{"id":20281,"date":"2026-08-31T17:03:20","date_gmt":"2026-08-31T15:03:20","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/rom-und-madrid-im-grenzstreit-italien-verlaengert-kontrollen-um-zwei-weitere-wochen\/"},"modified":"2026-08-31T17:03:20","modified_gmt":"2026-08-31T15:03:20","slug":"rom-und-madrid-im-grenzstreit-italien-verlaengert-kontrollen-um-zwei-weitere-wochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/rom-und-madrid-im-grenzstreit-italien-verlaengert-kontrollen-um-zwei-weitere-wochen\/","title":{"rendered":"Rom und Madrid im Grenzstreit: Italien verl\u00e4ngert Kontrollen um zwei weitere Wochen"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Italien l\u00e4sst seine Grenzkontrollen gegen\u00fcber Spanien nicht auslaufen. Das Innenministerium in Rom hat die Ende Juli eingef\u00fchrten Pr\u00fcfungen an Flugh\u00e4fen und H\u00e4fen am Montag um weitere 15 Tage verl\u00e4ngert, kurz bevor die urspr\u00fcngliche Frist geendet h\u00e4tte. Br\u00fcssel wurde dar\u00fcber informiert, wie es die Schengen-Regeln vorsehen.<\/p>\n<p>Innenminister Matteo Piantedosi begr\u00fcndete den Schritt mit einer Einsch\u00e4tzung des zust\u00e4ndigen Ausschusses f\u00fcr Migration und Grenzschutz: Die Umst\u00e4nde, die Anfang August zur Wiedereinf\u00fchrung der Kontrollen gef\u00fchrt hatten, seien noch nicht ausger\u00e4umt. Er lobte die Bem\u00fchungen Spaniens und der EU um eine Beruhigung der Lage in Ceuta \u2013 deshalb falle die Verl\u00e4ngerung mit zwei Wochen bewusst kurz aus.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;<em>Ich bin zuversichtlich, dass dies die letzte sein kann<\/em>&#8222;, sagte Piantedosi.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Bewertung teilte er seinem spanischen Kollegen Fernando Grande-Marlaska in einem, wie er es nannte, &#8222;konstruktiven&#8220; Telefonat mit.<\/p>\n<p>Ende Juli waren binnen weniger Stunden Zehntausende Menschen von Marokko nach Ceuta gekommen, zu Fu\u00df und schwimmend. Die Zahlen schwanken je nach Quelle zwischen 50.000 und 78.000, italienische Beh\u00f6rden sprechen meist von rund 72.000. Dutzende Menschen starben dabei.<\/p>\n<p>Ceuta geh\u00f6rt zwar zu Spanien, liegt aber au\u00dferhalb des Schengen-Raums \u2013 wer von dort aufs spanische Festland will, wird ohnehin kontrolliert. Madrid betonte von Anfang an, praktisch niemand aus dem Ansturm habe das Schengen-Gebiet erreicht, und ein Gro\u00dfteil sei nach Marokko zur\u00fcckgekehrt. Trotzdem halten sich nach italienischen wie spanischen Angaben weiterhin 5.000 bis 10.000 Menschen in der Exklave auf, darunter zahlreiche unbegleitete Minderj\u00e4hrige. Piantedosi zufolge ist ein Teil von ihnen nicht oder nur l\u00fcckenhaft identifiziert.<\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez wies Spekulationen zur\u00fcck, wonach Marokko den Ansturm gezielt gesteuert habe \u2013 die Zusammenarbeit mit Rabat sei &#8222;ausgesprochen positiv&#8220; verlaufen. Im Gegenzug forderte er mehr Solidarit\u00e4t von den EU-Partnern.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>Italien und Spanien haben keine gemeinsame Landgrenze, die Ma\u00dfnahme betrifft also Flugh\u00e4fen und H\u00e4fen mit direkten Verbindungen. Rom spricht von &#8222;gezielten und selektiven&#8220; Pr\u00fcfungen, die sich in erster Linie an Drittstaatsangeh\u00f6rige richten: verlangt werden Ausweis, Visum oder Aufenthaltstitel. EU-B\u00fcrger sollen davon nach italienischer Darstellung nicht betroffen sein, ihnen gen\u00fcgt ein g\u00fcltiges Reisedokument.