{"id":21157,"date":"2026-09-05T14:03:14","date_gmt":"2026-09-05T12:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/russlands-ferner-osten-ist-fuer-russland-nur-noch-osten-und-nicht-mehr-fern\/"},"modified":"2026-09-05T14:03:14","modified_gmt":"2026-09-05T12:03:14","slug":"russlands-ferner-osten-ist-fuer-russland-nur-noch-osten-und-nicht-mehr-fern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/russlands-ferner-osten-ist-fuer-russland-nur-noch-osten-und-nicht-mehr-fern\/","title":{"rendered":"Russlands Ferner Osten ist f\u00fcr Russland nur noch Osten und nicht mehr fern"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Kirill Strelnikow<\/em><\/p>\n<p>Gestern hielt der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin am Rande des \u00d6stlichen Wirtschaftsforums (EEF) in Wladiwostok eine Sitzung zur Entwicklung des russischen Fernen Ostens ab.<\/p>\n<p>Fasst man die Ergebnisse dieser Sitzung kurz zusammen, l\u00e4sst sich sagen, dass man aus der Bezeichnung &#8222;Ferner Osten&#8220; das Wort &#8222;Ferner&#8220; nun getrost streichen kann.<\/p>\n<p>Wie der russische Staatschef zu Beginn der Sitzung erkl\u00e4rte, sei es bei allen Diskussionen \u00fcber den Fernen Osten stets darum gegangen, &#8222;das Wachstumstempo zu gew\u00e4hrleisten, um eine weitere Entv\u00f6lkerung der Region zu verhindern, diese riesigen Gebiete f\u00fcr Russland nicht nur zu bewahren, sondern sie auch zu entwickeln, zu st\u00e4rken und zu einem verl\u00e4sslichen, zukunftstr\u00e4chtigen Instrument f\u00fcr die Entwicklung Russlands insgesamt zu machen&#8220;. Diese Aufgabe ist nach wie vor aktuell, und in dieser Richtung wurde bereits sehr viel getan \u2013 und noch mehr soll folgen. Genau aus diesem Grund lautet das Motto des aktuellen Forums: &#8222;Der Ferne Osten \u2013 Entwicklung zum Wohle der Menschen&#8220;.<\/p>\n<p>Dieses zentrale Thema spiegelt sich voll und ganz in der Umwandlung der bisherigen Strategie zur sozio\u00f6konomischen Entwicklung des Fernen Ostens und der Baikalregion f\u00fcr den Zeitraum bis 2025 in die neue Strategie zur sozio\u00f6konomischen Entwicklung des F\u00f6derationskreises Ferner Osten bis 2030 mit einer Prognose bis 2036 wider, deren Ausarbeitung die Regierung nun abgeschlossen hat.<\/p>\n<p>Der wesentliche Unterschied zwischen der neuen und der bisherigen Strategie besteht in einem grundlegenden Kurswechsel: Statt der &#8222;beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung der Region&#8220;, also einer rein wirtschaftlichen Ausrichtung, stehen nun der Mensch, seine Lebensqualit\u00e4t und seine Selbstverwirklichung im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Wie der Direktor der f\u00f6deralen autonomen Forschungseinrichtung &#8222;\u00d6stliches Zentrum f\u00fcr staatliche Planung&#8220;, Michail Kusnezow, erkl\u00e4rte, gehe es dabei &#8222;nicht um Wirtschaft um der Wirtschaft willen, sondern um eine Wirtschaft, die bessere Lebensbedingungen f\u00fcr die Menschen schafft&#8220;. Was bedeutet das konkret? Es bedeutet die Schaffung zahlreicher neuer, gut bezahlter Arbeitspl\u00e4tze, ein komfortables Lebensumfeld und die umfassende Deckung des Bedarfs in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung, Freizeit sowie Sport und Bewegung. Hinzu kommen umfangreiche Ma\u00dfnahmen zur demografischen und sozialen Unterst\u00fctzung sowie eine &#8222;intelligente&#8220; Migration, in deren Rahmen der Ferne Osten zu einem neuen starken Anziehungspunkt f\u00fcr hoch qualifizierte Fachkr\u00e4fte werden soll.<\/p>\n<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte einwenden, dass solche Ank\u00fcndigungen schon fr\u00fcher gemacht wurden.<\/p>\n<p>Kann sein, doch nun ist eine objektive Situation entstanden, in der der russische Ferne Osten geradezu dazu bestimmt ist, &#8222;durchzustarten&#8220;. F\u00fcr seine heutigen und k\u00fcnftigen Bewohner bietet sich damit die einmalige historische Chance, an der &#8222;gro\u00dfen Wiederentdeckung&#8220; des russischen Ostens mitzuwirken und ihn aus einer reichen, aber nur wenig erschlossenen Peripherie, die teilweise in der Zeit stehen geblieben ist, zu einem Motor und Vorbild f\u00fcr die innovative Entwicklung des gesamten Landes sowie zu einem neuen Tor Russlands zur Welt zu machen.<\/p>\n<p>Genau davon sprach Wladimir Putin bei der Sitzung, als er betonte, dass es sich um ein &#8222;neues Entwicklungsmodell f\u00fcr den Fernen Osten und die Arktis&#8220; handele. Demnach sei nicht nur vorgesehen, sondern Schritt f\u00fcr Schritt geplant, &#8222;die Herausbildung einer hochtechnologischen und diversifizierten Wirtschaft, den Ausbau einer modernen Infrastruktur, die zur Verbesserung des Lebensumfelds und zu einem nachhaltigen Bev\u00f6lkerungswachstum beitr\u00e4gt, sowie die Sicherung einer Schl\u00fcsselrolle der Makroregion bei der Zusammenarbeit Russlands mit den L\u00e4ndern des Asien-Pazifik-Raums um ein Vielfaches zu beschleunigen&#8220;.