{"id":20383,"date":"2026-09-01T12:02:20","date_gmt":"2026-09-01T10:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/berlin-im-blindflug-von-michael-hollister\/"},"modified":"2026-09-01T12:02:20","modified_gmt":"2026-09-01T10:02:20","slug":"berlin-im-blindflug-von-michael-hollister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/berlin-im-blindflug-von-michael-hollister\/","title":{"rendered":"Berlin im Blindflug | Von Michael Hollister"},"content":{"rendered":"<div><!--kg-card-begin: html--><br \/>\n<iframe title=\"Berlin im Blindflug | Von Michael Hollister\" width=\"560\" height=\"418\" src=\"https:\/\/tube4.apolut.net\/videos\/embed\/7mhAR5GDBXX1YCJJeP8ePr\" allow=\"fullscreen\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-popups allow-forms\" style=\"border-radius: 8px\"><\/iframe><br \/>\n<!--kg-card-end: html--><\/p>\n<div class=\"kg-card kg-audio-card\"><audio src=\"https:\/\/apolut.net\/content\/media\/2026\/09\/tagesdosis-20260901-apolut.mp3\" preload=\"metadata\" controls><\/audio><\/div>\n<p><strong>&#8211; warum nicht der Hack das Problem ist, sondern die sieben Tage danach<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sieben Tage lang flossen Daten aus dem Berliner Landesnetz, bevor der Angriff \u00fcberhaupt erkannt wurde. Danach folgte eine Entwarnung, die der Senat wenig sp\u00e4ter wieder relativieren musste &#8211; w\u00e4hrend bis heute offen ist, was tats\u00e4chlich gestohlen wurde und wie die Angreifer eindringen konnten. Der Fall Rhysida wirft deshalb eine gr\u00f6\u00dfere Frage auf als die nach 5,79 Terabyte m\u00f6glicher Beute:\u00a0Wer \u00fcberwacht eigentlich das digitale Nervensystem der deutschen Hauptstadt &#8211; und wie belastbar sind politische Entwarnungen, wenn selbst die eigene IT noch im Dunkeln tappt?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Kommentar von\u00a0<strong>Michael Hollister<\/strong>.<\/em> <\/p>\n<p>Tagelang zogen Angreifer Daten aus dem Netz der deutschen Hauptstadt ab, bevor \u00fcberhaupt jemand es bemerkte &#8211; und Wochen sp\u00e4ter kann die Verwaltung noch immer nicht sagen, was genau abhanden kam. Dazwischen liegt eine Entwarnung, die sie kurz darauf zur\u00fccknehmen musste. Das ist der eigentliche Vorgang, \u00fcber den zu reden lohnt. Nicht der Einbruch selbst: Dass jemand in ein Beh\u00f6rdennetz gelangt, kann trotz guter Absicherung geschehen, und es geschieht \u00fcberall. Entscheidend ist, wie schnell ein Angriff erkannt, eingegrenzt und verstanden wird. Und genau hier beginnen im Fall Berlin die Fragen. Der Datenabfluss lief nach Angaben des Senats zwischen dem 07. und 12. August 2026 &#8211; bemerkt wurde er erst am 14. August. Sieben Tage, in denen Daten das Landesnetz verlie\u00dfen, ohne dass ein Alarm belastbar anschlug. Die Frage, die dieser Text verfolgt, lautet deshalb nicht, ob Berlin Opfer wurde. Sie lautet: Wer \u00fcberwacht eigentlich das Landesnetz der Hauptstadt &#8211; und was sagt dieser Fall \u00fcber die L\u00fccke zwischen dem Anspruch des Staates und seinem eigenen Betrieb?<\/p>\n<p><strong>Der aktuelle Anlass<\/strong><\/p>\n<p>Am 28. August 2026 best\u00e4tigten der Regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner und Innensenatorin Iris Spranger, dass das Land Berlin erpresst wird. Ihre Antwort fiel knapp aus: <\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDas Land Berlin l\u00e4sst sich nicht erpressen.