{"id":19469,"date":"2026-08-25T21:03:22","date_gmt":"2026-08-25T19:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/von-vertrauen-kann-keine-rede-sein-botschafter-netschajew-im-interview\/"},"modified":"2026-08-25T21:03:22","modified_gmt":"2026-08-25T19:03:22","slug":"von-vertrauen-kann-keine-rede-sein-botschafter-netschajew-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/von-vertrauen-kann-keine-rede-sein-botschafter-netschajew-im-interview\/","title":{"rendered":"&#8222;Von Vertrauen kann keine Rede sein&#8220; \u2013 Botschafter Netschajew im Interview"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Flo Osrainik: Herr Botschafter, Russland hat weder den Westen noch Deutschland jemals angegriffen. Die Sowjetunion brachte im Zweiten Weltkrieg die gr\u00f6\u00dften Opfer. Der Westen bricht immer wieder Vereinbarungen mit Russland. Zugleich wird hier zunehmend eine aggressive Stimmung gegen\u00fcber Russland gesch\u00fcrt. Warum?<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p>Sergei Netschajew:<strong> <\/strong>Das ist eine berechtigte Frage, sie sollte aber nicht an uns gerichtet werden. Russland hat Deutschland und den anderen Staaten des sogenannten kollektiven Westens tats\u00e4chlich niemals Schaden zugef\u00fcgt, keine aggressiven Handlungen gegen sie unternommen und auch keine kriegerischen Pl\u00e4ne ihnen gegen\u00fcber gehegt. Im Gegenzug begegnete uns der Westen immer wieder mit T\u00e4uschung und Heuchelei. Dies betrifft die Versprechen, die NATO nicht nach Osten zu erweitern, die mangelnde Bereitschaft, Russlands grundlegende Sicherheitsinteressen zu ber\u00fccksichtigen, sowie die unr\u00fchmliche Rolle europ\u00e4ischer Staaten bei den Verhandlungen \u00fcber eine Beilegung des Ukraine-Konflikts.<\/p>\n<p>Der beklagenswerte Zustand der deutsch-russischen Beziehungen ist ausschlie\u00dflich das Ergebnis einer bewussten Entscheidung Berlins, das den Kurs darauf ausgerufen hat, Russland eine &#8222;strategische Niederlage&#8220; zuzuf\u00fcgen. Die bestehenden Dialogformate wurden zerst\u00f6rt. Die breit angelegte Zusammenarbeit, die lange Zeit zum Wohlstand und zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit Deutschlands beitrug und in gewissem Ma\u00dfe auch dessen f\u00fchrende Stellung innerhalb der Europ\u00e4ischen Union beg\u00fcnstigte, ist praktisch auf Eis gelegt.<\/p>\n<p>Mit Unterst\u00fctzung Berlins wurden Zehntausende illegitime Sanktionen gegen Russland verh\u00e4ngt. Enorme finanzielle Mittel werden f\u00fcr die Militarisierung und f\u00fcr Waffenlieferungen an Kiew aufgewendet und tragen damit de facto zu einer weiteren Versch\u00e4rfung des Konflikts in der Ukraine bei. Die deutsche \u00d6ffentlichkeit wird auf einen Krieg mit unserem Land vorbereitet, als w\u00e4re dieser unausweichlich, obwohl der russische Pr\u00e4sident entsprechende Behauptungen wiederholt als v\u00f6lligen Unsinn bezeichnet hat.<\/p>\n<p>\u00dcber die Ursachen dieses antirussischen Wahns l\u00e4sst sich nur schwer urteilen. Dabei k\u00f6nnen zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen: der Revanchismus eines Teils der westlichen Eliten, der Wunsch der Regierenden, die Bev\u00f6lkerung von den tats\u00e4chlichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen abzulenken, sowie nicht zuletzt das Bestreben, R\u00fcstungskonzernen und den zahlreichen Vertretern der R\u00fcstungslobby den Zugriff auf staatliche Mittel und Kredite in Milliardenh\u00f6he durch R\u00fcstungsauftr\u00e4ge zu erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr muss man kontinuierlich die Hysterie um eine angeblich wachsende \u00e4u\u00dfere Bedrohung sch\u00fcren, was wir gerade erleben. Diese Entwicklung ist bedauerlich.