{"id":18089,"date":"2026-08-16T17:03:08","date_gmt":"2026-08-16T15:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/inflation-und-devisenknappheit-stellen-iranische-wirtschaft-auf-eine-harte-probe\/"},"modified":"2026-08-16T17:03:08","modified_gmt":"2026-08-16T15:03:08","slug":"inflation-und-devisenknappheit-stellen-iranische-wirtschaft-auf-eine-harte-probe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/inflation-und-devisenknappheit-stellen-iranische-wirtschaft-auf-eine-harte-probe\/","title":{"rendered":"Inflation und Devisenknappheit stellen iranische Wirtschaft auf eine harte Probe"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Dmitri Skworzow<\/em><\/p>\n<p>Die Wirtschaftsdaten Irans lesen sich wie eine Bilanz der Katastrophe. Der Rial erreicht neue historische Tiefstst\u00e4nde, die Inflation liegt im zweistelligen Prozentbereich, die \u00d6lexporte sind aufgrund der US-amerikanischen Seeblockade fast zum Erliegen gekommen, und die Kaufkraft der Bev\u00f6lkerung sinkt rapide. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) rechnet f\u00fcr das Jahr 2026 mit einem R\u00fcckgang des iranischen BIP um 5,4\u00a0Prozent bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 68,9\u00a0Prozent. Bis August lag der tats\u00e4chliche Preisanstieg sogar noch h\u00f6her. Die Zeitung <em>Financial Times<\/em> berichtet von einer Inflation von \u00fcber 80\u00a0Prozent, w\u00e4hrend die Lebensmittelinflation fast 130\u00a0Prozent erreichte.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick l\u00e4sst sich daraus eine offensichtliche Schlussfolgerung ziehen: Je l\u00e4nger der Krieg andauert, desto weniger wirtschaftliche Ressourcen bleiben Teheran, und desto schneller schwindet seine F\u00e4higkeit, zu k\u00e4mpfen. Aber ist das tats\u00e4chlich der Fall?<\/p>\n<p><strong>Zwei Wirtschaftssysteme in einem Iran<\/strong><\/p>\n<p>Die iranische Wirtschaft ist vielschichtig. Sie umfasst zahlreiche kleine und mittlere Privatunternehmen\u00a0\u2013 im Handel, im Dienstleistungssektor, in der Leichtindustrie, im Bauwesen, bei Internetunternehmen sowie in der Produktion von Konsumg\u00fctern.<\/p>\n<p>Daneben existiert jedoch ein weiterer Wirtschaftszweig: die \u00d6l- und Gasindustrie, die Energiewirtschaft, die Metallurgie, die Petrochemie, die gr\u00f6\u00dften Infrastrukturprojekte und der milit\u00e4risch-industrielle Komplex. Hier ist der Anteil des Staates und der direkt oder indirekt mit dem Korps der W\u00e4chter der Islamischen Revolution verbundenen Strukturen deutlich h\u00f6her.<\/p>\n<p>In Friedenszeiten sind beide Systeme miteinander verbunden. Im Krieg erh\u00e4lt der Staat die M\u00f6glichkeit, eine strenge Hierarchie zwischen ihnen zu etablieren. Wenn sich der Zufluss an Devisen halbiert, bedeutet das keineswegs, dass jeder Importeur nur noch halb so viele US-Dollar oder Yuan erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Man kann auf den Import eines Teils der Autos, Haushaltsger\u00e4te, Smartphones oder Ausr\u00fcstung f\u00fcr kleine Privatunternehmen verzichten\u00a0\u2013 und gleichzeitig die Beschaffung von Werkzeugmaschinen, Mikroelektronik, Elektromotoren, Navigationssystemen und chemischen Komponenten aufrechterhalten, die f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie notwendig sind. Dasselbe gilt f\u00fcr Strom, Verkehr, Kredite und staatliche Investitionen.<\/p>\n<p>Es ergibt sich eine Priorit\u00e4tenrangfolge: An erster Stelle stehen das Milit\u00e4r und die R\u00fcstungsindustrie, dann folgen der Energiesektor und die Infrastruktur, anschlie\u00dfend die Grundversorgung der Bev\u00f6lkerung\u00a0\u2013 und erst danach die normale Zivilwirtschaft. Bei einem solchen System k\u00f6nnen das BIP des Landes sinken\u00a0und die Realeinkommen der Bev\u00f6lkerung schrumpfen, w\u00e4hrend die Produktion bestimmter Waffenarten dabei sogar steigen kann.