{"id":21169,"date":"2026-09-05T16:03:06","date_gmt":"2026-09-05T14:03:06","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/deutsche-schuelerproteste-als-vorbild-gemeinsamer-europaeischer-schulstreik-gegen-aufruestung\/"},"modified":"2026-09-05T16:03:06","modified_gmt":"2026-09-05T14:03:06","slug":"deutsche-schuelerproteste-als-vorbild-gemeinsamer-europaeischer-schulstreik-gegen-aufruestung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/deutsche-schuelerproteste-als-vorbild-gemeinsamer-europaeischer-schulstreik-gegen-aufruestung\/","title":{"rendered":"Deutsche Sch\u00fclerproteste als Vorbild: Gemeinsamer europ\u00e4ischer Schulstreik gegen Aufr\u00fcstung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Felicitas Rabe<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Rheinmetall-Entwaffnen-Camp bot die demokratische Jugendorganisation Yuna am Donnerstag eine Podiumsveranstaltung zum Thema &#8222;Schulstreik gegen die Wehrpflicht \u2013 wie weiter&#8220; an. Zur Einf\u00fchrung fasste der Yuna-Referent Luna die politische Entwicklung in der Bundesregierung seit dem Jahr 2013 zusammen und erkl\u00e4rte, welche politischen Prozesse der Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht voraus gingen.<\/p>\n<p><strong>Das amerikanisch-deutsche Strategiepapier f\u00fcr Deutschland: &#8222;Neue Macht \u2013 Neue Verantwortung&#8220;\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2013 wurde die <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/projekt_papiere\/DeutAussenSicherhpol_SWP_GMF_2013.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gemeinschaftsstudie &#8222;Neue Macht \u2013 Neue Verantwortung&#8220;<\/a> zu einer neuen deutschen Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik ver\u00f6ffentlicht. Finanziert und gef\u00f6rdert durch den Planungsstab des Ausw\u00e4rtigen Amts, wurde die Arbeit in Kooperation zwischen dem deutschen Thinktank <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/die-swp\/forschung\/qualitaetssicherung\/orientierungsrahmen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)<\/a> und dem amerikanischen <a href=\"https:\/\/internationalepolitik.de\/de\/neue-macht-neue-verantwortung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">German Marshall Fund of the United States (GMF)<\/a> erstellt.<\/p>\n<p>In die Arbeit eingebunden habe man den Diskussionsprozess von rund 50 Experten aus deutschen Ministerien (darunter aus dem Bundeskanzleramt und aus dem Verteidigungsministerium), dem Bundestag, der Wissenschaft, sowie aus verschiedenen Medien und NGOs. Die Studie aus dem Jahr 2013 habe die deutsche Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik der darauf folgenden Jahre gepr\u00e4gt, erkl\u00e4rte Luna. Im Jahr 2014 sei das Papier schlie\u00dflich auch offiziell auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz vorgestellt worden.<\/p>\n<p>Darin wird beispielsweise auf <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/projekt_papiere\/DeutAussenSicherhpol_SWP_GMF_2013.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Seite 5 begr\u00fcndet<\/a>, warum Deutschland neue Macht und Verantwortung \u00fcbernehmen m\u00fcsse: &#8222;Doch die USA signalisieren \u2013 im Bewusstsein geschrumpfter materieller Ressourcen \u2013 deutlich, dass Amerikas Engagement in der Welt k\u00fcnftig selektiver und sein Anspruch an Partner entsprechend h\u00f6her sein wird. Vor allem f\u00fcr Europa und Deutschland bedeutet dies einen gro\u00dfen Zuwachs an Aufgaben und Verantwortung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die offizielle Erkl\u00e4rung einer deutschen Zeitenwende und die neuen Ziele der Bundeswehr<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem bereits jahrelang andauernden ukrainischen B\u00fcrgerkrieg habe im Jahr 2022 die Offensive der russischen Armee in der Ukraine begonnen. Diese Situation habe die Bundesregierung zur offiziellen Ausrufung einer gro\u00dfen Zeitenwende genutzt. Konkret habe sie seit 2022 die Aufr\u00fcstung massiv angekurbelt und die Bev\u00f6lkerung mit vielen Kriegsvorbereitungsma\u00dfnahmen \u00fcberrollt. Unter anderem wurde f\u00fcr die R\u00fcstungsproduktion die Schuldenbremse aufgehoben und die Diskussion \u00fcber die Wehrpflicht intensiviert. In hohem Tempo sei das neue Wehrdienstgesetz durchgepeitscht und am 5. Dezember 2025 beschlossen worden.