<\/p>\n<p>Ein deutscher Politiker erkl\u00e4rte k\u00fcrzlich, er blicke pessimistisch auf Russland und dessen Zukunft. In Anlehnung an den gro\u00dfen russischen Dichter Michail Lermontow bleibt uns dazu nur, die Generation der europ\u00e4ischen Politiker von heute traurig zu sehen: &#8222;Denn ihre Zukunft ist so dunkel und so leer.&#8220;<\/p>\n<p><em>Russland sieht sich mit Geschichtsrevisionismus konfrontiert, auch im Zusammenhang mit Gedenkveranstaltungen. Wie geduldig ist die russische Diplomatie in dieser Frage, und wie begr\u00fcnden die deutschen Beh\u00f6rden ihre Politik?<\/em><\/p>\n<p>Leider muss die Botschaft unter Bedingungen arbeiten, unter denen der Bereich der Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge und der historischen Erinnerung zunehmend politisiert wird. Staatliche Stellen der Bundesrepublik verweigern Kontakte und eine gemeinsame Teilnahme an Gedenkveranstaltungen. Bei den zentralen Gedenkveranstaltungen am 9. Mai kommt es zu ausdr\u00fccklichen Verboten der Symbole des Sieges an den wichtigsten Sowjetischen Ehrenmalen in Berlin. Die entscheidende Rolle des sowjetischen Volkes bei der Zerschlagung des Nazismus und der Befreiung Europas sowie die von ihm gebrachten gewaltigen Opfer werden immer h\u00e4ufiger verschwiegen. Die deutschen Beh\u00f6rden vermeiden konsequent, die Verbrechen des Dritten Reiches und seiner Helfershelfer als V\u00f6lkermord an den V\u00f6lkern der Sowjetunion anzuerkennen.<\/p>\n<p>Im Berliner Abgeordnetenhaus werden Initiativen vorangetrieben, die darauf abzielen, die Sowjetischen Ehrenmale in der deutschen Hauptstadt in einen &#8222;neuen historischen Kontext&#8220; zu stellen. Dazu geh\u00f6rt auch die Absicht, dort Informationen \u00fcber die sogenannten &#8222;Verbrechen des Stalinismus&#8220; anzubringen.<\/p>\n<p>Wir beobachten Anzeichen eines antirussischen Wandels im Umgang mit dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst, dessen Herzst\u00fcck der Saal ist, in dem am 9. Mai 1945 die Kapitulation Nazideutschlands besiegelt wurde.<\/p>\n<p>Wir treten allen Erscheinungsformen des Geschichtsrevisionismus entschieden entgegen, die auf Russophobie beruhen und der kurzfristigen politischen Erw\u00e4gungen dienen. Wir organisieren eigene Gedenkveranstaltungen und behandeln dieses Thema aktiv in den Medien sowie im Rahmen von Gespr\u00e4chsrunden, Diskussionen und Begegnungen mit der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Zudem bem\u00fchen wir uns, an s\u00e4mtlichen Gedenkveranstaltungen teilzunehmen, zu denen wir von Landsleuten, deutschen gesellschaftlichen Organisationen, dem Volksbund Deutsche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge, lokalen Beh\u00f6rden und konstruktiv eingestellten politischen Kr\u00e4ften eingeladen werden. Gl\u00fccklicherweise gibt es ausreichend solcher Partner. Ihnen sind wir f\u00fcr ihren objektiven Umgang mit der Geschichte und f\u00fcr ihre Aufmerksamkeit gegen\u00fcber den sowjetischen Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tten dankbar.