{"id":21108,"date":"2026-09-05T09:02:15","date_gmt":"2026-09-05T07:02:15","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/medienkritik\/ist-der-kollaps-unseres-giergesteuerten-wirtschaftssystems-wirklich-zu-wunschen-von-michael-weisser\/"},"modified":"2026-09-05T09:02:15","modified_gmt":"2026-09-05T07:02:15","slug":"ist-der-kollaps-unseres-giergesteuerten-wirtschaftssystems-wirklich-zu-wunschen-von-michael-weisser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/medienkritik\/ist-der-kollaps-unseres-giergesteuerten-wirtschaftssystems-wirklich-zu-wunschen-von-michael-weisser\/","title":{"rendered":"Ist der Kollaps unseres giergesteuerten Wirtschaftssystems wirklich zu w\u00fcnschen? | Von Michael Weisser"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Interview von <strong>Michael Weisser<\/strong> mit <strong>Dirk C. Fleck<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p><strong>WEISSER: Herr Fleck, auf Ihrer Website <\/strong><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.dirk-c-fleck.de\/de\/?fbclid=IwY2xjawUHcQhwZG9mAWV4dG4DYWVtAjEwAGJyaWQRMExmcG9aTU1lc0FBd1NiYVlzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeCc7I4ahDvsnWy7EY0bYGovk17QI7P3VOCZFp2m4tsf_T0RFQ5V-Xfc-yXdo_aem_bucr1REq7mAie8MFB4rduQ&amp;ref=apolut.net\"><strong><u>www.dirk-c-fleck.de<\/u><\/strong><\/a><strong> ist eine historisch anmutende Schriftrolle mit der \u00dcberschrift \u00bbUnsere Satzung\u00ab abgebildet. In Schreibschrift ausgef\u00fchrt ist dort unter anderem zu lesen: \u00bbJede Substanz birgt in ihrem gegenw\u00e4rtigen Zustand alle ihre vergangenen und zuk\u00fcnftigen Aufgaben. Sie dr\u00fcckt das ganze Universum aus, da nichts vom anderen so weit entfernt ist, dass es nicht Verbindung mit ihm h\u00e4tte.\u00ab Weiter hei\u00dft es: \u00bbDies ist der Kernsatz unserer Satzung, die \u00fcberall zur Einsicht ausliegt \u2013 wo ihr steht und geht und weit dar\u00fcber hinaus \u2026\u00ab Welches \u00bbunser\u00ab und welches \u00bbwir\u00ab steht hinter diesem mahnenden Bekenntnis? Und worauf zielt dieser prophetisch anmutende Text ab? Geht es um einen Geheimbund? Um eine Verschw\u00f6rung? Um die Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>FLECK: Nein, es geht nicht um einen Geheimbund, es geht um uns alle, denn jeder von uns unterliegt der kosmischen Energie, die st\u00e4ndig im Wandel begriffen ist. Unser kurzes Gastspiel in diesem K\u00f6rper ist nur ein fl\u00fcchtiger Ausdruck unserer wahren Existenz. Die Formen, die wir annehmen, gleichen den Wellen auf dem Ozean, sie kommen und gehen, der Ozean aber bleibt bestehen. Die Tatsache, dass wir eines Tages unsere Gestalt verlieren und wieder eintauchen werden in seine Tiefe, bedeutet ja nur, dass wir wieder eins werden mit dem Meer der unendlichen M\u00f6glichkeiten, wie der Quantenphysiker Hans-Peter D\u00fcrr es nannte.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Sie sind Journalist und Buchautor, haben eine Lehre als Buchh\u00e4ndler absolviert, studierten an der Deutschen Journalistenschule in M\u00fcnchen, waren u. a. Lokalchef der Hamburger Morgenpost, Redakteur bei Merian und Die Woche, schrieben Kolumnen f\u00fcr Die Welt und arbeiteten als freier Autor f\u00fcr Stern, Spiegel und GEO. Sie greifen auf einen gro\u00dfen Erfahrungshintergrund zur\u00fcck. Gibt es ein Thema, das Sie \u00fcber den Zeitraum Ihrer Entwicklung hinweg ganz besonders interessiert hat und bis heute interessiert? Wenn ja welches und aus welchem Grund?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir leben am Ende unserer Zivilisation, die, wie Stanislav Lem es ausdr\u00fcckte, ohne Pl\u00e4ne gebaut wurde und nun f\u00fchrerlos dahin schlingert. Es fehlt ihr ganz einfach an spiritueller Verbundenheit, mit deren Hilfe wir einen Kurs h\u00e4tten w\u00e4hlen k\u00f6nnen, der eben nicht in die Katastrophe m\u00fcndet. Der unbedachte Raubbau an den irdischen Ressourcen f\u00fchrt zur Zerst\u00f6rung unserer Lebensgrundlagen und somit direkt in den \u00d6kozid. Keine Generation vor uns hatte eine solche Bedrohung auszuhalten. Gibt es vor diesem Hintergrund ein Thema von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung? Ich begreife mich als Zeitzeuge und als solcher \u00e4u\u00dfere ich mich auch dazu.<\/p>\n<p><strong>Wie kamen Sie von der journalistischen Arbeit im Auftrag von Redaktionen zum freien Schreiben des Schriftstellers? War das ein schleichender Prozess oder gab es f\u00fcr Sie ein Schl\u00fcsselerlebnis?