{"id":19218,"date":"2026-08-24T12:02:07","date_gmt":"2026-08-24T10:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/klaus-michael-kuehne-zum-tod-des-logistik-unternehmer-nachruf-35629784-html\/"},"modified":"2026-08-24T12:02:07","modified_gmt":"2026-08-24T10:02:07","slug":"klaus-michael-kuehne-zum-tod-des-logistik-unternehmer-nachruf-35629784-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/klaus-michael-kuehne-zum-tod-des-logistik-unternehmer-nachruf-35629784-html\/","title":{"rendered":"Nachruf : Klaus-Michael K\u00fchne \u2013 Der Chef-Logistiker"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Aus der Spedition seines Vaters formte Klaus-Michael K\u00fchne einen Weltkonzern. Damit wurde er zu einem der reichsten Deutschen \u2013 in der Schweiz. Um Anerkennung in seiner Heimat musste er bis zuletzt k\u00e4mpfen\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Wenn Klaus-Michael K\u00fchne in seiner Heimatstadt Hamburg Besucher empfing, Gesch\u00e4ftspartner oder ab und an auch Journalisten, lud er gerne ins \u201eThe Fontenay\u201c. In dem erst vor einigen Jahren eingeweihten Luxushotel am Ufer der Alster war K\u00fchne der Hausherr, hatte dort ganz oben seine eigene Suite. Auch seinen 80. Geburtstag im Jahr 2017 feierte er hier.<\/p>\n<p>Dabei lebte der Unternehmer, der mit Beteiligungen am Logistikkonzern K\u00fchne+Nagel, der Gro\u00dfreederei Hapag-Lloyd, dem Chemikalienh\u00e4ndler Brenntag und der Lufthansa als zweitreichster Deutsche galt, schon seit Jahrzehnten nicht mehr in der Stadt, in der er am 2. Juni 1937 geboren wurde. Ende der 60er-Jahren hatte die K\u00fchne Holding ihren Sitz in die Schweiz verlegt, nach Schindellegi in der N\u00e4he des Z\u00fcrichsees. Dass daf\u00fcr ma\u00dfgeblich steuerliche Gr\u00fcnde verantwortlich waren, daraus machte K\u00fchne nie ein Geheimnis.<\/p>\n<p>Doch seiner Heimatstadt blieb der Milliard\u00e4r bis zuletzt eng verbunden. Ab 2010 st\u00fctzte K\u00fchne den strauchelnden Hamburger SV, erst mit Darlehen, dann mit einem Einstieg als Gesellschafter. Er engagierte sich f\u00fcr den Bau der Elbphilharmonie und finanzierte \u00fcber seine Stiftung eine private Hochschule f\u00fcr Logistik.<\/p>\n<p>Seit L\u00e4ngerem verfolgte der Liebhaber klassischer Opern auch ein anderes Projekt: eine neue Oper f\u00fcr die Stadt, die nach K\u00fchnes Ansicht unter ihren M\u00f6glichkeiten bleibt, obwohl sie eine \u201egl\u00e4nzende Metropole\u201c sein k\u00f6nnte. Mehr als 300 Mio. Euro stellte K\u00fchne f\u00fcr das Projekt in Aussicht \u2013 allerdings unter Bedingungen, die er definierte, so wie er es bei seinen Engagements stets machte. Manch einer vermutete, dass es dem reichen G\u00f6nner nicht zuletzt darum ging, sich die Anerkennung der Hamburger zu erkaufen. \u00d6ffentlich geliebt zu werden, sei \u201enicht meine Ambition\u201c, sagte er dazu dem \u201eSpiegel\u201c im M\u00e4rz 2025 in einem seiner letzten Interviews.<\/p>\n<h2>Mit 29 an die Firmenspitze<\/h2>\n<p>Schon mit 29 Jahren \u00fcbernahm Klaus-Michael K\u00fchne nach seiner Schulzeit in Winterhude \u2013 einer seiner Klassenkameraden war Wolf Biermann \u2013 und einer Ausbildung zum Bank- und Au\u00dfenhandelskaufmann in dem von seinem Gro\u00dfvater August 1890 mitgegr\u00fcndeten Logistikunternehmen notgedrungen die Verantwortung. Damals, im Jahr 1966, musste sein in die Schweiz \u00fcbergesiedelter Vater Alfred aufgrund einer Krankheit die Gesch\u00e4ftsleitung an seinen einzigen Sohn abgeben. Allerdings mischte er im Hintergrund weiter kr\u00e4ftig mit \u2013 was mitunter zu Spannungen f\u00fchrte, wie es bei Nachfolgen in Familienunternehmen nicht selten der Fall ist. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/karriere\/klaus-michael-kuehne-schuster-bleib-bei-deinen-leisten\" class=\"external-link\">Im Nachhinein, sagte K\u00fchne einmal, sei sein Vater sein bester Ratgeber gewesen \u2013 auch wenn dies f\u00fcr ihn nicht immer einfach gewesen sei.