{"id":19155,"date":"2026-08-23T19:03:13","date_gmt":"2026-08-23T17:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/die-staatsverschuldung-der-usa-treibt-die-welt-in-eine-finanzkrise\/"},"modified":"2026-08-23T19:03:13","modified_gmt":"2026-08-23T17:03:13","slug":"die-staatsverschuldung-der-usa-treibt-die-welt-in-eine-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/die-staatsverschuldung-der-usa-treibt-die-welt-in-eine-finanzkrise\/","title":{"rendered":"Die Staatsverschuldung der USA treibt die Welt in eine Finanzkrise"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Die Staatsverschuldung der USA versetzt die Wirtschaftswelt weiterhin in Erstaunen. Sie erreicht mittlerweile 40 Billionen US-Dollar, wodurch die Rendite 30-j\u00e4hriger US-Staatsanleihen auf den h\u00f6chsten Stand seit 19 Jahren gestiegen ist \u2013 5,5 Prozent pro Jahr. Auch die Renditen zehnj\u00e4hriger US-Staatsanleihen steigen und n\u00e4hern sich der Marke von f\u00fcnf Prozent pro Jahr. Das ist dreimal so hoch wie vor f\u00fcnf Jahren. Dabei wurde der Leitzins der US-Notenbank (Fed) bereits seit drei Jahren \u2013 seit Juli 2023 \u2013 nicht mehr angehoben.<\/p>\n<p>All dies erschwert den Schuldendienst. Sergei Klissenko, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Ratingdienstes NRA, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das US-Finanzministerium muss in diesem Jahr rund 9 Billionen US-Dollar an Staatsschulden refinanzieren. Angesichts der Gesamtverschuldung, die j\u00fcngst die Marke von 40 Billionen US-Dollar \u00fcberschritten hat \u2013 was 125 Prozent des BIP entspricht \u2013, stellen solche Renditen und ein derartiger Refinanzierungsbedarf eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Belastung f\u00fcr den US-Haushalt dar und destabilisieren das gesamte Finanzsystem, da allein die Zinszahlungen auf die Staatsschulden rund 20 Prozent der Haushaltsausgaben ausmachen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die Ursache des Problems liege, so der Experte, in den zu niedrigen Unternehmenssteuern im Verh\u00e4ltnis zum BIP \u2013 weniger als zwei Prozent \u2013 und zum Staatshaushalt \u2013 rund elf Prozent. Keine US-Regierung sei bereit, die Steuerpolitik zu \u00e4ndern. Infolgedessen sei das Haushaltsdefizit chronischer Natur und werde es auch weiterhin bleiben, sagt Klissenko.<\/p>\n<p>Dies zwingt die USA dazu, auf Kosten derer zu leben, die ihnen Geld leihen. Derzeit sind dies in erster Linie Japan und Europa, die sich aufgrund ihrer starken Abh\u00e4ngigkeit dem Druck der USA nicht entziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Problem der Staatsverschuldung und der hohen Anleiherenditen betrifft nicht nur die US-Wirtschaft, es breitet sich auch auf andere L\u00e4nder aus. Nachdem die US-Staatsverschuldung die Marke von 40 Billionen US-Dollar \u00fcberschritten habe, treibe sie die Anleiherenditen weltweit in die H\u00f6he und belaste die Staatshaushalte der europ\u00e4ischen L\u00e4nder, schreibt <em>Politico<\/em>. Damit w\u00e4chst auch in Europa die Gefahr einer Finanzkrise. Die europ\u00e4ischen Regierungen m\u00fcssen mit Washington um das weltweit verf\u00fcgbare Kapital konkurrieren. Zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft wird dieser Wettbewerb dadurch, dass US-Technologiegiganten Hunderte Milliarden US-Dollar aufnahmen, um ihre Investitionen in k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) zu finanzieren.<\/p>\n<p>Infolgedessen stieg die Rendite zehnj\u00e4hriger deutscher Staatsanleihen, die f\u00fcr den \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Markt richtungsweisend sind, auf das Niveau von 2011. Die Kosten f\u00fcr die Bedienung der Staatsschulden nehmen ebenfalls zu. In Frankreich etwa werden sie sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als vervierfachen \u2013 von 30 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 124 Milliarden Euro im Jahr 2030.<\/p>\n<p>Nun versucht das US-Finanzministerium gegenzusteuern: Ab dem kommenden Monat soll das Volumen der R\u00fcckk\u00e4ufe langfristiger Staatsanleihen mindestens verdoppelt werden. Experten bezeichneten diese Ma\u00dfnahme jedoch als den Versuch, &#8222;eine Schusswunde mit einem Pflaster zu versorgen&#8220;. Zun\u00e4chst reagierte der Markt positiv: Die Kurse langfristiger US-Staatsanleihen stiegen, w\u00e4hrend die Rendite 30-j\u00e4hriger Papiere von ihrem wenige Tage zuvor erreichten 19-Jahres-Hoch zur\u00fcckging. Doch die Wirkung hielt nicht lange an, und die Renditen begannen erneut zu steigen.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von J.P. Morgan k\u00f6nnten die R\u00fcckk\u00e4ufe zwar kurzfristig f\u00fcr Entlastung sorgen, das Schuldenproblem aber lediglich auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verschieben. Und was unternimmt dabei das US\u2011Finanzministerium? Im Grunde kauft es Anleihen mit l\u00e4ngeren Laufzeiten zur\u00fcck und gibt gleichzeitig kurzfristige Schatzwechsel aus. &#8222;Im Grunde \u00e4hnelt dies der Tilgung einer Hypothek mit einer Kreditkarte. Vor\u00fcbergehend mag dies funktionieren, doch letztlich wird die Diskrepanz immer offensichtlicher&#8220;, merkte ein Experte von J.P. Morgan an.