{"id":20026,"date":"2026-08-29T16:03:06","date_gmt":"2026-08-29T14:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/mitteleuropa-wie-waere-es-mit-einem-geopolitischen-konzept-zu-dauerhaftem-frieden\/"},"modified":"2026-08-29T16:03:06","modified_gmt":"2026-08-29T14:03:06","slug":"mitteleuropa-wie-waere-es-mit-einem-geopolitischen-konzept-zu-dauerhaftem-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/mitteleuropa-wie-waere-es-mit-einem-geopolitischen-konzept-zu-dauerhaftem-frieden\/","title":{"rendered":"Mitteleuropa: Wie w\u00e4re es mit einem geopolitischen Konzept zu dauerhaftem Frieden?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em><strong><\/strong><\/em><em>Von Andrei Besrukow<\/em><\/p>\n<p>Der Begriff Mitteleuropa hat uralte Wurzeln. (Es geht hier nicht um den rein geografischen Begriff, der im Russischen &#8222;srednjaja Jewropa&#8220;, im Englischen &#8222;Middle Europe&#8220; und in anderen Sprachen \u00e4hnlich hei\u00dft. Gemeint ist vielmehr das im Folgenden skizzierte Konzept, das im Russischen mit dem aus dem Deutschen entlehnten Wort <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%9C%D0%B8%D1%82%D1%82%D0%B5%D0%BB%D1%8C%D0%B5%D0%B2%D1%80%D0%BE%D0%BF%D0%B0\">&#8222;Mitteljewropa&#8220;<\/a>\u00a0bezeichnet wird und nahezu <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mitteleuropa\">unver\u00e4ndert<\/a> auch in andere Sprachen <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/cs.wikipedia.org\/wiki\/Mitteleuropa\">\u00fcbernommen<\/a> wurde).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er zu Beginn des 19. Jahrhunderts politisch die Trennlinie zwischen den Besitzungen des Russischen Reiches und denen der westeurop\u00e4ischen M\u00e4chte bezeichnete, wurde der Begriff gegen Ende jenes Jahrhunderts, nach der Einigung der deutschen Staaten durch den Eisernen Kanzler Bismarck, als eine Alternative zum Deutschen Reich verstanden: Als solche umfasste dieses Mitteljewropa die multiethnischen Besitzungen der Habsburgermonarchie \u00d6sterreich-Ungarn. So oder so war es ein Raum zwischen Ost und West.<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\"><iframe title=\"Europa wird nicht blo\u00df verr\u00fcckt \u2013 es bereitet einen Krieg vor\" allowtransparency=\"true\" height=\"150\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:150px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?i=6x98t-1a93520-pb&amp;from=pb6admin&amp;share=1&amp;download=1&amp;rtl=0&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7\" loading=\"lazy\"><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>Und nun, da Westeuropa (in diesem Fall: einschlie\u00dflich des bekannterma\u00dfen\u00a0<em>rein geografisch gesehen<\/em>\u00a0eigentlich\u00a0<strong>mittel<\/strong>europ\u00e4ischen Deutschlands\u2026 Anm. d. Red.) sich offen auf einen Krieg mit Russland vorbereitet, stellt sich die Frage: Wo wollen sie diesen Krieg f\u00fchren? Etwa woanders als im Mittleren Europa? Und wir in Russland sollten uns fragen: Wie stellen wir uns die milit\u00e4rpolitische Landschaft Europas nach dem Ende des Ukraine-Krieges vor? Schlie\u00dflich wird auch dieser\u00a0Konflikt irgendwann enden, und wir werden so oder so Nachbarn der europ\u00e4ischen L\u00e4nder bleiben m\u00fcssen. Welche Vision des Kontinents k\u00f6nnen wir ihnen bieten? Dies ist auch deshalb wichtig, weil wir durch ein Vers\u00e4umnis, unser Sicherheitskonzept f\u00fcr Europa zu formulieren, nicht nur westliche Propaganda zu den d\u00fcmmstm\u00f6glichen Interpretationen russischer Absichten lenken, sondern andererseits auch unseren Freunden und Gleichgesinnten in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Argumente vorenthalten, die sie nutzen k\u00f6nnten. Wenn wir unsere gemeinsame Zukunft nicht mitgestalten, wird sie\u00a0<em>f\u00fcr<\/em>\u00a0uns gestaltet.<\/p>\n<p>Unterdessen\u00a0zieht sich das Mittlere Europa das ungl\u00fcckselige Schicksal der Ukraine mal probeweise \u00fcber\u00a0\u2013 und mit Sitz, Aussehen und Fa\u00e7on denkw\u00fcrdigerweise unzufrieden, sucht es verzweifelt nach einem Ausweg aus seiner sich ank\u00fcndigenden misslichen Lage:<\/p>\n<p>Ungarn und die Slowakei stellen sich aktiv gegen die fortgesetzte Unterst\u00fctzung von Selenskijs monoethnischer Oligarchen-Diktatur.