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass dies in starkem Kontrast zu der fr\u00fcheren Darstellung des Fernen Ostens steht, der oft mit negativen Begriffen wie &#8222;weit entfernt&#8220;, &#8222;teuer&#8220;, &#8222;raues Klima&#8220;, &#8222;d\u00fcnn besiedelt&#8220;, &#8222;schwer erreichbar&#8220;, &#8222;schwer zu bebauen&#8220; und &#8222;schwer zu bewohnen&#8220; beschrieben wurde. Nun wendet sich Russland endg\u00fcltig dem S\u00fcden und Osten zu, was die gesamte Philosophie sowie die staatliche und private Denkweise in Bezug auf dieses Gebiet grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Entfernung dieser Region von Moskau wird durch die N\u00e4he zu den gr\u00f6\u00dften Weltm\u00e4rkten, neuen Verkehrsadern und -korridoren, globalen Logistikzentren, gro\u00dfen modernen Zentren f\u00fcr die tiefgreifende Verarbeitung nat\u00fcrlicher Ressourcen sowie Wissenschafts- und Technologieclustern kompensiert \u2013 das hei\u00dft, diese N\u00e4he kann und muss nun in gro\u00dfem Ma\u00dfstab monetarisiert werden, um gleich in vielerlei Hinsicht die Fr\u00fcchte zu ernten.<\/p>\n<p>Russland war schon lange bereit f\u00fcr diesen Sprung \u2013 und das Schicksal hat es so gewollt, dass der Ferne Osten zum Sprungbrett wird \u2013 zum neuen &#8222;Goldenen Tor&#8220; Russlands. Nicht ohne Grund nehmen Vertreter aus 80 L\u00e4ndern am aktuellen Forum teil, und das Programm umfasst sachliche und konkrete Dialoge nicht nur mit China, sondern auch mit Indien, S\u00fcdkorea, der Mongolei, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Pakistan, der T\u00fcrkei, den ASEAN-Staaten und weiteren L\u00e4ndern. Die Partner sehen, dass im russischen Osten eine ganze Kette komplexer Wirtschaftsbereiche mit hoher Wertsch\u00f6pfung entsteht \u2013 hochreines Kupfer, Methanol, Minerald\u00fcnger, die Verarbeitung von \u00d6lsaaten, Pharmaindustrie, Wissenschafts- und Technologiezentren, Strominfrastruktur und Logistikzentren \u2013 und wollen ebenfalls an diesem starken Aufschwung teilhaben. Wie der russische Pr\u00e4sident bei der Sitzung erkl\u00e4rte, m\u00fcsse &#8222;das Potenzial der fern\u00f6stlichen und arktischen Regionen weiter erschlossen und ihre Wettbewerbsvorteile, darunter die N\u00e4he zu den globalen Zentren des Wirtschaftswachstums, effektiv genutzt werden&#8220;.<\/p>\n<p>Bezeichnend ist, dass die t\u00fcrkische Nachrichtenagentur <em>Anadolu<\/em> dem Thema der Sitzung mit Putin beim EEF einen ausf\u00fchrlichen Beitrag widmete, obwohl selbst die T\u00fcrkei, gelinde gesagt, nicht gerade in der N\u00e4he dieser Region liegt.<\/p>\n<p>Dem Beitrag zufolge habe Russlands Abkehr vom Westen &#8222;der Region zus\u00e4tzliches strategisches Gewicht verliehen&#8220; und &#8222;die Bedeutung des Fernen Ostens als Ziel f\u00fcr asiatische Investitionen und als (wichtigste) Route f\u00fcr russische Exporte gesteigert&#8220;. Nach Angaben der Agentur wird im Rahmen des EEF die Unterzeichnung von 380 (!) Vereinbarungen im Gesamtwert von rund 75 Milliarden US-Dollar in Schl\u00fcsselbereichen erwartet. Das zeigt vor allem eines: In Russland entsteht ein neues Gravitationszentrum, das Geld, Ressourcen, Technologien und neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Leben und Entwicklung aus aller Welt anzieht.<\/p>\n<p>Nach den Worten des Direktors des &#8222;\u00d6stlichen Zentrums f\u00fcr staatliche Planung&#8220;, Kusnezow, &#8222;reicht es dem Fernen Osten bereits, auf dem Markt des Asien-Pazifik-Raums einen Anteil von ein bis zwei Prozent zu erreichen, um im Wohlstand zu leben&#8220;. Aber irgendetwas l\u00e4sst vermuten, dass ein bis zwei Prozent f\u00fcr Russland nur zum Aufw\u00e4rmen sind.<\/p>\n<p>Lange Zeit galt der Ferne Osten als das Ende Russlands. Doch inzwischen \u00e4hnelt er immer mehr seinem Anfang \u2013 dem Beginn neuer globaler Routen, gro\u00df angelegter Produktionsprojekte und zahlreicher Export- und Kooperationsketten und vor allem einer neuen Sicht auf die eigene Geografie.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20260903\/vef-2115051264.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist am 3. September 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.<\/em><em><\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema &#8211;\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/freedert.online\/russland\/290418-putin-kiews-drohung-gegen-russlands-staatsterror\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Putin: Kiews Drohung gegen Russlands Luftraum ist Staatsterrorismus <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ctlf2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Kirill Strelnikow Gestern hielt der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin am Rande des \u00d6stlichen Wirtschaftsforums (EEF) in Wladiwostok eine Sitzung zur Entwicklung des russischen Fernen Ostens ab. 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