{"id":19929,"date":"2026-08-28T17:02:16","date_gmt":"2026-08-28T15:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/friedrich-merz-braucht-ein-management-seminar-38173814-html\/"},"modified":"2026-08-28T17:02:16","modified_gmt":"2026-08-28T15:02:16","slug":"friedrich-merz-braucht-ein-management-seminar-38173814-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/friedrich-merz-braucht-ein-management-seminar-38173814-html\/","title":{"rendered":"Kolumne: Friedrich Merz braucht ein Management-Seminar"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Bundeskanzler Merz und seine Minister scheitern nicht am Willen oder an fehlenden Ideen. Ihnen mangelt es vor allem an der F\u00e4higkeit, einen Plan vern\u00fcnftig umzusetzen<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>manchmal ist es ja eine gute Nachricht, wenn es keine Nachricht gibt. So wie bei der aktuellen Regierungskoalition, deren Minister sich in dieser Woche nach ihrer langen Sommerpause f\u00fcr zwei Tage zu einer Klausurtagung getroffen haben. Und nach der es eigentlich nicht viel zu berichten gab. Au\u00dfer, dass es in der Runde ausgesprochen harmonisch zugegangen sei und dass es nun endlich aufw\u00e4rts gehe mit dem Land und mit der Wirtschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Wohlan, so soll es sein!\u00a0<\/p>\n<p>Aber im Ernst, es ist tats\u00e4chlich eine gute Nachricht, wenn diese Regierung mal eine Woche einigerma\u00dfen unfallfrei \u00fcbersteht. Wohl wenig w\u00fcnschen sich die meisten Menschen hierzulande so sehr, als einfach mal in Ruhe und mit einer gewissen Ernsthaftigkeit regiert zu werden \u2013 also, dass Union und SPD wenigstens die Dinge abarbeiten, die sie sich selbst vorgenommen haben: Rentenreform, Steuerentlastung, B\u00fcrokratieabbau, mehr Flexibilit\u00e4t am Arbeitsmarkt. Als CDU-Generalsekret\u00e4r betrieb Carsten Linnemann einen eigenen Podcast unter dem schmissigen Titel \u201eEinfach mal machen\u201c \u2013 das Land wartet bis heute darauf.<\/p>\n<p>Dieses uneingel\u00f6ste Versprechen hat allen voran Friedrich Merz pers\u00f6nlich schon viel politisches Kapital und Glaubw\u00fcrdigkeit gekostet. Es ergibt sich eine Lehre, die f\u00fcr die kommenden Wochen noch wichtig sein wird: So einfach ist es eben oft nicht. H\u00e4ufig ist Regieren sogar richtig schwierig, zumal in einer Koalition aus drei so unterschiedlichen Parteien wie CDU, CSU und SPD. Und erst recht, wenn schon die Probleme vor der eigenen Haust\u00fcr wie die notorische Wachstumsschw\u00e4che oder die Ebbe in den Sozialkassen gro\u00df sind \u2013 von den internationalen Herausforderungen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Mein Kollege Nico Fried hat sehr treffend und launig eingeordnet, was wir vom demonstrativen Gute-Laune-Kanzler Friedrich Merz \u2013 \u201eRaus aus dem Misstrauen, hinein in eine neue Zuversicht\u201c \u2013 zu halten haben: Sein Motto laute offenbar \u201eAugen zu und durch\u201c, Merz lasse alle Zweifel und Kritik einfach an sich abperlen. Seinen lesenswerten Kommentar <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/hoppla--jetzt-komm-ich--friedrich-merz-als-gute-laune-kanzler--38165466.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Meinung: Friedrich Merz: In h\u00f6chster Not ein Gute-Laune-Kanzler\">finden Sie hier<\/a>.<\/p>\n<\/p>\n<p>F\u00fcr Bundeskanzler, die in Wahrheit in einer veritablen Krise stecken, ist eine solche Taktik nicht neu. Und manchmal geht sie sogar auf. Das beste Beispiel daf\u00fcr war Merz\u2019 gro\u00dfes Vorbild Helmut Kohl, der in seinen 16 Regierungsjahren immer wieder tief im Schlamassel steckte, so tief, dass alle um ihn herum mindestens schon fest mit einer offenen Revolte rechneten, manche sogar an seinem Sturz arbeiteten. Doch Kohl machte einfach weiter.<\/p>\n<h2>Merz mangelt es an Gesp\u00fcr f\u00fcr Situationen<\/h2>\n<p>Er hatte eine Gabe, die Merz bislang noch erfolgreich versteckt hat: Er war nicht nur impulsiv und machtbewusst (das ist Merz ebenso), sondern konnte in den entscheidenden Momenten auch abwarten und vorausplanen.