat 35-Stunden-Vollzeit<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>Stihl rief damit die IG\u00a0Metall zur R\u00e4son, die unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) noch immer von einer angeblichen &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; zwischen Kapital und Arbeit fantasiert. Die Presse zitierte ihn w\u00f6rtlich: &#8222;Aber wenn man nun schon in Richtung 500.000 verlorener Industriearbeitspl\u00e4tze unterwegs ist, dann sollte man wirklich alles tun, um die Blutung zu stoppen&#8220;. Eine Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit, so Stihl ganz offen, &#8222;w\u00fcrde die Arbeitskosten relativ schnell senken&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Arbeitskosten sollen runter<\/strong><\/p>\n<p>Ah, daher weht also der Wind: Klar, die Arbeitskosten m\u00fcssen runter, weil die Konkurrenz in Billigl\u00e4ndern sehr viel st\u00e4rker ausbeutet und darum g\u00fcnstiger produziert. Nun will er den deutschen Arbeitsmarkt den dortigen Zust\u00e4nden angleichen, und das ist aus seiner Sicht auch logisch: Ein Staat mit hohen Produktionskosten kann in der internationalen Konkurrenz nicht mithalten, solange die halbe Welt ein Ausbeutungsparadies bleibt.<\/p>\n<p>Wenn Arbeiter f\u00fcr weniger Lohn mehr arbeiten m\u00fcssen, hei\u00dft das, dass Konzerne h\u00f6heren Mehrwert absch\u00f6pfen k\u00f6nnen. So sollen sie durch teure Technologie bedingte hohe Investitionskosten ausgleichen, um ihre insgesamt sinkenden Profitraten ordentlich in Schwung zu bringen \u2013 und vielleicht weniger am Finanz- und Immobilienmarkt zu spekulieren. Mit anderen Worten: Die Arbeiter sollen Ausbeutungszust\u00e4nde fast wie im vorvergangenen Jahrhundert akzeptieren, um die Profitmaschine des Kapitals am Laufen zu halten. Deutlicher kann sich der Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit kaum zeigen.<\/p>\n<p><strong>Kalkulierter Kahlschlag<\/strong><\/p>\n<p>So wird auch deutlich, dass die aktuelle Bundesregierung unter Kanzler Friedrich (BlackRock) Merz nicht etwa den Sozialstaat zerschl\u00e4gt und die Arbeitszeit ausweitet, weil in ihr b\u00f6se Menschen walten. Sie tut es vielmehr sehr bewusst und kalkuliert, verbunden mit bekanntem Propagandabeiwerk von vermeintlich explodierenden Sozialkosten, faulen Arbeitern, unwilligen Arbeitslosen, und so weiter. Sie tut es, weil die imperialistische Konkurrenz sie dazu dr\u00e4ngt \u2013 ungeachtet der Tatsache, dass sie damit den eigenen Binnenmarkt untergr\u00e4bt \u2013 bekanntlich kaufen Autos keine Autos, wie Henry Ford einst gesagt haben soll.<\/p>\n<p>Der Ausblick ist angesichts der systemischen Zw\u00e4nge leider nicht sehr rosig f\u00fcr die Masse. Man kann mit einiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass jede andere b\u00fcrgerliche Partei in Regierungsverantwortung auch in diese Richtung gehen w\u00fcrde, Rechte vielleicht etwas schneller, Linke etwas langsamer. Wer den &#8222;wertewestlichen&#8220; Imperialismus st\u00fctzt, wird jedenfalls die Widerspr\u00fcche nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Und so geschieht, was lange abzusehen war: Trotz Robotik, KI und Massenproduktion ist an eine die naheliegende Reduktion der Arbeitszeit f\u00fcr alle nicht mal im Traum zu denken. Im Gegenteil: Im Wettlauf um Wachstum und Profitraten droht nun auch den Lohnabh\u00e4ngigen im industriell entwickelten &#8222;Wertewesten&#8220; die stramme R\u00fcckkehr in die Barbarei. Vom Resetknopf in Form von internationaler Solidarit\u00e4t, verbunden mit gemeinschaftlicher Produktion, ist dieser weit entfernt.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013 <a href=\"https:\/\/freedert.online\/meinung\/286464-merz-und-das-200-stunden-maerchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Merz und das 200-Stunden-M\u00e4rchen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7atb7c\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexandra Nollok Seit Ewigkeiten sinnt der Mensch dar\u00fcber nach, wie er sich von harter Arbeit befreien kann. Nun sind sie da, die segensreichen Maschinen und Computer. Doch von Befreiung keine Spur: Die Bundesregierung will zur\u00fcck ins 19. 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