{"id":18103,"date":"2026-08-16T19:08:51","date_gmt":"2026-08-16T17:08:51","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/auch-nach-assads-sturz-syrien-braucht-russland\/"},"modified":"2026-08-16T19:08:51","modified_gmt":"2026-08-16T17:08:51","slug":"auch-nach-assads-sturz-syrien-braucht-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/auch-nach-assads-sturz-syrien-braucht-russland\/","title":{"rendered":"Auch nach Assads Sturz \u2013 Syrien braucht Russland"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Jewgeni Krutikow<\/em><\/p>\n<p>Die Vereinbarung \u00fcber die Stationierung milit\u00e4rischer Objekte in Hmeimim und Tartus wird der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Damaskus einen starken Impuls liefern, erkl\u00e4rte Russlands Verteidigungsministerium. Das Abkommen \u00fcber die St\u00fctzpunkte werde die Entwicklung der Beziehungen zu Syrien insgesamt positiv beeinflussen. Das Ministerium betonte die Wichtigkeit dieser Ma\u00dfnahme f\u00fcr die weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten, berichtet die Nachrichtenagentur\u00a0<em>RIA Nowosti.<\/em><\/p>\n<p>Zuvor hatte die syrische Nachrichtenagentur\u00a0<em>SANA<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/sana.sy\/en\/syria\/2335254\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gemeldet<\/a>, dass Moskau und Damaskus eine Absichtserkl\u00e4rung in Bezug auf die Zukunft der russischen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte auf dem Territorium der arabischen Republik unterzeichnet haben. Das Abkommen soll Russlands Pr\u00e4senz an der syrischen K\u00fcste reorganisieren. Der St\u00fctzpunkt Hmeimim soll zu einem gemeinsamen Ausbildungszentrum umstrukturiert werden. Das neue Format der Zusammenarbeit solle die Interessen der beiden Staaten sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Absichtserkl\u00e4rung betrifft nur den St\u00fctzpunkt Hmeimim und die Marinebasis Tartus. Der kleine Flugplatz in Qamischli war von russischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen noch im vergangenen Jahr verlassen worden, als Syriens Nordwesten unter die Kontrolle der neuen Regierung in Damaskus geriet.<\/p>\n<p>Noch 2017 hatten Russlands und Baschar al-Assads Syrien ein Abkommen unterzeichnet, wonach die St\u00fctzpunkte f\u00fcr 49 Jahre in Russlands Kontrolle \u00fcbergingen. Syriens neue Regierung k\u00fcndigte einseitig s\u00e4mtliche Vereinbarungen und internationale Abkommen von Assads Regierung, worauf ein langer Verhandlungsprozess folgte, zu dessen H\u00f6hepunkt der Besuch von Ahmed al-Scharaa in Moskau wurde. Vermutlich wurden gerade damals die Rahmenbedingungen vereinbart, die der gegenw\u00e4rtigen Absichtserkl\u00e4rung zugrunde gelegt wurden.<\/p>\n<p>Ein bilateraler Handelsausschuss wurde gegr\u00fcndet, um &#8222;gegenseitig vorteilhafte und akzeptable Wege der Teilnahme Russlands am Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft&#8220; zu finden. Der russische Au\u00dfenminister Sergei Lawrow betonte, dass Moskau konsequent f\u00fcr eine Aufhebung der zahlreichen Sanktionen gegen Syrien eintrete und \u00fcber Strukturen und Mechanismen der UNO die Einf\u00fchrung neuer Sanktionen verhindere.<\/p>\n<p>All das geht \u00fcber die Frage nach dem blo\u00dfen Status der St\u00fctzpunkte und der milit\u00e4rischen Zusammenarbeit hinaus. Doch allm\u00e4hlich begannen sich auch die Parameter einer m\u00f6glichen Zusammenarbeit mit Syrien im milit\u00e4rischen Bereich abzuzeichnen. Dies betrifft vor allem die Personalausbildung, weil die Bewaffnung der syrischen Armee praktisch zu 100 Prozent aus russischer Produktion stammt. Sie muss gewartet und syrische Milit\u00e4rangeh\u00f6rige m\u00fcssen daran ausgebildet werden. Diese Funktion soll das gemeinsame Ausbildungszentrum am St\u00fctzpunkt Hmeimim \u00fcbernehmen. Syrien ist am Erhalt einer solchen russischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz dringend interessiert.<\/p>\n<p>Dennoch r\u00fcckte die milit\u00e4rische Komponente der russischen Pr\u00e4senz in Syrien zunehmend in den Hintergrund. Zun\u00e4chst zeigte die neue syrische F\u00fchrung Interesse am Patrouillieren von s\u00fcdlichen und s\u00fcdwestlichen Landesteilen durch Russland, doch sp\u00e4ter entfiel auch dies.