{"id":21187,"date":"2026-09-05T21:03:11","date_gmt":"2026-09-05T19:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/klimaluege-und-klimadiktatur-teil-8-wissenschaft-zwischen-erkenntnis-und-inszenierung-von-uwe-froschauer\/"},"modified":"2026-09-05T21:03:11","modified_gmt":"2026-09-05T19:03:11","slug":"klimaluege-und-klimadiktatur-teil-8-wissenschaft-zwischen-erkenntnis-und-inszenierung-von-uwe-froschauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/klimaluege-und-klimadiktatur-teil-8-wissenschaft-zwischen-erkenntnis-und-inszenierung-von-uwe-froschauer\/","title":{"rendered":"Klimal\u00fcge und Klimadiktatur (Teil 8): Wissenschaft zwischen Erkenntnis und Inszenierung | Von Uwe Froschauer"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Ein Meinungsbeitrag von <strong>Uwe Froschauer<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>\u201e97 Prozent der Wissenschaftler sind sich einig.\u201c Dieser Satz begegnet einem in der Klimadebatte immer wieder. Er klingt nach Gewissheit. 97 Prozent \u2013 da scheint die Sache doch gekl\u00e4rt zu sein. Wer wollte sich da noch erdreisten, Fragen zu stellen?<\/p>\n<p>Nur: 97 Prozent wovon? Und Einigkeit wor\u00fcber?<\/p>\n<p>An solchen Zahlen zeigt sich, wie aus einer differenzierten wissenschaftlichen Aussage eine scheinbar unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit werden kann. Zahlen werden verk\u00fcrzt, Bezugsgr\u00f6\u00dfen verschwinden, Unsicherheiten werden ausgeblendet \u2013 und am Ende bleibt eine Botschaft h\u00e4ngen, die wesentlich eindeutiger klingt als die Untersuchung, auf die sie sich beruft.<\/p>\n<p>In diesem Kapitel geht es nicht darum, wissenschaftliche Erkenntnisse pauschal infrage zu stellen. Es geht darum, genauer hinzusehen: Wie entsteht ein \u201ewissenschaftlicher Konsens\u201c? Was sagt er tats\u00e4chlich aus? Was wird politisch und medial daraus gemacht? Und was geschieht, wenn Wissenschaft, Politik und \u00f6ffentliche Kommunikation zu eng miteinander verwoben werden?<\/p>\n<p>Die ber\u00fchmten 97 Prozent liefern daf\u00fcr ein musterg\u00fcltiges Beispiel.<\/p>\n<p><strong>97 Prozent \u2013 wovon eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Ausgangspunkt ist eine 2013 ver\u00f6ffentlichte Studie von John Cook und seinen Mitautoren. Untersucht wurden die Zusammenfassungen \u2013 die sogenannten Abstracts \u2013 von 11.944 wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema globale Erw\u00e4rmung beziehungsweise globaler Klimawandel aus den Jahren 1991 bis 2011.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist interessant: 66,4 Prozent der untersuchten Abstracts enthielten keine erkennbare Aussage dazu, ob beziehungsweise in welchem Sinne der Mensch zur globalen Erw\u00e4rmung beitr\u00e4gt. Sie wurden deshalb von Cook und seinen Kollegen in die Kategorie \u201eno position\u201c \u2013 keine Position zur menschengemachten globalen Erw\u00e4rmung \u2013 eingeordnet. Das bedeutet ausdr\u00fccklich nicht, dass diese Arbeiten den menschlichen Einfluss bestritten. Aus ihren Abstracts lie\u00df sich zu dieser konkreten Frage schlicht keine Position ableiten. 32,6 Prozent wurden als Zustimmung zu einem menschlichen Beitrag eingeordnet, 0,7 Prozent als Ablehnung und 0,3 Prozent als unsicher.