{"id":19072,"date":"2026-08-22T22:03:24","date_gmt":"2026-08-22T20:03:24","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/seltene-erden-oel-und-raketen-china-vertieft-strategische-partnerschaft-mit-iran\/"},"modified":"2026-08-22T22:03:24","modified_gmt":"2026-08-22T20:03:24","slug":"seltene-erden-oel-und-raketen-china-vertieft-strategische-partnerschaft-mit-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/seltene-erden-oel-und-raketen-china-vertieft-strategische-partnerschaft-mit-iran\/","title":{"rendered":"Seltene Erden, \u00d6l und Raketen \u2013 China vertieft strategische Partnerschaft mit Iran"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Rainer Rupp<\/em><\/p>\n<p>China und Iran weiten ihre Zusammenarbeit auf einen Bereich aus, der weit \u00fcber klassische Rohstoffpolitik hinausgeht: Seltene Erden. Wie die <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/science\/article\/3363814\/china-sending-scientists-iran-rare-earth-exploration-and-processing?\"><em>South China Morning Post<\/em><\/a>\u00a0<em>(SCMP)<\/em> am 12. August berichtete, haben die staatlichen Wissenschaftsf\u00f6rderorganisationen beider L\u00e4nder ein gemeinsames Workshop-Programm aufgelegt, das ausdr\u00fccklich die &#8222;Exploration und Verarbeitung seltener Erdelemente&#8220; umfasst. Damit erh\u00e4lt die chinesisch-iranische Partnerschaft eine neue strategische Dimension \u2013 und das zu einem Zeitpunkt, an dem Iran unter massivem wirtschaftlichem und milit\u00e4rischem Druck seitens der Vereinigten Staaten steht.<\/p>\n<p>Federf\u00fchrend ist auf chinesischer Seite die National Natural Science Foundation of China (NSFC). Sie finanziert gemeinsame Workshops mit jeweils 30.000 Yuan; die iranische Wissenschaftsstiftung \u00fcbernimmt unter anderem Reisekosten. Bemerkenswert ist weniger die H\u00f6he der F\u00f6rderung als ihr Gegenstand: China behandelt moderne Verfahren zur Verarbeitung seltener Erden zunehmend als sensible Technologie. Die 17 Elemente sind f\u00fcr Hochleistungsmagnete, Elektronik, Radarsysteme, Flugzeuge und zahlreiche moderne Waffensysteme unverzichtbar.\u00a0Die Volksrepublik verf\u00fcgt nicht nur \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Reserven, sondern vor allem auch \u00fcber die weltweit dominante Raffinerie- und Verarbeitungskapazit\u00e4t.<\/p>\n<p>Irans tats\u00e4chliche Lagerst\u00e4tten sind dagegen noch unzureichend erforscht. Seine geologische Struktur mit gro\u00dfen Eisen- und Phosphatvorkommen gilt jedoch als potenziell g\u00fcnstig f\u00fcr seltene Erden. Sollte sich dieses Potenzial best\u00e4tigen, k\u00f6nnte Iran neben \u00d6l und Gas einen weiteren strategischen Rohstoff in seine Partnerschaft mit Peking einbringen. Gerade deshalb ist die neue Forschungskooperation politisch brisant: China teilt hier offenbar zumindest wissenschaftliches Know-how in einem Bereich, dessen technologische Verfahren\u00a0Peking gegen\u00fcber westlichen Staaten zunehmend abschirmt.<\/p>\n<p>Die Vereinbarung ist kein isoliertes Projekt. Die Volksrepublik China und die Islamische Republik Iran unterhalten seit 2016 eine &#8222;umfassende strategische Partnerschaft&#8220;. 2021 unterzeichneten beide Staaten einen langfristigen Kooperationsplan, dessen Umsetzung Anfang 2022 offiziell begann.<\/p>\n<p>Das chinesische Au\u00dfenministerium weist f\u00fcr 2025 einen bilateralen Warenhandel von 9,96 Milliarden US-Dollar aus \u2013 ohne die erheblichen Mengen iranischen \u00d6ls vollst\u00e4ndig abzubilden, die wegen der US-Sanktionen h\u00e4ufig \u00fcber indirekte Handelsstrukturen abgewickelt werden.<\/p>\n<p>Beim \u00d6l ist China f\u00fcr Iran l\u00e4ngst der entscheidende Abnehmer. <em>Reuters<\/em> zufolge importierte\u00a0die Volksrepublik 2025 durchschnittlich rund 1,38 Millionen Barrel iranisches Roh\u00f6l pro Tag. Ein Gro\u00dfteil des Handels l\u00e4uft \u00fcber kleinere unabh\u00e4ngige chinesische Raffinerien und wird teilweise in Yuan \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler abgewickelt, um die Auswirkungen US-amerikanischer Finanzsanktionen zu reduzieren. Noch am 20. August berichtete <em><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/trump-threatens-isolate-iran-who-are-its-trading-partners-2026-08-20\/?utm_source=chatgpt.com\">Reuters<\/a><\/em>, dass China trotz neuer Drohungen aus Washington Irans mit Abstand wichtigster \u00d6lkunde bleibt.<\/p>\n<p>Allerdings sollte die Partnerschaft nicht mit einer uneingeschr\u00e4nkten Allianz verwechselt werden. Chinas wirtschaftliches Engagement in Iran bleibt gemessen an den politischen Ank\u00fcndigungen vergleichsweise vorsichtig. <em>Reuters<\/em> bezifferte chinesische Investitionen seit 2007 auf weniger als f\u00fcnf Milliarden US-Dollar \u2013 deutlich weniger als Pekings Engagement in Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sanktionen, politische Risiken und Irans wirtschaftliche Instabilit\u00e4t haben laut\u00a0der Nachrichtenagentur\u00a0zahlreiche Gro\u00dfprojekte verz\u00f6gert.