<\/a><\/p>\n<\/p>\n<p>In der Folge baute der Junior K\u00fchne+Nagel rasant aus. Er er\u00f6ffnete Dependancen weltweit und formte aus dem klassischen Spediteur einen international f\u00fchrenden Logistikdienstleister. Durch die Globalisierung schwollen die Warenstr\u00f6me weltweit an, und so taten es auch die Bilanzen von K\u00fchne+Nagel. 2024 machte das an der B\u00f6rse in Z\u00fcrich notierte Unternehmen, an dem K\u00fchnes Holding noch etwas mehr als die H\u00e4lfte der Anteile h\u00e4lt, einen Nettoumsatz von 24,8 Mrd. Franken und einen Reingewinn von 1,2 Mrd. Franken.<\/p>\n<p>Stark gepr\u00e4gt hat K\u00fchne nach eigener Darstellung eine Krise, in der er fast alles verspielte. In den 70er-Jahren wollte er eine eigene Reederei aufbauen, obwohl er von dem Gesch\u00e4ft wenig verstand. K\u00fchne kaufte f\u00fcnf gro\u00dfe Schiffe, dann kam die \u00d6lkrise, die Weltkonjunktur brach ein, und die weitgehend auf Pump finanzierten Schiffe wurden zur Belastung. Als die Banken ihr Geld zur\u00fcckwollten, konnte er das Unternehmen nur \u00fcber Wasser halten, weil ihm ein britischer Bekannter aus der Patsche half, \u00a0f\u00fcr 90 Mio. D-Mark kaufte er die H\u00e4lfte der Anteile. Erst 1992 konnte K\u00fchne die Firmenanteile zur\u00fcckkaufen \u2013 f\u00fcr 340 Mio. D-Mark. Zwei Jahre sp\u00e4ter brachte er K\u00fchne+Nagel International an die B\u00f6rse.<\/p>\n<p>Vielleicht auch wegen dieser Krisenerfahrung galt der Mann, der laut dem Magazin \u201eForbes\u201c zuletzt mit einem Verm\u00f6gen von 39,6 Mrd. Euro nach Lidl-Patriarch Dieter Schwarz auf Platz zwei der reichsten Deutschen rangierte, als sparsam. Mit dem K\u00fcchenchef des \u201eFontenay\u201c zerstritt er sich, weil der aus seiner Sicht zu teuer einkaufte. K\u00fchne selbst legte zeitlebens Wert auf die Feststellung, er pflege keinen \u201e\u00fcbertriebenen Lebensstil\u201c. Privat besa\u00df er zwei H\u00e4user in der Schweiz und auf Mallorca, zu seinem Imperium geh\u00f6rt auf der Ferieninsel auch das Hotel\u00a0Castell Son Claret, ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Die nach seiner Ehefrau Christine und Michael benannte Motorjacht \u201eChrimi III\u201c \u2013 mit 40 Metern L\u00e4nge in Milliard\u00e4rskreisen ein eher wenig protziges Gef\u00e4hrt \u2013 stellte K\u00fchne j\u00fcngst zum Verkauf, weil die Gesundheit nicht mehr so mitmachte.<\/p>\n<h2>Hapag-Lloyd, Lufthansa, Benko<\/h2>\n<p>Mit dem Geld, das er mit seinem Logistikriesen verdiente, baute sich K\u00fchne ein Imperium an Unternehmensbeteiligungen auf, aus denen der Gro\u00dfteil seines Verm\u00f6gens besteht. 2008 beteiligte er sich f\u00fchrend an einem Hamburger Konsortium, das die in der Weltfinanzkrise ins Schlingern geratene Containerreederei Hapag-Lloyd rettete. 2016 kaufte er einen Anteil am Eisenbahn-Logistikkonzern VTG, den er zwei Jahre sp\u00e4ter wieder verkaufte.\u00a0<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2022 stieg er bei der Lufthansa ein, wurde danach sogar ihr gr\u00f6\u00dfter Einzelaktion\u00e4r \u2013 und sparte nicht mit Kritik an dem Unternehmen, mitunter auch \u00f6ffentlich. Sp\u00e4ter erweiterte K\u00fchne sein Portfolio um Anteile am Chemikalienh\u00e4ndler Brenntag, Pharma-Auftragsfertiger Aenova und dem Mobilit\u00e4tskonzern Flix. Sein finanziell wenig attraktives Engagement beim darbenden Hamburger SV brachte den Mann, der die gro\u00dfe B\u00fchne und das gesellschaftliche Parkett eher mied, verl\u00e4sslich in die Schlagzeilen. \u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Zu einer noch bitteren Erfahrung wurden K\u00fchnes Deals mit einem anderen Selfmade-Milliard\u00e4r: dem \u00f6sterreichischen Immobilienjongleur Ren\u00e9 Benko. 