{"id":18197,"date":"2026-08-17T14:09:01","date_gmt":"2026-08-17T12:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/die-plausibilitaet-subjektiver-wirklichkeit-von-thomas-fiedler\/"},"modified":"2026-08-17T14:09:01","modified_gmt":"2026-08-17T12:09:01","slug":"die-plausibilitaet-subjektiver-wirklichkeit-von-thomas-fiedler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/die-plausibilitaet-subjektiver-wirklichkeit-von-thomas-fiedler\/","title":{"rendered":"Die Plausibilit\u00e4t subjektiver Wirklichkeit | Von Thomas Fiedler"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Thomas Fiedler<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>In meinem letzten Artikel mit dem Titel \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/apolut.net\/die-wirklichkeit-zu-ende-denken-von-thomas-fiedler\/\"><u>Die Wirklichkeit zu Ende denken<\/u><\/a>\u201c beschrieb ich wesentliche Aspekte einer spirituellen Sicht auf die Wirklichkeit. Der Autor Dirk Ellerbrock verfasste daraufhin einen Artikel mit dem Titel \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/apolut.net\/die-falle-der-spaltung-von-dirk-ellerbrock\/\"><u>Die Falle der Spaltung<\/u><\/a>\u201c, welcher auf einige Punkte meines Artikels eingeht und eine Gegenargumentation aufbaut.<\/p>\n<p>Bevor ich auf die Argumente des Autors eingehe, m\u00f6chte ich etwas Grunds\u00e4tzliches zur Methodik philosophischer Betrachtungen zu bedenken geben. Es ist m\u00fc\u00dfig, Aussagen aus einem philosophischen Geb\u00e4ude herauszul\u00f6sen und in einem anderen zu bewerten, insbesondere wenn die Grundannahmen beider Philosophien unterschiedlich sind. Diese Herangehensweise f\u00fchrt immer zum Ergebnis der augenscheinlichen Falsifizierung der betrachteten Aussage, denn sie stammt ja nicht aus dem philosophischen Geb\u00e4ude, innerhalb dessen sie bewertet wird. Sprich, eine Aussage aus dem Theismus im Geb\u00e4ude des Atheismus zu bewerten, ist schlicht sinnlos. Genau so ist es auch umgekehrt. Leider durchzieht dieser Fehler den gesamten Artikel des Autors, was zu entsprechenden Fehleinsch\u00e4tzungen f\u00fchrt, die im Folgenden betrachtet werden sollen.<\/p>\n<p>M\u00f6chte man die Plausibilit\u00e4t einer Philosophie erkunden, so kann dies sinnvollerweise nur innerhalb derselben erfolgen. Sieht man sich in der Lage, die Grundannahmen der zu betrachtenden Philosophie \u2013 zumindest theoretisch \u2013 annehmen zu k\u00f6nnen, so er\u00f6rtert man dann die Plausibilit\u00e4t des philosophischen Geb\u00e4udes, welches auf diesen Grundannahmen errichtet ist.<\/p>\n<p><strong>I. Objektivit\u00e4t, Logik und das Subjektive<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Abschnitt des Artikels des Autors hei\u00dft es: \u201eAus der Subjektivit\u00e4t des Zugangs wird die Behauptung einer objektiven Struktur des Absoluten.\u201c Damit wird unterstellt, dass die Beschreibung der absoluten Wirklichkeit als etwas, das Individualit\u00e4t, einen freien Willen, Liebe und eine Beziehung zu uns hat, objektiver Natur sei. Obwohl diese Beschreibung in meinem Artikel in einer logisch formulierten Weise erfolgt, erhebt sie zu keinem Zeitpunkt den Anspruch auf Objektivit\u00e4t, also empirischer Nachweisbarkeit.<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re der Versuch einer Art von Gottesbeweis mittels Logik, welcher der Grundaussage, dass eine objektive Beweisbarkeit der absoluten Wirklichkeit unm\u00f6glich ist, widerspricht. In diesem Fall h\u00e4tte der Autor recht, denn Logik ist eine Funktion im menschlichen Verstand, der selbst Teil der relativen Welt von Zeit, Raum, Ursache und Wirkung ist. Dies gilt sowohl f\u00fcr Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, als auch gleicherma\u00dfen f\u00fcr Versuche, seine Nichtexistenz zu belegen. Als Nachweis f\u00fcr die Begrenztheit der Logik und ihrer Unf\u00e4higkeit zum Absoluten seien hier die beiden Unvollst\u00e4ndigkeitss\u00e4tze des