&#8220;<\/em> <\/p><\/blockquote>\n<p>Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und Bundessicherheitsbeh\u00f6rden ermittelten mit Hochdruck, die Untersuchung von Inhalt und Umfang der abgeflossenen Daten laufe. Fragen lie\u00dfen Wegner und Spranger nach ihrem wenige Minuten langen Auftritt nicht zu; zur H\u00f6he der Forderung und zur Identit\u00e4t der T\u00e4ter \u00e4u\u00dferten sie sich nicht.<\/p>\n<p>Hinter dem Angriff steht nach Darstellung mehrerer Fachmedien und der T\u00e4tergruppe selbst die Ransomware-Bande Rhysida. Auf ihrer Leak-Seite reklamiert sie 5,79 Terabyte erbeutete Daten, rund 1,44 Millionen Dateien, darunter 46.500 Vertr\u00e4ge, E-Mails, Telefonnummern, Passw\u00f6rter und als vertraulich bezeichnete Informationen; genannt werden zudem personenbezogene Angaben zu 12.076 Menschen. Als Mindestgebot f\u00fcr eine Versteigerung nennt die Gruppe 30 Bitcoin, umgerechnet etwa 2 Millionen Euro, und setzt eine Frist von rund einer Woche. All diese Zahlen stammen bislang ausschlie\u00dflich von den Angreifern &#8211; Berlin hat weder die Datenmenge noch die Detailangaben best\u00e4tigt. Das gilt auch f\u00fcr die brisanteste Behauptung, es befinde sich eine Analyse zur Berliner Wasserversorgung im Bestand: Ob es sich dabei um eine konkrete Schwachstellenanalyse oder um eine allgemeinere Resilienzbetrachtung handelt, ist offen &#8211; und solange das offen ist, verbietet sich jede Dramatisierung.<\/p>\n<p>Rhysida ist keine Unbekannte. Die Gruppe arbeitet nach dem Modell der doppelten Erpressung &#8211; erst Datendiebstahl, dann die Drohung mit Ver\u00f6ffentlichung &#8211; und wird auf dem Monitoring-Dienst Ransomware.live mit rund 280 Opfern gef\u00fchrt, darunter die Stadtverwaltung Stuttgart im Mai 2026. Ob die IT verschl\u00fcsselt wurde, ist f\u00fcr dieses Gesch\u00e4ftsmodell zweitrangig: Selbst wer aus Sicherungskopien wiederherstellen kann, bleibt der Drohung mit Ver\u00f6ffentlichung ausgesetzt. Dass die Bande tats\u00e4chlich \u00fcber Material verf\u00fcgt, legte sie im Darknet selbst nahe: Als Beleg ver\u00f6ffentlichte sie Dokumentenausz\u00fcge mit Briefk\u00f6pfen unter anderem der Berliner Verkehrsverwaltung und des Bundesrats.<\/p>\n<p><strong>Sieben Tage, und die zur\u00fcckgenommene Entwarnung<\/strong><\/p>\n<p>Aufgefallen ist der Angriff offenbar durch Zufall: Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin bemerkte ungew\u00f6hnliche Aktivit\u00e4ten im Netz und schlug Alarm, woraufhin die forensischen Untersuchungen begannen. Am 14. August trennte die Verwaltung die Senatsverwaltung f\u00fcr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt vom Landesnetz. \u00dcber dieses Netz sind hunderte Beh\u00f6rdenstandorte der Hauptstadt miteinander verbunden; als Folge stockte tagelang unter anderem die Bearbeitung von Wohngeldantr\u00e4gen. Weil der Abfluss zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen war, begrenzte die Trennung zwar weiteren Schaden &#8211; den Datenverlust selbst konnte sie nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig machen. \u00d6ffentlich hielt sich der Senat zun\u00e4chst bedeckt und verwies auf <em>\u201eermittlungstaktische Gr\u00fcnde&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Was folgte, ist der eigentliche Kern. Am 19. August erkl\u00e4rte Wegner vor Journalisten, nach bisherigen Erkenntnissen seien keine sensiblen Daten abgeflossen, schr\u00e4nkte aber ein: <em>\u201eDas ist der jetzige Kenntnisstand.