<\/p>\n<p>Die Tschechische Republik schl\u00e4gt nach und nach denselben Weg ein; \u00d6sterreich und die Schweiz, obwohl sie ihre Neutralit\u00e4t kompromittiert haben, sind dennoch nicht abgeneigt, zu ihr zur\u00fcckzukehren; Serbien sucht \u2013 und findet \u2013 keinen Platz zwischen den Konfliktparteien; auch Kroatien ist in Sachen Unterst\u00fctzung des Kiewer Regimes nicht gerade besonders aktiv. Selbst Italien, das\u00a0\u2013\u00a0wenngleich eindeutig in Westeuropa liegend\u00a0\u2013 ebenfalls teilweise Besitztum der Habsburgermonarchie war, beginnt, Wege f\u00fcr einen Dialog mit Russland zu erkunden.<\/p>\n<p>Nicht verwunderlich: In der Nachkriegszeit profitierten die L\u00e4nder dieser Region am meisten von Stabilit\u00e4t und einem f\u00fcr beide Seiten vorteilhaften Handel mit Russland. Energie- und Logistikkorridore zur Russischen F\u00f6deration wurden direkt zu beziehungsweise durch diese L\u00e4nder gebaut. Auch wird genau und gerade hier die wachsende Aggression Berlins am beunruhigendsten wahrgenommen. Die Erinnerung an die Vergangenheit ist noch pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Was kann Russland diesem seinem Nachbarn &#8222;Mitteljewropa&#8220; bieten? Vieles. Aber das Wichtigste, um es mit Donald Trump zu sagen, ist ein\u00a0<em>peace deal<\/em>. Einen Vertrag \u00fcber gemeinsame Sicherheit und gegenseitigen Nichtangriff abzuschlie\u00dfen. Russland sieht sicherlich in keinem der genannten L\u00e4nder\u00a0<em>als solchem<\/em>\u00a0eine Bedrohung. Moskau kann auch einen, um bei Trump zu bleiben,\u00a0<em>energy deal<\/em>\u00a0anbieten: Es kann\u00a0f\u00fcr die L\u00e4nder der Region einen garantierten Ressourcenfluss gew\u00e4hrleisten. Russland kann ihnen \u00fcberhaupt einen\u00a0<em>trade deal<\/em>\u00a0anbieten \u2013 ein Abkommen, das den gegenseitigen Handel, Investitionen und Tourismus ankurbeln wird.<\/p>\n<p><strong><\/strong><strong>Man k\u00f6nnte einwenden: Was ist mit den EU-Regeln? Die werden das nicht zulassen! Nun gut, dann wollen wir eben k\u00e4mpfen\u2026 Oder \u2013 jetzt haltet euch gut fest, f\u00fcr so manchen wird\u00a0das ein Schock, aber wie w\u00e4r&#8217;s mal damit: Ihr \u00e4ndert halt die Br\u00fcsseler Regeln! <\/strong><\/p>\n<p>Irgendwann werdet ihr euch f\u00fcr eines von beidem entscheiden m\u00fcssen. Ich habe schon jetzt das Gef\u00fchl, dass der europ\u00e4ische wirtschaftliche Einheitsraum, Schengen und die EU-Beh\u00f6rden in ihrer jetzigen Form gerade ihre letzten Jahre erleben \u2013 die Dynamik der laufenden Prozesse ist zu gro\u00df, der Druck von allen Seiten und von innen zu intensiv. Und die L\u00e4nder des Mittleren Europas w\u00fcrden ihre Interessen mit viel gr\u00f6\u00dferem Nachdruck vertreten \u2013 s\u00e4hen sie blo\u00df eine klare und positive Alternative zu einer Zukunft unter der Diktatur der Euro-B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Die Frage &#8222;Mitteljewropas&#8220; stellt sich unweigerlich in jeder Diskussion \u00fcber die Zukunft der Ukraine. Welches Gebiet der Letztgenannten auch immer au\u00dferhalb der russischen Sicherheitszone verbleibt, egal wie viele Gebiete es sein werden und wie sich die Ostgrenzen ihrer jetzigen Nachbarn Polen, Slowakei und Rum\u00e4nien ver\u00e4ndern \u2013 dieses Territorium wird entweder ein friedlicher Raum oder aber ein Kriegsschauplatz sein. F\u00fcr Russland ist eine befreundete Ukraine, die in die russische Wirtschaftszone integriert ist, ein ideales Szenario \u2013 doch auch eine neutrale Ukraine, die in ein stabiles Mittleres Europa integriert ist, ist weitaus besser als ein schwer bewaffneter westlicher Au\u00dfenposten;\u00a0zumal die ukrainischen Eliten nicht nur aus Selenskij und seiner Clique bestehen: Viele fragen sich wohl auch dort, was nach Selenskij und nach dem Krieg sein wird. Auch ihnen muss also eine Zukunftsvision aufgezeigt werden, in der sie ihren Platz haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist das Schicksal des Mittleren Europas selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls\u00a0das Schicksal Deutschlands, das sich derzeit noch an einem Scheideweg befindet.