<\/p>\n<p>Dennoch sind chinesische Firmen weiterhin in iranische Infrastrukturprojekte eingebunden. <em><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/china\/uncertainty-faces-china-incs-projects-iran-after-usisraeli-strikes-2026-03-04\/\">Reuters<\/a><\/em>\u00a0dokumentierte im M\u00e4rz laufende beziehungsweise ausgeschriebene Projekte in Bereichen wie Stromnetze, Stahlproduktion, Wasserkraft, G\u00fcterverkehr und Logistik. Iran bleibt zugleich ein bedeutender Knotenpunkt f\u00fcr Chinas Belt-and-Road-Strategie, insbesondere f\u00fcr Landverbindungen zwischen Ostasien, Zentralasien, dem Nahen Osten und Europa.<\/p>\n<p>Auch wissenschaftlich und technologisch wird die Kooperation breiter. Nach Angaben des chinesischen Au\u00dfenministeriums arbeiten beide L\u00e4nder auf der Grundlage bestehender Abkommen \u00fcber Wissenschaft und Technologie zusammen; Universit\u00e4ten pflegen institutionelle Kontakte, w\u00e4hrend Teheran und\u00a0Peking ihre Zusammenarbeit inzwischen gezielt in strategisch relevanten Forschungsfeldern <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fmprc.gov.cn\/eng\/\">ausweiten<\/a>.<\/p>\n<p>Das Seltene-Erden-Programm ist deshalb vor allem als Hinweis darauf zu lesen, dass sich diese Kooperation vom akademischen Austausch zunehmend hin zu industriell relevanten Schl\u00fcsseltechnologien verlagert.<\/p>\n<p>Noch sensibler ist die milit\u00e4rische Dimension. Bereits im M\u00e4rz 2025 f\u00fchrten China, Iran und Russland im Golf von Oman die \u00dcbung &#8222;Security Belt 2025&#8220; durch. Nahe dem iranischen Hafen Tschabahar trainierten die Schiffe der drei Kriegsmarinen unter anderem Angriffe auf Seeziele sowie Such- und Rettungsoperationen. Das chinesische Verteidigungsministerium <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/military\/article\/3301673\/china-set-joint-naval-exercise-security-belt-2025-russia-and-iran\">erkl\u00e4rte damals<\/a>\u00a0ausdr\u00fccklich, Ziel sei eine Vertiefung des &#8222;milit\u00e4rischen Vertrauens und der pragmatischen Zusammenarbeit&#8220;.<\/p>\n<p>Im Juli 2026 berichtete <em>Reuters<\/em> zudem unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Quellen \u00fcber einen iranischen Auftrag von bis zu 400 in der VR China produzierten tragbaren Flugabwehrsystemen der Typen QW-12 und FN-16. Das Gesch\u00e4ft soll einen Umfang von etwa 60 bis 70 Millionen Dollar haben. China und Pakistan bestritten allerdings eine Beteiligung, weshalb der Bericht als nicht unabh\u00e4ngig best\u00e4tigt behandelt werden sollte. <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/china\/iran-get-chinese-shoulder-launched-missile-systems-weeks-sources-say-2026-07-29\/\"><em>Reuters<\/em><\/a>\u00a0zufolge diskutierte Teheran dar\u00fcber hinaus weitere chinesische Systeme, darunter Antischiffsraketen.<\/p>\n<p>Politisch ist die Entwicklung eindeutig: Peking behandelt Iran weiterhin als strategischen Partner. Noch im Juli traf Chinas Au\u00dfenminister Wang Yi seinen iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi und bekr\u00e4ftigte die Bedeutung der bilateralen Beziehungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Iran ist\u00a0die Volksrepublik damit gleichzeitig Absatzmarkt, Technologiepartner, diplomatische R\u00fcckversicherung und potenzielle Quelle milit\u00e4rischer F\u00e4higkeiten. F\u00fcr Peking wiederum bietet Iran Energie, geografischen Zugang nach Westasien und m\u00f6glicherweise k\u00fcnftig strategische Mineralien. Die Kooperation bleibt asymmetrisch \u2013 Teheran braucht\u00a0Peking deutlich st\u00e4rker als umgekehrt. Doch gerade die neue Zusammenarbeit bei seltenen Erden zeigt, dass China bereit ist, diese Beziehung in Bereichen zu vertiefen, die unmittelbar in den globalen Technologie- und Sicherheitswettbewerb hineinreichen.<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de.rt.com\/asien\/289351-seltene-erden-oel-und-raketen\/#sdendnote1anc\"><\/a><strong>Mehr zum Thema\u00a0<\/strong>\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/asien\/288168-zweifel-an-us-beistand-iran\/\">Zweifel an US-Beistand: Der Iran-Krieg schw\u00e4cht die Verteidigung in Asien \u2013 NYT<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v73sn4k\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rainer Rupp China und Iran weiten ihre Zusammenarbeit auf einen Bereich aus, der weit \u00fcber klassische Rohstoffpolitik hinausgeht: Seltene Erden. 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