{"id":18173,"date":"2026-08-17T12:07:56","date_gmt":"2026-08-17T10:07:56","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/volksbuehnen-desaster-integration-durch-apartheit-von-paul-clemente\/"},"modified":"2026-08-17T12:07:56","modified_gmt":"2026-08-17T10:07:56","slug":"volksbuehnen-desaster-integration-durch-apartheit-von-paul-clemente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/volksbuehnen-desaster-integration-durch-apartheit-von-paul-clemente\/","title":{"rendered":"Volksb\u00fchnen-Desaster: Integration durch Apartheit? | Von Paul Clemente"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"Volksb\u00fchnen-Desaster: Integration durch Apartheit? | Von Paul Clemente\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/hTY52nPSiQGrqebjXxSSF7\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/08\/apolut_20260817_TD_Montag.mp3\" preload=\"metadata\" controls><\/audio><\/div>\n<p><em>Ein Kommentar von<strong>\u00a0Paul Clemente.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Dass die deutsche Hauptstadt nicht im Sommerloch versinkt, verdankt sie dem frischgebackenen Intendanten der Berliner Volksb\u00fchne: Matthias Lilienthal. Als Ex-Dramaturg von Frank Castorf wei\u00df er, wie man die Werbetrommel strapaziert: Vor zw\u00f6lf Jahren \u00fcbertrug man ihm die Intendanz der M\u00fcnchener Kammerspiele. Startschuss: Im September 2015. Zeitlich parallel zur Grenz\u00f6ffnung durch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dem folgte eine mediale Schlammschlacht.<\/p>\n<p>Auch Lilienthal beteiligte sich, lud zu einem \u201eOpen Border\u201c-Kongress. Besonders brisant: Die \u201eInternationale Schlepper- und Schleusertagung (ISS)\u201c. Gefragt wurde, wie man Schleusen demokratisieren k\u00f6nne. Ein Journalist pries in seinem Vortrag das soziale Netzwerk Facebook. Mit ihm kam n\u00e4mlich die Preistransparenz. Mit seiner Hilfe k\u00f6nnten Fl\u00fcchtlinge die Angebote der Schlepper vergleichen und das Preiswerteste aussuchen. &#8211; Diese satirische Kunst-Tagung stie\u00df bei der CSU auf wenig Gegenliebe. Dennoch: Sie erzielte Aufmerksamkeit. Die Kammerspiele waren pl\u00f6tzlich im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Lilienthal vertritt ein postdramatisches Theater. Gemeint sind Inszenierungen, die keine Vorlagen bebildern, keine Dramentexte als Grundlage nutzen. Stattdessen: Performances, Film und Interaktion. Assoziative Verkn\u00fcpfung ersetzt traditionelle Handlung. Diese Form f\u00fchrt Lilienthal in der Volksb\u00fchne fort. Einem ehemaligen Arbeiter-Theater, belastet mit dem Erbe einer 25-j\u00e4hrigen Castorf-Intendanz. Dieses Haus will Lilienthal neu erfinden. Zum Auftakt: Ein Projekt, das Berlins marode Infrastruktur aufgreift. Um die Schlie\u00dfung zahlreicher Schwimmb\u00e4der zu kompensieren, wurde vor der Volksb\u00fchne ein \u201eVolksbad\u201c errichtet. Ein riesiger Pop-up-Swimming Pool mit freiem Eintritt. Und nebenan, im Volksb\u00fchnen-Pavillion, gastiert eine Frittenbude.<\/p>\n<p>Wie viel der Badespa\u00df kostet? Schlappe 300 000 Euro. Aber keine Sorge: Die Summe wird durch den Haus-Etat gedeckt. Schlie\u00dflich ist der Pool zum Kunstwerk und die Besucher zu Akteuren einer interaktiven Performance erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Ern\u00fcchterung kam schnell. Schon drei Tage nach der Er\u00f6ffnung musste das 25 m lange Pop-Up-Planschbecken schlie\u00dfen. Grund: Die Duschen funktionierten nicht. Baupfusch made in Germany. Man erinnere sich an den Berliner Flughafen oder an die Elbphilharmonie. Nichts Ungew\u00f6hnliches also. Am vergangenen Freitag sollte das \u201eVolksbad\u201c wieder \u00f6ffnen. Doch dazu kam es nicht.