{"id":20704,"date":"2026-09-03T08:03:17","date_gmt":"2026-09-03T06:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/der-naechste-iran-plan-ist-brutal-in-israel-wird-ueber-szenarien-nachgedacht-die-jede-moralische-grenze-ueberschreiten\/"},"modified":"2026-09-03T08:03:17","modified_gmt":"2026-09-03T06:03:17","slug":"der-naechste-iran-plan-ist-brutal-in-israel-wird-ueber-szenarien-nachgedacht-die-jede-moralische-grenze-ueberschreiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/der-naechste-iran-plan-ist-brutal-in-israel-wird-ueber-szenarien-nachgedacht-die-jede-moralische-grenze-ueberschreiten\/","title":{"rendered":"Der n\u00e4chste Iran-Plan ist brutal: In Israel wird \u00fcber Szenarien nachgedacht, die jede moralische Grenze \u00fcberschreiten"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sechs Monate Krieg, massive Luftangriffe, F-35, B-2-Bomber und eine enorme milit\u00e4rische \u00dcbermacht \u2013 und trotzdem steht Iran noch immer. Genau mit diesem Eingest\u00e4ndnis beginnt ein bemerkenswerter Beitrag in der <em>Jerusalem Post<\/em>. Doch die Schlussfolgerung daraus lautet nicht: Der Krieg hat sein Ziel verfehlt, also muss die Diplomatie zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegenteil.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun soll offenbar dar\u00fcber nachgedacht werden, wie Iran dort getroffen werden kann, wo Bomben bislang nicht ausgereicht haben: <strong>im inneren Zusammenhalt des Landes selbst.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sicherheitsanalyst AJ Jaff entwirft in einem am 30. August ver\u00f6ffentlichten Meinungsbeitrag drei M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die n\u00e4chste Phase des Iran-Krieges. Dabei geht es nicht mehr nur um Atomanlagen, Raketenstellungen oder einen Regierungswechsel in Teheran. Jaff denkt weiter: Iran soll im Extremfall territorial auseinandergebrochen, China von Teheran getrennt und eine amerikanische Bodenstreitmacht aufgebaut werden, die eine solche Neuordnung notfalls milit\u00e4risch erzwingen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Entscheidende muss dabei gleich zu Beginn gesagt werden: Der Text ist <strong>kein offizieller israelischer oder amerikanischer Kriegsplan<\/strong>. Jaff schreibt als Analyst und Kommentator. Seine Vorschl\u00e4ge sind seine eigenen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch gerade deshalb ist der Beitrag aufschlussreich. Er zeigt, welche Szenarien inzwischen im sicherheitspolitischen Umfeld Israels \u00f6ffentlich diskutiert werden \u2013 und wie weit sich die Debatte bereits von der urspr\u00fcnglichen Rechtfertigung des Krieges entfernt hat.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaff beginnt mit einem bemerkenswerten Eingest\u00e4ndnis. Nach mehr als 180 Tagen Krieg und der nach seiner Darstellung intensivsten amerikanischen Luftkampagne seit dem Irakkrieg 2003 sei Irans milit\u00e4rische Kapazit\u00e4t nicht zusammengebrochen. Luftmacht habe weder das \u201einstitutionelle Problem\u201c gel\u00f6st noch Teheran zu den gew\u00fcnschten Verhandlungen gezwungen. Das Pentagon verf\u00fcge weiterhin nicht \u00fcber die Mittel, den Krieg entscheidend zu beenden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine erstaunliche Bilanz.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Monaten der Bombardierung lautet die Antwort also nicht, dass milit\u00e4rische Gewalt an ihre Grenzen gesto\u00dfen ist. Die Antwort lautet: <strong>Dann muss der Krieg auf einer anderen Ebene weitergef\u00fchrt werden.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und diese Ebene ist wesentlich gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaff schl\u00e4gt vor, dass der US-Kongress die Unabh\u00e4ngigkeit iranischer Kurden, Ahwazi-Araber und Belutschen anerkennen k\u00f6nnte. Dadurch w\u00fcrde Washington separatistische Kr\u00e4fte innerhalb Irans politisch aufwerten und Teheran vor eine existentielle Entscheidung stellen: Zugest\u00e4ndnisse beim Atomprogramm, bei seinen regionalen Verb\u00fcndeten und in der Stra\u00dfe von Hormus \u2013 oder die Gefahr, dass Iran in mehrere Staaten auseinanderbricht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autor spricht bemerkenswert offen aus, worum es geht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Regimewechsel w\u00fcrde lediglich die F\u00fchrung austauschen und Iran als Staat bestehen lassen. Eine Teilung dagegen w\u00fcrde den territorialen Rahmen selbst aufbrechen. Damit verschiebt sich das m\u00f6gliche Kriegsziel fundamental.