{"id":20213,"date":"2026-08-31T13:03:43","date_gmt":"2026-08-31T11:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/brisant-das-nato-netzwerk-in-der-schweiz-rafael-lutz-deckt-auf\/"},"modified":"2026-08-31T13:03:43","modified_gmt":"2026-08-31T11:03:43","slug":"brisant-das-nato-netzwerk-in-der-schweiz-rafael-lutz-deckt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/brisant-das-nato-netzwerk-in-der-schweiz-rafael-lutz-deckt-auf\/","title":{"rendered":"Brisant: \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb \u2013 Rafael Lutz deckt auf"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Gespr\u00e4ch mit Rafael Lutz legt der Verlag Zeitpunkt offen, wie ein transatlantisches Netzwerk in Verwaltung, Armee, Thinktanks und Medien die Schweizer Neutralit\u00e4t schrittweise aush\u00f6hlt \u2013 und warum das Buch \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb genau jetzt erscheint.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Video \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb \u2013 Rafael Lutz im Gespr\u00e4ch ist ein langes, ungesch\u00f6ntes Interview. Der Investigativjournalist Rafael Lutz spricht mit Christoph Pfluger von der Edition Zeitpunkt \u00fcber sein neues Buch \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz. Wer die Neutralit\u00e4t globalen Machtinteressen opfert\u00bb. Lutz, der zweieinhalb Jahre f\u00fcr die Weltwoche zu Aussen- und Sicherheitspolitik recherchiert hat, schildert darin nicht eine zentrale Verschw\u00f6rung, sondern ein dichtes Geflecht aus Beamten, Offizieren, NGOs, Thinktanks, R\u00fcstungsindustrie und Medien. Dieses Netzwerk, so die These, bestimmt faktisch grosse Teile der Schweizer Sicherheits- und Aussenpolitik \u2013 und dr\u00e4ngt Neutralit\u00e4tsbef\u00fcrworter systematisch an den Rand.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"\u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb - Rafael Lutz im Gespr\u00e4ch\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_3IeXHB7W50?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div>\n<\/figure>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein stiller Kurswechsel nach dem 24. Februar 2022<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lutz beginnt mit dem offensichtlichen Bruch: Unmittelbar nach der russischen Invasion in der Ukraine \u00fcbernahm die Schweiz die EU-Sanktionen gegen Russland. Das geschah \u00abnicht ganz unfreiwillig\u00bb, wie der Autor formuliert. Damit habe Bern die Neutralit\u00e4t faktisch aufgegeben. Gleichzeitig stiegen die R\u00fcstungsausgaben, die Zusammenarbeit mit NATO und EU wurde intensiviert, und die unabh\u00e4ngige Verteidigungsf\u00e4higkeit der Schweiz trat hinter der Integration in internationale Strukturen zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mehrheit der Stimmb\u00fcrgerinnen und Stimmb\u00fcrger steht nach wie vor hinter der Neutralit\u00e4t \u2013 Umfragen sprechen von \u00fcber 80 Prozent Zustimmung zum Prinzip. Die grossen Medienh\u00e4user (mit Ausnahme der Weltwoche) und grosse Teile des Apparats in Bern hingegen treiben einen anderen Kurs. Lutz spricht von einem \u00abasymmetrischen Informationskrieg\u00bb: Das VBS verf\u00fcge \u00fcber mehr als hundert Kommunikationsstellen, w\u00e4hrend kritische Redaktionen nur \u00fcber eine Handvoll Journalisten verf\u00fcgen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Netzwerk: Dreht\u00fcren zwischen Thinktanks, Verwaltung und Medien<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders detailliert beschreibt Lutz die personellen Verflechtungen. Ein zentrales Beispiel ist der Thinktank Foraus. Gegr\u00fcndet von Nicolas Forster, der auch die Global Shapers Bern (ein WEF-Projekt) kuratiert, wird Foraus vom EDA und anderen Bundesstellen mit Hunderttausenden Franken j\u00e4hrlich finanziert. Lutz nennt die Organisation eine Rekrutierungsplattform f\u00fcr junge, transatlantisch ausgerichtete Akademiker.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 2022 tauchten Foraus-Vertreterinnen pl\u00f6tzlich in zentralen Kommissionen auf. Elisa Cadelli, damalige Pr\u00e4sidentin von Foraus, sass in der Studienkommission Sicherheitspolitik unter Katja Gentinetta. Anna-Lina M\u00fcller, ebenfalls aus dem Foraus-Umfeld, erkl\u00e4rte pl\u00f6tzlich landesweit die Neutralit\u00e4t und pl\u00e4dierte f\u00fcr Waffenlieferungen an die Ukraine \u2013 obwohl sie sich zuvor kaum mit dem Thema besch\u00e4ftigt hatte. Kurz darauf machte sie Karriere.