{"id":20914,"date":"2026-09-04T08:03:16","date_gmt":"2026-09-04T06:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/uncategorized\/was-pater-daniel-maes-in-syrien-erlebte-steht-in-krassem-widerspruch-zur-westlichen-darstellung\/"},"modified":"2026-09-04T08:03:16","modified_gmt":"2026-09-04T06:03:16","slug":"was-pater-daniel-maes-in-syrien-erlebte-steht-in-krassem-widerspruch-zur-westlichen-darstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/uncategorized\/was-pater-daniel-maes-in-syrien-erlebte-steht-in-krassem-widerspruch-zur-westlichen-darstellung\/","title":{"rendered":"Was Pater Dani\u00ebl Maes in Syrien erlebte, steht in krassem Widerspruch zur westlichen Darstellung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der belgische Pr\u00e4monstratenserpater Dani\u00ebl Maes lebt seit mehr als 15 Jahren im syrischen Qara. Von dort berichtet er \u00fcber eine Realit\u00e4t, die seiner Darstellung zufolge wenig mit jenem Bild gemein hat, das westliche Medien \u00fcber Jahre vom Syrien-Krieg zeichneten. In einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit dem YouTube-Kanal \u201eCompleetdenkers\u201c spricht er \u00fcber die Anf\u00e4nge des Krieges, die Interessen ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte, die D\u00e4monisierung Baschar al-Assads und seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Augenzeuge widerspricht dem vorherrschenden Narrativ<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes stammt aus einer belgischen Arbeiterfamilie mit neun Kindern, wurde Pr\u00e4monstratenserpriester und ging nach Syrien, um dort beim Aufbau einer Priesterausbildung mitzuwirken. Das Syrien, das er damals kennenlernte, beschreibt er als vergleichsweise wohlhabendes und sicheres Land mit kostenloser Hochschulbildung und einem bemerkenswerten Ma\u00df an religi\u00f6ser Toleranz zwischen Muslimen, Christen und Drusen. Nach seiner Darstellung verf\u00fcgte das Land zudem \u00fcber keine nennenswerte Staatsverschuldung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als 2011 die Gewalt eskalierte, widersprach Maes fr\u00fch der im Westen dominierenden Interpretation eines weitgehend einheimischen Volksaufstands gegen Assad. Daf\u00fcr wurde er als \u201ePutin-Anh\u00e4nger\u201c und \u201eAssad-Verteidiger\u201c kritisiert. An seiner Einsch\u00e4tzung \u00e4nderte das nichts: F\u00fcr ihn entwickelte sich der Konflikt wesentlich durch ausl\u00e4ndische Interventionen und geopolitische sowie wirtschaftliche Interessen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Compleetdenkers #95 de kracht van authenticiteit versus de decadentie van de macht I Pater Daniel\" width=\"800\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/TgYnKfeU_lQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div>\n<\/figure>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pipeline-Pl\u00e4ne und die Frage nach den Interessen hinter dem Krieg<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders weit geht Maes bei seiner Interpretation der Ursachen des Krieges. Er verweist auf Pl\u00e4ne, Gas beziehungsweise Energierohstoffe aus Katar und der Golfregion \u00fcber Syrien Richtung Mittelmeer und Europa zu transportieren. Assad habe einem entsprechenden Projekt nicht zugestimmt und sich damit m\u00e4chtige Gegner geschaffen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes verweist dabei auch auf Homs, das zu einem Zentrum der K\u00e4mpfe wurde und zugleich strategisch auf m\u00f6glichen Energiekorridoren Richtung Mittelmeer liegt. F\u00fcr ihn ist das kein nebens\u00e4chliches Detail, sondern Teil einer gr\u00f6\u00dferen geopolitischen Auseinandersetzung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sogenannte Pipeline-These wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Dass Katar tats\u00e4chlich eine Pipeline \u00fcber Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien Richtung T\u00fcrkei erwog und Assad stattdessen sp\u00e4ter ein Konkurrenzprojekt mit Iran und Irak unterst\u00fctzte, ist dokumentiert. Die wesentlich weitergehende Behauptung, die Ablehnung der Pipeline sei <strong>die eigentliche oder entscheidende Ursache des Syrien-Krieges gewesen<\/strong>, ist dagegen nicht belegt und unter Historikern und Nahost-Analysten umstritten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Maes passt Syrien dennoch in ein bekanntes Muster westlicher Interventionen. Er erinnert an den Irakkrieg und Colin Powells Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat 2003. Powell pr\u00e4sentierte damals unter anderem ein kleines Fl\u00e4schchen als Anschauungsobjekt, w\u00e4hrend er f\u00fcr die amerikanischen Geheimdienstbehauptungen \u00fcber irakische Massenvernichtungswaffen warb. Diese Waffen wurden sp\u00e4ter nicht gefunden. Der Krieg und seine Folgen kosteten Hunderttausende Menschen das Leben.