{"id":19166,"date":"2026-08-24T08:02:07","date_gmt":"2026-08-24T06:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/wie-die-us-schuldenorgie-die-weltwirtschaft-bedroht-38141166-html-4\/"},"modified":"2026-08-24T08:02:07","modified_gmt":"2026-08-24T06:02:07","slug":"wie-die-us-schuldenorgie-die-weltwirtschaft-bedroht-38141166-html-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/wie-die-us-schuldenorgie-die-weltwirtschaft-bedroht-38141166-html-4\/","title":{"rendered":"Kolumne: Wie die Schuldenorgie der USA die Weltwirtschaft bedroht"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Wenn der Dollar das Blut der Weltwirtschaft ist, dann betreiben die USA extremes Eigenblutdoping. Das gef\u00e4hrdet das Finanzsystem und ist verkn\u00fcpft mit den hohen Bewertungen der Techaktien. Ein Crash w\u00fcrden auch uns treffen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>So wichtig wie das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das, was ist, ist an den Finanzm\u00e4rkten auch die Kenntnis von dem, was nicht ist \u2013 aber sein k\u00f6nnte.\u00a0<\/p>\n<p>Umsatz, Gewinne, Verluste und alle anderen Meldungen rund um das Gesch\u00e4ft sind gut und wichtig, aber sie sind immer auch schnell pass\u00e9. Im Moment der Ver\u00f6ffentlichung sind sie schon der Blick in den R\u00fcckspiegel. Was kommt oder kommen k\u00f6nnte, was in der Zukunft liegt und damit noch unsicher ist, im Guten wie im Schlechten, das ist die K\u00f6nigsdisziplin. Hier beginnt der Job der Risikomanager, die die Zukunft abtasten auf das, was wird und werden k\u00f6nnte. Ihre Welt teilen sie in zwei Kategorien: das bekannte Unbekannte und das unbekannte Unbekannte.\u00a0<\/p>\n<h2>US-Finanzminister Scott Bessent schichtet um<\/h2>\n<p>Was vielleicht etwas r\u00e4tselhaft klingt, hat in dieser Woche mit aller Wucht zugeschlagen: Die Furcht vor einer Schuldenkrise hat die M\u00e4rkte gepackt, ausgel\u00f6st vielleicht durch eine Zahl: eine Billion US-Dollar, 1000 Milliarden, so viel Geld werden die USA in diesem Jahr erstmals f\u00fcr Zinszahlungen auf ihre Staatsschulden ausgeben. 1000 Milliarden, das ist etwa das Doppelte des deutschen Bundeshaushalts jedes Jahr, und das nur f\u00fcr Zinsen \u2013 auf nunmehr 40 Billionen Dollar Schulden allein der US-Bundesregierung.\u00a0<\/p>\n<p>Was auf hiesige Freunde der soliden Haushaltsf\u00fchrung schon furchteinfl\u00f6\u00dfend genug wirken d\u00fcrfte, wurde jedoch noch verst\u00e4rkt durch eine weitere Nachricht: Das US-Finanzministerium k\u00fcndigte an, bereits ausgegebene langlaufende Staatsanleihen mit einer Frist von 10 bis 30 Jahren zur\u00fcckzukaufen \u2013 Achtung: finanziert durch neue kurzlaufende Staatsanleihen. Also neue Schulden, nur ein bisschen niedriger verzinst.\u00a0<\/p>\n<p>Hinter der Operation steckt ein simples Kalk\u00fcl: Die 30-j\u00e4hrigen US-Staatsanleihen versprechen inzwischen eine Rendite von etwa 5,25 Prozent \u2013 das klingt f\u00fcr Anleger verlockend, ist aber ein klares Krisensignal. Es ist der h\u00f6chste Wert seit mehr als 20 Jahren, und damals lag die Gesamtverschuldung der USA bei 7,4 Billionen Dollar. Also schichtet US-Finanzminister Scott Bessent lieber um in kurzfristige Schulden, die ihn nun knapp 4 Prozent kosten.<\/p>\n<p>Gewisserma\u00dfen eine Form des Eigenblutdopings, nur eben mit den Staatsfinanzen.\u00a0<\/p>\n<p>Es war diese Kombination \u2013 eine gewaltige Zahl und eine obskure Aktion \u2013 die in dieser Woche f\u00fcr ein massives und tiefes Unbehagen sorgte. <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/anleihen---das-eine-billion-dollar-problem-des-anleihemarktes-38131580.