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich beim Center for Security Studies (CSS) der ETH Z\u00fcrich. Der Thinktank liefert der Regierung regelm\u00e4\u00dfig Studien und Umfragen zur Neutralit\u00e4t, die dann genutzt werden, um den \u00abAnti-Neutralit\u00e4tskurs\u00bb voranzutreiben. Daniel M\u00f6ckli, langj\u00e4hriger hochrangiger EDA-Beamter unter Ignazio Cassis und zust\u00e4ndig f\u00fcr Strategieentwicklung, begleitete das CSS. Benno Zogg, der noch 2022 eine russische Invasion \u00f6ffentlich f\u00fcr unwahrscheinlich hielt, wurde wenige Monate sp\u00e4ter Chef Strategie und Antizipation im neuen Staatssekretariat f\u00fcr Sicherheitspolitik (SEPOS) des VBS \u2013 und Leiter der interdepartementalen Gruppe f\u00fcr Beeinflussungsaktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lutz betont: Es gibt keinen einzelnen Strippenzieher. Es ist ein Ameisenhaufen mit gemeinsamer Grundausrichtung. Wer in diesem Netzwerk Karriere machen will, muss NATO-affin sein. Neutralit\u00e4tsbef\u00fcrworter und NATO-Kritiker h\u00e4tten heute \u00abkeine Chance mehr\u00bb, in h\u00f6here Positionen zu gelangen.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die \u00abS\u00e4uberungswelle\u00bb im Milit\u00e4rdepartement<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders brisant sind die konkreten F\u00e4lle im VBS. Lutz schildert drei detailliert dokumentierte Beispiele.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jean-Daniel Ruch, ehemaliger Botschafter in Israel und der T\u00fcrkei, wurde 2023 zum Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Sicherheitspolitik designiert. Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 geriet er unter massiven Druck der NATO- und Israel-Lobby und trat zur\u00fcck. Ruch selbst sagt sp\u00e4ter, er sei intern zu NATO-skeptisch gewesen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein hoher Milit\u00e4rberater bei der OSZE in Wien, der Kontakte zwischen Russland und der Schweiz aufrechterhielt, steht unter Beschuss und sieht sich mit Spionage- und Landesverratsvorw\u00fcrfen konfrontiert. Der ehemalige Verteidigungsattach\u00e9 in Paris, der 2024 in einem Radiointerview die Neutralit\u00e4t verteidigte und sagte, er m\u00fcsse als Attach\u00e9 mit allen reden, verlor kurz darauf seine Personensicherheitspr\u00fcfung (PSP).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alt-Bundesrat Ueli Maurer, ehemaliger Verteidigungs- und Finanzminister, spricht gegen\u00fcber Lutz von einer \u00abS\u00e4uberungswelle\u00bb im VBS. H\u00f6here Offiziere berichten, seit \u00fcber zwei Jahren k\u00e4men keine Kader ab Brigadier aufw\u00e4rts mehr durch, die die NATO-Anbindung nicht bef\u00fcrworten.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cassis und Pfister: Treiber und Getriebene<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aussenminister Ignazio Cassis und Verteidigungsminister Martin Pfister spielen laut Lutz zentrale Rollen \u2013 sie treiben den Prozess und werden gleichzeitig von ihm getrieben. Das EDA habe aktiv gegen die Neutralit\u00e4tsinitiative und den Gegenvorschlag im Parlament lobbyiert, Druck auf die Aussenpolitische Kommission und die Einigungskonferenz ausge\u00fcbt. Cassis soll gesagt haben, er m\u00fcsse sich \u00abbei der ganzen Welt entschuldigen\u00bb, falls die Initiative durchkomme.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das VBS und das Staatssekretariat f\u00fcr Sicherheitspolitik erkl\u00e4rten bereits 2024 in der \u00c4mterkonsultation, weder Initiative noch Gegenvorschlag d\u00fcrften angenommen werden, weil sonst die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mit der NATO unm\u00f6glich werde. Beide Departemente seien die entscheidenden Motoren f\u00fcr die Ann\u00e4herung an NATO und EU.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Medien im Kriegsmodus<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein eigenes Kapitel widmet Lutz den Medien. Die NZZ fungiere als \u00abSturmgesch\u00fctz\u00bb gegen die Neutralit\u00e4t. In der NZZ Academy s\u00e4\u00dfen fast ausschliesslich Transatlantiker: der ehemalige Vorsitzende der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz Christoph Heusgen, HSG-Professor James Davis (der angeblich f\u00fcr die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz an einer Nuklearstrategie gegen Russland mitgearbeitet haben soll), Ex-Armeechef Thomas S\u00fcssli.