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte das Gl\u00fcck, den Journalismus noch in seiner urspr\u00fcnglichen Form zu erleben \u2013 wo noch recherchiert wurde, wo Nachrichten und Kommentare noch streng getrennt wurden. Wo man, um es ein wenig idealistisch zu formulieren, seinem W\u00e4chterauftrag in der Demokratie noch gerne nachkam. Heute wird der Journalismus nicht mehr als kulturelle Leistung begriffen, auf die wir ein Anrecht haben. Die \u00d6konomisierung unseres Berufes durch viele Verlagsmanager, die sich allein an den Umsatzrenditen messen lassen mussten, war der Ursprung einer Fehlentwicklung, die den Journalismus zum Konsumgut degradiert hat. Heute werden Redaktionen nicht anders gemanagt als eine Schraubenfabrik, auch wenn in ihr an den Stellschrauben der Gesellschaft gedreht wird. Au\u00dferdem verstehen sich die ehemaligen Leitmedien inzwischen als Propagandapostillen einer links-woken Gesinnung. Als ich mich mit meinen Themen nicht mehr durchsetzen konnte, war das Ende der Fahnenstange ferreicht. Ich habe den Ausstieg nie bereut.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Als Journalist haben Sie \u00bbPflichten\u00ab gegen\u00fcber dem Auftraggeber. Als Schriftsteller sind Sie erst einmal frei in der Wahl Ihres Themas und Ihres Stils und der Werte, die Sie vertreten. Diese Freiheit schr\u00e4nkt sich erst nach Abgabe des Manuskripts ein, wenn der Verlag entscheidet, ob es ein Buch wird oder nicht. Schriftsteller und bildende K\u00fcnstler haben viel gemeinsam, denn beide kreieren neue Welten zum Sehen und zum Lesen. Beide gestalten, der eine mit Worten, der andere mit Bildern. Sp\u00fcren und genie\u00dfen Sie diesen Akt des Gestaltens als einen intensiven Moment der Freiheit, der pers\u00f6nlichen Entfaltung? Empfinden Sie Ihr Handeln als Erf\u00fcllung?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Wobei sich auch die Buchverlage sehr schwer damit tun, Themen abseits des Mainstreams zu f\u00f6rdern. Die Schreiberei selbst ist nat\u00fcrlich ein Akt der Freiheit, die Verlagssuche hingegen gestaltet sich zum Teil so schwierig, dass man der Verzweiflung gelegentlich schon recht nahekommt. So hat zum Beispiel der Piper Verlag den dritten Band meiner Maeva-Trilogie abgelehnt, obwohl sie die ersten beiden B\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht hatten, mit einigem Erfolg \u00fcbrigens. Die Ablehnung von \u00bbFEUER AM FUSS\u00ab erfolgte, ohne dass man das Manuskript \u00fcberhaupt eingesehen hatte. Das Thema passte ihnen nicht. Es ging um den Untergang unserer Zivilisation, der aber auch neue Chancen er\u00f6ffnet.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Der Begriff \u00bbKunst\u00ab wird spontan verbunden mit dem Begriff \u00bbKreativit\u00e4t\u00ab. Kreativit\u00e4t kann sich gezielt als Probleml\u00f6sung erf\u00fcllen, sie kann sich aber auch als freies Spiel der Ideen entfalten. Als Romanautor tragen Sie eine \u00bbMessage\u00ab in die Welt, Ihr wichtiges Thema ist die \u00d6kologie, die Hoffnung auf das \u00dcberleben unseres Planeten Erde. Warum schreiben Sie keine Sachb\u00fccher, sondern w\u00e4hlen den Roman als Medium?<\/strong><\/p>\n<p>Sachb\u00fccher zum Thema \u00d6kologie gibt es genug. Ein Roman bietet die M\u00f6glichkeit, ein hochgerechnetes Szenario f\u00fcr ein breiteres Publikum sinnlich erfahrbar zu machen. Und darum geht es doch, wenn man \u00fcberhaupt noch Einfluss nehmen will.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Der Roman erz\u00e4hlt von Menschen und deren Gef\u00fchlen. Er bietet Identifikation und erweckt Emotionen. Emotionen sprechen die komplexe Gef\u00fchlswelt an, schaffen Spannung, Begeisterung, rei\u00dfen mit und entz\u00fcnden Empathie. Nutzen Sie diesen Zusammenhang von Emotion und Identifikation ganz bewusst, um Ihre Message tiefer in die Seelen der Leser zu bringen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja.\u00a0<\/p>\n<p><strong>In welchem Genre sehen Sie Ihre Romane? Schreiben Sie Krimis oder Science-Fiction?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Weder noch. Meine Romane sind literarische Hochrechnungen, die auf einem soliden Fundament nachpr\u00fcfbarer Fakten beruhen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Der Verlag p.machinery brachte vor kurzem die Neuauflage Ihres Romans \u00bbGO! \u2013 Die \u00d6kodiktatur \u2013 Erst die Erde, dann der Mensch\u00ab, heraus, der als Erstauflage bereits 1993 bei Rasch und R\u00f6hring erschienen war. Haben Sie damals noch eine Fiktion beschrieben, die in der Zwischenzeit zur brennenden Realit\u00e4t geworden ist?