\u00a0<\/p>\n<p>Der erste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht mit rund 55.000 Teilnehmern sei auch deshalb so erfolgreich gewesen, weil in der K\u00fcrze der Zeit noch nicht alle SPD- und CDU-Mitglieder auf Linie gebracht worden seien.<\/p>\n<p>Die Ziele des neuen Wehrdienstgesetzes:\u00a0Ab dem Jahr 2027 wird die verpflichtende Musterung f\u00fcr alle jungen M\u00e4nner ab 18 Jahren wieder eingef\u00fchrt.\u00a0Ab dem Jahr 2035 soll die Bundeswehr 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten umfassen. Zur Zeit gebe es 180.000 aktive Soldaten und ein paar Tausend Reservisten. Die Bundesregierung plane also die Aufstockung der Bundeswehr um insgesamt 230.000 Soldaten.<\/p>\n<figure class=\"RTImage-root\">\n<div class=\"RTImage-image RTImage-original\"><picture class=\"Picture-root Picture-original\"><!--[if IE 9]><video style=\"display: none;\"><![endif]--><source media=\"(-webkit-min-device-pixel-ratio: 2) and (min-resolution: 120dpi)\" data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6a9acc3e48fbef3d111a3fbb.jpg 850w,\n                https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:hTjk.d46\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6a9acc3e48fbef3d111a3fbb.jpg 1960w,            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><source data-srcset=\" \nhttps:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6a9acc3e48fbef3d111a3fbb.jpg 460w,\n              https:\/\/mleexelnfod5.i.optimole.com\/cb:hTjk.d46\/w:auto\/h:auto\/q:mauto\/f:best\/https:\/\/meiser-tv.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6a9acc3e48fbef3d111a3fbb.jpg 980w,\n            \" srcset=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAABAAAAAJCAQAAACRI2S5AAAAEElEQVR42mNkIAAYRxWAAQAG9gAKqv6+AwAAAABJRU5ErkJggg==\"><!--[if IE 9]><\/video><![endif]--><\/picture><!-- noscript pattern --><noscript><\/noscript><\/div><figcaption class=\"RTImage-footer\"><span class=\"RTImage-caption\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Bundeswehrwerbung in Berlin, Januar 2026<\/span><\/span><span class=\"RTImage-source\"><span class=\"RTImage-captionItem\">Felicitas Rabe<\/span><\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mangelnde milit\u00e4rische Begeisterung trotz fancy Bundeswehrvideos<\/strong><\/p>\n<p>Doch trotz vieler &#8222;fancy&#8220; Werbevideos auf Social Media und vieler Rekrutierungskampagnen sei es der Bundeswehr bisher nicht gelungen, eine dem Ziel angemessene Rekrutierung zu erreichen. Innerhalb eines Jahres habe sie nur 500 neue Soldaten gewinnen k\u00f6nnen. Wenn das so weiter ginge \u2013 mit 500 Soldaten Zuwachs pro Jahr \u2013, h\u00e4tte man im Zieljahr 2035 lediglich 4000 Soldaten hinzugewonnen, anstatt der anvisierten 230.000.<\/p>\n<p>Ganz akut diskutiert die Bundesregierung nun mit hoher Intensit\u00e4t die Wiedereinf\u00fchrung des verpflichtenden Zivildienstes f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Der Wehrdienst k\u00f6nne gesetzeskonform nur bei zeitnaher Einrichtung eines Zivildienstes wieder eingef\u00fchrt werden. Mit Zivildienstleistenden k\u00f6nne die deutsche Politik auch wieder die L\u00fccken auff\u00fcllen, die sie durch den Sozialabbau zugunsten der Kriegsvorbereitung in den sozialen Einrichtungen gerissen habe.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Entwicklung und Perspektiven der Schulstreik-Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Im zweiten Referat reflektierte Kati die Entwicklung der Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung und ihre Perspektive. Bei den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht handele es sich um die gr\u00f6\u00dfte Jugendbewegung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung in Deutschland, er\u00f6ffnete Kati von der demokratischen Jugendorganisation Yuna ihren Vortrag.