<\/p>\n<p><em>Deutsche Politiker und Offiziere unterstellen Russland Absichten, die vielmehr auf die westliche Politik v\u00f6lkerrechtswidriger Angriffskriege und der NATO-Expansion zutreffen. Russland hat diese Verdrehungen wiederholt zur\u00fcckgewiesen. Dennoch r\u00fcstet der Westen auf und droht Russland mit verheerenden Schl\u00e4gen. Besonders deutlich treten westliche Willk\u00fcr und Doppelmoral am Beispiel Israels zutage. Welche Fehler wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion in den Beziehungen zum politischen Westen, zu Deutschland und zur NATO begangen?<\/em><\/p>\n<p>Dieses Thema ist zu umfassend, um die Frage kurz zu beantworten. Wie der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin wiederholt festgestellt hat, waren wir in der Zeit unmittelbar vor und nach dem Zerfall der Sowjetunion gegen\u00fcber unseren sogenannten Partnern wohl \u00fcberm\u00e4\u00dfig naiv und gutgl\u00e4ubig. Sie f\u00f6rderten diese Haltung, handelten dabei jedoch ausschlie\u00dflich im eigenen Interesse. Wir hingegen bem\u00fchten uns stets, fair zu handeln und unsere Versprechen einzuhalten, selbst wenn dies schwierig und schmerzhaft war. Gerade die Position unseres Landes war ein entscheidender Faktor bei der Wiedervereinigung Deutschlands, woran man sich hier heute nur ungern erinnert. Ebenso wenig wird an den z\u00fcgigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland und anderen Staaten Mittel- und Osteuropas gedacht.<\/p>\n<p>Was wir daf\u00fcr bekamen, waren mehrere Runden der NATO-Osterweiterung. Dazu geh\u00f6rten auch die Versuche, die Ukraine und Georgien unter vollst\u00e4ndiger Missachtung unserer Sicherheitsinteressen und unserer Vorschl\u00e4ge zur Schaffung eines kollektiven europ\u00e4ischen Sicherheitssystems in das B\u00fcndnis hineinzuziehen. Die russische F\u00fchrung warnte \u00fcber viele Jahre hinweg vor den negativen Folgen der konfrontativen Schritte des Westens. Doch niemand wollte uns zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><em>Warum sollte Moskau deutschen Politikern, der EU und dem Westen vor dem Hintergrund aller bisherigen Erfahrungen sowie angesichts der Invasion in Venezuela, der Unterst\u00fctzung von Islamisten in Syrien, des V\u00f6lkermords im Gazastreifen, der Aggression gegen Iran und den Libanon sowie der Drohungen gegen Kuba \u00fcberhaupt noch vertrauen? Warum spricht Russland weiterhin von &#8222;westlichen Partnern&#8220;? Ist der Einfluss der USA tats\u00e4chlich so gro\u00df?<\/em><\/p>\n<p>Von Vertrauen zu den heutigen europ\u00e4ischen Eliten kann derzeit keine Rede sein. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt spielten die europ\u00e4ischen Vermittler eine \u00e4u\u00dferst unr\u00fchmliche Rolle, indem sie die Verhandlungen im Rahmen des Minsker Prozesses bewusst in die L\u00e4nge zogen, um die Ukraine mit Waffen aufzupumpen und auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten. Von Anfang an hatte au\u00dfer Russland niemand die Absicht, die getroffenen Vereinbarungen tats\u00e4chlich umzusetzen. Dies r\u00e4umten die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der fr\u00fchere franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande offen ein.