{"id":20629,"date":"2026-09-02T17:03:52","date_gmt":"2026-09-02T15:03:52","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/teurer-sprit-weiche-konjunktur-oesterreich-zwischen-energieschock-und-stellenabbau\/"},"modified":"2026-09-02T17:03:52","modified_gmt":"2026-09-02T15:03:52","slug":"teurer-sprit-weiche-konjunktur-oesterreich-zwischen-energieschock-und-stellenabbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/teurer-sprit-weiche-konjunktur-oesterreich-zwischen-energieschock-und-stellenabbau\/","title":{"rendered":"Teurer Sprit, weiche Konjunktur: \u00d6sterreich zwischen Energieschock und Stellenabbau"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Die Inflation legt wieder zu. Nach der Schnellsch\u00e4tzung von &#8222;Statistik Austria&#8220; kletterte die Teuerung im August auf 3,2 Prozent, im Juli waren es noch 2,8 Prozent. Zum Vormonat stiegen die Preise um 0,6 Prozent. Zugleich schw\u00e4chelt der Arbeitsmarkt: mehr Arbeitslose, weniger offene Stellen. Kein klassisches \u00dcberhitzungsmuster also, sondern die Handschrift eines importierten Energieschocks, der auf eine ohnehin lahmende Wirtschaft trifft.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Sprung von Juli auf August sorgten vor allem Treibstoff und Heiz\u00f6l. Energie verteuerte sich im Jahresvergleich um 10 Prozent nach 5,7 Prozent im Juli und trug rund 0,8 Prozentpunkte zur Gesamtinflation bei.<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfter Preistreiber bleiben jedoch die Dienstleistungen mit einem Anstieg von 4,3 Prozent, der rund 2,2 Prozentpunkte zur Inflation beitrug. Mieten, Gastronomie, Gesundheit und andere personalintensive Bereiche reagieren langsamer auf sinkende Energiepreise, weil L\u00f6hne und Kosten tr\u00e4ger sind.<\/p>\n<p>Bei Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol lag der Anstieg dank der seit 1. Juli gesenkten Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel nur bei 0,2 Prozent. Industrieg\u00fcter verteuerten sich um 0,5 Prozent, die Kerninflation lag bei 3,0 Prozent. Im EU-Vergleich steht \u00d6sterreich besser da, als die nationale Rate vermuten l\u00e4sst. Der harmonisierte Index lag bei 2,9 Prozent gegen\u00fcber 3,3 Prozent im Euroraum. Litauen verzeichnete mit 5,8 Prozent die h\u00f6chste, Estland mit 1,3 Prozent die niedrigste Inflation.<\/p>\n<p>Auch der Arbeitsmarkt zeigt keine Zeichen einer \u00dcberhitzung. Ende August waren 375.730 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet, die Arbeitslosenquote stieg auf 7,2 Prozent. Die Zahl von 123.400 offenen Stellen bezieht sich auf die Quartalserhebung von April bis Juni und lag 16,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Beim AMS waren im August rund 80.000 Stellen sofort verf\u00fcgbar. Steigende Preise bei gleichzeitig schwacher Arbeitsnachfrage sprechen eher f\u00fcr eine milde Stagflation als f\u00fcr einen Nachfrageboom.<\/p>\n<p>Als Treiber gelten vor allem h\u00f6here Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts und der Unsicherheit rund um die Stra\u00dfe von Hormus. Nach rund 2 Prozent zu Jahresbeginn und 3,7 Prozent im Mai liegt die Inflation im August wieder bei 3,2 Prozent. Die Nationalbank erwartet f\u00fcr 2026 im Schnitt 3,2 Prozent und f\u00fcr 2027 2,4 Prozent, sofern die Energiepreise sp\u00e4ter nachgeben.