[1] Im Klartext: Nur 33,6 Prozent \u00e4u\u00dferten sich \u00fcberhaupt zum Beitrag des Menschen zur globalen Erw\u00e4rmung.<\/p>\n<p>Woher kommen dann die ber\u00fchmten 97 Prozent?<\/p>\n<p>Cook und seine Kollegen bezogen ihre Konsenszahl nicht auf s\u00e4mtliche 11.944 untersuchte Abstracts, sondern nur auf diejenigen Arbeiten, die \u00fcberhaupt eine Position zur menschengemachten Erw\u00e4rmung erkennen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Rechnung dahinter ist einfach: 32,6 Prozent aller untersuchten Abstracts unterst\u00fctzten einen menschlichen Beitrag zur globalen Erw\u00e4rmung. Insgesamt \u00e4u\u00dferten rund 33,6 Prozent \u00fcberhaupt eine Position zu dieser Frage.<\/p>\n<p>Also:<\/p>\n<p>32,6 \u00f7 33,6 \u00d7 100 = rund 97,1 Prozent.<\/p>\n<p>So entstehen die ber\u00fchmten 97 Prozent.<\/p>\n<p>Mathematisch ist daran zun\u00e4chst nichts auszusetzen. Entscheidend ist die <strong>Bezugsgr\u00f6\u00dfe<\/strong>. Die 97,1 Prozent beziehen sich nicht auf s\u00e4mtliche untersuchte Arbeiten, sondern nur auf die Teilmenge, die \u00fcberhaupt eine Position bez\u00fcglich des menschlichen Einflusses auf das Klima erkennen lie\u00df.<\/p>\n<p>Bezogen auf alle 11.944 untersuchten Abstracts wurden 32,6 Prozent als Zustimmung zu einem menschlichen Beitrag eingeordnet. Die gro\u00dfe Mehrheit von 66,4 Prozent \u00e4u\u00dferte in ihrem Abstract keine Position zu dieser Frage.<\/p>\n<p>Nochmals, das bedeutet nicht, dass diese 66,4 Prozent den menschlichen Einfluss ablehnten. Aus ihrem Schweigen l\u00e4sst sich weder Zustimmung noch Ablehnung ableiten. Eine wissenschaftliche Arbeit \u00fcber beispielsweise Niederschlagsver\u00e4nderungen muss nicht zwangsl\u00e4ufig eine Aussage dar\u00fcber enthalten, welchen Anteil der Mensch an der globalen Erw\u00e4rmung hat.<\/p>\n<p>Problematisch wird es dort, wo aus<\/p>\n<blockquote><p>\u201e97,1 Prozent der untersuchten Arbeiten, die eine Position zum menschlichen Beitrag \u00e4u\u00dferten, unterst\u00fctzten einen menschlichen Beitrag zur globalen Erw\u00e4rmung\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung<\/p>\n<blockquote><p>\u201e97 Prozent aller Klimawissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>wird. Das ist nicht dasselbe. Das ist ein mieser Taschenspielertrick!<\/p>\n<p>Ebenso wichtig ist eine zweite Frage: Wor\u00fcber bestand \u00fcberhaupt Konsens?<\/p>\n<p>Die Cook-Studie unterschied verschiedene Grade der Zustimmung. Schon Arbeiten, die einen menschlichen Beitrag zur Erw\u00e4rmung ausdr\u00fccklich oder implizit bejahten, konnten zur Konsensgruppe gez\u00e4hlt werden. Die 97 Prozent bedeuten deshalb nicht, dass 97 Prozent der Wissenschaftler der Auffassung seien, der Mensch verursache die gesamte oder nahezu die gesamte beobachtete Erw\u00e4rmung. Ebenso wenig bedeuten sie, dass 97 Prozent einer bestimmten Klimasensitivit\u00e4t, bestimmten Katastrophenszenarien oder einer bestimmten Klimapolitik zustimmen.