{"id":20146,"date":"2026-08-31T08:03:05","date_gmt":"2026-08-31T06:03:05","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/washington-revanchiert-sich-in-venezuela-fuer-die-misserfolge-im-nahen-osten\/"},"modified":"2026-08-31T08:03:05","modified_gmt":"2026-08-31T06:03:05","slug":"washington-revanchiert-sich-in-venezuela-fuer-die-misserfolge-im-nahen-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/washington-revanchiert-sich-in-venezuela-fuer-die-misserfolge-im-nahen-osten\/","title":{"rendered":"Washington revanchiert sich in Venezuela f\u00fcr die Misserfolge im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Der US-Pr\u00e4sident teilte in einer Erkl\u00e4rung den Abschluss des Abkommens mit Venezuela mit und bezeichnete es als &#8222;das gr\u00f6\u00dfte \u00d6lgesch\u00e4ft der Weltgeschichte&#8220;. Laut Trump wurde diese Vereinbarung auf seine Anweisung hin unter Beteiligung des US-Au\u00dfenministers Marco Rubio und des Kriegsministers Pete Hegseth ausgehandelt. Der US-Pr\u00e4sident wies darauf hin, dass die Verhandlungen in enger Abstimmung mit Venezuelas \u00dcbergangspr\u00e4sidentin Delcy Rodr\u00edguez und unter Beteiligung privater Unternehmen gef\u00fchrt worden seien.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Chefs des Wei\u00dfen Hauses werde das Abkommen es den USA erm\u00f6glichen, ihre eigenen \u00d6lreserven mehr als zu verdoppeln und das \u00d6langebot auf dem US-Markt erheblich zu steigern. Dies werde nach Ansicht Trumps langfristig zu einem sp\u00fcrbaren R\u00fcckgang der Benzinpreise f\u00fcr die US-Verbraucher f\u00fchren.<\/p>\n<p>&#8222;Dieses historische Abkommen wird die US-\u00d6lreserven mehr als verdoppeln, unsere \u00d6llieferungen erheblich steigern und die Benzinpreise f\u00fcr alle Amerikaner \u00fcber viele Jahre hinweg deutlich senken&#8220;, erkl\u00e4rte der Pr\u00e4sident. Dabei legte der amerikanische Staatschef jedoch keine finanziellen oder rechtlichen Einzelheiten des Abkommens offen, darunter den Mechanismus zur \u00dcbertragung der Kontrolle \u00fcber die \u00d6lreserven und den Anteil, der US-Unternehmen zufallen wird.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus habe Venezuela mit den US-Vertretern einen m\u00f6glichen Austritt aus der OPEC er\u00f6rtert, wie die westliche Presse unter Berufung auf ihre Quellen berichtet. Wie in den Ver\u00f6ffentlichungen angemerkt wird, w\u00fcrde dies Venezuela erstens erm\u00f6glichen, die \u00d6lf\u00f6rderung ohne Ber\u00fccksichtigung der von der Organisation festgelegten Beschr\u00e4nkungen zu steigern. Zweitens w\u00fcrden dadurch die Voraussetzungen daf\u00fcr geschaffen, internationale Investoren verst\u00e4rkt f\u00fcr den Wiederaufbau der venezolanischen \u00d6lindustrie zu gewinnen.<\/p>\n<p>Allerdings stellen die riesigen \u00d6lvorkommen Venezuelas nach wie vor eine Herausforderung bei der Erschlie\u00dfung dar, und es ist derzeit nicht m\u00f6glich, alle Vorteile eines OPEC-Austritts voll auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Igor Juschkow, leitender Analytiker des Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit (FNES) und Oberdozent am Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, erl\u00e4utert:<\/p>\n<p><em>&#8222;Erstens muss Venezuela weder aus der OPEC noch aus dem OPEC+-Abkommen austreten, weil das Land tats\u00e4chlich keinen F\u00f6rderquoten unterliegt. Ja, das Land ist zwar Teil dieses Abkommens, doch