<\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni hatte den Schritt Ende Juli als &#8222;au\u00dfergew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahme&#8220; zum Schutz der nationalen Sicherheit bezeichnet, die m\u00f6glichst kurz gehalten und den sommerlichen Reiseverkehr kaum st\u00f6ren solle.<\/p>\n<p>Ein Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum ist das rechtlich nicht. Der Schengener Grenzkodex erlaubt es Mitgliedstaaten, bei einer Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Ordnung oder Sicherheit vor\u00fcbergehend wieder Binnengrenzkontrollen einzuf\u00fchren \u2013 solche Ausnahmen sind in den vergangenen Jahren, vor allem an Landgrenzen, h\u00e4ufiger geworden. Ungew\u00f6hnlich an Italiens Vorgehen ist, dass es ein Land ohne gemeinsame Landgrenze trifft und sich ausdr\u00fccklich auf Ank\u00fcnfte in einem Gebiet au\u00dferhalb Schengens st\u00fctzt. Italienische Medien berichten zudem, die bisherigen Kontrollen h\u00e4tten bislang weder Irregul\u00e4re noch Personen mit Bezug zu Ceuta aufgegriffen.<\/p>\n<h3>Spanien zieht mit eigenen Kontrollen nach<\/h3>\n<p>Madrid reagierte scharf: Die italienische Entscheidung sei &#8222;ungerechtfertigt&#8220;, diskriminiere spanische Staatsb\u00fcrger und widerspreche den Interessen der EU. Au\u00dfenminister Jos\u00e9 Manuel Albares sprach von einem &#8222;unberechtigten Affront gegen die W\u00fcrde der Spanier&#8220; und unterstellte Rom Wahlkampfkalk\u00fcl. Nach einer kurzen, erfolglosen Frist zur R\u00fccknahme f\u00fchrte Spanien am 8. August eigene Stichprobenkontrollen an Flugh\u00e4fen und H\u00e4fen f\u00fcr Ank\u00fcnfte aus Italien ein, urspr\u00fcnglich befristet bis zum 7. September. Gepr\u00fcft werden Identit\u00e4t, Staatsangeh\u00f6rigkeit sowie bei Drittstaatsangeh\u00f6rigen Visum oder Aufenthaltstitel. Nach spanischen Angaben wurden bereits Tausende Passagiere kontrolliert, Einreiseverweigerungen blieben die Ausnahme.<\/p>\n<p>Nach der italienischen Verl\u00e4ngerung deutete sich laut\u00a0<em>Il Sole 24 Ore<\/em>\u00a0aus Kreisen des spanischen Innenministeriums bereits an, dass auch Madrid seine Kontrollen um zwei Wochen verl\u00e4ngern werde \u2013 ausdr\u00fccklich auf Gegenseitigkeit.<\/p>\n<p>Piantedosi betont, es gehe ihm nicht um einen Konflikt mit einem &#8222;br\u00fcderlichen Land&#8220;. Die Kontrollen seien bislang wenig einschneidend und beeintr\u00e4chtigten den Reiseverkehr zwischen EU-B\u00fcrgern kaum. Fl\u00fcge und F\u00e4hren verkehren normal, Nicht-EU-B\u00fcrger m\u00fcssen mit Stichproben rechnen. Italien verweist auf anhaltende Spannungen in Ceuta und m\u00f6gliche jihadistische Gefahren, w\u00e4hrend Madrid die Lage anders bewertet. Mitte September soll erneut \u00fcber die Kontrollen entschieden werden. Interessant bleibt der Fall, weil sich zwei EU-Staaten gegenseitig kontrollieren, obwohl der Anlass au\u00dferhalb des eigentlichen Reiseraums liegt.<\/p>\n<p data-start=\"0\" data-end=\"624\" data-is-last-node=\"\" data-is-only-node=\"\"><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/kurzclips\/video\/289098-trotz-beschwichtigungen-madrids-lage-in\/\">Trotz Beschwichtigungen Madrids: Lage in Ceuta spitzt sich dramatisch zu<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cl86m\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italien l\u00e4sst seine Grenzkontrollen gegen\u00fcber Spanien nicht auslaufen. 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