<\/p>\n<p>Das Angebot des \u201eVolksbads\u201c beschr\u00e4nkt sich nicht auf privaten Besuch. Auch Vereine d\u00fcrfen den Pool f\u00fcr einige Stunden buchen. F\u00fcr Freitag, den 14. August hatte \u201eEach One Teach One\u201c das k\u00fcnstlerisch wertvolle Planschbecken gebucht. Dieser Verein, kurz: EOTO, unterst\u00fctzt Integration und \u201eEmpowerment\u201c (Selbstbef\u00e4higung) schwarzer Kinder. Am Dienstag informierte die Volksb\u00fchne auf ihrer Webseite: Zwischen 12 bis 18 Uhr sei der Pop-Up-Pool vom<strong> <\/strong>EOTO-Verein gebucht. Im Anschluss stehe er wieder allen offen. F\u00fcr Aufruhr sorgte eine zus\u00e4tzliche Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn diesem Zeitraum ist das VOLKSBAD exklusiv f\u00fcr Schwarze Communities ge\u00f6ffnet.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Es d\u00fcrfte diese \u201eExklusivit\u00e4t\u201c gewesen sein, die f\u00fcr \u00c4rger sorgte. Noch am gleichen Nachmittag folgte eine Korrektur. Jetzt hie\u00df es: Das Volksbad sei <em>\u201ef\u00fcr Each One Teach One (EOTO) e.V. reserviert.\u201c <\/em>Eine Anpassung an den Sprachgebrauch klassischer Vereinsreservierung. Nat\u00fcrlich zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Medien wie Nius nahmen das Konzept unter Beschuss. Die Mainstream-Nachrichten folgten bei Fu\u00df. Schon tobte eine verbale Schlammschlacht. Auch Politiker mischten sich ein: AfD-Chefin Alice Weidel sprach von <em>\u201eApartheid&#8220;<\/em>. Die Berliner Bezirksverordnete Aileen Weibeler, Mitglied der CDU, \u00fcberkam ein Gef\u00fchl von Diskriminierung. O-Ton: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch darf nicht ins Schwimmbad, weil ich wei\u00df bin\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich fand das Vorhaben auch Verteidiger: Medien konsultierten zahlreiche \u201eExperten\u201c. Was auffiel: Nicht ein Schwarzer wurde befragt. Wie so oft, mutierte auch dieser Streit zum Wettbewerb zwischen wei\u00dfen Alphatierchen, die jede Gelegenheit nutzen, um die eigene Moralit\u00e4t zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Bis zu diesem Punkt besa\u00df die Pool-Story eine unfreiwillige Komik. Das \u00e4nderte sich abrupt, als der Online-Mob eingriff. Eine unangenehme Spezies, die in allen politischen Lagern, bei Linken wie Rechten, vorkommt. Mit Hasstiraden und Drohungen verpesteten sie das Debatten-Klima endg\u00fcltig: Die Volksb\u00fchne stornierte den Termin. Begr\u00fcndung: Sie k\u00f6nne die Sicherheit der Kinder nicht l\u00e4nger garantieren. Gegen\u00fcber dem Tagesspiegel erkl\u00e4rte Lilienthal: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir begreifen die Volksb\u00fchne als ein linkes Projekt.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Mit der Vermietung an den EOTO-Verein habe das \u201eVolksbad\u201c eine Veranstaltung intendiert, <\/p>\n<blockquote><p>\u201ewo Black People of Colour unter sich nicht den bl\u00f6den Anfeindungen von mir auch nur durch meine Anwesenheit ausgesetzt sind. Wir wollten diesen Freiraum erm\u00f6glichen.\u201c\u00a0<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr eine groteske Selbstauspeitschung. Lilienthal bef\u00fcrchtet, dass die Kids seine Anwesenheit als Bedrohung deuten? Wegen seiner wei\u00dfen Hautfarbe? Damit folgt der Intendant der Safe Space-Logik. Die besagt: Diskriminierte Minderheiten brauchen R\u00e4ume, in denen sie vor Anfeindung gesch\u00fctzt sind. Apartheit gegen Diskriminierung. Ob man der Integration damit einen Dienst erweist? F\u00fcr Lilienthal existiert dieses Problem nicht. Seine Verteidigung: Er habe lediglich versucht, <em>\u201eauf vorbildliche Art und Weise das Landesantidiskriminierungsgesetz zu befolgen\u201c. <\/em>Danach sollten <em>\u201eMenschen mit Diskriminierungserfahrungen besondere R\u00e4ume angeboten werden\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Was niemand erw\u00e4hnt: Diese Debatte ist keinesfalls neu. Schon vor drei Jahren sorgte die Ausstellung <em>\u201eDas ist kolonial\u201c <\/em>im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund f\u00fcr krasse Diskussionen. Zeitweise hatte das Museum den Ausstellungsraum samstags f\u00fcr vier Stunden exklusiv f\u00fcr Schwarze Besucher freigegeben. Schon damals hatten Journalisten das Argument der unzul\u00e4ssigen Ausgrenzung und des Versto\u00dfes gegen den Gleichheitsgrundsatz in die publizistische Arena getragen.