<\/p>\n<p>Am ersten Schulstreik, der am 5. Dezember 2025 stattfand, beteiligten sich 55.000 Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen in rund 100 St\u00e4dten. Auf einer bundesweiten Konferenz vernetzten sich\u00a0 Vertreter der bundesweit regional organisierten Streikkomitees und Schulgruppen. Zur zentralen Strategie geh\u00f6re der Aufbau von Schulgruppen an Schulen, an denen es bereits hochengagierte Sch\u00fcler gebe. Die Organisation Yuna unterst\u00fctze den Aufbau von Schulgruppen, und berate die engagierten Gruppen in Bezug auf Mobilisierungsstrategien, Demo-Organisation, Pressearbeit etc. Viele der in den Komitees engagierten Jugendlichen k\u00e4men trotz der Presseberichte, wonach es sich bei den Schulstreikenden um linksradikale Jugendliche handele, \u00fcberhaupt nicht aus linken Jugendmilieus. Es beteiligten sich vor allem viele zuvor v\u00f6llig unpolitische Jugendliche.<\/p>\n<p>Warum die Beteiligung im zweiten und dritten Schulstreik gegen die Wehrpflicht nicht anstieg, sei insbesondere der zunehmenden Repression gegen die Bewegung und die Organisatoren geschuldet. Daran beteiligt seien haupts\u00e4chlich der Verfassungsschutz sowie die Presse, welche die Bewegung vielerorts diffamiert habe. Im Ergebnis l\u00e4sst sich aber feststellen, dass der Organisierungsgrad in der Bewegung immer weiter steigt. Das Engagement und die Proteste gegen die Wehrpflicht k\u00f6nnten im kommenden Jahr durchaus noch gr\u00f6\u00dfer werden, wenn die Musterungspflicht f\u00fcr alle 18\u2011j\u00e4hrigen m\u00e4nnlichen Jugendlichen einsetze, oder eine allgemeine Wehrpflicht beschlossen w\u00fcrde.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Internationale Vernetzung und Organisation eines europ\u00e4ischen Schulstreiks gegen Aufr\u00fcstung und Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Schulstreik-Bewegung sei das Bewusstsein bei Jugendlichen gestiegen, dass es nicht nur um Widerstand gegen die Wehrpflicht geht, sondern um den Kampf gegen Kriegsvorbereitung und \u2013beteiligung. Obwohl die beteiligten Sch\u00fclergruppen in der Presse als links verunglimpft worden seien, habe der Anteil links organisierter Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen in der letzten Zeit sogar noch stark zugenommen. Die aktuelle Zeit nutze man, um die Bewegung von innen f\u00fcr den Kampf gegen die Wehrpflicht zu st\u00e4rken. &#8222;Denn wir wissen, die Wehrpflicht wird kommen,&#8220; erkl\u00e4rte Kati.<\/p>\n<p>Als besonderen Erfolg werte man die neue internationale europ\u00e4ische Vernetzung der Jugendorganisationen gegen Aufr\u00fcstung und Krieg. Vertreter von Jugendorganisationen mehrerer europ\u00e4ischer L\u00e4nder h\u00e4tten die deutschen Schulstreiks gegen die Wehrpflicht als vorbildhaft bezeichnet. Gemeinsam mit Aktivisten aus Frankreich, Spanien, Gro\u00dfbritannien und Italien planten deutsche Schulstreikkomitees nun einen internationalen Schulstreik. Unter dem Motto &#8222;Wir stehen gemeinsam gegen den Krieg&#8220; soll dieser am 20. November europaweit stattfinden. Dazu sollen auch Studentinnen und Studenten mobilisiert werden.<\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> &#8211;\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/inland\/290621-basisgewerkschaftler-mobilisieren-gegen-kriegsvorbereitung-und\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Basisgewerkschafter mobilisieren gegen Kriegsvorbereitung und R\u00fcstungsproduktion<\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cue6y\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Felicitas Rabe Auf dem Rheinmetall-Entwaffnen-Camp bot die demokratische Jugendorganisation Yuna am Donnerstag eine Podiumsveranstaltung zum Thema &#8222;Schulstreik gegen die Wehrpflicht \u2013 wie weiter&#8220; an. 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