&#8220;<\/em> Die Rede war zun\u00e4chst nur von Geodaten, die ohnehin frei verf\u00fcgbar seien. Gut eine Woche sp\u00e4ter kassierte die Senatskanzlei diese Lesart: Es k\u00f6nne <\/p>\n<blockquote><p>\u201enicht ausgeschlossen werden, dass auch personenbezogene oder sonstige nicht-\u00f6ffentliche Daten betroffen sind&#8220;. <\/p><\/blockquote>\n<p>Am 28. August kam hinzu, dass im Verkehrsressort weitere Daten abgeflossen waren.<\/p>\n<p>Der Vorgang erinnert an einen Fall, \u00fcber den an anderer Stelle bereits zu lesen war: die Europ\u00e4ische Kommission, die im Fr\u00fchjahr 2026 binnen zwei Monaten zweimal gebrochen wurde &#8211; ausgerechnet jene Institution, die einem Kontinent Sicherheitsregeln vorschreibt. Das Muster ist dasselbe: die L\u00fccke zwischen dem, was eine Institution nach au\u00dfen verk\u00f6rpert, und dem, was ihr Betrieb im Ernstfall leistet. Berlin ist damit kein Einzelfall; erst im Mai traf es die Stadtverwaltung Stuttgart, und schon im Juli hatte ein IT-Ausfall die Berliner Justiz weitgehend lahmgelegt. Die H\u00e4ufung solcher Vorf\u00e4lle im \u00f6ffentlichen Sektor ist un\u00fcbersehbar.<\/p>\n<p><strong>Was ein gut \u00fcberwachtes Netz h\u00e4tte leisten m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n<p>Hier lohnt der n\u00fcchterne Blick des Praktikers. Ein gro\u00dfes, vern\u00fcnftig \u00fcberwachtes Beh\u00f6rdennetz verf\u00fcgt \u00fcber mehrere Sicherheitsschichten: zentrale Protokollierung, Ereigniskorrelation, Netzwerk\u00fcberwachung, Endpunkterkennung und &#8211; entscheidend &#8211; die Beobachtung ungew\u00f6hnlicher Datenstr\u00f6me nach au\u00dfen sowie privilegierter Konten. Der Mindeststandard des Bundesamts f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik zur Protokollierung und Detektion von Cyberangriffen macht genau das zur Grundlage: Ereignisse sollen protokolliert und zentral ausgewertet werden, weil erst diese Auswertung laufende oder zur\u00fcckliegende Angriffe sichtbar macht. Dieser Standard bindet formal die Bundesverwaltung, nicht ein Land &#8211; er gilt aber als anerkannter Ma\u00dfstab f\u00fcr den Stand der Technik, an dem sich auch eine Landesverwaltung messen lassen muss.<\/p>\n<p>Gemessen daran wirft der bekannte Ablauf Fragen auf. Ein Datenabfluss dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung, der \u00fcber sieben Tage l\u00e4uft und dann nicht durch die eigene Detektion, sondern durch einen zuf\u00e4lligen Fund auff\u00e4llt, deutet auf L\u00fccken in Erkennung und Reaktion hin. Warum eine Exfiltration in diesem Umfang &#8211; die T\u00e4terangaben unterstellt &#8211; nicht fr\u00fcher zu einer belastbaren Alarmierung f\u00fchrte, bleibt die entscheidende offene Frage. Dass Wochen sp\u00e4ter noch immer nicht \u00f6ffentlich gekl\u00e4rt ist, auf welchem Weg die Angreifer \u00fcberhaupt eindrangen, macht die Rekonstruktion nicht leichter. Schnelle Eind\u00e4mmung nach der Entdeckung ist das eine; die fr\u00fchzeitige Erkennung, die einen Abfluss gar nicht erst \u00fcber sieben Tage laufen l\u00e4sst, ist das andere. Dass der zust\u00e4ndige Chief Digital Officer, Florian Hauer, vor dem Innenausschuss einr\u00e4umte, <\/p>\n<blockquote><p>man sei \u201e<em>\u00fcberrascht, wie gro\u00df&#8220;<\/em> das eigene IT-System sei, <\/p><\/blockquote>\n<p>ist in diesem Zusammenhang der aufschlussreichste Satz des ganzen Vorgangs.