Mathematikers Kurt G\u00f6del erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Dessen eingedenk ist die Beschreibung der Natur des Absoluten als Individuum mit freiem Willen, Liebe und einer Beziehung zu den Seelenfunken nicht als ein solcher Gottesbeweis zu verstehen, sondern als eine logisch aufgebaute Beschreibung der theistischen Sichtweise, die, entsprechend dieser Philosophie, der subjektiven Ebene entstammt. Eine Er\u00f6rterung dieser subjektiven Ebene erfolgt im weiteren Verlauf dieses Artikels, indem die wesentlichen Kritikpunkte aus dem Artikel des Autors einzeln betrachtet werden.<\/p>\n<p><strong>II. Logische Fehler<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor unterstellt der theistischen Beschreibung der absoluten Ebene logische Fehler, zeigt jedoch an keiner Stelle seines Artikels auf, worin genau diese bestehen w\u00fcrden. Ginge man in meinem Artikel von einer rein logischen Herleitung aus, kann man vorschnelle Spr\u00fcnge in der Logik unterstellen, sprich unbewiesene Behauptungen, wie zum Beispiel die Aussage, dass auf der absoluten Ebene alle Eigenschaften in vollkommenem Ma\u00dfe anwesend sein m\u00fcssen. Ein logischer Sprung ist jedoch nicht notwendigerweise ein Trugschluss, sondern in der Beschreibung eines subjektiven Themas zul\u00e4ssig, insofern dieser Sprung nicht zu einem klaren Widerspruch mit den Annahmen f\u00fchrt, auf denen er basiert.<\/p>\n<p>Anstelle des Nachweises eines solchen Widerspruchs besteht der ganze zweite Abschnitt des Artikels des Autors aus einer Aneinanderreihung von losen Behauptungen. Es wird zum Beispiel die unpers\u00f6nliche Natur eines mathematischen Satzes oder eines physikalischen Gesetzes genannt, wobei jedoch offensichtlich unter den Tisch f\u00e4llt, dass beide nicht zur Charakterisierung der absoluten Ebene geeignet sind, da sie selbst zum Bereich der Objektivit\u00e4t geh\u00f6ren. Mathematische S\u00e4tze werden mittels Logik formuliert, welche ohnehin den von G\u00f6del formulierten Begrenzungen unterliegt und die Unterstellung von Zeitlosigkeit ist aufgrund der existenziellen Substanzlosigkeit von Information willk\u00fcrlich, da die Mathematik keine Naturwissenschaft ist, sondern abstrakt. Und abgesehen von Objektivit\u00e4t und Empirik, ist die Unver\u00e4nderlichkeit eines<br \/>physikalischen Gesetzes schon immer ein gro\u00dfer Streitpunkt in der Wissenschaft gewesen. Selbst die Urknalltheorie beschreibt einen Zustand \u201evor\u201c der Entstehung von Zeit und Naturgesetzen, eine Idee, die alle Ph\u00e4nomene der Welt automatisch in die Dom\u00e4ne des Relativen platziert.<\/p>\n<p><strong>III. Anthropomorphe Projektion<\/strong><\/p>\n<p>Die Aussage, dass die theistische Sicht auf die absolute Wirklichkeit eine anthropomorphe Projektion auf einen \u201eleeren Himmel des Absoluten\u201c sei, ist ebenfalls eine blo\u00dfe Behauptung. Die Grundannahme, auf der diese Aussage basiert, ist, dass die absolute Wahrheit eben keine Eigenschaften, wie Individualit\u00e4t, Liebe etc. aufweist. Dies ist aber genau der methodische Fehler in dieser philosophischen Betrachtung, da hier eine theistische Aussage mittels einer atheistischen Grundannahme bewertet wird.<\/p>\n<p>Betrachtet man die philosophische Sicht des Theismus auf das einzelne Individuum als ewigen Bewusstseinsfunken, der zur absoluten Ebene geh\u00f6rt, dann muss man feststellen, dass die Identifikation als Mensch damit schon ausgeschlossen ist. Die Seele, also der Bewusstseinsfunken, bewohnt den menschlichen K\u00f6rper und identifiziert sich f\u00e4lschlicherweise mit ihm und zum Zeitpunkt des Todes legt der Bewusstseinsfunke die menschliche H\u00fclle ab. Diese grundlegende theistische Sichtweise macht eine anthropomorphische Projektion unplausibel, da die wirkliche Identit\u00e4t des Selbst gar nicht als Mensch gesehen wird.