<\/p>\n<p>Auch die heutigen europ\u00e4ischen Regierungen k\u00f6nnen nicht Teil einer L\u00f6sung sein, da gerade sie die Unterzeichnung der von Kiew bereits paraphierten Istanbuler Vereinbarungen vereitelten. Sie unterst\u00fctzen das Regime von Wladimir Selenskij weiterhin bei seiner Aufr\u00fcstung, bei Angriffen auf russische St\u00e4dte und bei Terroranschl\u00e4gen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Was die Vereinigten Staaten betrifft, so einigten sich die Staatschefs unserer L\u00e4nder auf dem Gipfeltreffen in Anchorage auf die von US-amerikanischer Seite vorgeschlagenen Eckpunkte f\u00fcr eine Beilegung des Ukraine-Konflikts. Anders als bei den Europ\u00e4ern war bei Donald Trump ein tats\u00e4chliches Interesse an der Suche nach einer L\u00f6sung zu erkennen.<\/p>\n<p>Heute sehen wir deutlich, dass das vorrangige Ziel der Europ\u00e4er nicht in einem dauerhaften Frieden in der Region besteht, sondern darin, Washington in das Lager der &#8222;Falken&#8220; zu ziehen und den Krieg bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen. Die Kontakte mit den Vereinigten Staaten werden jedoch weitergef\u00fchrt, wie das j\u00fcngste Treffen des russischen Au\u00dfenministers Sergei Lawrow mit US-Au\u00dfenminister Marco Rubio in Manila gezeigt hat.<\/p>\n<p><em>Russophobie und Doppelmoral beschr\u00e4nken sich nicht nur auf die Politik, sondern zeigen sich auch in Wirtschaft und Kultur. Warum sucht niemand nach Alternativen zu internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem Internationalen Olympischen Komitee oder der Weltgesundheitsorganisation, die ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verspielt und zugelassen haben, dass ihre Arbeit unter Druck gesetzt und instrumentalisiert wird?<\/em><\/p>\n<p>Russland steht weiterhin zur Erf\u00fcllung seiner v\u00f6lkerrechtlichen Verpflichtungen und arbeitet weiterhin aktiv in den f\u00fchrenden internationalen Organisationen, darunter auch im System der Vereinten Nationen. Wir betrachten diesen Ansatz als alternativlos.<\/p>\n<p>Das Problem sehen wir nicht in den internationalen Organisationen als solchen, sondern in den Versuchen westlicher Staaten, eine aggressive Vormachtstellung zu beanspruchen und sich durch die Durchsetzung eigener &#8222;Regeln&#8220; und &#8222;Werte&#8220;, die mit niemandem vereinbart wurden, eine privilegierte Sonderstellung zu verschaffen. Nach solchen Regeln werden weder wir noch andere unabh\u00e4ngige und souver\u00e4ne Mitglieder der internationalen Gemeinschaft spielen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Lager westlicher Staaten, die ihre eigenn\u00fctzigen Interessen mit Nachdruck durchzusetzen versucht, lediglich eine Minderheit darstellt. Es ist l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage, im Alleingang die globale politische, wirtschaftliche und humanit\u00e4re Agenda zu bestimmen.<\/p>\n<p><em>Die deutschen Beh\u00f6rden zeigen kein aufrichtiges Interesse an der Aufkl\u00e4rung der Anschl\u00e4ge auf die Nord-Stream-Pipelines. Wer steckt dahinter, und wie beurteilen Sie die Situation?<\/em><\/p>\n<p>Wir gehen davon aus, dass die Wahrheit \u00fcber die Terroranschl\u00e4ge auf die zentralen Objekte der kritischen Infrastruktur Europas, die enorme wirtschaftliche und \u00f6kologische Sch\u00e4den verursacht haben, nicht verheimlicht werden kann. Die anf\u00e4nglichen Versuche, den Sabotageakt als eine Tat ukrainischer Hobbytaucher darzustellen, sind gescheitert.