<\/p>\n<p><strong>Die Kommunikation und die Wahl<\/strong><\/p>\n<p>Damit r\u00fcckt die zweite Frage in den Blick: nicht nur, was man nicht erkannte, sondern wie man dar\u00fcber sprach. Es ist ein Unterschied, ob eine Beh\u00f6rde sagt, sie habe einen Bereich forensisch gepr\u00fcft und dort nichts gefunden &#8211; oder ob sie, ohne den Umfang zu kennen, dennoch Entwarnung gibt. Am 19. August fiel die Entwarnung, obwohl die Forensik, wie Hauer wenige Tage sp\u00e4ter selbst andeutete, den Umfang noch gar nicht bestimmen konnte; <em>\u201eEs ist zu fr\u00fch, eine absolute Entwarnung zu geben<\/em>&#8222;, sagte er am 24. August. Dass Wegner seine fr\u00fchere Aussage mit dem <em>\u201ejetzigen Kenntnisstand&#8220;<\/em> versehen hatte, spricht f\u00fcr Vorsicht &#8211; doch eine Entwarnung, die man kurz darauf zur\u00fccknimmt, wiegt schwerer als der Vorbehalt, mit dem sie ausgesprochen wurde.<\/p>\n<p>Dieselbe Formel kehrt bei der Wahl wieder. Am 20. September 2026 w\u00e4hlt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus, dazu die Bezirksverordnetenversammlungen. Die f\u00fcr die Wahl ben\u00f6tigten Systeme seien <em>\u201enach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen<\/em>&#8222;, die Wahl technisch abgesichert, erkl\u00e4rte Spranger; Hauer sah <\/p>\n<blockquote><p>\u201ekeine Anhaltspunkte f\u00fcr eine Gef\u00e4hrdung der Wahlen&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>&#8211; und konnte zugleich nicht sagen, auf welchem Weg die T\u00e4ter \u00fcberhaupt ins Netz gelangt waren. Wie belastbar eine Entwarnung ist, deren Grundlage offen bleibt, muss der Leser selbst bewerten. Ein Vorwurf liegt darin nicht; wohl aber ein Muster: die Beruhigung vor dem Befund, drei Wochen vor der Wahl.<\/p>\n<p><strong>Warum der Datensatz gef\u00e4hrlicher ist als die Schlagzeile<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Blick heftet sich an die Terabyte-Zahl. Aufschlussreicher ist, was in einem solchen Bestand steckt. Interne E-Mails sind weniger wegen einzelner Inhalte wertvoll als als Landkarte: Sie legen Zust\u00e4ndigkeiten, Arbeitsabl\u00e4ufe, Lieferanten, Projekte und Ansprechpartner offen &#8211; Material, mit dem sich k\u00fcnftige T\u00e4uschungs- und Social-Engineering-Angriffe erheblich glaubw\u00fcrdiger gestalten lassen. Vertr\u00e4ge, bei 46.500 St\u00fcck, ergeben ein Rundumbild \u00fcber Dienstleister, Wartungsvereinbarungen, Sicherheitsfirmen und technische Systeme. Und der eigentliche Sprengsatz sind Zugangsdaten: Wenn nicht nur Benutzerpassw\u00f6rter, sondern Klartext-Anmeldedaten f\u00fcr Service-, API- und technische Konten betroffen sind, hilft das blo\u00dfe Zur\u00fccksetzen von Kennw\u00f6rtern nicht weiter &#8211; solche Konten in einem ganzen Landesnetz umzustellen, ist ungleich schwerer. In den von der Gruppe ver\u00f6ffentlichten Ausz\u00fcgen fand sich Berichten zufolge sogar eine Datei mit Passw\u00f6rtern im Klartext &#8211; f\u00fcr eine Verwaltung dieser Gr\u00f6\u00dfe ein besonders unangenehmer Fund. K\u00e4men Personal-, Justiz- oder Gesundheitsunterlagen hinzu, ginge es um die pers\u00f6nliche Kompromittierung Betroffener bis hin zum Identit\u00e4tsdiebstahl.<\/p>\n<p>Dazu tritt die Frage, wer nun Zugriff hat. Mit der Aufarbeitung wurde das US-Unternehmen CrowdStrike beauftragt &#8211; nachvollziehbar, weil ein Vorfall dieser Gr\u00f6\u00dfe sofort viele hochspezialisierte Kr\u00e4fte verlangt, die in Deutschland kurzfristig kaum in dieser Zahl verf\u00fcgbar sind. Doch ein US-Dienstleister unterliegt US-Recht, etwa dem CLOUD Act, der die Herausgabe von Daten unabh\u00e4ngig vom Speicherort erzwingen kann. Welche Zugriffsrechte CrowdStrike im Landesnetz besitzt, welche Daten eingesehen oder exportiert werden d\u00fcrfen, wo sie gespeichert und wie sie nach dem Einsatz gel\u00f6scht oder zur\u00fcckgegeben werden &#8211; das sind keine Nebenfragen, sondern die Governance, die eine Verwaltung vorab gekl\u00e4rt haben muss, statt sie unter Zeitdruck nachzureichen.