<\/p>\n<p>Zugegeben, es gibt die Tendenz im Menschen, sein eigenes Ego \u00fcberallhin zu projizieren, also auch auf die absolute Ebene. Dies ist aber auch aus theistischer ein fundamentaler Irrtum. Dieser basiert auf der f\u00e4lschlichen Identifikation des Selbst mit seiner menschlichen H\u00fclle. F\u00e4llt diese irrt\u00fcmliche Identifikation weg, gibt es keine anthropomorphe Projektion.<\/p>\n<p><strong>IV. Weiterf\u00fchrende Aussagen \u00fcber das Absolute<\/strong><\/p>\n<p>Die Aussage des Autors, dass der rein subjektive Zugang zur absoluten Ebene keine<br \/>allgemeing\u00fcltigen Aussagen \u00fcber diese Ebene zulie\u00dfe, da sie uns nicht als Objekt gegeben ist, beruht auf der Annahme, dass allgemeing\u00fcltige Aussagen nur auf der objektiven Ebene formuliert werden d\u00fcrften. Dies ist aber ein fundamentaler Irrtum, denn die objektive Ebene ist die relative Ebene, die Ebene der Empirik, auf der allgemeing\u00fcltige Aussagen ohnehin kategorisch ausgeschlossen sind. Die absolute Ebene ist die einzige Ebene, \u00fcber die allgemeing\u00fcltige Aussagen \u00fcberhaupt zul\u00e4ssig sind, denn die absolute Ebene ist ja ihrer Natur nach allgemeing\u00fcltig.<\/p>\n<p>Die Fragen, die sich hier stellen, sind, woher solche allgemeing\u00fcltigen Aussagen \u00fcber die absolute Ebene bezogen werden k\u00f6nnten und wie man deren Wahrheitsgehalt erkennen kann. Ausgehend davon, dass die absolute Ebene subjektiv ist, k\u00f6nnen diese Fragen nur auf der subjektiven Ebene zu ihrer Beantwortung finden.<\/p>\n<p>Ob es \u00fcberhaupt eine M\u00f6glichkeit gibt, diese Fragen zu beantworten, h\u00e4ngt davon ab, ob auf der subjektiven Ebene substanzielle Erfahrungen der absoluten Wirklichkeit gemacht werden k\u00f6nnen, sprich, ob es diese Wirklichkeit \u00fcberhaupt gibt und wir einen Zugang dazu erhalten k\u00f6nnen. Da diese Fragen auf der objektiven Ebene nicht beantwortet werden k\u00f6nnen, muss jeder Suchende selbst nach der Beantwortung dieser Fragen in seinem Inneren streben, was naturgem\u00e4\u00df einen Glauben an die M\u00f6glichkeit dieser Beantwortung voraussetzt.<\/p>\n<p><em>In diesem Sinne ist der Glaube die anleitende Instanz auf unserer Suche nach dem Absoluten.<\/em><\/p>\n<p>Und hier liegt eigentlich der Knackpunkt in Bezug auf die unterschiedlichen Argumentationen in beiden Artikeln. Die theistische Sicht geht von der Existenz Gottes aus, wodurch der Glaube an ihn, der Zugang zu ihm, spirituelle Praxis und spirituelles Denken \u00fcberhaupt erst Sinn ergeben. Im Gegensatz dazu ist entsprechend der atheistischen Sichtweise all das nat\u00fcrlich nur Phantasie.<\/p>\n<p>In unserer heutigen Welt ist der Glaube als eine Form der Phantasterei verp\u00f6nt, da man dem irrigen Glauben aufgesessen ist, dass nur die Ratio ein valides Instrument zur Erforschung der Wirklichkeit sei. Deshalb sind die meisten Menschen mehr oder weniger blockiert, wenn es um das Thema Glauben geht. Auch besteht die Angst vor blindem Glauben, also ein Vertrauen in etwas, das nicht ist. Ebenso gibt es eine Menge Menschen, die irrigerweise glauben, dass sie gar nicht glauben, sondern wissen w\u00fcrden, was besonders den blinden Glauben an \u201edie Wissenschaft \u00ae\u201c und den Atheismus charakterisiert.<\/p>\n<p>Dabei ist der Glaube gar kein Manko, sondern eine F\u00e4higkeit, ein untrennbarer Bestandteil unseres Inneren und notwendig f\u00fcr psychische Gesundheit. Ohne Glauben und Vertrauen lebten wir in st\u00e4ndiger Angst. Erst durch die Akzeptanz der eigenen Glaubensf\u00e4higkeit, die die eigenen Wissensl\u00fccken zu f\u00fcllen sucht, kann man sich seines vollen Potenzials bedienen und eine nat\u00fcrliche Demut und Offenheit gegen\u00fcber anderen Personen, Glaubensrichtungen, gegen\u00fcber der Welt und allen Lebewesen entwickeln.<\/p>\n<p>Lebt man nun im Glauben, dass es keine absolute Ebene gibt oder dass keine weiteren absoluten Aussagen dar\u00fcber getroffen werden k\u00f6nnten, gibt es auch keinen \u00fcberzeugenden Grund, eine aktive Suche in dieser Richtung zu unternehmen. Erst wenn man es zumindest f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, dass es diese absolute Wirklichkeit und ein Zugang dazu existiert, ergibt eine Suche danach Sinn.