<\/p>\n<p>Am Freitag hielt Lilienthal das \u201eVolksbad\u201c geschlossen. Aus Solidarit\u00e4t mit dem ausgeladenen EOTO-Verein. Mehr noch: Am Pool hing ein riesiges Transparent mit der Aufschrift <em>\u201eFickt euch!\u201c<\/em> \u2013 Nun, dieser Aufruf l\u00e4dt zur Nachfrage ein: Wer soll sich ficken? Die dumpfbackigen Internet-Trolle? Oder gleich alle B\u00fcrger, deren Steuergelder dem woken Intendanten eine f\u00fcrstliche Existenz gestatten?<\/p>\n<p>Erneut witterten Politiker und Publizisten das politische Potenzial des Vorfalls. Pl\u00f6tzlich erhob sich die gr\u00fcne Ex-Kulturministerin Claudia Roth aus der Versenkung: Gegen\u00fcber dem Tagesspiegel schoss sie auf die CDU: Es sei bitter, dass die <em>\u201esich diesen Kulturkampf zu eigen macht, statt ihm entgegenzutreten\u201c. <\/em>Und wenn <em>\u201eAlice Weidel allen Ernstes von \u201aApartheid\u2018 spricht und damit die Realit\u00e4t ins Gegenteil verkehrt, w\u00e4re es die Aufgabe einer demokratischen Regierungspartei, dem klar zu widersprechen\u201c.<\/em> Der Gr\u00fcnen-Spitzenkandidat Werner Graf bezeichnete die Absage als \u201eSkandal\u201c: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas ist f\u00fcr unsere gesamte Stadt besch\u00e4mend und das Gegenteil dessen, wof\u00fcr Berlin als Stadt der Freiheit steht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p> &#8211; Und so weiter.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist kaum zu bestreiten, dass schwarze Menschen Diskriminierung erfahren. Aber das Modell <em>\u201eIntegration durch Safe Spaces\u201c<\/em> ist an Absurdit\u00e4t schwer zu \u00fcberbieten. Wof\u00fcr hat ein Martin Luther King gek\u00e4mpft? F\u00fcr Save Spaces? Nein, sondern f\u00fcr Teilhabe und Gleichberechtigung. F\u00fcr ein besseres Miteinander. Daher ein kleiner Tipp zum Abschluss: Vergesst die Schwimmb\u00e4der. Geht stattdessen zu den Badeseen in Berlin. Beispielsweise zum Pl\u00f6tzensee, zwischen Wedding und Moabit. Gar nicht so weit von der Volksb\u00fchne entfernt. Am Badestrand tummeln sich Wei\u00dfe, Schwarze, Asiaten, Osteurop\u00e4er und S\u00fcdamerikaner beiderlei Geschlechts. Und \u2013 es funktioniert! Kein lautes Anschreien, kein rausgeschlagenes Gebiss im Sand. Sogar das Security-Personal ist ein Farbmix. Und vor allem \u2013 alles ohne die Supervision ideologischer Alphatierchen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor\u00a0f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung des Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Berlin, 6. August 2026: Zum Auftakt seiner k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit hat Lilienthal vor der Volksb\u00fchne ein 25 Meter langes Schwimmbad installiert.<\/p>\n<p>Bildquelle:\u00a0<u>Mo Photography Berlin<\/u> \/ Shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kommentar von\u00a0Paul Clemente. Dass die deutsche Hauptstadt nicht im Sommerloch versinkt, verdankt sie dem frischgebackenen Intendanten der Berliner Volksb\u00fchne: Matthias Lilienthal. Als Ex-Dramaturg von Frank Castorf wei\u00df er, wie man die Werbetrommel strapaziert: Vor zw\u00f6lf Jahren \u00fcbertrug man ihm die Intendanz der M\u00fcnchener Kammerspiele. Startschuss: Im September 2015. 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