<\/p>\n<p><strong>Was am Ende bleibt<\/strong><\/p>\n<p>Vieles hat funktioniert: Die betroffenen Verwaltungen wurden vom Netz getrennt, Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und BSI eingeschaltet, die L\u00f6segeldforderung zur\u00fcckgewiesen &#8211; eine Haltung, die aus Sicherheitssicht ihre guten Gr\u00fcnde hat. Und Ransomware trifft heute jeden; das BSI f\u00fchrt sie seit Jahren als gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr Beh\u00f6rden und Unternehmen. Der Befund liegt deshalb nicht im Opfer-Sein.<\/p>\n<p>Er liegt in der L\u00fccke: zwischen den sieben Tagen unbemerkten Abflusses und dem Anspruch, den eine Hauptstadt an ihre eigene Wehrhaftigkeit stellen m\u00fcsste; zwischen der Entwarnung vom 19. August und ihrer stillen R\u00fccknahme; zwischen der Beruhigung nach au\u00dfen und dem Eingest\u00e4ndnis, man sei von der Gr\u00f6\u00dfe des eigenen Systems \u00fcberrascht. <\/p>\n<p>Wer tagelang Daten verliert und Wochen sp\u00e4ter noch nicht wei\u00df, was gestohlen wurde, hat weniger ein Erkenntnis- als ein Kontrollproblem. F\u00fcr die B\u00fcrger, deren Vertr\u00e4ge, Vorg\u00e4nge und wom\u00f6glich pers\u00f6nliche Daten in dem Bestand liegen, verschiebt sich das Risiko damit in eine Zukunft, die sich nicht mehr einfangen l\u00e4sst: Anders als ein Passwort kann man einen einmal abgeflossenen Datensatz nicht zur\u00fcckrollen. Die eigentliche Pr\u00fcfung steht Berlin deshalb noch bevor &#8211; nicht im Umgang mit den Erpressern, sondern in der Antwort auf eine schlichte Frage: <\/p>\n<blockquote><p>Wer \u00fcberwacht das Landesnetz der deutschen Hauptstadt, und was z\u00e4hlt am Ende mehr &#8211; die sichtbare Krisenkommunikation oder die unsichtbare Widerstandsf\u00e4higkeit, die sich erst im Ernstfall zeigt?<\/p><\/blockquote>\n<h3 id=\"quellen-und-anmerkungen\">Quellen und Anmerkungen<\/h3>\n<\/p>\n<p><strong>Michael Hollister<\/strong>\u00a0war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen milit\u00e4rischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er prim\u00e4rquellenbasiert europ\u00e4ische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere S\u00fcdostasien, wo er strategische Abh\u00e4ngigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik &#8211; jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.michael-hollister.com\/?ref=apolut.net\">www.michael-hollister.com<\/a>\u00a0sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p><strong>Offizielle Quellen und Beh\u00f6rden<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin, Pressemitteilung vom 28. August 2026, \u201eDas Land Berlin l\u00e4sst sich nicht erpressen&#8220;:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.berlin.de\/rbmskzl\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2026\/pressemitteilung.1708208.php?ref=apolut.net\">https:\/\/www.berlin.de\/rbmskzl\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2026\/pressemitteilung.1708208.php<\/a><\/li>\n<li>Mindeststandard des BSI zur Protokollierung und Detektion von Cyberangriffen (\u00a7 8 Abs. 1 BSIG):\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bsi.bund.de\/DE\/Themen\/Oeffentliche-Verwaltung\/Mindeststandards\/PDCA\/PDCA_node.