{"id":20865,"date":"2026-09-03T19:02:56","date_gmt":"2026-09-03T17:02:56","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/wirtschaft\/arbeitgeber-wollen-betriebsraete-schwaechen-ig-metall-reagiert-38204572-html\/"},"modified":"2026-09-03T19:02:56","modified_gmt":"2026-09-03T17:02:56","slug":"arbeitgeber-wollen-betriebsraete-schwaechen-ig-metall-reagiert-38204572-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/wirtschaft\/arbeitgeber-wollen-betriebsraete-schwaechen-ig-metall-reagiert-38204572-html\/","title":{"rendered":"Weniger Mitbestimmung: Arbeitgeber starten Frontalangriff auf Betriebsr\u00e4te"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Arbeitgeberverb\u00e4nde wollen Unternehmen mehr Freiheiten bei Umbau, Stellenabbau und Werksschlie\u00dfungen geben \u2013 und daf\u00fcr die Rechte von Betriebsr\u00e4ten beschneiden. Die IG Metall reagiert mit einer Kampfansage<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"rtf-content-wrapper\">\n<p>Die Arbeitgeber wollen die Mitbestimmungsrechte von Betriebsr\u00e4ten in bestimmten F\u00e4llen einschr\u00e4nken und sto\u00dfen damit auf scharfen Widerstand der IG Metall. \u201eDeutschland muss schneller, effizienter und weniger b\u00fcrokratisch werden\u201c, forderte Arbeitgeberpr\u00e4sident Rainer Dulger. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb\u00e4nde (BDA) verlangt daf\u00fcr eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes.<\/p>\n<p>Die IG Metall wies die Forderungen entschieden zur\u00fcck. \u201eWer Betriebsr\u00e4te und ihre Rechte als ein Nice-to-have oder gar als l\u00e4stig darstellt, provoziert unseren erbitterten Widerstand\u201c, erkl\u00e4rte IG-Metall-Vorstand Andr\u00e9 Arenz. Die Mitbestimmung m\u00fcsse ausgebaut und nicht geschw\u00e4cht werden.<\/p>\n<h2>Arbeitgeber wollen in dringenden F\u00e4llen allein entscheiden<\/h2>\n<p>Die Arbeitgeber argumentieren dagegen, dass Unternehmen vor allem in Krisen und bei Umstrukturierungen schneller entscheiden k\u00f6nnen m\u00fcssten. In einem BDA-Papier wird gefordert, \u201ebestehende Mitbestimmungsrechte auf den Pr\u00fcfstand zu stellen\u201c. Gerade die Mitbestimmung bei sozialen Angelegenheiten sei oft zu langsam. Notwendige Anpassungen wie die Einf\u00fchrung neuer Arbeitsmittel oder Regelungen zum Gesundheitsschutz w\u00fcrden teilweise \u201ein gef\u00e4hrlicher Weise ausgebremst\u201c.<\/p>\n<\/p>\n<p>In besonders dringenden F\u00e4llen fordert die BDA deshalb eine \u201eeinseitige Regelungsbefugnis\u201c f\u00fcr Arbeitgeber. Unternehmen sollen vorl\u00e4ufig auch ohne Zustimmung des Betriebsrats oder einen Spruch der Einigungsstelle entscheiden d\u00fcrfen. \u201eWenn Auftr\u00e4ge verloren gehen, Digitalisierung verschleppt wird und Wettbewerbsf\u00e4higkeit schwindet, geht es am Ende auch um Besch\u00e4ftigung\u201c, sagte Dulger. F\u00fcr Unternehmen m\u00fcsse es m\u00f6glich sein, dringende Entscheidungen zu treffen, ohne zun\u00e4chst einen Spruch der Einigungsstelle abzuwarten.