<\/p>\n<p>Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass der Krieg den iranischen R\u00fcstungskomplex verschont h\u00e4tte. Die US-amerikanischen und israelischen Angriffe trafen Unternehmen und Einrichtungen, die mit der Herstellung von Raketen, Drohnen und Luftabwehrsystemen in Verbindung stehen. Dar\u00fcber hinaus wurden jene Branchen angegriffen, ohne die die R\u00fcstungsindustrie nicht existieren kann: Energiewirtschaft, Gasindustrie, Petrochemie, Metallurgie und Transportwesen. In den ersten Wochen des Krieges tauchten in westlichen Quellen Einsch\u00e4tzungen auf, wonach die F\u00e4higkeit Irans, verbrauchte Best\u00e4nde an Raketen und Drohnen schnell wieder aufzuf\u00fcllen, ernsthaft untergraben worden sei.<\/p>\n<p>Doch dann begann sich das Bild zu \u00e4ndern. Im Mai berichtete die Nachrichtenagentur <em>Reuters<\/em> \u00fcber eine Einsch\u00e4tzung des US-amerikanischen Geheimdienstes: Der Wiederaufbau der milit\u00e4risch-industriellen Basis Irans verlaufe deutlich schneller als urspr\u00fcnglich erwartet. Diesen Informationen zufolge ist ein Teil der Drohnenproduktion bereits w\u00e4hrend des sechsw\u00f6chigen Waffenstillstands wiederhergestellt worden. <em>Reuters<\/em> konnte die Geheimdienstinformationen nicht eigenst\u00e4ndig best\u00e4tigen, doch allein die Tatsache, dass sich die US-amerikanischen Einsch\u00e4tzungen ge\u00e4ndert haben, ist sehr aufschlussreich. Nun ist Berichten zufolge auch Israel schockiert \u00fcber das Tempo, mit dem der iranische Milit\u00e4r-Industrie-Komplex wiederaufgebaut wird.<\/p>\n<p>Die Produktionsanlagen zu zerst\u00f6ren und die industrielle Technologie zu vernichten sind zwei verschiedene Dinge. Wenn einem Land Ingenieure, Konstruktionsunterlagen, ein Teil des Maschinenparks, ein Netzwerk von Zulieferern und die M\u00f6glichkeit, kritische ausl\u00e4ndische Komponenten zu beziehen, erhalten bleiben, kann die zerst\u00f6rte Produktion verlagert, verteilt und wieder aufgebaut werden. Und dann ist nicht mehr das Gesamtvolumen des iranischen BIP der entscheidende limitierende Faktor.<\/p>\n<p>Dies ist das zentrale Paradoxon der aktuellen Situation. Der Verlust der Erd\u00f6leinnahmen ist f\u00fcr Iran \u00e4u\u00dferst schmerzhaft. Anfang August kamen die Erd\u00f6lverladungen \u00fcber die Insel Charg\u00a0\u2013 den wichtigsten Exportterminal des Landes\u00a0\u2013 praktisch zum Erliegen. Die <em>Financial Times<\/em> berichtete, dass dort seit dem 31.\u00a0Juli keine Tanker mehr beladen wurden. Teheran habe begonnen, die F\u00f6rderung zu drosseln, da sich die Lagerst\u00e4tten allm\u00e4hlich f\u00fcllten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die normale Wirtschaft bedeutet dies einen Devisenmangel. Es wird schwieriger, Importe zu bezahlen, der Kurs des Rial f\u00e4llt, ausl\u00e4ndische Waren und Rohstoffe verteuern sich, und die Inflation nimmt zu. F\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie ist jedoch nicht so sehr das Gesamtvolumen an Devisen entscheidend, sondern vielmehr der Zugang zu einer relativ begrenzten Auswahl an unverzichtbaren G\u00fctern.<\/p>\n<p>Eine moderne Rakete oder Drohne kann zwar gr\u00f6\u00dftenteils in Iran hergestellt werden, ist jedoch auf importierte Servoantriebe, Elektronikplatinen, Mikrochips, CNC-Werkzeugmaschinen oder bestimmte chemische Substanzen angewiesen.