{"id":21166,"date":"2026-09-05T15:03:13","date_gmt":"2026-09-05T13:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/power-of-the-baikal-russland-sortiert-seine-pipelinebauplaene-neu\/"},"modified":"2026-09-05T15:03:13","modified_gmt":"2026-09-05T13:03:13","slug":"power-of-the-baikal-russland-sortiert-seine-pipelinebauplaene-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/power-of-the-baikal-russland-sortiert-seine-pipelinebauplaene-neu\/","title":{"rendered":"&#8222;Power of the Baikal&#8220;: Russland sortiert seine Pipelinebaupl\u00e4ne neu"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Der Exportabschnitt des Gaspipeline-Projekts &#8222;Power of Siberia 2&#8220; k\u00f6nnte den Namen &#8222;Power of the Baikal&#8220; erhalten. Dies erkl\u00e4rte der russische Energieminister Sergei Ziwilew auf einer Sitzung der Kommission des Staatsrats f\u00fcr den Bereich &#8222;Energie&#8220; im Rahmen des \u00d6stlichen Wirtschaftsforums (EWF). Seinen Angaben zufolge stammt dieser Name von Pr\u00e4sident Wladimir Putin.<\/p>\n<p>Zudem befinde sich das Gasleitungsprojekt &#8222;Power of Siberia 2&#8220; in der Endphase der Vorbereitungen f\u00fcr den Baubeginn, teilte der Energieminister mit.<\/p>\n<p>Was bedeutet das alles? Eine Namens\u00e4nderung der Gaspipeline geht oft mit einer \u00c4nderung ihrer Trasse einher. Dabei w\u00e4re es \u00e4u\u00dferst unklug, mit dem Bau der Pipeline zur chinesischen Grenze ohne einen kommerziellen Vertrag zu beginnen, da dies die Verhandlungsposition von Gazprom schw\u00e4cht. Daher gehen Experten davon aus, dass dies nicht der Fall ist.<\/p>\n<p>Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, sagt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wenn der Bau der Pipeline tats\u00e4chlich ohne Unterzeichnung eines Handelsvertrags beginnen w\u00fcrde, w\u00e4re das sehr sch\u00e4dlich. China ist ohnehin ein sehr harter Verhandlungspartner, weshalb der Vertrag bis heute nicht unterzeichnet wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn wir Milliarden US-Dollar f\u00fcr den Bau der Pipeline ausgeben und dann an der Grenze zu China stecken bleiben, wird Peking nat\u00fcrlich verlangen, dass wir das Gas f\u00fcr einen Spottpreis verkaufen, denn wir haben das Geld f\u00fcr den Bau ja ohnehin schon ausgegeben und k\u00f6nnen nicht mehr zur\u00fcck. Deshalb darf man keine Gaspipeline bauen, solange man das Gas, das durch sie flie\u00dfen soll, nicht verkauft hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Man sollte hier keinen \u00fcbertriebenen Optimismus an den Tag legen, dass der Bau bereits im Gange sei. Solange wir uns nicht auf einen Preis geeinigt und keinen Handelsvertrag unterzeichnet haben, wird es keinen Bau geben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich trug &#8222;Power of Siberia 2&#8220; bereits einen anderen Namen \u2013 &#8222;Altai&#8220;. Damals war die Namens\u00e4nderung aufgrund einer \u00c4nderung der Trasse erforderlich. Urspr\u00fcnglich wollte man die Gaspipeline direkt von der russischen Teilrepublik Altai nach China verlegen, ohne dass ein Transitland beteiligt war. Doch dies hatte einen Nachteil: Das russische Gas w\u00e4re in derselben Region in China angekommen, in die bereits zentralasiatisches Gas geliefert wird, und dort herrscht starker Wettbewerb. Daher wurde beschlossen, den Zugangspunkt zum chinesischen Markt durch einen vorteilhafteren zu ersetzen \u2013 so entstand die Route durch die Mongolei und das Projekt unter dem neuen Namen &#8222;Power of Siberia 2&#8220;.