2020 lie\u00df sich K\u00fchne von Benko zu einer Beteiligung von zehn Prozent an dessen Luxusimmobiliensparte Signa Prime k\u00f6dern. <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/karriere\/karl-gernandt-warum-disruption-ueberbewertet-wird\" class=\"external-link\">Sein Vertrauter Karl Gernandt, K\u00fchnes Statthalter bei vielen seiner Beteiligungen,<\/a> sa\u00df im Aufsichtsrat der Signa Prime \u2013 ohne den Crash verhindern zu k\u00f6nnen. Ende 2022, ein Jahr vor der Pleite, k\u00fcndigte K\u00fchne Benko bei einem Treffen im \u201eFontenay\u201c sein Vertrauen \u2013\u00a0der Anfang vom Ende von Benkos Erfolgsm\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Mit dem Kollaps des Signa-Konzerns verlor der Logistikunternehmer, der sich gerne pers\u00f6nlich um alle m\u00f6glichen Kleinigkeiten in seinem Reich k\u00fcmmerte und Mitarbeiter mit seiner Pedanterie triezen konnte, rund eine halbe Milliarde Euro. Er habe sich von Benko \u201everf\u00fchren\u201c und \u201ereinlegen\u201c lassen, \u00e4rgerte sich K\u00fchne sp\u00e4ter. Zuletzt hofften viele in Hamburg auf K\u00fchne, <a rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/signa-pleite--das-elbtower-problem-des-hamburger-senats-34389042.html\" class=\"external-link\">damit der Elbtower, mit dem sich Benko und Ex-B\u00fcrgermeister Olaf Scholz ein Denkmal in der Hafencity setzen wollten, nicht zur Ruine verkommt.<\/a><\/p>\n<h2>\u201eMich kann man nicht klonen\u201c<\/h2>\n<p>Schon in den 70er-Jahren, noch zu Lebzeiten seines Vaters, gr\u00fcndete die Familie in der Schweiz eine gemeinn\u00fctzige Stiftung. Sie widmet sich heute Projekten aus Bereichen, die K\u00fchne am Herzen lagen: Logistik, Medizin, Klima und Kultur. Allein im Jahr 2024 steckte die Stiftung, die aus Ertr\u00e4gen der Schweizer K\u00fchne Holding mit ihren Firmenbeteiligungen und anderen Verm\u00f6genswerten in H\u00f6he von mehr als 30 Mrd. Euro gespeist wird, mehr als 40 Mio. Franken in die F\u00f6rderung von Projekten.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Auf die Stiftung, in deren Stiftungsrat etwa auch seine Frau Christine, Gernandt und Ex-Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt sitzen und den Klaus-Michael K\u00fchne bis zuletzt selbst leitete, wird nun das Verm\u00f6gen seiner Holding \u00fcbergehen. K\u00fchne und seine Frau lernten sich erst in ihren 50ern kennen. Die Ehe blieb kinderlos.\u00a0<\/p>\n<p>Sein Verm\u00e4chtnis f\u00fcr sein Erbe hatte der Stifter deshalb schon vor einiger Zeit formuliert: Das\u00a0Portfolio mit K\u00fchne+Nagel an der Spitze solle \u201ezusammengehalten und weiterentwickelt werden\u201c. Eine Stiftung sei zwar nicht der ideale Gesellschafter, eine starke Unternehmerpers\u00f6nlichkeit nicht zu ersetzen, r\u00e4umte K\u00fchne einmal ein. \u201eAber mich kann man nicht klonen.\u201c Immerhin garantiere die Stiftungsl\u00f6sung Kontinuit\u00e4t und verhindere \u00dcberraschungen.<\/p>\n<p>K\u00fchne selbst ging bis zuletzt noch seinen Gesch\u00e4ften nach, stand jeden Morgen um 6 Uhr auf, trieb Sport auf seinem Heimtrainer und sa\u00df um kurz nach 8 Uhr in seinem B\u00fcro \u2013 auch wenn er am Ende unter anderem unter Polyneuropathie litt, einer Erkrankung der Nerven an den F\u00fc\u00dfen.\u00a0Er k\u00f6nne nicht mehr lange stehen und gehen, berichtete er. Dass sein gro\u00dfer Wunsch nicht mehr in Erf\u00fcllung gehen w\u00fcrde, sah er nach eigenen Angaben n\u00fcchtern: die Er\u00f6ffnung der neuen Oper in seiner Heimatstadt Hamburg. In der Nacht auf Montag ist Klaus-Michael K\u00fchne in der Schweiz verstorben.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Aus der Spedition seines Vaters formte Klaus-Michael K\u00fchne einen Weltkonzern. Damit wurde er zu einem der reichsten Deutschen \u2013 in der Schweiz. 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