<\/p>\n<p>Das ist ein erheblicher Unterschied. Ein Wissenschaftler kann davon \u00fcberzeugt sein, dass CO\u2082 die Erde erw\u00e4rmt und der Mensch zur beobachteten Erw\u00e4rmung beitr\u00e4gt, und trotzdem die H\u00f6he dieses Anteils, bestimmte Klimamodelle oder daraus abgeleitete politische Ma\u00dfnahmen kritisch beurteilen, oder nat\u00fcrlichen Einfl\u00fcssen einen h\u00f6heren Stellenwert als menschlichen einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Die Cook-Studie selbst liefert eine interessante Kontrollgr\u00f6\u00dfe. Die Autoren baten Wissenschaftler zus\u00e4tzlich, ihre eigenen Arbeiten einzuordnen. Von 8.547 angeschriebenen Autoren antworteten 1.200. Bei den selbst bewerteten Arbeiten, die eine Position zur menschengemachten Erw\u00e4rmung erkennen lie\u00dfen, ergab sich wiederum eine Zustimmung von rund 97 Prozent.[1]<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bleibt dennoch die ma\u00dfgebliche Frage nicht, ob 97, 90 oder 80 Prozent einer bestimmten Aussage zustimmen. Wissenschaftliche Erkenntnis wird nicht durch Mehrheitsbeschluss wahr.<\/p>\n<p>Ein wissenschaftlicher Konsens kann ein wichtiges Indiz daf\u00fcr sein, wie Fachleute den gegenw\u00e4rtigen Wissensstand einsch\u00e4tzen. Die Zahl der Zustimmenden ist jedoch f\u00fcr sich genommen noch kein Beweis f\u00fcr die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Aussage. Entscheidend bleiben die zugrunde liegenden Daten, Methoden und Begr\u00fcndungen. Vor allem darf aus einem Konsens \u00fcber eine allgemeine Aussage nicht nachtr\u00e4glich ein Konsens \u00fcber wesentlich weitergehende Aussagen konstruiert werden.<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch tr\u00e4gt zur Erw\u00e4rmung bei\u201c ist eine Aussage.<\/p>\n<p>\u201eDer Mensch verursacht praktisch die gesamte Erw\u00e4rmung\u201c ist eine zweite.<\/p>\n<p>\u201eDie Folgen werden katastrophal\u201c ist eine dritte.<\/p>\n<p>\u201eDeshalb ist die gegenw\u00e4rtige Klimapolitik notwendig und alternativlos\u201c ist eine vierte.<\/p>\n<p>Wer diese vier Aussagen miteinander vermischt und anschlie\u00dfend 97 Prozent dar\u00fcberstempelt, betreibt keine wissenschaftliche Aufkl\u00e4rung. Er produziert Gewissheit \u2013 die absolut nicht gegeben ist.<\/p>\n<p><strong>Konsens ist kein Beweis<\/strong><\/p>\n<p>Wissenschaft lebt nicht von Mehrheiten, sondern von \u00fcberpr\u00fcfbaren Erkenntnissen. Ein breiter Konsens unter Fachleuten ist zweifellos von Bedeutung: Er zeigt, welche Erkl\u00e4rung aufgrund der gegenw\u00e4rtigen Datenlage von einer gro\u00dfen Mehrheit der Fachwelt f\u00fcr die \u00fcberzeugendste gehalten wird. Mehr aber zun\u00e4chst nicht.<\/p>\n<p>Die Wahrheit wird nicht dadurch wahrer, dass viele Menschen an sie glauben. Oder etwas weniger vornehm ausgedr\u00fcckt: Tausende Fliegen k\u00f6nnen nicht irren? Doch, k\u00f6nnen sie.<\/p>\n<p>Die Zahl der Zustimmenden ist f\u00fcr sich genommen noch kein Beweis f\u00fcr die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Aussage. Ausschlaggebend sind die zugrunde liegenden Daten, Methoden und Begr\u00fcndungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcfbar und grunds\u00e4tzlich auch widerlegbar bleiben. Darin unterscheidet sich Wissenschaft vom Glauben.<\/p>\n<p>Wissenschaftlicher Konsens ist zudem keine unver\u00e4nderliche Gr\u00f6\u00dfe. Neue Messmethoden, bessere Daten oder neue Erkenntnisse k\u00f6nnen bestehende Auffassungen ver\u00e4ndern. Das ist keine Schw\u00e4che der Wissenschaft, sondern eine ihrer St\u00e4rken.