die Quoten gelten weder f\u00fcr Venezuela noch f\u00fcr Libyen und Iran. Sie k\u00f6nnen ihre F\u00f6rdermengen nach Belieben steigern. Allerdings steigert Venezuela seine F\u00f6rdermenge nur sehr langsam. Warum gibt es dort keinen sprunghaften Anstieg? Weil die F\u00f6rderkosten hoch sind und Investoren nicht gerade Schlange stehen, um sich an venezolanischen Projekten zu beteiligen, auch wenn die USA die Sanktionen aufheben. Einige Lagerst\u00e4tten sind ersch\u00f6pft, andere sind schlicht schwer zu erschlie\u00dfende Vorkommen bitumin\u00f6ser Gesteine und \u00c4hnliches.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Obwohl Venezuela weltweit \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lreserven verf\u00fcgt, gab es dort noch nie eine hohe F\u00f6rdermenge. Der historische F\u00f6rderrekord wurde 1998 verzeichnet und belief sich auf lediglich 3,4 Millionen Barrel pro Tag. Im Juli 2026 wurde die venezolanische F\u00f6rdermenge auf 1,16 bis 1,25 Millionen Barrel pro Tag gesch\u00e4tzt; dies entspricht zwei Dritteln der fr\u00fcheren F\u00f6rdermenge, die bereits vor langer Zeit zur\u00fcckgegangen war. Damit Venezuela seine F\u00f6rdermenge rasch steigern und diesen alten Rekord \u00fcbertreffen kann, m\u00fcssten Investoren Dutzende Milliarden US-Dollar investieren \u2013 in dem Wissen, dass sie dieses Geld m\u00f6glicherweise nicht zur\u00fcckbekommen.<\/p>\n<p>Michail Wakiljan, Experte des Instituts f\u00fcr die Entwicklung von Technologien im Brennstoff- und Energiesektor (IRTTEK), erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Mit zus\u00e4tzlichen Millionen Barrel in kurzer Zeit w\u00fcrde ich nicht rechnen. Rystad Energy sch\u00e4tzt das Potenzial, das sich durch relativ schnelle Reparaturen, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bohrungen und die Beseitigung von Engp\u00e4ssen erschlie\u00dfen l\u00e4sst, auf rund 300.000 bis 400.000 Barrel pro Tag. Danach sieht die wirtschaftliche Rechnung v\u00f6llig anders aus. Eine R\u00fcckkehr zu einer F\u00f6rderung von rund drei Millionen Barrel pro Tag k\u00f6nnte innerhalb von 10 bis 15 Jahren Investitionen von mehr als 150 Milliarden US-Dollar erfordern.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die hohen Kosten venezolanischer Projekte bergen Risiken, da die Marktpreise zu dem Zeitpunkt, an dem die Projekte tats\u00e4chlich in Betrieb gehen, bereits zu niedrig sein k\u00f6nnten. Wakiljan erl\u00e4utert:<\/p>\n<p>&#8222;Der Break-even-Preis vieler gro\u00dfer venezolanischer Projekte wird auf 70 bis 80 US-Dollar je Barrel oder mehr gesch\u00e4tzt. Ber\u00fccksichtigt man zus\u00e4tzlich die L\u00e4nder- und Rechtsrisiken, k\u00f6nnten die Anforderungen der Investoren noch h\u00f6her ausfallen. Daher sollte man die US-Ank\u00fcndigungen zu Investitionen vorerst eher als Absichtserkl\u00e4rungen verstehen. Ob sie tats\u00e4chlich umgesetzt werden, h\u00e4ngt von den \u00d6lpreisen, der Gesetzgebung, dem Steuersystem und den Eigentumsgarantien ab.&#8220;<\/p>\n<p>Aus Sicht der Investoren, so Juschkow, sei es besser, abzuwarten, bis die Stra\u00dfe von Hormus wieder frei ist, oder sich die Lage in Teheran so weit ver\u00e4ndert, dass die USA die Sanktionen gegen Iran aufheben und Investitionen in die iranische \u00d6lf\u00f6rderung m\u00f6glich werden.