{"id":19368,"date":"2026-08-25T09:07:33","date_gmt":"2026-08-25T07:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/nach-hormus-droht-europas-naechste-preiskrise-der-rhein-wird-zum-gefaehrlichen-nadeloehr\/"},"modified":"2026-08-25T09:07:33","modified_gmt":"2026-08-25T07:07:33","slug":"nach-hormus-droht-europas-naechste-preiskrise-der-rhein-wird-zum-gefaehrlichen-nadeloehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/nach-hormus-droht-europas-naechste-preiskrise-der-rhein-wird-zum-gefaehrlichen-nadeloehr\/","title":{"rendered":"Nach Hormus droht Europas n\u00e4chste Preiskrise: Der Rhein wird zum gef\u00e4hrlichen Nadel\u00f6hr"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Europas Aufmerksamkeit auf die Stra\u00dfe von Hormus und die Folgen des Iran-Krieges f\u00fcr \u00d6l- und Energiepreise gerichtet ist, entwickelt sich mitten in Europa eine zweite Krise, \u00fcber die bislang deutlich weniger gesprochen wird: <strong>Der Rhein, eine der wichtigsten Wirtschafts- und Energieadern des Kontinents, ist durch extremes Niedrigwasser zeitweise an die Grenze seiner Transportf\u00e4higkeit geraten.<\/strong> Am Engpass bei Kaub sank der Pegel Mitte August auf nur sechs Zentimeter \u2013 ein neuer Rekord. Gro\u00dfe Teile des G\u00fcterverkehrs mussten auf Stra\u00dfe und Schiene ausweichen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension wird <a href=\"https:\/\/www.spglobal.com\/energy\/en\/news-research\/podcasts\/oil-markets\/080626-when-the-river-runs-dry-how-low-rhine-water-levels-are-reshaping-europes-oil-market\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.spglobal.com\/energy\/en\/news-research\/podcasts\/oil-markets\/080626-when-the-river-runs-dry-how-low-rhine-water-levels-are-reshaping-europes-oil-market\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">deutlich<\/a>, wenn man betrachtet, was \u00fcber diesen Fluss transportiert wird: Diesel, Heiz\u00f6l, Chemikalien, Kohle, Erze, Getreide und industrielle Rohstoffe. Der Rhein verbindet die gro\u00dfen H\u00e4fen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen mit dem industriellen Herzen Deutschlands und reicht als Versorgungsader bis in die Schweiz. Fallen die Wasserst\u00e4nde, k\u00f6nnen Frachtschiffe nur noch einen Bruchteil ihrer normalen Ladung aufnehmen. Mehr Schiffe werden f\u00fcr dieselbe Menge ben\u00f6tigt \u2013 sofern \u00fcberhaupt gen\u00fcgend verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau hier beginnt die n\u00e4chste <a href=\"https:\/\/oilprice.com\/Energy\/Energy-General\/Europe-Dodges-a-Rhine-Crisis-for-the-Worst-Possible-Reason.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/oilprice.com\/Energy\/Energy-General\/Europe-Dodges-a-Rhine-Crisis-for-the-Worst-Possible-Reason.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Preiswelle<\/a>. Laut OilPrice explodierten die Frachtraten auf der Route Amsterdam\u2013Rotterdam\u2013Antwerpen nach Karlsruhe zeitweise von rund <strong>45 auf 215 Euro je Tonne<\/strong>. Transporte Richtung Basel erreichten sogar etwa <strong>275 Euro je Tonne<\/strong>. Solche Kosten verschwinden nicht in den Bilanzen der Logistiker. Sie wandern durch die Lieferketten \u2013 vom Treibstoff \u00fcber Chemikalien und Kunststoffe bis zu zahlreichen Industrie- und Konsumg\u00fctern. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auswirkungen sind bereits in der Industrie angekommen. Chemieunternehmen meldeten Probleme bei der Versorgung mit Rohstoffen, Stahlproduzenten mussten reagieren, und die Bundesbank warnt inzwischen, dass die niedrigen Flusspegel die ohnehin schwache deutsche Konjunktur zus\u00e4tzlich belasten. Reuters berichtete au\u00dferdem von h\u00f6heren Kosten, Transportengp\u00e4ssen und Produktionsproblemen bei Chemie, Stahl, Energie und Agrarhandel.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders kritisch ist die Lage bei Treibstoffen. S&amp;P Global warnt ausdr\u00fccklich vor zunehmendem Druck auf die europ\u00e4ischen Diesel-Lieferketten. Wenn Binnenschiffe weniger Diesel und andere \u00d6lprodukte transportieren k\u00f6nnen, steigen die Logistikkosten genau in einer Phase, in der Europas Energiem\u00e4rkte bereits durch die Krise im Nahen Osten belastet werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit treffen Europa zwei unterschiedliche Risiken gleichzeitig: <strong>Hormus verteuert und gef\u00e4hrdet die Zuf\u00fchrung von Energie nach Europa \u2013 der Rhein erschwert deren Weitertransport im europ\u00e4ischen Binnenland.<\/strong> Das eine ist ein geopolitischer Engpass am Persischen Golf, das andere ein logistischer Engpass mitten im Zentrum Europas. Reuters beschreibt die diesj\u00e4hrige Hitze bereits als zus\u00e4tzlichen Druck auf Lebensmittelpreise und Lieferketten in einem Marktumfeld, das vom Energiepreisschock des Iran-Krieges belastet ist.