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zehntausende bewaffnete K\u00e4mpfer vor den Toren des Klosters<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie unmittelbar der Krieg Maes erreichte, schildert er anhand seines Klosters Mar Yakub bei Qara. Auf dem H\u00f6hepunkt der K\u00e4mpfe sollen sich Zehntausende bewaffnete K\u00e4mpfer in der Region aufgehalten haben; in einzelnen Darstellungen ist sogar von bis zu 60.000 die Rede.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das Kloster die K\u00e4mpfe \u00fcberstand, betrachtet Maes selbst beinahe als Wunder. Eine ungew\u00f6hnliche Rolle schreibt er dabei sogar der Klosterglocke zu: Die M\u00f6nche h\u00e4tten sie weiterhin gel\u00e4utet, was bei einigen militanten K\u00e4mpfern offenbar abergl\u00e4ubische Zur\u00fcckhaltung ausgel\u00f6st habe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende milit\u00e4rische Wendepunkt kam f\u00fcr ihn 2015 mit dem russischen Eingreifen. Russland intervenierte auf Ersuchen der syrischen Regierung. Nach Putins Entscheidung wurde innerhalb k\u00fcrzester Zeit eine relativ kleine russische Luftstreitmacht eingesetzt, die eng mit der syrischen Armee zusammenarbeitete.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Russland im Westen wegen seiner Luftangriffe, ziviler Opfer und seiner Unterst\u00fctzung Assads massiv kritisiert wurde, sieht Maes die Intervention aus der Perspektive seines Klosters v\u00f6llig anders: F\u00fcr ihn und seine Gemeinde bedeutete sie Schutz vor den bewaffneten Gruppen und letztlich die Rettung.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chemiewaffen: Maes stellt die offizielle Darstellung infrage<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders kontrovers wird das Gespr\u00e4ch beim Thema Chemiewaffen. Maes stellt die Frage, warum Assad ausgerechnet zu einem Zeitpunkt Chemiewaffen gegen die eigene Bev\u00f6lkerung einsetzen sollte, an dem seine Streitkr\u00e4fte milit\u00e4risch wieder die Oberhand gewannen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stellt er die westliche Darstellung mehrerer Chemiewaffenangriffe infrage, ohne selbst konkrete T\u00e4ter zu benennen oder einen alternativen Ablauf beweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade hier ist eine wichtige Einordnung notwendig: Internationale Untersuchungen haben der syrischen Regierung bei mehreren Vorf\u00e4llen den Einsatz chemischer Waffen zugeschrieben; zugleich gab es insbesondere um einzelne F\u00e4lle wie Duma 2018 erhebliche Kontroversen \u00fcber Beweislage, Untersuchungsverfahren und abweichende Einsch\u00e4tzungen innerhalb der OPCW. Maes\u2018 Zweifel sind daher seine Interpretation der Ereignisse und kein Beweis daf\u00fcr, dass s\u00e4mtliche Vorw\u00fcrfe gegen die syrische Regierung falsch waren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er zieht dabei einen gr\u00f6\u00dferen Vergleich bis zu den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001, deren offizielle Darstellung seiner Ansicht nach ebenfalls von immer mehr Menschen angezweifelt werde.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Maes zeigt sich dahinter immer wieder derselbe politische Mechanismus: Ein Land werde international diskreditiert, sein Staatschef zum Monster erkl\u00e4rt und anschlie\u00dfend eine Intervention als \u201eBefreiung\u201c verkauft \u2013 w\u00e4hrend im Hintergrund wirtschaftliche Ressourcen und strategische Positionen eine entscheidende Rolle spielten.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von Syrien zu Corona: Wie Gesellschaften S\u00fcndenb\u00f6cke schaffen<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gespr\u00e4ch bleibt nicht beim Krieg stehen. Maes besch\u00e4ftigt sich mit einem grunds\u00e4tzlicheren gesellschaftlichen Mechanismus: Rivalit\u00e4t, Gruppendruck und der Suche nach S\u00fcndenb\u00f6cken.