<\/p>\n<p>Die Sanktionslisten der USA machen diese &#8222;Engp\u00e4sse&#8220; sichtbar. Im Mai verh\u00e4ngten die USA Sanktionen gegen eine Reihe chinesischer und Hongkonger Unternehmen, die nach Angaben des US-Finanzministeriums Iran dabei geholfen hatten, Rohstoffe und Ausr\u00fcstung f\u00fcr die Herstellung von ballistischen Raketen und Drohnen zu beschaffen.<\/p>\n<p>Die Kosten solcher Lieferungen sind nicht mit den Kosten f\u00fcr die Aufrechterhaltung des normalen Konsums einer Bev\u00f6lkerung von fast 90\u00a0Millionen Menschen zu vergleichen. Daher ist eine Situation durchaus denkbar, in der die \u00d6leinnahmen des Landes um mehrere Dutzend Prozent zur\u00fcckgehen\u00a0und der Verbrauchermarkt eine Krise durchl\u00e4uft, w\u00e4hrend die Produktion einer bestimmten Art von Drohnen weiterl\u00e4uft. Die Frage ist, wem die verbleibenden Devisen zuflie\u00dfen werden.<\/p>\n<p>Genau hier kommt China eine besonders wichtige Rolle zu. Vor dem Krieg war China der Hauptabnehmer iranischen Erd\u00f6ls gewesen und hatte Teheran damit einen erheblichen Teil der Deviseneinnahmen gesichert. Nun hat die US-Blockade auch diese M\u00f6glichkeit drastisch eingeschr\u00e4nkt. F\u00fcr die iranische R\u00fcstungsindustrie ist jedoch etwas anderes wichtiger. China stellt eine riesige industrielle Basis dar, auf der man Werkzeugmaschinen, Elektronik, Motoren, chemische Rohstoffe und eine enorme Menge an Produkten mit doppeltem Verwendungszweck erwerben kann.<\/p>\n<p>Dabei muss Iran daf\u00fcr nicht unbedingt zuerst an US-Dollar kommen. Vereinfacht k\u00f6nnte die Lieferkette folgenderma\u00dfen ablaufen: iranisches \u00d6l\u00a0\u2013 chinesischer K\u00e4ufer\u00a0\u2013 Abrechnung in Yuan\u00a0\u2013 chinesische Ausr\u00fcstung und Komponenten\u00a0\u2013 iranische Industrie. Gerade die US-Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zeigen, dass solche Kan\u00e4le existieren.<\/p>\n<p>Um die gesamte iranische Wirtschaft zu retten, w\u00e4ren Dutzende Milliarden US-Dollar erforderlich. F\u00fcr eine wesentliche St\u00e4rkung eines bestimmten Abschnitts der Luftabwehr reichen Dutzende Millionen US-Dollar aus. Genau deshalb ist China in der Lage, eine enorme Rolle bei der Erhaltung des strategischen Kerns Irans zu spielen, ohne Teheran die Verluste der gesamten zivilen Wirtschaft auszugleichen.<\/p>\n<p><strong>Die Kosten des Krieges tr\u00e4gt die Zivilwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des strategisch wichtigen Sektors zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab. Im April hatte <em>Reuters<\/em> bereits von einer deutlich sp\u00fcrbaren Kettenreaktion berichtet. Die Besch\u00e4digung gro\u00dfer Betriebe zwang Dutzende kleiner Zulieferer zur Einstellung ihrer Produktion. In T\u00e4bris war der Besitzer einer kleinen N\u00e4hfabrik gezwungen, die Produktion einzustellen und seine Mitarbeiter nach Hause zu schicken. In Teheran erkl\u00e4rte die Besitzerin einer Kunstgalerie, ihr Gesch\u00e4ft sei praktisch am Ende.<\/p>\n<p>Enorme Sch\u00e4den verursachten die Unterbrechungen der Kommunikationsverbindungen. Aufgrund der wochenlangen Internetabschaltung sah sich die Regierung im April gezwungen, einen speziellen Zugangsmodus f\u00fcr Unternehmen einzuf\u00fchren. Der durch die Einschr\u00e4nkungen entstandene Schaden wurde unter Ber\u00fccksichtigung indirekter Verluste auf bis zu 80\u00a0Millionen US-Dollar pro Tag gesch\u00e4tzt. Besonders betroffen waren kleine Unternehmen, Freiberufler und Internetdienste.<\/p>\n<p>Im August machte sich die Krise bereits im unmittelbaren Konsumverhalten eines erheblichen Teils der K\u00e4ufer bemerkbar. Die <em>Financial Times<\/em> beschreibt die Verbreitung von &#8222;Jetzt kaufen\u00a0\u2013 sp\u00e4ter bezahlen&#8220;-Modellen nicht nur bei Elektronik, sondern sogar bei Lebensmitteln. Die Menschen reduzieren ihre Ausgaben f\u00fcr Grundnahrungsmittel, verkaufen Gold und kaufen besch\u00e4digtes oder billigeres Gem\u00fcse.