<\/p>\n<p>An diesem Punkt kommen die schon im letzten Artikel erw\u00e4hnten fortgeschrittenen Seelen ins Spiel. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch vehementer Ablehnung dieser Idee begegnet wird, wo doch jegliche Bildung immer \u00fcber das Lehrer-Sch\u00fcler-Prinzip funktioniert, egal in welchem Bereich. Wir brauchen Lehrer, damit wir lesen, schreiben, rechnen lernen, ja uns muss sogar das Sitzen, Laufen und Essen von anderen beigebracht werden. Und jetzt existiert in weiten Bereichen der Gesellschaft der irrige Glaube, dass man niemanden braucht, der schon einen gewissen Erfahrungsschatz in Bezug auf den subjektiven Zugang zur absoluten Wirklichkeit hat, um selbst effektiv Fortschritt in diesem Bereich zu machen.<\/p>\n<p>Damit ein Sch\u00fcler etwas von einem Lehrer lernen kann, muss er darauf vertrauen, dass in dem, was der Lehrer vermittelt, Wahrheit enthalten ist, solange, bis er selbst den Wahrheitsgehalt des Vermittelten nachzuvollziehen vermag. Dies gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Vermittlung von Informationen \u00fcber die Natur der absoluten Wirklichkeit. Es bedarf also einer gewissen Offenheit des Suchenden gegen\u00fcber der M\u00f6glichkeit der Existenz spirituell fortgeschrittener Personen. Besteht diese Offenheit, kann nach solchen Personen gesucht werden.<\/p>\n<p><strong>V. Die politische Dimension<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor unterstellt dem Konzept des Zugangs zur absoluten Ebene durch spirituell fortgeschrittene Seelen, es k\u00e4me einem Besitzanspruch auf das Absolute gleich, ohne jedoch eine plausible Erkl\u00e4rung daf\u00fcr zu liefern. Ein Zugang zur absoluten Ebene \u00fcber fortgeschrittene Seelen bedeutet ja gerade, dass der Sucher, der sich solchen Seelen zuwendet, selbst spirituellen Fortschritt macht, welcher letztlich befreit, anstatt zu versklaven. Im zu Ende gedachten Theismus ist es unm\u00f6glich, eine pers\u00f6nliche absolute Wirklichkeit, die voller Liebe ist, durch irgendwelche Ausbeutung oder Aneignung zu erreichen. Einzig sich dieser Liebe zur Verf\u00fcgung zu stellen und damit allen Lebewesen zu dienen, w\u00e4re ein Ausdruck spirituellen Fortschritts.<\/p>\n<p>Es besteht nat\u00fcrlich der berechtigte Einwand, dass die Welt voll von Betr\u00fcgern ist, die von sich behaupten, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, oder gar die Einzigen zu sein, die \u00fcber eine Verbindung zur absoluten Wirklichkeit verf\u00fcgten. Dies macht die Suche nach echten fortgeschrittenen Seelen zwar nicht leichter, aber auch nicht weniger notwendig, wollte man sich ernsthaft dieser Sache annehmen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ein aufrichtiger Sucher einen Betr\u00fcger fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erkennen wird \u2013 und ebenso eine aufrichtige Seele.<\/p>\n<p>Jeder Versuch, den Zugang anderer zur absoluten Ebene zu kontrollieren, ist gleichzeitig ein Versuch, die absolute Ebene selbst und ihre M\u00f6glichkeit der Verbindung mit anderen zu beherrschen. Es ist der Versuch, sich selbst in die Rolle Gottes zu erheben, was fundamental der nat\u00fcrlichen Rolle Gottes im Theismus oder der prinzipiellen Gleichheit aller Seelen widerspricht. Zu den Symptomen spirituell fortgeschrittener Seelen geh\u00f6rt somit nicht die Behauptung, man h\u00e4tte die Wahrheit gepachtet und nur durch einen selbst k\u00f6nnten andere dorthin gelangen. Deshalb findet man unter echten spirituell fortgeschrittenen Seelen auch nicht die Bestrebung, die Spiritualit\u00e4t zu institutionalisieren.