<\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\">\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-all\">\n<div class=\"AllEmbed\"><iframe title=\"Atomwaffen: Finnen verspielen ihre \u00dcberlebenschancen im Falle eines Konflikts mit Russland\" allowtransparency=\"true\" height=\"150\" width=\"100%\" style=\"border: none; min-width: min(100%, 430px);height:150px;\" scrolling=\"no\" data-name=\"pb-iframe-player\" src=\"https:\/\/www.podbean.com\/player-v2\/?i=4peme-1a674ea-pb&amp;from=pb6admin&amp;share=1&amp;download=1&amp;rtl=0&amp;fonts=Arial&amp;skin=f6f6f6&amp;font-color=&amp;logo_link=episode_page&amp;btn-skin=7\" loading=\"lazy\"><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>Die angels\u00e4chsischen Eliten dr\u00e4ngen neben dem geschichtssenilen West- auch ein willensschwaches und naives Nordeuropa und zusammen mit diesen\u00a0auch Deutschland in die Konfrontation mit Russland. Doch innerhalb der Bundesrepublik Deutschland gibt es noch gen\u00fcgend Kr\u00e4fte, die sich diesem drohenden dritten historischen Selbstmord widersetzen. Ein Konzept f\u00fcr Mitteleuropa wie oben skizziert, als politische Br\u00fccke und wirtschaftlicher Korridor, k\u00f6nnte somit die beste Alternative f\u00fcr Deutschland sein.<\/p>\n<p>Mehr noch: &#8222;Mitteljewropa&#8220;, als Raum der Stabilit\u00e4t und der f\u00fcr beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit, wird einem weiteren antirussischen (und nebenbei \u00fcbrigens auch antideutschen) Projekt \u2013 einem\u00a0gro\u00dfpolnischen\u00a0&#8222;Intermarium&#8220;, also von K\u00fcste zu K\u00fcste, dessen Kern die innereurop\u00e4ischen Nord-S\u00fcd-Beziehungen auf Kosten der Ost-West-Beziehungen sind \u2013 den endg\u00fcltigen Todessto\u00df versetzen. Polen wird sich dann ebenfalls entscheiden m\u00fcssen: Ob es neben den aussterbenden baltischen Staaten (im Russischen ist f\u00fcr sie der bemitleidende Ausdruck &#8222;wymiraty&#8220;, zusammengesetzt aus dem russischen Wort f\u00fcr &#8222;aussterben&#8220; und der nah\u00f6stlichen Herrschaftsform, den Emiraten, gel\u00e4ufig und wird auch im Original dieses Artikels verwendet. Anm. d. Red.) hinter dem selbst errichteten Eisernen Vorhang ein Nicht-Leben f\u00fchren oder vollwertig am Leben bleiben will.<\/p>\n<p>Heute, da der Krieg in der Ukraine auf seinen Ausgang auf dem einen oder anderen Wege zusteuert \u2013 denn nach einer Eskalation wird es entweder Frieden geben oder gar nichts \u2013, ist es h\u00f6chste Zeit, dem Mittleren Europa ein Angebot zu unterbreiten. Wir werden in Br\u00fcssel Hysterie als Antwort darauf ernten, aber das sollte uns nicht beunruhigen. Eine weitere Krise in der Europ\u00e4ischen Union k\u00e4me uns nur zugute. Die Politiker Mitteleuropas werden sich zu einem solchen Angebot offiziell zun\u00e4chst tunlichst ausschweigen \u2013 oder vielleicht sogar theatralisch gegen den unaufgeforderten Vorschlag protestieren. Aber hinter verschlossenen T\u00fcren werden sie uns f\u00fcr das Angebot danken und sich sofort zu ihren Wirtschaftseliten aufmachen, um die Bedingungen auch mit ihnen auszuhandeln. Und wir hoffen, dass Mitteleuropa infolge eines so von uns angesto\u00dfenen Prozesses endlich zu einem Ort des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen Ost und West wird.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20260825\/evropa-2112849482.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen und zuerst erschienen bei &#8222;<\/a><a href=\"https:\/\/ria.ru\/20260825\/evropa-2112849482.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">RIA Nowosti&#8220;<\/a>\u00a0am 25. August 2026.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Andrei Besrukow<\/strong> ist Oberst a.D. des russischen Auslandsaufkl\u00e4rungsdienstes SWR. Heute ist er als Professor f\u00fcr angewandte Analyse internationaler Probleme am Moskauer Institut f\u00fcr Internationale Beziehungen (MGIMO) und Mitglied des Rates f\u00fcr Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik aktiv.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013 <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/meinung\/289810-cia-direktor-in-moskau-aber\/\">CIA-Direktor in Moskau \u2013 aber Europ\u00e4er haben Diplomatie verlernt<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cijly\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Andrei Besrukow Der Begriff Mitteleuropa hat uralte Wurzeln. 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