<\/p>\n<p>Der FNES-Experte erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;In Iran sind die Kosten der \u00d6lf\u00f6rderung wesentlich niedriger als in Venezuela, und Investoren werden sich dort mit weitaus gr\u00f6\u00dferer Bereitschaft engagieren. <\/em><\/p>\n<p><em>Wer dagegen Geld in die komplizierten venezolanischen Projekte mit ihren hohen F\u00f6rderkosten steckt, l\u00e4uft ein viel zu gro\u00dfes Risiko, seine Investitionen zu verlieren. Genau das schreckt Investoren von Venezuela ab \u2013 und nicht eine vermeintliche OPEC-Quote.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Wakiljan ist jedoch der Ansicht, dass die USA dieses Spiel um den Austritt Venezuelas aus der OPEC nicht ohne Grund ins Rollen gebracht h\u00e4tten. Er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;F\u00fcr Washington geht es bei diesem Schritt um langfristige Ziele. Die USA wollen die M\u00f6glichkeit erhalten, die venezolanische \u00d6lf\u00f6rderung wiederherzustellen, ohne das Risiko einzugehen, dass diese in einigen Jahren aufgrund von Kartellbeschl\u00fcssen erneut gedrosselt werden muss. Gleichzeitig erhalten sie eine unter ihrer Kontrolle stehende Quelle f\u00fcr Schwer\u00f6l in der N\u00e4he ihrer Raffinerien an der K\u00fcste des Golfs von Mexiko, von denen viele technologisch sehr gut auf genau diese Art von Roh\u00f6l ausgelegt sind. Politisch ist dies zudem ein weiterer Schlag gegen die F\u00e4higkeit der OPEC, das Angebot zu koordinieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Juschkow ist der Ansicht:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Amerikaner versuchen damit h\u00f6chstwahrscheinlich nicht, Investoren nach Venezuela zu locken. Vielmehr sieht es danach aus, dass die USA damit ihre Misserfolge im Nahen Osten auf dem Markt kompensieren wollen. In Iran haben sie ihr Ziel verfehlt, die Stra\u00dfe von Hormus ist blockiert, die Preise bleiben hoch \u2013 und jetzt versuchen die USA, die Situation mithilfe Venezuelas etwas zu korrigieren und zumindest einen Teil der ausfallenden \u00d6lmengen aus dem Nahen Osten zu ersetzen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Seiner Ansicht nach werden die USA, solange die Stra\u00dfe von Hormus geschlossen bleibt, die strategischen Reserven schwinden und die Preise weiter steigen, versuchen, die Preise auf diese Weise nach unten zu dr\u00fccken. Zun\u00e4chst w\u00fcrden Ger\u00fcchte \u00fcber einen Austritt Venezuelas aus der OPEC kursieren, dann Berichte \u00fcber eine erwartete Steigerung der venezolanischen F\u00f6rdermengen und so weiter.<\/p>\n<p>Juschkow argumentiert:<\/p>\n<p><em>&#8222;F\u00fcr die USA ist es insgesamt vorteilhafter, wenn in ihrer N\u00e4he mehr \u00d6l gef\u00f6rdert wird und im Nahen Osten weniger. Denn Venezuela, Guyana, Kanada und Mexiko haben sie weitaus st\u00e4rker unter Kontrolle als den Nahen Osten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Unterdessen k\u00f6nnte der Austritt Venezuelas aus der OPEC und dem OPEC+-Abkommen Konsequenzen haben. Erstens geh\u00f6rt Venezuela zu den f\u00fcnf L\u00e4ndern, die im Jahr 1960 die OPEC gr\u00fcndeten. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der Sanktionen nahm der Einfluss des Landes auf die Organisation jedoch ab. Doch selbst der Austritt Venezuelas k\u00f6nnte andere Mitglieder zu einem \u00e4hnlichen Schritt veranlassen. Zweitens sind in diesem Jahr bereits die Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC ausgetreten. F\u00fcr sie galten tats\u00e4chlich F\u00f6rderbeschr\u00e4nkungen, zugleich verf\u00fcgen sie \u00fcber M\u00f6glichkeiten, ihre Produktion zu steigern. Als weiterer m\u00f6glicher Austrittskandidat gilt der Irak, auch wenn die irakischen Beh\u00f6rden entsprechende Berichte bislang nicht offiziell best\u00e4tigt haben.