<\/p>\n<h2>IG Metall f\u00fcrchtet \u201eeinsame Entscheidungen\u201c<\/h2>\n<p>Die Arbeitgeber wollen zudem Fristen f\u00fcr Mitwirkung und Einigungen einf\u00fchren. Derzeit k\u00f6nnten Betriebsr\u00e4te die Verhandlungen \u00fcber einen Interessenausgleich und einen Sozialplan erheblich verz\u00f6gern und damit etwa dringend notwendige Restrukturierungen blockieren, hei\u00dft es in dem Papier. Gemeint sind sogenannte Betriebs\u00e4nderungen wie Werksschlie\u00dfungen oder Entlassungen. Kommt innerhalb einer bestimmten Frist keine Einigung zustande, sollen Arbeitgeber nach Vorstellung der BDA allein entscheiden k\u00f6nnen. Betriebsr\u00e4te k\u00f6nnten die Entscheidung anschlie\u00dfend kontrollieren.<\/p>\n<p>Die IG Metall h\u00e4lt dagegen. Betriebsr\u00e4te seien keine Last, sondern auch ein Gewinn f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg, sagte Arenz. \u201eMitbestimmte Unternehmen leisten bessere Arbeit und sind nachweislich zukunftsf\u00e4higer.\u201c Aufgabe der Betriebsr\u00e4te sei es unter anderem, die Gesundheit der Besch\u00e4ftigten zu sch\u00fctzen und f\u00fcr gerechte Arbeitsbedingungen zu sorgen. \u201eEinsame Entscheidungen des Managements auf dem R\u00fccken der Besch\u00e4ftigten\u201c w\u00fcrden dadurch verhindert.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Betriebsr\u00e4te k\u00e4mpften t\u00e4glich f\u00fcr den Zusammenhalt in den Unternehmen und damit f\u00fcr den Erhalt der Demokratie, erkl\u00e4rte Arenz. \u201eWer bei Besch\u00e4ftigten-Rechten z\u00fcndelt, riskiert, dass der ganze Baum in Brand ger\u00e4t.\u201c Auch die Gewerkschaft fordert eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes, allerdings mit einer anderen Sto\u00dfrichtung. Sie will die Mitbestimmung ausbauen und Betriebsratswahlen vereinfachen.<\/p>\n<h2>Betriebsr\u00e4te sollen kleiner werden<\/h2>\n<p>Die BDA will au\u00dferdem die Betriebsr\u00e4te verkleinern, sodass weniger Besch\u00e4ftigte f\u00fcr die Arbeit in den Gremien freigestellt werden m\u00fcssten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen ihre Zusammenarbeit zudem st\u00e4rker \u00fcber betriebliche Strukturvereinbarungen organisieren k\u00f6nnen. Elektronische Betriebsratswahlen und virtuelle Sitzungen sollen ebenfalls m\u00f6glich werden.<\/p>\n<p>Betriebsr\u00e4te sollten die Interessen der Besch\u00e4ftigten einbringen, seien aber keine \u201eCo-Manager\u201c, sagte Dulger. Verfahren, die keinen zus\u00e4tzlichen Schutz br\u00e4chten und notwendige Ver\u00e4nderungen lediglich verz\u00f6gerten, m\u00fcssten auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Die Debatte trifft auf eine Arbeitswelt, in der Betriebsr\u00e4te ohnehin seltener geworden sind. Nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft hatten zuletzt nur noch sieben Prozent der Betriebe einen Betriebsrat. Dabei handelt es sich vor allem um gr\u00f6\u00dfere Unternehmen. Nur noch etwa jeder dritte Besch\u00e4ftigte in der Privatwirtschaft wird von einem Betriebsrat vertreten. 1996 war es laut IW noch jeder zweite.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>Arbeitgeberverb\u00e4nde wollen Unternehmen mehr Freiheiten bei Umbau, Stellenabbau und Werksschlie\u00dfungen geben \u2013 und daf\u00fcr die Rechte von Betriebsr\u00e4ten beschneiden. 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