<\/p>\n<p>Diesmal ist offenbar doch keine Rede von einer \u00c4nderung des Zugangspunkts zum chinesischen Markt. Und die Route durch die Mongolei bleibt bestehen. Zumal China und Russland im Jahr 2025 ein rechtsverbindliches Memorandum unterzeichnet haben, in dem die Route bereits vereinbart wurde.<\/p>\n<p>Allerdings sind auf russischem Gebiet \u00c4nderungen der Trasse geplant, sodass die Gaspipeline in der N\u00e4he des Baikalsees verlaufen wird, was auch zur Entstehung des neuen Namens gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass der Pr\u00e4sident Gazprom zuvor die \u00fcbergreifende Aufgabe gestellt hatte, den Westen und den Osten des Landes in ein einziges Gastransportsystem zu integrieren. Zu diesem Zweck wird zum einen bereits eine Verbindungsgasleitung gebaut, um &#8222;Power of Siberia 1&#8220; und die Gasleitung &#8222;Sachalin \u2013 Chabarowsk \u2013 Wladiwostok&#8220; miteinander zu verbinden (Fertigstellungsgrad 75 Prozent). Zum anderen laufen die Vorbereitungsarbeiten f\u00fcr den Bau einer weiteren Verbindungsgasleitung, um &#8222;Power of Siberia 1&#8220; durch den Bau von &#8222;Power of Siberia 2&#8220; mit dem einheitlichen Gasversorgungssystem Russlands zu verbinden. M\u00f6glicherweise spricht der Energieminister genau \u00fcber den \u00dcbergang zum Bau dieser Verbindungsleitung.<\/p>\n<p>Es ist geplant, dass die &#8222;Power of Siberia 2&#8220; von der Region Tomsk aus in Richtung Osten verl\u00e4uft, an Krasnojarsk, Sajansk, Angarsk und Irkutsk vorbeif\u00fchrt und sich anschlie\u00dfend mit der &#8222;Power of Siberia 1&#8220; verbindet, die am Kowykta-Gasfeld in der Region Irkutsk beginnt. Dieser russische Abschnitt von &#8222;Power of Siberia 2&#8220; oder &#8222;Power of the Baikal&#8220; wird dazu beitragen, die Regionen s\u00fcdlich des Baikalsees an das Gasnetz anzuschlie\u00dfen. Zuvor wollte Gazprom mit Hilfe dieser Pipeline die russische Teilrepublik Burjatien und die Region Transbaikalien an das Gasnetz anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Um die Gaslieferungen nach China zu organisieren, muss eine Abzweigleitung aus dem Irkutsker Gebiet in Richtung S\u00fcden gebaut werden, die durch das Gebiet der Teilrepublik Burjatien s\u00fcdlich des Baikalsees bis zur Grenze zwischen Russland und der Mongolei in der N\u00e4he der Ortschaft Nauschki verl\u00e4uft. Daher stammt offenbar auch der Name &#8222;Power of the Baikal&#8220;.<\/p>\n<p>Michail Wakiljan, der Experte des Instituts f\u00fcr Technologieentwicklung im Bereich Energie- und Brennstoffsektor, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Den Sinn des neuen Namens sehe ich in der Geografie. Die westlichen und \u00f6stlichen Gastransportsysteme Russlands werden genau im Baikalgebiet, bei Kowykty, zusammenlaufen. Der Name verweist also auf den Punkt, um den herum der russische Teil der Pipeline an sich schon Sinn macht. Auf die Mengen und die Trasse hat dies keinen Einfluss, da die Projektunterlagen an Abschnitte und Objekte gebunden sind und nicht an den Markennamen. Gleichzeitig wird damit der zwanzigj\u00e4hrige Schatten eines &#8218;fast unterzeichneten&#8216; Vertrags vom Projekt genommen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Was den &#8222;\u00dcbergang zur Bauphase&#8220; von &#8222;Power of Siberia 2&#8220; betrifft, so wurde laut Wakiljan im Jahr nach der Unterzeichnung des rechtsverbindlichen Memorandums zwischen Gazprom und der China National