<\/p>\n<p>Juschkow meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Sollte Venezuela wirklich aus der OPEC und dem OPEC+-Abkommen austreten, w\u00fcrde dies den Zerfall des gesamten OPEC+-Abkommens und letztlich auch der OPEC beschleunigen.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem Fall w\u00fcrde jedes Land seine \u00d6lf\u00f6rderung so weit wie m\u00f6glich steigern, es k\u00e4me zu einem \u00dcberangebot auf dem Markt und die Preise w\u00fcrden sinken. Allerdings ergibt es derzeit keinen Sinn, einen Austritt aus dem Abkommen anzuk\u00fcndigen, da man wegen der Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus von den Folgen eines Zerfalls der Organisation ohnehin nicht profitieren k\u00f6nnte. Doch nach der Wiederer\u00f6ffnung der Stra\u00dfe von Hormus w\u00e4re dies durchaus denkbar.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Wakiljan erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;In n\u00e4chster Zeit wird die Wirkung dieser Entscheidung vor allem psychologischer Natur sein. F\u00fcr den Weltmarkt ergibt sich das gr\u00f6\u00dfte Risiko auf mittlere Sicht. Sollte Venezuela seine F\u00f6rderung tats\u00e4chlich dauerhaft um Hunderttausende Barrel steigern und der Austritt des Landes zugleich die weitere Schw\u00e4chung der OPEC-Disziplin beschleunigen, w\u00fcrde der Druck auf die Preise sp\u00fcrbar zunehmen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Russland w\u00e4re ein solches Szenario aus zwei Gr\u00fcnden eher ung\u00fcnstig: wegen des zus\u00e4tzlichen Angebots, das in einigen Jahren auf den Markt kommen k\u00f6nnte, und wegen einer weiteren Schw\u00e4chung der F\u00e4higkeit von OPEC+, den Markt zu steuern, meint der Experte.<\/p>\n<p>Wakiljan kommt zu dem Schluss:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dabei ist die direkte Konkurrenz zwischen russischem und venezolanischem \u00d6l geringer, als es auf den ersten Blick scheint, da ein erheblicher Teil der schweren venezolanischen \u00d6lsorten ohnehin auf die Verarbeitung in US-Raffinerien ausgerichtet ist. F\u00fcr Russland sind daher ein m\u00f6glicher R\u00fcckgang des weltweiten \u00d6lpreis-Benchmarks und eine Schw\u00e4chung des Systems zur Koordinierung der Produzenten wichtiger als das Auftreten venezolanischen \u00d6ls als unmittelbarer Konkurrent.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/8\/29\/1446955.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 29. August 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Olga Samofalowa<\/em><\/strong><em> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema <\/strong>\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/nordamerika\/289978-handelsstreit-mit-kanada-trump-benennt\/\">Handelsstreit mit Kanada: Trump benennt Ontariosee in &#8222;Lake America&#8220; um <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7clr3w\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Der US-Pr\u00e4sident teilte in einer Erkl\u00e4rung den Abschluss des Abkommens mit Venezuela mit und bezeichnete es als &#8222;das gr\u00f6\u00dfte \u00d6lgesch\u00e4ft der Weltgeschichte&#8220;. 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