<\/p>\n<p>Dissens ist die Essenz der Wissenschaft. Dieser Satz bringt auf den Punkt, was wissenschaftlichen Fortschritt \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich macht. Erkenntnisse entstehen nicht dadurch, dass alle dasselbe sagen, sondern dadurch, dass bestehende Annahmen hinterfragt, \u00fcberpr\u00fcft und gegebenenfalls widerlegt werden. Wissenschaft braucht Widerspruch \u2013 gerade dann, wenn ein Konsens kaum noch hinterfragt wird.<\/p>\n<p>Der amerikanische Publizist Walter Lippmann brachte es bereits 1915 treffend auf den Punkt: \u201eWo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht.\u201c Diese treffende Formulierung wird h\u00e4ufig auch Karl Valentin zugeschrieben.<\/p>\n<p>Problematisch wird es, wenn aus dem Konsens ein Autorit\u00e4tsargument wird \u2013 wenn eine Aussage also allein deshalb als richtig gelten soll, weil anerkannte Wissenschaftler oder Institutionen sie vertreten: 97 Prozent sagen es, also ist die Debatte beendet. Wer Zweifel \u00e4u\u00dfert, stellt sich gegen \u201edie Wissenschaft\u201c. An diesem Punkt wird aus wissenschaftlichem Konsens ein Instrument der \u00f6ffentlichen Kommunikation.<\/p>\n<p>Und damit stellt sich eine weitere Frage: Wie offen geht Wissenschaft mit Daten, Unsicherheiten, Kritik und abweichenden Auffassungen um?<\/p>\n<p>Wie brisant diese Frage ist, zeigte sich 2009 in einer Aff\u00e4re, die weltweit f\u00fcr Schlagzeilen sorgte:<\/p>\n<p><strong>Climategate<\/strong><\/p>\n<p>Im November 2009, wenige Wochen vor dem Klimagipfel von Kopenhagen, gelangten Tausende E-Mails und Dokumente der Climatic Research Unit (CRU) der britischen University of East Anglia an die \u00d6ffentlichkeit. Die CRU geh\u00f6rte und geh\u00f6rt zu den international bedeutenden Einrichtungen f\u00fcr die Erforschung der globalen Temperaturentwicklung. Entsprechend gro\u00df war die Wirkung.<\/p>\n<p>Ein Satz aus einer E-Mail des damaligen CRU-Direktors Phil Jones vom November 1999 wurde weltber\u00fchmt. Jones schrieb davon, \u201eMike&#8217;s Nature trick\u201c angewandt zu haben, um den R\u00fcckgang \u2013 \u201ehide the decline\u201c \u2013 zu verbergen. Ein Trick, um einen Temperaturr\u00fcckgang zu verstecken?<\/p>\n<p>Das klingt zun\u00e4chst verheerend. Ganz so einfach war die Sache allerdings nicht. Mit dem \u201edecline\u201c war kein R\u00fcckgang der tats\u00e4chlich mit Thermometern gemessenen globalen Temperatur gemeint. Es ging um sogenannte Proxy-Daten aus Baumringen. Solche Daten werden verwendet, um Temperaturen aus Zeiten zu rekonstruieren, in denen keine fl\u00e4chendeckenden instrumentellen Messungen vorliegen.<\/p>\n<p>Das Problem: Bestimmte Baumringreihen folgten bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts recht gut den gemessenen Temperaturen, danach aber nicht mehr. W\u00e4hrend die instrumentell gemessenen Temperaturen stiegen, zeigten diese Proxyreihen diesen Anstieg nicht entsprechend. Dieses Ph\u00e4nomen ist in der Fachliteratur als Divergenzproblem bekannt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die grafische Darstellung einer Temperaturrekonstruktion wurden die nach etwa 1960 vom gemessenen Temperaturverlauf abweichenden Baumringdaten nicht weitergef\u00fchrt. Stattdessen wurden f\u00fcr diesen Zeitraum instrumentell gemessene Temperaturen verwendet.