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.bsi.bund.de\/DE\/Themen\/Oeffentliche-Verwaltung\/Mindeststandards\/PDCA\/PDCA_node.html<\/a><\/li>\n<li>rbb24, \u201eBerlin-Wahl 2026&#8243; &#8211; Abgeordnetenhaus, Bezirksverordnetenversammlungen und Volksentscheid am 20. September 2026:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/berlin-wahl-2026\/beitraege\/agh-bvv-volksentscheid-waehler-termin-kandidaten-faq.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.rbb24.de\/politik\/berlin-wahl-2026\/beitraege\/agh-bvv-volksentscheid-waehler-termin-kandidaten-faq.html<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Chronologie, Entwarnung und R\u00fccknahme<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Berliner Zeitung, \u201eHackerattacke auf Berliner Beh\u00f6rden: Sind sensible Daten abgeflossen?&#8220; (Wegner, 19. August 2026):\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/hackerattacke-auf-berliner-behoerden-sind-sensible-daten-abgeflossen-10310110?ref=apolut.net\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/hackerattacke-auf-berliner-behoerden-sind-sensible-daten-abgeflossen-10310110<\/a><\/li>\n<li>Tagesspiegel, \u201eKeine belastbaren Erkenntnisse: Berliner Senat tappt nach Hackerangriff im Dunklen&#8220; (Hauer im Innenausschuss, 24. August 2026; Paywall, im Browser aufrufbar):\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/keine-belastbaren-erkenntnisse-berliner-senat-tappt-nach-hackerangriff-im-dunklen-15976892.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/keine-belastbaren-erkenntnisse-berliner-senat-tappt-nach-hackerangriff-im-dunklen-15976892.html<\/a><\/li>\n<li>heise online, \u201eSensible Daten bei Cyberangriff wom\u00f6glich doch betroffen&#8220;\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Sensible-Daten-bei-Cyberangriff-womoeglich-doch-betroffen-11427279.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.heise.de\/news\/Sensible-Daten-bei-Cyberangriff-womoeglich-doch-betroffen-11427279.html<\/a><\/li>\n<li>eGovernment, \u201eSenatskanzlei \u00e4u\u00dfert sich nicht zu Erpressern&#8220;:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.egovernment.de\/senatskanzlei-aeussert-sich-nicht-zu-erpressern-a-673dfc71fbfb6e245faee57a0d0155bb\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.egovernment.de\/senatskanzlei-aeussert-sich-nicht-zu-erpressern-a-673dfc71fbfb6e245faee57a0d0155bb\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Erpressung, CrowdStrike und Datenumfang<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Tagesspiegel, \u201eBerliner Senat best\u00e4tigt Erpressung: Wegner weist Ultimatum von Hackern zur\u00fcck&#8220; (Beauftragung von CrowdStrike):\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-senat-bestatigt-erpressung-wegner-weist-ultimatum-von-hackern-zuruck-15984600.html?ref=apolut.net\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-senat-bestatigt-erpressung-wegner-weist-ultimatum-von-hackern-zuruck-15984600.html<\/a><\/li>\n<li>&lt;kes&gt; Informationssicherheit, \u201eCyberangriff auf Berlin: Rhysida behauptet Diebstahl von 5,79 Terabyte&#8220;:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.kes-informationssicherheit.de\/artikel\/cyberangriff-auf-berlin-rhysida-behauptet-diebstahl-von-579-terabyte\/?ref=apolut.net\">https:\/\/www.kes-informationssicherheit.de\/artikel\/cyberangriff-auf-berlin-rhysida-behauptet-diebstahl-von-579-terabyte\/<\/a><\/li>\n<li>Borns IT- und Windows-Blog, \u201eRhysida Cyberangreifer erpressen Berlin nach Hack des