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht mehr nur: <strong>Die iranische Regierung muss fallen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern: <strong>Der iranische Staat in seiner heutigen Form k\u00f6nnte aufh\u00f6ren zu existieren.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine beil\u00e4ufige Formulierung. Jaff beschreibt die Aufteilung ausdr\u00fccklich als Mittel, um den Staat politisch, moralisch und psychologisch zu brechen und seine Autorit\u00e4t auf seinem eigenen Territorium zu untergraben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bemerkenswert ist, dass diese Idee bei ihm nicht neu ist. Bereits im M\u00e4rz hatte derselbe Autor in der <em>Jerusalem Post<\/em> argumentiert, Irans \u201ePeripherie\u201c sei der Schl\u00fcssel und sich f\u00fcr kurdische, belutschische und ahwazische Autonomie sowie eine Flugverbotszone ausgesprochen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man sieht also eine Entwicklung der Argumentation: Was zun\u00e4chst als Autonomie und Druck \u00fcber die Randregionen diskutiert wurde, wird nun offen bis zur territorialen Teilung Irans weitergedacht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch daf\u00fcr g\u00e4be es ein gewaltiges Problem. Wer soll einen solchen Zustand milit\u00e4risch durchsetzen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaff nennt Sch\u00e4tzungen von 750.000 bis 1,5 Millionen amerikanischen Soldaten f\u00fcr eine erfolgreiche Bodenoperation gegen Iran. Die aktive US-Armee sei daf\u00fcr viel zu klein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier nimmt der Beitrag eine geradezu dystopische Wendung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die amerikanische Bev\u00f6lkerung habe diesen Krieg nicht angenommen, schreibt Jaff. Das Pentagon habe es nicht geschafft, ihn den Amerikanern politisch zu \u201everkaufen\u201c. Gleichzeitig seien Millionen junger Amerikaner hoch verschuldet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also soll genau diese wirtschaftliche Not zum Rekrutierungsinstrument werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jaff schl\u00e4gt ein staatliches Schuldenerlassprogramm vor: Junge Amerikaner k\u00f6nnten ihre Studenten-, Kreditkarten-, Auto- und andere Schulden vollst\u00e4ndig loswerden, wenn sie 24 oder 36 Monate Milit\u00e4rdienst leisten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss sich klarmachen, was hier vorgeschlagen wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein junger Mensch verschuldet sich f\u00fcr seine Ausbildung, sein Auto oder schlicht sein Leben. Der Staat bietet ihm anschlie\u00dfend den Ausweg aus dieser Schuldenfalle an \u2013 unter der Bedingung, dass er Uniform tr\u00e4gt und m\u00f6glicherweise in einen Krieg gegen ein Land mit mehr als 90 Millionen Einwohnern geschickt wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autor erkennt selbst, dass die moralische Dimension \u201eunangenehm\u201c ist. Seine Antwort darauf ist jedoch bemerkenswert n\u00fcchtern: Staaten erzeugten die Soldaten, die sie ben\u00f6tigen, eben mit den Anreizen, die bei ihrer Bev\u00f6lkerung funktionieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die private Verschuldung einer Generation wird damit nicht als soziales Problem betrachtet. Sie wird zur <strong>milit\u00e4rischen Ressource<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und diese Soldaten h\u00e4tten in Jaffs Szenario eine konkrete Funktion: Sollte Teheran unter dem Druck einer drohenden territorialen Aufteilung nicht kapitulieren, k\u00f6nne eine durch Schuldenerlass vergr\u00f6\u00dferte amerikanische Streitmacht diese Teilung milit\u00e4risch durchsetzen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist weit mehr als eine theoretische Diskussion \u00fcber Sanktionen. Es ist die Beschreibung eines m\u00f6glichen Mechanismus f\u00fcr einen gro\u00dfen Bodenkrieg.