<\/p>\n<p>Das halte ich f\u00fcr \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig. Hier dr\u00e4ngt sich die Frage auf: Wenn Baumringe als Temperaturanzeiger f\u00fcr Jahrhunderte dienen sollen, aus denen keine Thermometermessungen vorliegen, stellt sich eine naheliegende Frage: Warum werden ihre Daten ausgerechnet dort nicht mehr verwendet, wo sie sich anhand tats\u00e4chlicher Temperaturmessungen \u00fcberpr\u00fcfen lassen? Und wenn sie dort nicht mit den gemessenen Temperaturen \u00fcbereinstimmen \u2013 wie zuverl\u00e4ssig sind sie dann f\u00fcr Jahrhunderte, in denen eine solche Kontrolle gar nicht m\u00f6glich ist?<\/p>\n<p>Der britische Wissenschafts- und Technologieausschuss kam 2010 zu dem Ergebnis, dass die Formulierungen \u201etrick\u201c und \u201ehide the decline\u201c keinen Beleg f\u00fcr eine systematische T\u00e4uschung darstellten. Allerdings muss dieses Urteil im Zusammenhang mit dem begrenzten Umfang der damaligen Untersuchung gesehen werden. Der Ausschuss erkl\u00e4rte selbst, dass seine Untersuchung begrenzt gewesen sei und es nicht seine Aufgabe gewesen sei, die wissenschaftliche Arbeit der CRU umfassend zu \u00fcberpr\u00fcfen. Diese Aufgabe sollte anschlie\u00dfend einem gesonderten \u201eScientific Appraisal Panel\u201c zufallen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich hinterl\u00e4sst das einen schalen Beigeschmack. Man kann die damaligen Untersuchungen als Entlastung der beteiligten Wissenschaftler betrachten. Man kann aber ebenso fragen, ob damit tats\u00e4chlich s\u00e4mtliche durch Climategate aufgeworfenen Fragen beantwortet wurden oder ob hier vor allem versucht wurde, den entstandenen Vertrauensschaden zu begrenzen.<\/p>\n<p>Der parlamentarische Ausschuss fand keinen Beleg f\u00fcr wissenschaftliche Unehrlichkeit von Phil Jones, stellte gleichzeitig aber erhebliche Defizite bei Transparenz und Informationsfreiheit fest. Nach Einsch\u00e4tzung des Ausschusses deuteten die ver\u00f6ffentlichten E-Mails auf eine \u201eculture of non-disclosure\u201c, eine Kultur der Nichtoffenlegung, bei der CRU hin. Das kennen wir auch aus Coronazeiten. Es gebe sogar Hinweise darauf, dass Informationen m\u00f6glicherweise gel\u00f6scht worden seien, um ihre Offenlegung zu vermeiden. Der Ausschuss hielt au\u00dferdem fest, dass die University of East Anglia offenbar Wege gefunden habe, den Widerstand gegen Informationsanfragen von Klimaskeptikern zu unterst\u00fctzen. Das ist keine Nebens\u00e4chlichkeit.<\/p>\n<p>Auch Vorw\u00fcrfe, beteiligte Wissenschaftler h\u00e4tten versucht, das Peer-Review-Verfahren<strong> <\/strong>\u2013 also die Begutachtung einer wissenschaftlichen Arbeit durch andere Fachwissenschaftler vor ihrer Ver\u00f6ffentlichung \u2013 zu beeinflussen und kritische Ver\u00f6ffentlichungen aus Fachzeitschriften herauszuhalten, wurden untersucht.