Petroleum Corporation genau das absolviert, was die Vorbereitungsphase ausmacht: Trassenf\u00fchrung, ingenieurtechnische Untersuchungen, Planung der Abschnitte, Finanzierungsplan und Liste der Auftragnehmer. Der &#8222;\u00dcbergang zur Bauphase&#8220; bedeute, dass nun die Beschaffung von Rohren und die Mobilisierung entlang der Trasse beg\u00e4nnen, meint der Experte. Wakiljan erkl\u00e4rt weiter:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der russische Abschnitt von Jamal bis zur Region Irkutsk verbindet zwei Gasleitungsnetze und liefert Gas f\u00fcr die Erschlie\u00dfung Sibiriens und des Fernen Ostens. Das Land braucht ihn unabh\u00e4ngig von den Gesch\u00e4ften mit China. Dieser Abschnitt kann ohne chinesische Zustimmung gebaut werden. Der Ferne Osten ben\u00f6tigt im Jahr 2026 neun bis zehn Milliarden Kubikmeter und bis zum Jahr 2035 wird ein Bedarf von 34 Milliarden Kubikmetern prognostiziert.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Exportabzweigung durch die Mongolei hingegen kann ohne festgelegten Preis und ohne Abnahmeverpflichtungen nicht gebaut werden. Eine Pipeline im Wert von Milliarden US-Dollar, die vor dem Vorliegen rechtlicher Absatzgarantien gebaut wird, wird zum Argument des K\u00e4ufers und nicht des Verk\u00e4ufers. Sobald die Pipeline die Grenze erreicht, erh\u00e4lt der einzige K\u00e4ufer das Recht, den Preis zu diktieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Deshalb wird der Bau der russischen Abschnitte fortgesetzt, aber nicht dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Was die Verhandlungspositionen der beiden L\u00e4nder bei diesem Projekt angeht, so hat sich das Gleichgewicht im Laufe des Jahres zugunsten Moskaus verschoben. Der Experte meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Krise in der Stra\u00dfe von Hormus hat Peking den Preis der Abh\u00e4ngigkeit von Fl\u00fcssiggas-Lieferungen auf dem Seeweg vor Augen gef\u00fchrt. Die Lieferungen aus Katar sind zum Erliegen gekommen, die asiatischen Spotpreise sind in die H\u00f6he geschossen. Die Pipeline aus Russland erscheint China danach nicht mehr als billiges Gas, sondern als Absicherung gegen Risiken auf See \u2013 und f\u00fcr eine solche Absicherung zahlt man anders.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ein Vertragsabschluss sei, so Wakiljan, n\u00e4her als noch vor einem Jahr, doch das Signal daf\u00fcr werde nicht ein neuer Name oder eine Erkl\u00e4rung zur Baubereitschaft sein, sondern eine \u00f6ffentliche Preisformel und die Verpflichtung der chinesischen Seite zum Kauf des russischen Gases.<\/p>\n<p>Das Projekt &#8222;Power of Siberia 2&#8220; l\u00e4sst sich in zwei Teile unterteilen \u2013 den russischen Abschnitt und den Exportabschnitt.<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/9\/3\/1448272.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 3. September 2026 auf der Webseite der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/international\/286845-medien-europa-befuerchtet-abhaengigkeit-von\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medien: Europa bef\u00fcrchtet Abh\u00e4ngigkeit von USA nach Verzicht auf russische Energieimporte <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7ctlf2\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Der Exportabschnitt des Gaspipeline-Projekts &#8222;Power of Siberia 2&#8220; k\u00f6nnte den Namen &#8222;Power of the Baikal&#8220; erhalten. 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