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass alle institutionalisierten Religionen ihrer Natur nach atheistisch und materialistisch sind, auch wenn sie behaupten, Gott zu vertreten. Die Motivation hinter diesem Betrug durch Institutionalisierung ist immer Macht. Diese Macht wird dadurch erlangt, dass es gen\u00fcgend Leute gibt, die die Diskrepanz zwischen der theistischen Fassade und der atheistischen Handlungsweise zugunsten des sozialen Angebots der Institution in Kauf nehmen und sich ihr unterwerfen. Diese Identifikation mit der Institution erzeugt die eigentliche Spaltung, vor der uns der Autor warnen m\u00f6chte. Divide et impera, teile und herrsche, wurde zurecht genannt, wenn es um die Aus\u00fcbung von Macht geht.<\/p>\n<p>Diese Spaltung geht aber nicht, wie irrigerweise angenommen, von der philosophischen Unterscheidung zwischen relativer, illusorischer Ebene und absoluter Wirklichkeit aus, sondern vom oben genannten sozialen Mechanismus, den die institutionalisierten Religionen virtuos beherrschen. Und wenn man den Blick mal etwas weiter schweifen l\u00e4sst, dann kann man erkennen, dass das gleiche Spiel auch in nichtreligi\u00f6sen Kreisen auf genau die gleiche Weise gespielt wird. Ob es sich nun um die politische Teilung in rechtes und linkes Lager handelt, ob die Nationalit\u00e4t, die Rasse, der Impfstatus oder was auch immer zum Anlass der Spaltung genommen wird, es ist immer der gleiche psychosoziale Mechanismus. Und die Motivation der Betr\u00fcger und der Betrogenen ist ebenfalls immer die gleiche.<\/p>\n<p>Die Philosophie, dass wir alle ewige Bewusstseinsfunken und mit der pers\u00f6nlichen absoluten Ebene verbunden sind, ist das exakte Gegenteil von Spaltung. Sie ist eine Beschreibung von Gleichheit auf der absoluten Ebene, die bei ehrlicher Betrachtung jegliche weltliche Hackordnungen verbietet, zu denen auch die institutionalisierten Religionen geh\u00f6ren. Zu Ende gedachter Theismus f\u00fchrt also zur Aufl\u00f6sung des Glaubens an menschengemachte Institutionen gleich welcher Art und beendet damit ihre Macht \u00fcber das Denken.<\/p>\n<p>Im vierten Abschnitt seines Artikels stellt der Autor in diesem Zusammenhang eine weitere Behauptung auf, die er auch hier aus dem Theismus herausgel\u00f6st und in seiner eigenen Weltsicht bewertet hat, was grunds\u00e4tzlich zu einem Irrtum f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Er behauptet, dass die Beschreibung der Welt als illusorisch automatisch zum Ignorieren des Leids in dieser Welt, wie Hunger, Krieg und Umweltzerst\u00f6rung f\u00fchre und der Schmerz anderer als nebens\u00e4chlich abgetan w\u00fcrde. Der Autor hat aufgrund seines methodischen Fehlers nur leider eine andere wesentliche Aussage des Theismus ignoriert, die an der Stelle Licht ins Dunkel bringen kann: Alle Lebewesen sind ewige Bewusstseinsfunken, die zur absoluten Ebene geh\u00f6ren und sich in die Illusionen dieser Welt verstrickt haben und dadurch leiden. Wir haben also echte Lebewesen, die echte Leiden aufgrund von Illusion erleben. Daraus kann Mitleidlosigkeit nie abgeleitet werden.<\/p>\n<p>Und man kann das Ganze auch durch folgende kleine Geschichte verdeutlichen. Ein \u00e4lterer Herr kommt zum Arzt und klagt \u00fcber Brustschmerzen und Bluthusten. Der Arzt untersucht ihn und diagnostiziert Lungenkrebs. Es stellt sich beim Arztgespr\u00e4ch auch heraus, dass der Patient Kettenraucher ist. Der Arzt spricht also ein ernstes W\u00f6rtchen mit dem Patienten und kl\u00e4rt ihn \u00fcber das Rauchen als Ursache f\u00fcr seinen Krebs auf. Der Logik des Autors zufolge w\u00e4re der Arzt jetzt jemand, der v\u00f6llig mitleidlos dem Patienten gegen\u00fcber ist, was nat\u00fcrlich v\u00f6llig aus der Luft gegriffen ist. Der Patient hat doch jetzt durch die Aufkl\u00e4rung des Arztes die M\u00f6glichkeit, die Ursache seines Leidens zu beenden.