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Renditeanstieg: Das Eine-Billion-Dollar-Problem des Anleihemarktes\">Die Reaktionen der M\u00e4rkte<\/a> weltweit auf diese beiden Nachrichten hat mein Kollege Stefan Schaaf kenntnisreich wie immer analysiert. Die Investorenlegende Mohammed El Erian, sonst der oberste Diplomat der B\u00f6rsen, kommentierte die Entwicklung ungewohnt drastisch: Bessents Vorgehen \u201ek\u00f6nnte den Anfang einer grundlegenden \u00f6konomischen Verschiebung markieren\u201c. Politisch und milit\u00e4risch haben die USA unter Trump ihren Status als Stabilit\u00e4tsanker der Welt schon verloren, nun steht er auch wirtschaftlich auf der Kippe.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die spannende Frage lautet jetzt: Warum \u00fcberhaupt diese scharfe Reaktion? Immerhin ist die Schuldenorgie in den USA keinesfalls neu, im Gegenteil, seit Jahren wird vor ihr gewarnt. Und ebenso regelm\u00e4\u00dfig kommen dann die Beschwichtiger und versichern: Was soll denn schon passieren? Notfalls drucken die USA einfach noch mehr Geld, sie k\u00f6nnen es ja. Sind die US-Schulden also, um in der Welt der Risikomanager zu bleiben, eine bekannte Unbekannte? Also ein Risiko, von dessen Existenz man immer wei\u00df, und das man deshalb immer irgendwie auch ein bisschen einpreist?\u00a0<\/p>\n<h2>Die US-Schulden sind gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig<\/h2>\n<p>Oder sind die Schulden eher eine unbekannte Unbekannte, also ein Risiko, das man bisher gar nicht richtig auf dem Schirm und nicht richtig verstanden hatte? An der Antwort auf diese beiden Fragen entscheidet sich, ob den M\u00e4rkten ein veritabler Crash bevorsteht oder vielleicht nur ein bisschen nerv\u00f6ses Hin und Her \u2013 wie so oft in den vergangenen Jahren.\u00a0<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick gilt sicher ersteres: Die Schulden sind bekannt, sie sind gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig wie so vieles in dem Land \u2013 aber die USA besitzen auch die Hoheit \u00fcber ihre W\u00e4hrung, immer noch die wichtigste der Welt. Was daf\u00fcr sprechen w\u00fcrde, dass diese Woche noch keinen wirklichen Crash und keine Finanzkrise ausl\u00f6st. Sondern, wie El Erian sagt, eher eine langsame tektonische Verschiebung, deren Ausma\u00df und Folgen man erst in einigen Jahren so richtig erkennen wird.\u00a0<\/p>\n<p>Das ist die konstruktive Interpretation. W\u00e4re da nicht noch die zweite Dimension der amerikanischen Schuldenorgie: Der gigantische Anstieg der US-Unternehmensschulden, die zudem unmittelbar mit den hohen B\u00f6rsenbewertungen verkn\u00fcpft sind. Allein die drei Tech-Konzerne Meta, Alphabet und Amazon haben in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten 150 bis 200 Mrd. Dollar an Krediten aufgenommen, um den Bau weiterer KI-Rechenzentren zu finanzieren. Zusammen kommen die sieben gro\u00dfen Tech-Konzerne \u2013 neben den dreien oben noch Apple, Microsoft, Nvidia und Tesla \u2013 auf eine offene Verschuldung von 500 bis 600 Mrd. Dollar. Dazu passend verk\u00fcndete Nvidia erst in der vergangenen Woche, sich und seinen Kunden <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/nvidia-und-wall-street-sammeln-halbe-billion-dollar-fuer-ki-38089824.