\u00a0<\/p>\n<p>An dieser Stelle offenbart sich immer wieder die Schw\u00e4che des aktuellen Kanzlers: sein mangelndes Gesp\u00fcr f\u00fcr Situationen und Stimmungen, sein fehlender Sinn f\u00fcr ein ordentliches Erwartungsmanagement. Es passiert Merz immer wieder, dass er in seinem Tatendrang losst\u00fcrmt und bald darauf feststellen muss, dass seine Truppen zwischenzeitlich ganz woanders abgebogen sind. Anschlie\u00dfend dauert es Wochen, um alle wieder einzusammeln und auf Linie zu bringen \u2013 wenn es denn \u00fcberhaupt gelingt. Dieses permanente Auf und Ab aus Ank\u00fcndigung und Selbstkorrektur schafft Frust und Verunsicherung, nicht nur bei den Ministern und Abgeordneten dieser Koalition, sondern auch bei allen anderen, die das Hin und Her ertragen m\u00fcssen \u2013 also wirklich allen im Land. \u00a0<\/p>\n<p>Das beste Beispiel aus der j\u00fcngsten Vergangenheit ist die geplante Reform der Alterssicherung, die nun, so Merz in Neuhardenberg, wirklich kommen soll. Ende Juni, bei der Vorstellung der Pl\u00e4ne durch die Expertenkommission, hatte Merz noch von einem \u201eGesamtkunstwerk\u201c geschw\u00e4rmt, an dem kein Komma mehr ver\u00e4ndert werden d\u00fcrfe. Alles werde nun genauso umgesetzt. Er sagte dies aber, ohne auch nur einmal vorab mit seinen eigenen Leuten gesprochen zu haben. Die Retourkutsche bekam er vier Wochen sp\u00e4ter, als sich gleich drei CDU-Ministerpr\u00e4sidenten, kaum dass Merz in den Urlaub entschwunden war, zu Wort meldeten und von dem \u201eGesamtkunstwerk\u201c abr\u00fcckten: Die abschlagsfreie Fr\u00fchrente nach 45 Beitragsjahren m\u00fcsse, anders als von der Kommission vorgeschlagen, bleiben. Nach dem Chaos um den R\u00fccktritt seines Fraktionschefs Jens Spahn und einer <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/karsten-wildberger--ploetzlich-schattenwirtschaftsminister-38153484.html?utm_medium=standard&amp;utm_source=rss\" title=\"Kabinettsklausur: Pl\u00f6tzlich Schattenwirtschaftsminister: Der Aufstieg des Karsten Wildberger\">verungl\u00fcckten Kabinettsumbildung, die bis heute nachwirkt<\/a>, stand Merz\u2019 Autorit\u00e4t damit endg\u00fcltig infrage.\u00a0<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es ein Leichtes gewesen, schon Ende Juni durch ein paar Nuancen den absehbaren Widerst\u00e4nden die Wucht zu nehmen. Etwa mit der Andeutung von \u00dcbergangsfristen, Vertrauensschutz und Erleichterungen an anderer Stelle, um H\u00e4rtef\u00e4lle zu vermeiden. Ganz so, wie es die Kommission selbst auf den 80 Seiten ihres Berichts vorschl\u00e4gt und <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/rente-mit-63--warken-zeigt-kompromisslinien-auf-38166074.html\" class=\"external-link\">es nun Merz\u2019 Minister m\u00fchsam wieder hinbiegen m\u00fcssen<\/a> \u2013 ohne nat\u00fcrlich das Bild des gro\u00dfen Reform-Kanzlers zu tr\u00fcben.\u00a0<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Intervention der CDU-Ministerpr\u00e4sidenten im Sommer h\u00e4tte leicht vermieden werden k\u00f6nnen, wenn Merz gleich zu Beginn den Mund nicht ganz so voll genommen h\u00e4tte. Es ist ein Muster, das sich bei dieser Koalition immer wieder zeigt: Der Wille ist da, die Absichten sind richtig \u2013 aber es hapert erheblich am Management und an der praktischen Umsetzung. Merz hat dieses Defizit auch keineswegs exklusiv, wie die Posse um Klingbeils geplante Anhebung der Zuckersteuer zeigt: Das gab es wirklich noch nicht oft, dass ein Bundesfinanzminister innerhalb weniger Wochen bei zwei wichtigen Gesetzesvorhaben aus seinem Haus anschlie\u00dfend wieder zur\u00fcckrudern muss, nach dem Motto: War doch gar nicht so gemeint.\u00a0<\/p>\n<p>Mehr Sorgfalt, mehr Vorausschau, eine kl\u00fcgere Kommunikation \u2013 weniger Politik als Schlagzeilenmaschine und mehr als Managementaufgabe: Genau daran m\u00fcssen Merz und seine Minister arbeiten, wenn sie nun einen Herbst der Reformen \u2013 jetzt aber wirklich! \u2013 starten wollen. Dann klappt das mit der guten Laune und der besseren Stimmung auch von ganz allein.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Bundeskanzler Merz und seine Minister scheitern nicht am Willen oder an fehlenden Ideen. 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