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie schnell daraus Inflation werden kann, zeigt sich inzwischen auf vorgelagerter Ebene. Die deutschen Erzeugerpreise stiegen im Juli um <strong>3,0 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr<\/strong>, der st\u00e4rkste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Energie verteuerte sich dabei um 3,8 Prozent, Vorleistungsg\u00fcter um 5,4 Prozent. Niedrigwasser und geopolitische Energieprobleme geh\u00f6ren zu den Belastungsfaktoren. Erzeugerpreise sind keine Garantie f\u00fcr sp\u00e4tere Verbraucherpreiserh\u00f6hungen, aber sie zeigen, welcher Kostendruck sich bereits in der Wirtschaft aufbaut.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentlich Beunruhigende an der Rheinkrise ist jedoch ein Paradox: <strong>Europa kommt bislang nicht deshalb relativ glimpflich davon, weil seine Versorgung besonders robust w\u00e4re \u2013 sondern weil seine Industrie bereits schwach ist.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/oilprice.com\/Energy\/Energy-General\/Europe-Dodges-a-Rhine-Crisis-for-the-Worst-Possible-Reason.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/oilprice.com\/Energy\/Energy-General\/Europe-Dodges-a-Rhine-Crisis-for-the-Worst-Possible-Reason.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OilPrice weist darauf hin<\/a>, dass europ\u00e4ische Steamcracker nur mit rund 70 Prozent ihrer Kapazit\u00e4t laufen. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage aus Bau und Automobilindustrie sowie internationale Konkurrenz haben die Produktion gedr\u00fcckt. Dadurch m\u00fcssen momentan weniger Rohstoffe, Chemikalien und Energietr\u00e4ger transportiert werden. Die wirtschaftliche Schw\u00e4che Europas wirkt ausgerechnet als Puffer gegen den Zusammenbruch einer \u00fcberlasteten Transportader. (<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/oilprice.com\/Energy\/Energy-General\/Europe-Dodges-a-Rhine-Crisis-for-the-Worst-Possible-Reason.html\">OilPrice.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein bemerkenswerter Zustand: <strong>Eine Industriekrise verhindert, dass eine Logistikkrise noch schlimmer wird.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit einigen Tagen bringt steigendes Rheinwasser zwar Entlastung. Am 21. August lag <a href=\"https:\/\/www.spglobal.com\/energy\/en\/news-research\/latest-news\/crude-oil\/082126-rhine-water-levels-rebound-easing-barge-shipping-strain\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.spglobal.com\/energy\/en\/news-research\/latest-news\/crude-oil\/082126-rhine-water-levels-rebound-easing-barge-shipping-strain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kaub wieder bei 45 Zentimetern, und S&amp;P Global erwartete<\/a> f\u00fcr den 24. August mehr als 70 Zentimeter. Die akute Situation hat sich damit gegen\u00fcber dem Rekordtief verbessert. Das strukturelle Problem ist jedoch nicht verschwunden: Die Episode hat gezeigt, wie schnell eine zentrale europ\u00e4ische Versorgungsroute zum Flaschenhals werden kann.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die zus\u00e4tzlichen Kosten verschwinden nicht automatisch mit dem n\u00e4chsten Regen. Der franz\u00f6sische Logistikkonzern CMA CGM k\u00fcndigte erst am 21. August wegen der niedrigen Wasserst\u00e4nde einen <strong>\u201eInland Emergency Fee\u201c<\/strong> f\u00fcr betroffene Transporte an. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Europa blickt deshalb zu Recht nach Hormus. <strong>Es sollte dabei aber nicht \u00fcbersehen, was vor der eigenen Haust\u00fcr geschieht.<\/strong> Wenn ein Energiepreisschock aus dem Nahen Osten auf steigende Transportkosten, angeschlagene Industrie und fragile Lieferketten innerhalb Europas trifft, k\u00f6nnen sich diese Belastungen gegenseitig verst\u00e4rken.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste europ\u00e4ische Preiskrise muss deshalb nicht allein aus Hormus kommen. <strong>Ein Teil davon k\u00f6nnte den Rhein hinauffahren \u2013 sofern die Schiffe \u00fcberhaupt noch genug Wasser unter dem Kiel haben.<\/strong><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Europas Aufmerksamkeit auf die Stra\u00dfe von Hormus und die Folgen des Iran-Krieges f\u00fcr \u00d6l- und Energiepreise gerichtet ist, entwickelt sich mitten in Europa eine zweite Krise, \u00fcber die bislang deutlich weniger gesprochen wird: Der Rhein, eine der wichtigsten Wirtschafts- und Energieadern des Kontinents, ist durch extremes Niedrigwasser zeitweise an die Grenze seiner Transportf\u00e4higkeit geraten. 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