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"KI-Infrastruktur: 500 Mrd. Dollar f\u00fcr KI: Nvidia startet Mega-Finanzierung\">weitere 500 Mrd. Dollar<\/a> an Finanzierungslinien f\u00fcr neue KI-Chips und Rechenzentren gesichert zu haben. Und <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.wsj.com\/tech\/ai\/why-big-techs-ai-spending-is-3-trillion-higher-than-it-seems-e1067bb2?mod=hp_lead_pos7\" class=\"external-link\">das Wall Street Journal<\/a> rechnete dieser Tage vor, die Verbindlichkeiten und Finanzierungszusagen allein dieser sieben Konzerne summierten sich inzwischen auf 3 Billionen US-Dollar, der Gro\u00dfteil davon nicht offen in der Bilanz ausgewiesen.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Ob sich diese gigantischen Investitionen in KI-Chips und -Rechenzentren jemals auszahlen werden, ist eine hei\u00dfe Wette \u2013 und f\u00fcr die Risikomanager ein bekanntes Risiko, das sie ebenfalls in ihre Kalk\u00fcle einberechnet haben. Dazu empfehle ich Ihnen auch <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/500-milliarden-finanzierung----nvidia-geht-ein-hohes-risiko-ein--38099266.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"500-Milliarden-Finanzierung: Riskante Wette auf KI: \u201eDie ganze Finanzierung ist ein Blasenzeichen\u201c\">unser Interview mit dem Fondsmanager Johannes Hesche<\/a> vom Verm\u00f6gensverwalter Acatis.\u00a0<\/p>\n<h2>Ungesunde Mixtur<\/h2>\n<p>Die unbekannte Gr\u00f6\u00dfe in diesem Billionen-Spiel aber k\u00f6nnte sein, wie sich Staats- und Unternehmensschulden zusammen verhalten, wenn Investoren langsam nerv\u00f6s werden und sich bei neuen Anleihen zunehmend zur\u00fcckhalten. Was, wenn sich nur ein Unternehmen in dieser gigantischen KI-Maschine verhakt und mit schlechten Zahlen Zweifel weckt, ob die Investitionen wirklich aufgehen werden?\u00a0<\/p>\n<p>Die hohen Schulden und die aufgebl\u00e4hten Aktienbewertungen, die Bankbilanzen und der immer gr\u00f6\u00dfere Kreditmarkt au\u00dferhalb der Bankbilanzen in den USA sind inzwischen eine undurchsichtige, aber intuitiv toxische Kombination. Das ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte unbekannte Unbekannte in diesem Schuldenr\u00e4derwerk, das die US-Wirtschaft noch antreibt \u2013 und die B\u00f6rsen und die M\u00e4rkte auch hierzulande bewegt.\u00a0<\/p>\n<p>Denn wir k\u00f6nnen leicht behaupten, mit diesem verr\u00fcckten Spiel h\u00e4tten wir wenig bis nichts zu tun. Aber das stimmt leider nicht: Die Weltwirtschaft ist heute noch enger verflochten als bei der letzten gro\u00dfen Finanzkrise 2008\/2009. Eine echte Vertrauenskrise in die Solidit\u00e4t der US-Wirtschaft w\u00fcrde die ganze Welt heftig zu sp\u00fcren bekommen, nicht nur in den Depots, sondern auch in vielen Unternehmen und Werkshallen. Dazu empfehle ich Ihnen zum Abschluss unsere Titelgeschichte aus der neuen Ausgabe von Capital: Wir haben \u00fcberpr\u00fcft, was dran ist an der Hoffnung auf einen Aufschwung in Deutschland \u2013 ab morgen am Kiosk, <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/aufschwung---wird-jetzt-aus-den-vollen-auftragsbuechern-ein-boom--38131456.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Ende der Durststrecke: Auftragsboom \u2013 Wird das jetzt der lang ersehnte Aufschwung?\">jetzt schon online<\/a>. Kleiner Spoiler: Auch hier spielen die USA eine wichtige Rolle.<\/p>\n<\/p>\n<p>\u201eOur dollar, but your problem\u201c, hatte US-Finanzminister John Connally seinen Amtskollegen aus Europa und Japan beschieden, nachdem sein Pr\u00e4sident Richard Nixon 1971 das Bretton-Woods-System beendet hatte. Dieser Satz gilt heute mehr denn je.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Wenn der Dollar das Blut der Weltwirtschaft ist, dann betreiben die USA extremes Eigenblutdoping. Das gef\u00e4hrdet das Finanzsystem und ist verkn\u00fcpft mit den hohen Bewertungen der Techaktien. 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