Landesnetzes&#8220;:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2026\/08\/31\/rhysida-cyberangreifer-erpressen-berlin-nach-hack-des-landesnetzes\/?ref=apolut.net\">https:\/\/borncity.com\/blog\/2026\/08\/31\/rhysida-cyberangreifer-erpressen-berlin-nach-hack-des-landesnetzes\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Hintergrund und Pr\u00e4zedenz<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Michael Hollister,<em> \u201eDie Vorgabe, die im eigenen Haus scheiterte&#8220; <\/em>(zwei Cyberangriffe auf die EU-Kommission, 2026); zugrunde liegende Analyse: CERT-EU, \u201eEuropean Commission cloud breach: a supply-chain compromise&#8220;:\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/cert.europa.eu\/blog\/european-commission-cloud-breach-trivy-supply-chain?ref=apolut.net\">https:\/\/cert.europa.eu\/blog\/european-commission-cloud-breach-trivy-supply-chain<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>\u00a9 Michael Hollister &#8211; Alle Rechte vorbehalten. Die Weitergabe, Ver\u00f6ffentlichung oder Nutzung dieses Textes bedarf der ausdr\u00fccklichen schriftlichen Genehmigung des Autors. Bei Interesse an einer Weiterverwendung kontaktieren Sie bitte den Autor \u00fcber\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.michael-hollister.com\/?ref=apolut.net\">www.michael-hollister.com<\/a>.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Sieben Tage lang flossen Daten aus dem Berliner Landesnetz<\/p>\n<p>Bildquelle:\u00a0KI generiert\u00a0\/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Sieben Tage lang flossen Daten aus dem Berliner Landesnetz, bevor der Angriff \u00fcberhaupt erkannt wurde. Danach folgte eine Entwarnung, die der Senat wenig sp\u00e4ter wieder relativieren musste &#8211; w\u00e4hrend bis heute offen ist, was tats\u00e4chlich gestohlen wurde und wie die Angreifer eindringen konnten.<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":20384,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_gspb_post_css":"","_uag_custom_page_level_css":"","fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-20383","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":7}},"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",1920,1080,false],"thumbnail":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:150\/h:150\/q:mauto\/rt:fill\/g:ce\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:300\/h:169\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",300,169,true],"medium_large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:768\/h:432\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",768,432,true],"large":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:1024\/h:576\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",1024,576,true],"1536x1536":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:1536\/h:864\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",1536,864,true],"2048x2048":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",1920,1080,false],"trp-custom-language-flag":["https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/w:18\/h:10\/q:mauto\/f:best\/dpr:2\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/GHOST_TD.jpg",18,10,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"admin","author_link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/author\/admin\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Sieben Tage lang flossen Daten aus dem Berliner Landesnetz, bevor der Angriff \u00fcberhaupt erkannt wurde. 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