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass staatliche Strukturen der Ukraine an den Anschl\u00e4gen beteiligt waren. Ebenso offensichtlich ist, dass das Kiewer Regime eine derartige Operation in internationalen Gew\u00e4ssern nicht allein h\u00e4tte durchf\u00fchren k\u00f6nnen, ohne dabei bemerkt zu werden.<\/p>\n<p>Die deutschen Beh\u00f6rden m\u00fcssen eine Reihe unbequemer Fragen beantworten und den Handlungen des Kiewer Regimes eine Bewertung geben. Kiew fordert einerseits von Berlin fortw\u00e4hrend weitere Milliarden Euro, andererseits aber f\u00fcgt es der deutschen Wirtschaft und Industrie bewusst enormen Schaden zu.<\/p>\n<p>Dieses Thema wird sich nicht totschweigen lassen. Wir bestehen auf einer Aufkl\u00e4rung der Frage, wer den Terroranschlag auf die internationale Energieinfrastruktur ver\u00fcbt und wer ihn in Auftrag gegeben hat.<\/p>\n<p><em>Gegen Russland wurde eine enorme Zahl von Sanktionen verh\u00e4ngt. Der kollektive Westen f\u00fchrt einen Stellvertreterkrieg, um den Druck auf Russland zu erh\u00f6hen und dem Land eine strategische Niederlage zuzuf\u00fcgen. Welche Auswirkungen hat diese russlandfeindliche Politik auf die russische Wirtschaft, und wie stehen deutsche Unternehmen dazu? Sind sie weiterhin auf dem russischen Markt vertreten?<\/em><\/p>\n<p>Gegen Russland wurden bereits mehr als 30.000 illegitime Sanktionen verh\u00e4ngt. Dennoch sind die EU-Beamten offenbar nicht in der Lage, damit aufzuh\u00f6ren, und formulieren immer neue Sanktionspakete. Wie wir sehen, f\u00e4llt es ihnen allerdings in letzter Zeit schwer, sich auf diese zu einigen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich bleiben die restriktiven Ma\u00dfnahmen nicht ohne Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Wir m\u00fcssen uns neu ausrichten, Handelsstr\u00f6me auf andere M\u00e4rkte umlenken, die heimischen Hersteller unterst\u00fctzen und die Abh\u00e4ngigkeit von Lieferungen aus unfreundlichen Staaten abzubauen, da diese jederzeit eingestellt werden k\u00f6nnen. In der heutigen Welt ist jedoch alles miteinander verflochten. Die Versuche, Russland zu schaden, treffen wie ein Bumerang die westlichen Staaten selbst, allen voran Deutschland, mit dem uns einst eine strategische Partnerschaft verband.<\/p>\n<p>Die zuverl\u00e4ssige Versorgung mit preisg\u00fcnstigen russischen Energietr\u00e4gern pr\u00e4gte jahrzehntelang den Wohlstand der Bundesrepublik und sicherte die Wettbewerbsf\u00e4higkeit deutscher Waren. Die Politik der gegenw\u00e4rtigen Bundesregierung, die beharrlich an ihrem Kurs festh\u00e4lt, das gesamte Geflecht der Wirtschafts- und Energiebeziehungen mit unserem Land abzubauen, hat das deutsche Wirtschaftsmodell in eine Sackgasse gef\u00fchrt. Die Wirtschaft schwankt zwischen Rezession und Stagnation. Zentrale Branchen der deutschen Industrie befinden sich in einer Krise. Kapital, hochentwickelte Produktionskapazit\u00e4ten, Technologien flie\u00dfen aus dem Land ab, und qualifizierte Fachkr\u00e4fte wandern aus dem Land aus. Dies ist kein Geheimnis. Dar\u00fcber wird sowohl in deutschen als auch in anderen europ\u00e4ischen Medien oft berichtet. Der einzige Wirtschaftszweig, der derzeit floriert, ist der milit\u00e4risch-industrielle Komplex. Sein Wachstum wird jedoch durch neue Schulden finanziert, die sp\u00e4ter zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen, sowie durch K\u00fcrzungen in anderen Bereichen des Staatshaushalts, vor allem bei den Sozialausgaben.