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders hervor sticht Georg H\u00e4sler. Der NZZ-Sicherheitsexperte ist gleichzeitig Oberst im Generalstab und kommandiert eine Festungsminenwerferkompanie. Er tritt teilweise in Kampfanzug auf Pressekonferenzen auf und hat das Buch \u00abAlpenallianz statt Sonderfall\u00bb zusammen mit Thomas S\u00fcssli geschrieben. Lutz fragt: Ist das noch Journalismus oder PR f\u00fcr das Departement? H\u00e4sler habe das Manuskript von Lutz\u2019 Buch offenbar schon vor der Ver\u00f6ffentlichung gekannt und es auf seinem Portal kritisiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die published opinion (ver\u00f6ffentlichte Meinung) decke sich nicht mit der \u00f6ffentlichen Meinung. Viele Schweizerinnen und Schweizer s\u00e4hen mit Sorge, wie ihr Land in Strukturen integriert werde, deren Kernl\u00e4nder \u2013 Deutschland hochverschuldet, Frankreich in politischer Krise \u2013 selbst in desolatem Zustand seien.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warnungen von Insidern und die Abstimmung vom 27. September<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lutz hat f\u00fcr das Buch mit Ueli Maurer, Jean-Daniel Ruch und Boris Scholl (ehemaliger Ausbildungchef des Nachrichtendienstes) gesprochen. Alle drei \u00e4ussern grosse Sorgen. Scholl beobachtet seit 2014\/15 ein Umdenken: Viele ehemalige Kollegen seien bereit, die Schweiz \u00abauf dem Altar der NATO-Integration zu opfern\u00bb. Den heutigen Staatssekret\u00e4r Markus M\u00e4der bezeichnet er als Opportunisten, der fr\u00fcher Neutralit\u00e4t bef\u00fcrwortet habe und nun mit dem Wind drehe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 27. September 2026 stimmt die Schweiz \u00fcber die Neutralit\u00e4tsinitiative ab. Sie will die immerw\u00e4hrende und bewaffnete Neutralit\u00e4t in der Verfassung pr\u00e4zisieren, die Zusammenarbeit mit Milit\u00e4rb\u00fcndnissen auf den Verteidigungsfall beschr\u00e4nken und Sanktionen gegen kriegf\u00fchrende Staaten (ausser UN-Sanktionen) verbieten. Bundesrat und Parlament lehnen sie ab.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lutz h\u00e4lt eine Ablehnung f\u00fcr wahrscheinlich. Das w\u00e4re ein Boomerang: Das VBS und das EDA w\u00fcrden den bisherigen Kurs dann noch intensiver vorantreiben. Viele B\u00fcrger unterst\u00fctzten Neutralit\u00e4t im Prinzip, scheuten aber die konkreten Konsequenzen der Initiative (etwa das Aufheben der Russland-Sanktionen). Der abgeschw\u00e4chte Gegenvorschlag h\u00e4tte bessere Chancen gehabt, wurde aber im Parlament ebenfalls versenkt.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was jetzt n\u00f6tig ist<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lutz fordert mehr investigative Recherche. Die ver\u00f6ffentlichten Meinungen der Eliten entspr\u00e4chen nicht der Haltung der Mehrheit. Whistleblower aus Medien und VBS seien willkommen \u2013 ihre Identit\u00e4t w\u00fcrde gesch\u00fctzt. Das Buch ist in der Reihe \u00abBrennende B\u00e4rte\u00bb erschienen, benannt nach einem Lichtenberg-Zitat: Es sei fast unm\u00f6glich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedr\u00e4nge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen. Einige B\u00e4rte, so Lutz, h\u00e4tten bereits gebrannt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die offizielle Buchpr\u00e4sentation findet am 2. September 2026 im Z\u00fcrcher Falkenhaus statt, unter anderem mit Ralph Bosshard. Das Buch selbst ist \u00fcber die Edition Zeitpunkt erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Interview ist kein polemischer Rundumschlag, sondern eine dichte Bestandsaufnahme aus zweieinhalb Jahren Recherche. Ob man Lutz\u2019 Gesamtschau teilt oder nicht: Die beschriebenen personellen Verflechtungen, die Karriereverl\u00e4ufe und die konkreten F\u00e4lle im VBS verdienen eine \u00f6ffentliche Debatte \u2013 gerade jetzt, wenige Wochen vor der Neutralit\u00e4tsabstimmung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch gibt es <a href=\"https:\/\/edition.zeitpunkt.ch\/shop\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/edition.zeitpunkt.ch\/shop\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gespr\u00e4ch mit Rafael Lutz legt der Verlag Zeitpunkt offen, wie ein transatlantisches Netzwerk in Verwaltung, Armee, Thinktanks und Medien die Schweizer Neutralit\u00e4t schrittweise aush\u00f6hlt \u2013 und warum das Buch \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb genau jetzt erscheint. Das Video \u00abDas NATO-Netzwerk in der Schweiz\u00bb \u2013 Rafael Lutz im Gespr\u00e4ch ist ein langes, ungesch\u00f6ntes Interview. 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