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch selbst damit ist der Plan nicht vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Iran verf\u00fcgt mit China \u00fcber einen m\u00e4chtigen wirtschaftlichen und geopolitischen Partner. Deshalb soll Washington nach Jaffs Vorstellung Peking einen Deal anbieten: China beh\u00e4lt auch nach einer politischen Neuordnung Irans Zugang zum iranischen \u00d6l \u2013 im Gegenzug zieht Peking seine diplomatische und materielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Teheran zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst Taiwan bringt der Autor als m\u00f6gliche Verhandlungsmasse ins Spiel.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iranisches \u00d6l gegen chinesische Neutralit\u00e4t. M\u00f6gliche Zugest\u00e4ndnisse bei Taiwan gegen die strategische Isolation Teherans.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Menschen im Iran wird dabei gesprochen, als seien sie Figuren auf einem geopolitischen Schachbrett. Grenzen, Minderheiten, \u00d6l, Schulden und sogar die Zukunft Taiwans werden zu Variablen einer Strategie, deren eigentliches Ziel der Autor am Ende au\u00dfergew\u00f6hnlich offen formuliert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Krieg sei nicht beendet, wenn ein Waffenstillstand unterzeichnet werde. Er sei beendet, wenn der <strong>institutionelle Zusammenhalt Irans gebrochen<\/strong> sei. Genau dieser Satz entlarvt die Dimension der \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn damit geht es l\u00e4ngst nicht mehr allein um das iranische Atomprogramm. Nicht mehr allein um Raketen. Nicht mehr allein um die Revolutionsgarden. Und offenbar nicht einmal mehr zwingend nur um die Islamische Republik.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht um die Frage, ob Iran danach \u00fcberhaupt noch als handlungsf\u00e4higer, territorial zusammenh\u00e4ngender Staat existiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iran w\u00e4re jedoch eine v\u00f6llig andere Gr\u00f6\u00dfenordnung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehr als 90 Millionen Einwohner, eine enorme geografische Ausdehnung, ethnisch unterschiedliche Regionen, gewaltige Energiereserven, die Stra\u00dfe von Hormus und unmittelbare Grenzen zu Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien, der T\u00fcrkei und dem Irak.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorstellung, einen solchen Staat bewusst auseinanderzubrechen und anschlie\u00dfend kontrollieren zu k\u00f6nnen, w\u00e4re ein geopolitisches Experiment mit unabsehbaren Folgen weit \u00fcber den Nahen Osten hinaus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau deshalb ist dieser Beitrag so aufschlussreich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht weil er beweist, dass Benjamin Netanjahu oder Donald Trump morgen diesen Plan umsetzen werden. Das tut er ausdr\u00fccklich nicht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern weil er zeigt, <strong>wie weit sich das strategische Denken inzwischen verschoben hat<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vielleicht Erschreckendste daran ist die K\u00e4lte, mit der diese \u00dcberlegungen pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Millionen Iraner w\u00fcrden bei einer territorialen Zerschlagung ihres Landes vor einer v\u00f6llig ungewissen Zukunft stehen. Amerikanische Familien m\u00fcssten die Konsequenzen eines gigantischen Bodenkrieges tragen. Kurden, Belutschen und Araber w\u00fcrden zu Werkzeugen einer Gro\u00dfmachtstrategie. China soll mit \u00d6l herausgekauft werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Mittel werden radikaler.<\/strong><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechs Monate Krieg, massive Luftangriffe, F-35, B-2-Bomber und eine enorme milit\u00e4rische \u00dcbermacht \u2013 und trotzdem steht Iran noch immer. Genau mit diesem Eingest\u00e4ndnis beginnt ein bemerkenswerter Beitrag in der Jerusalem Post. Doch die Schlussfolgerung daraus lautet nicht: Der Krieg hat sein Ziel verfehlt, also muss die Diplomatie zur\u00fcckkehren. Im Gegenteil. 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