<\/p>\n<p>Der parlamentarische Ausschuss fand keinen hinreichenden Beleg daf\u00fcr, dass Phil Jones das Peer-Review-Verfahren tats\u00e4chlich untergraben hatte. Die ver\u00f6ffentlichten E-Mails offenbarten allerdings einen teilweise ausgesprochen konfrontativen Umgang mit Kritikern. Die Corona-Zeit l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Jede Meinung, die nicht dem g\u00e4ngigen \u2013 angeblich evidenzbasierten, nachweislich jedoch verlogenen \u2013 Narrativ entsprach, wurde platt gemacht.<\/p>\n<p>Climategate bewies damit nicht, dass die globale Erw\u00e4rmung erfunden oder Temperaturdaten systematisch gef\u00e4lscht wurden. Wer das behauptet, geht \u00fcber das hinaus, was die Untersuchungen hergeben. Aber ebenso vorschnell w\u00e4re es, Climategate als bedeutungslosen Sturm im Wasserglas abzutun.<\/p>\n<p>Der Vorgang ber\u00fchrt eine grunds\u00e4tzlichere Frage: Wissenschaft wird von Menschen betrieben. Menschen haben \u00dcberzeugungen, Interessen und Konkurrenten. Wissenschaftler ben\u00f6tigen Stellen, Institute ben\u00f6tigen Geld und Forschungsprojekte ben\u00f6tigen Finanzierung. Damit ist selbstverst\u00e4ndlich noch nicht gesagt, dass Wissenschaftler Ergebnisse manipulieren, weil ihre Forschung finanziert werden muss. Eine solche Behauptung w\u00e4re ohne konkrete Belege unseri\u00f6s, wenn sicherlich auch nicht ganz gegenstandslos. Die Frage nach den Anreizstrukturen sollte deswegen gestellt werden: Welche Forschungsfragen werden finanziert? Welche kaum? Welche Themen versprechen F\u00f6rdermittel, Publikationen und \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit? Und k\u00f6nnen solche Strukturen langfristig beeinflussen, welche Forschungsrichtungen wachsen und welche ein Nischendasein f\u00fchren?<\/p>\n<p>Der Volksmund bringt m\u00f6gliche Abh\u00e4ngigkeiten unverbl\u00fcmt auf den Punkt: Die Hand, die einen f\u00fcttert, bei\u00dft man nicht. Das ist kein Beweis daf\u00fcr, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse nach den W\u00fcnschen ihrer Geldgeber ausrichten. Aber es ist ein guter Grund, Finanzierungsstrukturen, institutionelle Abh\u00e4ngigkeiten und die Vergabe von Forschungsgeldern kritisch im Blick zu behalten.<\/p>\n<p>Bei der Klimaforschung ist diese Frage von erheblicher Bedeutung. Ihre Ergebnisse bleiben l\u00e4ngst nicht im wissenschaftlichen Raum. Sie bilden die Grundlage f\u00fcr milliardenschwere Programme, Steuern, Verbote und tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Umso h\u00f6her m\u00fcssen die Anforderungen sein. Daten, Methoden und Berechnungen m\u00fcssen nachvollziehbar und m\u00f6glichst offen zug\u00e4nglich sein \u2013 gerade f\u00fcr diejenigen, die widersprechen. \u201eVertraut der Wissenschaft\u201c kann kein Ersatz f\u00fcr \u00dcberpr\u00fcfbarkeit sein. Wissenschaft beweist ihre St\u00e4rke nicht dadurch, dass sie Kritik fernh\u00e4lt, sondern dadurch, dass ihre Ergebnisse der Kritik standhalten.<\/p>\n<p>Climategate ist f\u00fcr mich deshalb weder der Beweis f\u00fcr eine gro\u00dfe Klimaverschw\u00f6rung noch eine belanglose E-Mail-Aff\u00e4re. Es ist eine Mahnung. Je gr\u00f6\u00dfer die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen wissenschaftlicher Aussagen sind, desto h\u00f6her m\u00fcssen die Anforderungen an Transparenz, Nachpr\u00fcfbarkeit und einen offenen Umgang mit Kritik sein. Und damit schlie\u00dft sich der Kreis zum wissenschaftlichen Konsens: Ein Konsens gewinnt nicht dadurch an Glaubw\u00fcrdigkeit, dass Kritik ausgegrenzt wird. Er gewinnt an Glaubw\u00fcrdigkeit, wenn er Kritik aush\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Mit Zahlen kann man nicht l\u00fcgen \u2013 oder doch?