<\/p>\n<p>Klissenko ist der Ansicht:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der R\u00fcckkauf zielt darauf ab, die Renditen zu senken und damit das Haushaltsdefizit weniger akut zu machen. Gleichzeitig ist dieser R\u00fcckkauf eine Form der quantitativen Lockerung, die bereits fr\u00fcher eingesetzt wurde und faktisch nichts anderes als Gelddrucken bedeutet.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was bedeutet das konkret?<\/p>\n<p>Der Experte erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Gelddrucken wird den US-Dollar gegen\u00fcber realen Verm\u00f6genswerten \u2013 Immobilien, Gold, Rohstoffen und \u00c4hnlichem \u2013 durch Inflation entwerten. Das Problem der Staatsverschuldung wird sich somit weiter versch\u00e4rfen. Die Gefahr besteht darin, dass das Finanzsystem mit derart hohen Verschuldungskennzahlen \u2013 wie einer Staatsverschuldung von 125 Prozent des BIP \u2013 langfristig instabil wird und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in eine gro\u00dfe Krise ger\u00e4t.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Im Grunde bedeutet dies das Risiko eines Staatsbankrotts der USA, wenn das Land seine Schulden nicht mehr bedienen kann. In der Praxis m\u00fcsse es jedoch nicht zu einem solchen Zahlungsausfall kommen, erkl\u00e4rt Klissenko, da die gesamte US-Staatsverschuldung in der eigenen W\u00e4hrung denominiert sei und das Problem im \u00e4u\u00dfersten Fall durch Gelddrucken gel\u00f6st werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Wohin f\u00fchrt das alles? Klissenko kommt zu folgendem Schluss:<\/p>\n<p><em>&#8222;Erstens k\u00f6nnte das Vertrauen in den Dollar auf dem Weltmarkt ersch\u00fcttert werden. Zweitens f\u00fchrt unkontrolliertes Gelddrucken fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zur Entstehung von Finanzblasen und kritischen Ungleichgewichten in der Wirtschaft, die letztlich Rezessionen und massive Ausverk\u00e4ufe an den Finanzm\u00e4rkten ausl\u00f6sen. Solche Schocks sind in den vergangenen 100 Jahren mehrfach aufgetreten und k\u00f6nnen sich wiederholen. Neue Schocks lassen sich daher auf mittlere Sicht nicht v\u00f6llig ausschlie\u00dfen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die USA befinden sich in einer \u00e4u\u00dferst komfortablen Lage, da die ganze Welt dem US-Dollar vertraut, den die USA selbst drucken.<\/p>\n<p>Juri Itschkitidse, Makro\u00f6konom bei Freedom Global, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Es gibt im Grunde keinen bestimmten Stand der US-Staatsverschuldung, ab dem diese f\u00fcr die Wirtschaft gef\u00e4hrlich wird. Sie kann sowohl 100 Prozent als auch 200 Prozent des BIP betragen. Entscheidend ist das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Wachstum des nominalen BIP und dem Zinssatz f\u00fcr die Staatsverschuldung, der nicht h\u00f6her sein sollte als das Wirtschaftswachstum. Bei einem nominalen BIP-Wachstum von f\u00fcnf Prozent kommen die USA derzeit damit gut zurecht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Eine Rezession k\u00f6nne jedoch, so Itschkitidse, durch eine unausgewogene Haushaltspolitik in den USA und einen Vertrauensverlust der Investoren ausgel\u00f6st werden \u2013 und das w\u00e4re nat\u00fcrlich ein schwerer Schlag.<\/p>\n<p>Die Situation wird zus\u00e4tzlich dadurch erschwert, dass einige traditionelle K\u00e4ufer von US-Staatsanleihen ihre Best\u00e4nde reduzieren. Gr\u00f6\u00dfter ausl\u00e4ndischer Gl\u00e4ubiger ist Japan: Das Land h\u00e4lt US-Anleihen im Wert von 1,2 Billionen US-Dollar \u2013 genauso viel wie bereits sechs Jahre zuvor, im Jahr 2020. Auf Platz 2 liegt Gro\u00dfbritannien, das seine Investitionen in US-Staatsanleihen von 400 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf 900 Milliarden US-Dollar erh\u00f6hte. Doch auch das reicht kaum aus, wenn man bedenkt, dass China \u2013 das an dritter Stelle steht \u2013 seine Best\u00e4nde an US-Staatsanleihen von 1,1 Billionen im Jahr 2020 auf derzeit 600 Milliarden US-Dollar reduzierte.<\/p>\n<p>Chinas Best\u00e4nde an US-Staatsanleihen liegen damit auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Zugleich reduzierten ausl\u00e4ndische Regierungen ihre Investitionen in US-Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren. Russland verzichtet bekanntlich schon seit Langem auf dieses &#8222;Vergn\u00fcgen&#8220;.<\/p>\n<p>Klissenko fasst zusammen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Rund ein Drittel der US-Staatsverschuldung befindet sich in ausl\u00e4ndischer Hand. Sollten Probleme mit der US-Staatsverschuldung auftreten, k\u00f6nnte es zu Turbulenzen an den globalen Finanzm\u00e4rkten kommen \u2013 wie bereits im Jahr 2008.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/8\/23\/1444807.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 23. August 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Olga Samofalowa<\/em><\/strong><em> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013<strong>\u00a0\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/nordamerika\/288472-immer-mehr-us-amerikaner-koennen-schulden-nicht-mehr-abbezahlen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Immer mehr US-Amerikaner k\u00f6nnen ihre Schulden f\u00fcr Haus und Auto nicht mehr abbezahlen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cbto4\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Die Staatsverschuldung der USA versetzt die Wirtschaftswelt weiterhin in Erstaunen. 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