<\/p>\n<p>Genau hier wird deutlich, wie die iranische Bev\u00f6lkerung faktisch f\u00fcr die Aufrechterhaltung der staatlichen Stabilit\u00e4t aufkommt. Es gibt kein Verfahren, bei dem Geld aus dem Familienbudget an ein Raketenwerk \u00fcberwiesen wird. Der Mechanismus funktioniert komplexer.<\/p>\n<p>Durch die Inflation verlieren Einkommen und Ersparnisse an Wert. Durch Devisenbeschr\u00e4nkungen gehen die Konsumimporte zur\u00fcck. Durch die vorrangige Zuteilung von Energie und Ressourcen erhalten zivile Unternehmen weniger M\u00f6glichkeiten zur Arbeit. \u00dcber den Haushalt leitet der Staat Mittel an das Milit\u00e4r, die Infrastruktur und dringende Reparaturen weiter und opfert dabei den Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Wie lange kann der Privatsektor unter solchen Bedingungen noch durchhalten? Auf diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort. Am schnellsten bricht der Sektor der nicht lebensnotwendigen Konsumg\u00fcter zusammen\u00a0\u2013 Restaurants, Unterhaltung, Tourismus, Werbung, ein Gro\u00dfteil des modernen Dienstleistungssektors sowie teure Importwaren.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Stufe bildet die allgemeine Industrie. Hersteller von Bekleidung, Haushaltsger\u00e4ten, Autos, Kunststoffen oder Baumaterialien ben\u00f6tigen gleichzeitig zahlungskr\u00e4ftige Abnehmer, Strom, Rohstoffe, Transportm\u00f6glichkeiten, Betriebskapital und oft auch importierte Bauteile. Wenn mehrere dieser Elemente gleichzeitig wegfallen, drosseln die Unternehmen zun\u00e4chst ihre Produktion und machen dann schlie\u00dflich dicht.<\/p>\n<p>Die Grundversorgung kann jedoch wesentlich l\u00e4nger aufrechterhalten werden. Die Menschen kaufen weiterhin Lebensmittel, lassen Kleidung und Autos reparieren, besorgen sich Medikamente und nehmen einfachste Dienstleistungen in Anspruch. Es kommt nicht zu einem vollst\u00e4ndigen Verschwinden der zivilen Wirtschaft, sondern zu ihrer Vereinfachung.<\/p>\n<p>Iran wird kein Land werden, in dem nichts produziert wird und nichts gekauft werden kann. Es l\u00e4uft jedoch Gefahr, sich in ein Land zu verwandeln, in dem nur eine recht begrenzte Auswahl an Waren produziert und gekauft wird und das Konsumniveau um Jahrzehnte zur\u00fcckf\u00e4llt. Der Staat bleibt dabei weiterhin funktionsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Hier endet die G\u00fcltigkeit der historischen Analogie. Die UdSSR, Deutschland, die USA und Gro\u00dfbritannien verf\u00fcgten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs \u00fcber riesige Industriekomplexe, die in der Lage waren, die Kriegsproduktion weitgehend eigenst\u00e4ndig sicherzustellen. Die moderne Industrie ist anders aufgebaut.<\/p>\n<p>Selbst das weitgehend autarke Iran ist in einigen kritischen technologischen Bereichen vom internationalen Markt abh\u00e4ngig. Dabei hat der Krieg nicht nur Gesch\u00e4fte und Restaurants getroffen, sondern auch die Grundlagen strategisch wichtiger Industrien\u00a0\u2013 die Energiewirtschaft, die Gasbranche, die Petrochemie, die Metallurgie und den Transportsektor. Deshalb darf die zivile Wirtschaft nicht endlos geopfert werden.<\/p>\n<p>Ein Raketenwerk ben\u00f6tigt Metall und chemische Rohstoffe. Ein H\u00fcttenwerk ben\u00f6tigt Gas und Strom. Kraftwerke ben\u00f6tigen Ausr\u00fcstung und Ersatzteile. Das gesamte System ben\u00f6tigt Eisenbahnen, Lastwagen, Ingenieure, Reparaturfachkr\u00e4fte und Zehntausende gew\u00f6hnlicher Zulieferbetriebe. Wenn dieses Fundament zu br\u00f6ckeln beginnt, verschwindet die Grenze zwischen &#8222;ziviler&#8220; und &#8222;milit\u00e4rischer&#8220; Wirtschaft. Genau dies\u00a0\u2013 und nicht der Wechselkurs des Rial an sich\u00a0\u2013 ist die eigentliche Grenze der iranischen Widerstandsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Um festzustellen, ob (und falls ja, wie nah) Iran an der Schwelle einer wirtschaftlichen Niederlage steht, ist es sinnvoll, weniger den Wechselkurs oder gar die allgemeine Entwicklung des BIP im Auge zu behalten, sondern vielmehr vier andere Faktoren zu beobachten.