<\/p>\n<p>Martin Kocher, Gouverneur der \u00d6sterreichischen Nationalbank (OeNB), hat den Punkt klar benannt. Der Inflationsdruck h\u00e4lt sich l\u00e4nger als gew\u00fcnscht. Best\u00e4tigen die neuen EZB-Projektionen die h\u00f6heren Risiken, h\u00e4lt er eine weitere Zinserh\u00f6hung bald f\u00fcr n\u00f6tig. Der EZB-Rat tagt am 10. September in Berlin. Ein Zinsschritt senkt den Spritpreis nicht, sondern soll verhindern, dass sich der Energieschock in L\u00f6hne und Dienstleistungspreise frisst. An den M\u00e4rkten ist eine Anhebung des Einlagensatzes um einen Viertelpunkt vielerorts bereits eingepreist.<\/p>\n<p><strong>Drei Lager, drei Rezepte<\/strong><\/p>\n<p>Dieselben Zahlen, unterschiedliche Lesarten. FP\u00d6-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm macht vor allem die Politik verantwortlich und verweist auf Staat, Abgaben und die nur teilweise ausgeglichene kalte Progression. Im Jahr 2026 werden die Einkommensteuertarife nur zu zwei Dritteln an die Inflation angepasst, das letzte Drittel bleibt laut Budgetdienst bis 2029 ausgesetzt.<\/p>\n<p>Der \u00d6sterreichische Gewerkschaftsbund\u00a0wiederum nimmt Pendler und Familien in den Blick und fordert strengere Regeln f\u00fcr die Margen der Mineral\u00f6lwirtschaft sowie einen dauerhaften Preisdeckel f\u00fcr Strom, Gas und W\u00e4rme. Eine Spritpreisbremse mit Margenelement gab es im Jahr 2026 bereits. Bis Ende September gilt zudem eine um 1,9 Cent je Liter gesenkte Mineral\u00f6lsteuer. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer lehnt weitere Margeneingriffe ab.<\/p>\n<p>Auch bei den Stromkosten gehen die Deutungen auseinander. Die Freiheitliche Wirtschaft verweist auf eine Agenda-Austria-Berechnung, wonach bei einem untersuchten Gewerbebetrieb nur 47 Prozent der Stromrechnung auf Energie entfielen, w\u00e4hrend 29 Prozent auf Netztarife und 21 Prozent auf Steuern und Abgaben entfielen. Michael F\u00fcrtbauer, Vize-Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW), fordert deshalb den Abbau von CO\u2082- und Energiesteuern. Im Juli war \u00d6sterreich laut Netzbetreiber APG zudem nur an vier von 31 Tagen Nettoexporteur und importierte letztlich 751 Gigawattstunden. Grund daf\u00fcr war haupts\u00e4chlich die historisch schwache Laufwasserkraft.<\/p>\n<p>Beim Unmut sind sich Opposition, Gewerkschaften und Wirtschaftsvertreter einig, bei der Therapie nicht. Die einen fordern Steuersenkungen, andere Preisdeckel oder einen grundlegenden Systemumbau.<\/p>\n<p>F\u00fcr Haushalte z\u00e4hlt kurzfristig der Preis an der Zapfs\u00e4ule, f\u00fcr die Geldpolitik die Frage, ob sich die Kerninflation bei 3 Prozent festsetzt. F\u00fcr den Wirtschaftsstandort wiederum entscheidet sich, ob aus dem schwachen Arbeitsmarkt ein echter Abschwung wird.<\/p>\n<p>Die August-Zahl ist kein R\u00fcckfall in die zweistellige Teuerung von 2023, aber auch kein Ausrei\u00dfer, den man einfach abtun kann. Sie zeigt ein Land, das teure Energie importiert, bei Dienstleistungen nur langsam Entlastung sieht und am Arbeitsmarkt kaum noch Reserven hat, um die Entwicklung als Randnotiz abzutun.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong>\u00a0\u2012\u00a0<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/oesterreich\/256005-fpoe-kritisiert-meinl-reisinger-business\/\">FP\u00d6 attackiert Meinl-Reisinger wegen Flugausgaben: 261.000 Euro in drei Monaten<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cree2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Inflation legt wieder zu. 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