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist selbst f\u00fcr mich als Autor erschreckend zu sehen, wie die Realit\u00e4t meine Schilderungen nach und nach einholt. \u00bbGO!\u00ab beginnt zum Beispiel mit einem Kapitel, in dem geschildert wird, wie die zusammen gezimmerten Fl\u00fcchtlingsboote in der Stra\u00dfe von Gibraltar von spanischen Schnellbooten untergepfl\u00fcgt werden.<\/p>\n<p><strong>Im Vorwort der Neuauflage schreiben Sie: \u00bbWir Menschen haben Jahrhunderte lang in unser Wohnzimmer uriniert. Anstatt aber unsere Lebensweise zu hinterfragen, diskutierten wir lieber \u00fcber die Saugf\u00e4higkeit des Teppichs. Erst jetzt, da der S\u00e4ttigungsgrad des Teppichs erreicht ist, beginnen wir allm\u00e4hlich aufzuwachen. Dabei h\u00e4tte es nicht zwangsl\u00e4ufig so weit kommen m\u00fcssen. Wir hatten unsere Chance, wir hatten sie immer. Wir konnten sie nur nicht nutzen, weil wir als politisches Gemeinwesen keine Idee besa\u00dfen, was und wer wir eigentlich jenseits unseres immer k\u00fcmmerlicher werdenden Konsumentendaseins im Scheinpluralismus weniger Konzerne sein wollten.\u00ab Sind es wirklich die Eliten, die die Welt zerst\u00f6ren? Hart gefragt: Sind es nicht alle (also auch wir), die mitmachen?<\/strong><\/p>\n<p>Es w\u00e4re in der Tat zu billig, alleine die Machteliten f\u00fcr die augenblicklichen Zust\u00e4nde verantwortlich zu machen. Wir alle tragen durch unser Verhalten eine Mitschuld. Das gilt es auch klar zu benennen. Die Frage ist nur, wie wir aus dem m\u00f6rderischen System ausbrechen k\u00f6nnen, das unser Leben bis ins letzte Detail fest im Griff hat.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Kann vielleicht nur noch der bis zur Unertr\u00e4glichkeit steigende Leidensdruck f\u00fcr uns alle zu wahrnehmbaren Ver\u00e4nderungen f\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke ja. Erst wenn die Umst\u00e4nde es unm\u00f6glich machen, so weiter zu wirtschaften wie bisher, werden wir zum Umdenken gezwungen. Deshalb w\u00e4re der baldige Kollaps unseres giergesteuerten globalen Wirtschaftssystems fast zu w\u00fcnschen. Das sage nicht nur ich, das sagt zum Beispiel auch ein Mann wie Maurice Strong, der Gr\u00fcnder des UN-Environment Programme und Initiator des Klimagipfels in Rio. Zitat Strong: \u00bbIst nicht der Kollaps der industrialisierten Welt die einzige Hoffnung f\u00fcr den Planeten? Liegt es nicht in unserer Verantwortung hierf\u00fcr zu sorgen?\u00ab<\/p>\n<p><strong>Sie schreiben \u00bbDer Umbau der globalen Konsumkultur wird das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit sein.\u00ab Wie sollen wir weltweit politische Gemeinwesen werden? Wer soll diesen Umbau von wem autorisiert vornehmen? Wer hat Ihrer Meinung nach die Macht auf unserem Planeten? Die Politik? Die Wirtschaft? Das Milit\u00e4r? Die Medien? Die V\u00f6lker? Oder jeder einzelne Mensch?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Eine Bewusstwerdung auf breiter Basis wird nicht herzustellen sein bei den sozialen Verwerfungen und Kriegen auf der Welt. Ich halte es da lieber mit dem Philosophen Hans Jonas, der gesagt hat, dass die einzig verbliebene Ressource die Hoffnung ist. Aber immerhin hat jeder Einzelne von uns die M\u00f6glichkeit, an sich selbst zu arbeiten und seinen eigenen Weg zu finden.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<h3 id=\"anmerkungen-und-quellen\">Anmerkungen und Quellen\u00a0<\/h3>\n<p>Dieser Beitrag ist erschienen in: Michael Weisser (Hrsg), \u201eneugierig:denken! Interviews und Dialoge zum k\u00fcnstlerisch-kreativen und non-linearen Denken mit 44 Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.\u201c Erschienen als QR-HybridBuch bei Die|QR|Edition, Murnau am Staffelsee.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Wir danken dem Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Verschmutzter Fluss, der durch ein Gebiet der Schwerindustrie flie\u00dft<br \/>Bildquelle: Steve Allen \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div>\n<p><em>Interview von <strong>Michael Weisser<\/strong> mit <strong>Dirk C. 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