<\/p>\n<p>Was die deutschen Unternehmen betrifft, so bem\u00fchen sich sehr viele von ihnen, ihre Pr\u00e4senz auf dem russischen Markt aufrechtzuerhalten. Ihnen ist bewusst, dass vielversprechende Kooperationsbereiche rasch von Konkurrenten besetzt werden und eine sp\u00e4tere R\u00fcckkehr schwierig sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><em>Russlands Stimme ist in Deutschland kaum zu h\u00f6ren. Die Position von Au\u00dfenminister Sergei Lawrow wird entweder nicht zugelassen oder zensiert. Sie werden als Botschafter nicht eingeladen und erhalten keine Gelegenheit, sich zu \u00e4u\u00dfern. Der Gesellschaft wird eine &#8222;Cancel Culture&#8220; aufgezwungen. Wie gehen Sie damit um, und welche Ihrer Aufgaben k\u00f6nnen Sie unter diesen Bedingungen noch wahrnehmen?<\/em><\/p>\n<p>Die Botschaft arbeitet unter den Bedingungen, die ihr von den Beh\u00f6rden des Gastlandes einger\u00e4umt werden. Tats\u00e4chlich sind diese Bedingungen derzeit alles andere als g\u00fcnstig. Die bestehenden Dialogformate wurden auf Initiative Berlins auf Eis gelegt. Die deutsche Seite hat die Arbeit von vier der f\u00fcnf russischen Generalkonsulate in der Bundesrepublik eingestellt. Man versucht, uns von Kontakten zu isolieren. Dies betrifft selbst Gedenkveranstaltungen anl\u00e4sslich der Befreiung Deutschlands vom Nazismus. In der heutigen Zeit ist es jedoch unm\u00f6glich, eine vollst\u00e4ndige Informationsblockade zu errichten.<\/p>\n<p>Wir nehmen die Einladungen wahr, die uns eingehen, und treffen uns mit Vertretern der \u00d6ffentlichkeit. Wir kommen praktisch allen Interviewanfragen nach \u2013 und davon gibt es nicht wenige. Zudem sind wir im digitalen Informationsraum aktiv. Wir sind bereit, mit Vertretern aller politischen Kr\u00e4fte in Deutschland zu sprechen, die an einem Dialog interessiert sind.<\/p>\n<p>Viele Menschen h\u00f6ren und lesen uns. Wir sch\u00e4tzen jeden, der sich f\u00fcr die russische Sichtweise interessiert. Was die sogenannte &#8222;Cancel Culture&#8220; betrifft, so ist der Versuch, ein Land wie Russland mit seinem gewaltigen Potenzial und seinem Einfluss auf s\u00e4mtliche globalen Prozesse auszugrenzen, schlicht unrealistisch.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus beschr\u00e4nkt sich Deutschland f\u00fcr uns nicht auf die politische Elite. Wir haben hier nach wie vor viele Freunde und Gleichgesinnte, die erkennen, wie absurd die Versuche sind, Russland zu isolieren, mit ihm in der Sprache von Ultimaten zu sprechen und seine grundlegenden Interessen zu ignorieren.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass sich diese Erkenntnis auch auf den h\u00f6chsten Ebenen der deutschen Staatsf\u00fchrung durchsetzen wird. Berlin sollte sich nicht auf einen Krieg mit Russland vorbereiten, sondern auf ein ehrliches Gespr\u00e4ch \u00fcber die Zukunft Europas, das ohne die Beteiligung unseres Landes nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema\u00a0\u2013<\/strong>\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/285777-netschajew-deutschland-auf-gefaehrlichen-weg\/\">Netschajew: Deutschland auf einem gef\u00e4hrlichen Weg gegen seine Interessen<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cceay\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flo Osrainik: Herr Botschafter, Russland hat weder den Westen noch Deutschland jemals angegriffen. 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