<\/strong><\/p>\n<p>Zahlen l\u00fcgen nicht, hei\u00dft es. Das stimmt. Aber man kann mit richtigen Zahlen trotzdem ein falsches Bild erzeugen.<strong> <\/strong>Ein Beispiel daf\u00fcr waren die bereits behandelten 97 Prozent. Die Zahl war nicht einfach erfunden. Entscheidend war, worauf sie bezogen wurde und welche Aussage anschlie\u00dfend daraus gemacht wurde. Das ist ein klassischer Taschenspielertrick der Kommunikationstreibenden: Nicht unbedingt die Zahl ist falsch \u2013 sondern der Eindruck, den sie erzeugt.<\/p>\n<p>Diese Inszenierung von Zahlen und Daten funktioniert auf verschiedene Weise.<br \/>Eine der einfachsten Methoden ist die Wahl des Ausgangspunktes. Beginnt eine Temperaturkurve in einem besonders kalten Jahr, erscheint der anschlie\u00dfende Anstieg st\u00e4rker. Beginnt sie in einem besonders warmen Jahr, kann derselbe langfristige Trend deutlich schw\u00e4cher erscheinen. Umgekehrt l\u00e4sst sich durch die Auswahl weniger Jahre sogar scheinbar eine Abk\u00fchlung erzeugen, obwohl der langfristige Trend nach oben zeigt. Deshalb ist die Verwendung kurzer Zeitr\u00e4ume bei Klimafragen problematisch.<\/p>\n<p>Der Trick funktioniert in beide Richtungen. Wer einige ungew\u00f6hnlich warme Jahre ausw\u00e4hlt, kann die Erw\u00e4rmung dramatischer erscheinen lassen. Wer mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlich warmen El-Ni\u00f1o-Jahr beginnt und wenige Folgejahre betrachtet, kann scheinbar eine Abk\u00fchlung pr\u00e4sentieren. Beides ist Cherry-Picking \u2013 die gezielte Auswahl derjenigen Daten, die zur gew\u00fcnschten Geschichte passen.<\/p>\n<p>Ein zweites wirkungsvolles Instrument ist die grafische Darstellung. Dieselbe Temperaturver\u00e4nderung kann auf einer weit gespannten Y-Achse nahezu wie eine waagerechte Linie aussehen und auf einer stark verk\u00fcrzten Achse wie ein steiler Anstieg. Das ist nicht automatisch Manipulation. Bei Temperaturanomalien kann eine verk\u00fcrzte Skala sogar sinnvoll sein, weil Ver\u00e4nderungen von einem oder zwei Grad sonst kaum sichtbar w\u00e4ren. Die Forschung zur Datenvisualisierung zeigt, dass eine Achse nicht zwangsl\u00e4ufig bei null beginnen muss; entscheidend sind eine transparente Skalierung und eine Darstellung, die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse nicht verzerrt.<\/p>\n<p>Problematisch wird die Darstellung dort, wo Gestaltung nicht mehr der Verst\u00e4ndlichkeit dient, sondern der Dramatisierung. Ein gutes Beispiel sind die inzwischen bekannten <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/showyourstripes.info\/l\/europe\/germany\/all\/?ref=apolut.net\" rel=\"noreferrer\"><u>Klimastreifen<\/u><\/a> \u2013 blaue und rote Farbbalken, die Temperaturabweichungen \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume darstellen.