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig verf\u00fcgen weder Hmeimim noch Tartus \u00fcber einen \u00e4u\u00dferen Verteidigungsperimeter. Um sie herum liegen Stellungen der syrischen Armee auf beherrschenden H\u00f6hen und in milit\u00e4rischer Hinsicht sind beide ehemaligen St\u00fctzpunkte schutzlos. In einer solchen Lage k\u00f6nnen und sollen sie keine milit\u00e4rischen Funktionen erf\u00fcllen. Praktisch das gesamte Kriegsger\u00e4t, und erst recht die Flugzeuge, wurden nach Russland zur\u00fcckgef\u00fchrt. Im Grunde funktionierte der St\u00fctzpunkt Hmeimim in diesen anderthalb bis zwei Jahren nur auf Grundlage m\u00fcndlicher Vereinbarungen in Erwartung einer diplomatischen L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Was die Marinebasis Tartus angeht, so ist deren Funktionalit\u00e4t praktisch ersch\u00f6pft. Ihre bisherige Funktion bestand haupts\u00e4chlich in der Verringerung der Positionierungsbereiche der US-amerikanischen 6. Flotte im Mittelmeerraum, was als Eind\u00e4mmung bezeichnet werden k\u00f6nnte. Derzeit besteht weder die M\u00f6glichkeit noch der Bedarf f\u00fcr derartige Man\u00f6ver.<\/p>\n<p>Nach einer Reihe von Angaben k\u00f6nnte der Hafen von Tartus an eine gewisse gro\u00dfe Holding aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verpachtet werden. Die vor einigen Jahren begonnenen Arbeiten zum Ausbau des Marinest\u00fctzpunkts, zum Umbau der Anlegestellen und zur Vertiefung des Fahrwassers wurden eingestellt. Voraussichtlich wird die vierte Anlegestelle teilweise auch f\u00fcr russische zivile Schiffe zug\u00e4nglich bleiben, doch insgesamt wird der Hafen von Tartus demilitarisiert werden. Vor wenigen Tagen brachte die syrische Zivilverwaltung bereits den Zivilflughafen Latakia in der N\u00e4he von Tartus unter ihre Kontrolle.<\/p>\n<p>Hmeimim soll innerhalb von drei Monaten zu einem gemeinsamen Ausbildungsst\u00fctzpunkt umgebaut werden. Dabei wird laut Angaben der Zeitung\u00a0<em>Wsgljad<\/em>\u00a0der Flugplatz eine seiner wichtigsten Funktionen f\u00fcr Russland behalten: Er wird seine Arbeit als Umschlagsplatz f\u00fcr G\u00fcterlieferungen und Personaltransporte f\u00fcr das russische Afrikanische Korps in die Sahell\u00e4nder und nach Afrika insgesamt fortsetzen.<\/p>\n<p>Diese Angaben werden auch durch Leaks in westlicher Presse best\u00e4tigt. So schreibt etwa\u00a0<em>Bloomberg<\/em>, dass der Hafen in Tartus und der Flugplatz in Hmeimim die wichtigsten Verkehrsknoten f\u00fcr die Durchsetzung russischer Interessen im Nahen Osten und in Afrika seien. Der Publikation zufolge seien der Erhalt der russischen Pr\u00e4senz und die Vereinbarungen mit der syrischen Regierung &#8222;ein gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr die Russen&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist kaum zu bestreiten, dass die Vereinbarungen \u00fcber den russischen Transit durch Hmeimim eine der wichtigsten Ergebnisse des gesamten Verhandlungsprozesses mit der neuen syrischen Regierung sind. Dabei wird der Gro\u00dfteil der G\u00fcter, die \u00fcber Hmeimim transportiert werden, keinen milit\u00e4rischen, sondern humanit\u00e4ren Charakter haben. Voraussichtlich wird der ehemalige Luftst\u00fctzpunkt f\u00fcr G\u00fcterlieferungen nach Afrika nicht nur durch Russland, sondern auch durch einige Staaten des Nahen Ostens genutzt werden, die indirekt an den Verhandlungen teilgenommen haben.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen verliefen nicht so reibungslos und einfach, wie es von au\u00dfen schien. Die syrische Regierung begann den Verhandlungsprozess nach orientalischer Tradition mit offensichtlich \u00fcbersteigerten Forderungen. Dabei ging sie nicht nur von der klassischen Forderung &#8222;frag nach mehr und erhalte, was du brauchst&#8220; aus, sondern distanzierte sich auch ideologisch von allen Abkommen, die w\u00e4hrend der Regierungszeit von Baschar al-Assad geschlossen wurden. Dabei zeigte die neue Regierung Syriens keine offensichtliche Animosit\u00e4t, weder gegen\u00fcber den St\u00fctzpunkten und dem russischen Personal, noch gegen\u00fcber Russland im Allgemeinen. Eher im Gegenteil \u2013 der Verhandlungsprozess verlief zwar lange und kompliziert, doch die Parteien waren freundlich und konstruktiv eingestellt, was sich in der abschlie\u00dfenden Absichtserkl\u00e4rung widerspiegelte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus begann in Damaskus der Wiederaufbau des Russischen Hauses von Rossotrudnitschestwo. Doch einige Aspekte der russisch-syrischen Beziehungen, vor allem im humanit\u00e4ren Bereich, werden revidiert oder umformatiert werden.