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Bezug auf Aristoteles beschreibt er den Menschen als ein Wesen, das besonders stark dazu neige, andere nachzuahmen. Daraus entst\u00fcnden Konkurrenz, Eifersucht und gesellschaftliche Spannungen. Gemeinschaften l\u00f6sten solche Konflikte immer wieder dadurch, dass sie eine bestimmte Gruppe zum Schuldigen erkl\u00e4rten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als aktuelles Beispiel nennt Maes die Corona-Pandemie. Nach seiner Wahrnehmung wurden Ungeimpfte kollektiv f\u00fcr die Fortdauer der Pandemie verantwortlich gemacht und gesellschaftlich ausgegrenzt. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen seien dabei zunehmend von Gruppendruck und der Angst \u00fcberschattet worden, nicht zur Mehrheit zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes beschreibt eine Atmosph\u00e4re, in der selbst Familien auseinandergerissen worden seien: Kinder h\u00e4tten ihre Eltern angezeigt, Eltern ihre Kinder. \u201eJeder gegen jeden\u201c, lautet seine drastische Zusammenfassung. F\u00fcr ihn ist das kein einmaliges Ph\u00e4nomen, sondern ein zeitloser gesellschaftlicher Mechanismus: Eine Gruppe wird ausgegrenzt und verantwortlich gemacht, bis jemand diesen Kreislauf durchbricht.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Turiner Grabtuch und die Verbindung von Liebe und Leiden<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen \u00fcberraschenden philosophisch-religi\u00f6sen Bogen schl\u00e4gt Maes anschlie\u00dfend zum Turiner Grabtuch. Er erinnert daran, wie der italienische Fotograf Secondo Pia 1898 bei seinen Aufnahmen bemerkte, dass sich das Abbild auf dem Tuch fotografisch wie ein Negativ verh\u00e4lt und dadurch die Gesichtsz\u00fcge wesentlich deutlicher hervortreten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes sieht darin das Gesicht eines Menschen, das trotz der sichtbaren Spuren schwerster Folter eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Ruhe ausstrahle. F\u00fcr ihn verk\u00f6rpert dieses Bild das, was er unter \u201ePassion\u201c versteht: die Verbindung von intensivem Lieben und tiefem Leiden. Wahre Liebe, so seine \u00dcberzeugung, sei ohne Hingabe nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Stimme aus Syrien, die im Westen kaum geh\u00f6rt wurde<\/h2>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes ist mittlerweile hochbetagt, doch er hat sich nach eigener Darstellung keineswegs aus seiner Arbeit zur\u00fcckgezogen. Er beteiligt sich weiterhin an der Restaurierung des Klosters in Qara, organisiert humanit\u00e4re Hilfe in Syrien und im Libanon und war auch an einer Suppenk\u00fcche f\u00fcr Gaza beteiligt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade darin liegt die St\u00e4rke \u2013 und zugleich die Grenze \u2013 seines Zeugnisses. Pater Dani\u00ebl Maes ist kein neutraler Chronist des gesamten Syrien-Krieges und seine politischen Schlussfolgerungen sind teilweise stark umstritten. Aber er ist ein <strong>langj\u00e4hriger Augenzeuge<\/strong>, der den Krieg nicht aus einem europ\u00e4ischen Fernsehstudio, sondern aus einem syrischen Kloster heraus erlebt hat.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Aussagen widerlegen deshalb nicht automatisch s\u00e4mtliche Erkenntnisse \u00fcber Assad, Russland oder den Verlauf des Krieges. Sie werfen jedoch Fragen nach einer Berichterstattung auf, in der geopolitische Interessen westlicher Staaten, die Rolle ausl\u00e4ndisch unterst\u00fctzter bewaffneter Gruppen und die Erfahrungen jener Syrer, die die Regierungstruppen oder die russische Intervention als Schutz vor Dschihadisten betrachteten, h\u00e4ufig wesentlich weniger Raum erhielten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maes\u2018 Bericht ist damit vor allem eines: <strong>eine Perspektive auf den Syrien-Krieg, die sich fundamental von der \u00fcber Jahre dominierenden westlichen Erz\u00e4hlung unterscheidet \u2013 erz\u00e4hlt von einem Mann, der geblieben ist, w\u00e4hrend um ihn herum Krieg gef\u00fchrt wurde.<\/strong><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der belgische Pr\u00e4monstratenserpater Dani\u00ebl Maes lebt seit mehr als 15 Jahren im syrischen Qara. 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