<\/p>\n<p>Erstens: <strong>der Energiesektor<\/strong>. Ist das Land in der Lage, die Industrie nachhaltig mit Strom und Gas zu versorgen?<\/p>\n<p>Zweitens: <strong>die Schwerindustrie<\/strong>. Funktionieren die Metallurgie, die Petrochemie und die wichtigsten Verkehrssysteme weiterhin?<\/p>\n<p>Drittens: <strong>die externen Technologiekan\u00e4le<\/strong>. Erreichen chinesische Werkzeugmaschinen, Elektronik, Motoren und andere kritische Komponenten Iran?<\/p>\n<p>Viertens: <strong>die Geschwindigkeit der Wiederherstellung des R\u00fcstungskomplexes<\/strong>. Schafft es Iran, zerst\u00f6rte Betriebe schneller wieder in Betrieb zu nehmen oder zu ersetzen, als der Gegner neue au\u00dfer Gefecht setzt?<\/p>\n<p>Bislang f\u00e4llt die Antwort widerspr\u00fcchlich aus. Einerseits ist der Schaden f\u00fcr die Wirtschaft enorm. Der IWF prognostiziert eine Rezession, die Inflation \u00fcbersteigt die urspr\u00fcnglichen Prognosen, der \u00d6lexport ist praktisch zum Erliegen gekommen, die industrielle Infrastruktur ist schwer besch\u00e4digt. Andererseits zeigen Anzeichen f\u00fcr eine rasche Wiederherstellung eines Teils der R\u00fcstungsproduktion, dass das Land die Schwelle, ab der sich eine makro\u00f6konomische Krise automatisch in eine milit\u00e4risch-industrielle Krise verwandelt, noch nicht \u00fcberschritten hat.<\/p>\n<p>Der Druck der USA macht Iran deutlich \u00e4rmer. Doch die Verarmung der Bev\u00f6lkerung an sich bedeutet noch nicht den sofortigen Verlust der F\u00e4higkeit, Krieg zu f\u00fchren. In einer Mobilisierungswirtschaft kann eine Zeit lang genau das Gegenteil eintreten: Der Gesamtkuchen schrumpft, dem zivilen Sektor f\u00e4llt immer weniger zu, daf\u00fcr konzentriert der Staat einen wachsenden Anteil der verbleibenden Ressourcen auf strategische Branchen.<\/p>\n<p>In diesem Fall wird nicht die Tatsache, dass iranische Familien in Teheran keine neuen Haushaltsger\u00e4te mehr kaufen, das eigentliche Anzeichen f\u00fcr eine bevorstehende Niederlage sein. Es wird vielmehr der Moment sein, in dem die Fabriken, die Metall und Chemikalien f\u00fcr Raketen herstellen, den Betrieb einstellen, in dem es unm\u00f6glich wird, die ben\u00f6tigten Mikrochips aus China zu beziehen, und in dem es nichts und niemanden mehr gibt, um eine zerst\u00f6rte milit\u00e4rische Produktionsst\u00e4tte wiederaufzubauen. Nach den vorliegenden Informationen hat Iran diesen Punkt bislang noch nicht erreicht.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/8\/14\/1442684.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 14. August 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dmitri Skworzow<\/strong> ist Wirtschaftsanalyst bei der Zeitung Wsgljad.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/nordamerika\/288712-wie-viele-reaper-drohnen-verloren-die-usa-wirklich-im-iran-krieg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie viele Reaper-Drohnen verloren die USA wirklich im Iran-Krieg? Neue Zahlen \u00fcberraschen <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7b796m\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dmitri Skworzow Die Wirtschaftsdaten Irans lesen sich wie eine Bilanz der Katastrophe. 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