<\/p>\n<p>So war etwa unter Baschar al-Assad die russische Sprache in syrischen Schulen als Pflichtfach eingef\u00fchrt worden. Bisher ist nicht ganz klar, ob dieser Status weiter bestehen bleibt. Die syrische Seite verlangt ihrerseits nicht mehr \u00f6ffentlich nach einer Auslieferung von Baschar al-Assad oder der Beschlagnahmung jener Aktiva, die er und seine Familie aus Syrien herausgebracht haben. Gleichzeitig wurden er und sein Bruder Mahir am 11. August von einem Gericht in Damaskus in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dabei ist sich die Regierung Al-Scharaa dar\u00fcber im Klaren, dass eine Auslieferung Assads aus Moskau auf keinen Fall m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Schweizer\u00a0<em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/russland-kann-seinen-einfluss-in-syrien-teilweise-behalten-ld.10019017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">stellt fest<\/a>, dass Russland, wie die Ergebnisse der vergangenen Verhandlungen zeigen, auch nach Assads Sturz einen betr\u00e4chtlichen Einfluss \u00fcber Syrien beh\u00e4lt. Die Autoren der Zeitung vermuten, dass Syriens Regierung russische Spezialisten, russisches \u00d6l und russische Technik \u2013 und zwar nicht nur Kriegsger\u00e4t \u2013 ben\u00f6tigt. Ansonsten k\u00f6nnen die Armee und die Infrastruktur des Landes nicht funktionieren.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise wurde unter anderem deswegen die potenzielle Krise um russische St\u00fctzpunkte in Syrien zur gegenseitigen Zufriedenheit gel\u00f6st. Mehr noch: Sowohl die syrische, als auch die russische Seite \u00e4u\u00dfern Zuversicht, dass das Abkommen und die Absichtserkl\u00e4rung zu einem Neubeginn in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten werden k\u00f6nnen. Es geht um eine Umformatierung der Beziehung auf Grundlage der Freundschaft und Zusammenarbeit. Im Hinblick auf den emotionalen Hintergrund der Ereignisse in Syrien in den j\u00fcngsten Jahren erschien dies zun\u00e4chst beinahe unerreichbar.<\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise wurden all diese Abkommen ausschlie\u00dflich auf diplomatischem Wege erreicht. W\u00e4hrend all dieser Zeit wurde kein einziger gef\u00e4hrlicher Zwischenfall um die russischen St\u00fctzpunkte in Syrien verzeichnet. Damaskus ist daran interessiert, das Bild einer zivilisierten und verhandlungsf\u00e4higen Regierung zu schaffen, w\u00e4hrend Moskau eine Umstellung s\u00e4mtlicher interner Prozesse in Syrien auf diplomatische und legislative Schienen begr\u00fc\u00dft. M\u00f6glicherweise werden wir nach einiger Zeit von einer neuen Etappe der Zusammenarbeit mit Syrien sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/world\/2026\/8\/13\/1442148.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 13. August.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013 <a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/der-nahe-osten\/288177-moskau-und-damaskus-einigen-sich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Moskau und Damaskus einigen sich \u00fcber russische Milit\u00e4rbasen in Latakia und Tartus<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ab5b8\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Jewgeni Krutikow Die Vereinbarung \u00fcber die Stationierung milit\u00e4rischer Objekte in Hmeimim und Tartus wird der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Damaskus einen starken Impuls liefern, erkl\u00e4rte Russlands Verteidigungsministerium. 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