<\/p>\n<p><strong>VI. Synthese<\/strong><\/p>\n<p>Im f\u00fcnften Abschnitt versucht der Autor, eine L\u00f6sung f\u00fcr die vormals unterstellte Spaltung anzubieten, eine Spaltung, die er aber nur selbst postuliert hat und die sich nicht aus den Aussagen meines Artikels ableiten l\u00e4sst. Wenn von absoluter Ebene und relativer Ebene die Rede ist, dann m\u00fcssen beide untrennbar miteinander verbunden sein. W\u00e4re die relative Ebene tats\u00e4chlich von der absoluten Ebene getrennt, w\u00fcrde sie selbst zu einer absoluten Ebene, da sie von nichts anderem abhinge. Die relative Ebene existiert also nur in Verbindung mit der absoluten Ebene, sie bilden eine differenzierte Einheit. Die illusorische Natur der relativen Ebene besteht auch nicht in einer behaupteten Nichtexistenz der selben, sondern in der von ihr verursachten Illusion der Nichtexistenz der absoluten Ebene. Die relative Ebene ist der \u201eMechanismus\u201c, durch den die der absoluten Ebene zugeh\u00f6rige Bewusstseinsfunke seine eigene absolute Natur vergisst und sich mit den Ph\u00e4nomenen der relativen Ebene identifiziert.<\/p>\n<p>In diesem Artikel ist des \u00d6fteren der Begriff Theismus als Bezeichnung f\u00fcr das philosophische Geb\u00e4ude gefallen, dessen Argumente hier dargelegt wurden. Damit ist ein wirklich ausgereifter und zu Ende gedachter Theismus gemeint, keine halben oder verzerrten Versionen, wie man sie in institutionalisierten Religionen vorfindet. Damit eine wirklich philosophische Debatte \u00fcber dieses Thema erfolgen kann, ist es ratsam, die Verfehlungen der institutionalisierten Religionen beiseite zu lassen und sich auf die reine Philosophie selbst zu konzentrieren. Den Wert einer Philosophie kann man an seinen Idealen, an seiner idealen Version, erkennen, nicht an menschlichen Verfehlungen diesbez\u00fcglich, die man immer antreffen wird.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Riss in Zementwand<br \/>Bildquelle: SUBAS CHANDRA MAHATO \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Meinungsbeitrag von Thomas Fiedler. In meinem letzten Artikel mit dem Titel \u201eDie Wirklichkeit zu Ende denken\u201c beschrieb ich wesentliche Aspekte einer spirituellen Sicht auf die Wirklichkeit. Der Autor Dirk Ellerbrock verfasste daraufhin einen Artikel mit dem Titel \u201eDie Falle der Spaltung\u201c, welcher auf einige Punkte meines Artikels eingeht und eine Gegenargumentation aufbaut. Bevor ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":18198,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-18197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":7}},"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",1920,1080,false],"thumbnail":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:150\/h:150\/q:mauto\/rt:fill\/g:ce\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:300\/h:169\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:768\/h:432\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",768,432,true],"large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:1024\/h:576\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",1024,576,true],"1536x1536":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:1536\/h:864\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",1536,864,true],"2048x2048":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",1920,1080,false],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:IRXz.c26\/w:18\/h:10\/q:mauto\/f:best\/dpr:2\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Artikel_20260817_Spaltung_apolut.jpg",18,10,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Ein Meinungsbeitrag von Thomas Fiedler. In meinem letzten Artikel mit dem Titel \u201eDie Wirklichkeit zu Ende denken\u201c beschrieb ich wesentliche Aspekte einer spirituellen Sicht auf die Wirklichkeit. Der Autor Dirk Ellerbrock verfasste daraufhin einen Artikel mit dem Titel \u201eDie Falle der Spaltung\u201c, welcher auf einige Punkte meines Artikels eingeht und eine Gegenargumentation aufbaut. Bevor ich&hellip;","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18197\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}