<\/p>\n<p>Sie sind optisch eindrucksvoll und zeigen einen realen Erw\u00e4rmungstrend. Gleichzeitig verschwinden Zahlen, Unsicherheitsbereiche und konkrete Gr\u00f6\u00dfenordnungen vollst\u00e4ndig hinter Farben. Aus beispielsweise einigen Zehntelgrad Temperaturabweichung wird visuell der \u00dcbergang von tiefem Blau zu bedrohlichem Rot. Die Daten k\u00f6nnen korrekt sein. Doch ihre farbliche Inszenierung vermittelt weit mehr als blo\u00dfe Temperaturwerte \u2013 sie erzeugt zugleich einen Eindruck von zunehmender Bedrohung.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches l\u00e4sst sich bei Wetterkarten beobachten. \u00c4ltere Fernseh-Wetterkarten stellten selbst sommerliche Temperaturen von 30 Grad und mehr teilweise vor gr\u00fcnen oder vergleichsweise neutralen Kartenhintergr\u00fcnden dar. Heute werden hohe Temperaturen h\u00e4ufig mit kr\u00e4ftigem Rot, Dunkelrot oder Braunrot visualisiert. 30 Grad bleiben 30 Grad \u2013 aber Gr\u00fcn vermittelt etwas v\u00f6llig anderes als Feuerrot.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich einwenden, dass moderne Wetterkarten h\u00e4ufig einer festgelegten Temperaturskala folgen: k\u00fchlere Temperaturen werden blau oder gr\u00fcn, h\u00f6here gelb, orange und rot dargestellt. Das ist zun\u00e4chst eine legitime Form der Datenvisualisierung. Entscheidend ist jedoch: Farben transportieren nicht nur Information, sondern auch Emotion. Rot steht in unserer Wahrnehmung f\u00fcr Hitze, Warnung und Gefahr. Je dunkler und intensiver das Rot, desto bedrohlicher wirkt die Darstellung. Deshalb ist die Gestaltung keineswegs nebens\u00e4chlich. Aus einer meteorologischen Information wird damit zugleich ein visuelles Warnsignal.<\/p>\n<p>Wer alte und neue Wetterkarten nebeneinanderlegt, kann diesen Unterschied unmittelbar sehen. Die Temperatur mag dieselbe sein. Ihre mediale Inszenierung ist es nicht. <\/p>\n<p>Informationen werden zudem nicht nur vermittelt, sondern in einen bestimmten Deutungsrahmen gestellt. In der Kommunikationswissenschaft nennt man das Framing. Ein Ereignis wird nicht unbedingt falsch beschrieben, aber durch Wortwahl, Bilder und Kontext erh\u00e4lt es eine bestimmte Bedeutung. \u201eErw\u00e4rmung\u201c klingt anders als \u201eErderhitzung\u201c. \u201eKlimawandel\u201c anders als \u201eKlimakrise\u201c. \u201eKlimakrise\u201c wiederum anders als \u201eKlimanotstand\u201c.<\/p>\n<p>Die gemessene Temperatur ver\u00e4ndert sich durch diese Begriffe um keinen Tausendstelgrad. Die Wahrnehmung sehr wohl.<\/p>\n<p>Hinzu kommt das <strong>Agenda-Setting<\/strong>. Damit ist gemeint, dass Medien nicht unbedingt bestimmen, <em>was<\/em> Menschen denken \u2013 sehr wohl aber beeinflussen k\u00f6nnen, <em>wor\u00fcber<\/em> sie nachdenken. Wenn D\u00fcrren, Waldbr\u00e4nde, \u00dcberschwemmungen und Hitzewellen regelm\u00e4\u00dfig unter der \u00dcberschrift Klimawandel erscheinen, entsteht beim Leser zwangsl\u00e4ufig eine Verbindung zwischen Extremereignis und menschengemachter Erw\u00e4rmung. Diese Verbindung kann wissenschaftlich berechtigt sein \u2013 muss es im konkreten Einzelfall aber nicht sein.<\/p>\n<p>Wie schnell aus einem konkreten Ereignis eine eindeutige Klimabotschaft werden kann, zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz am 22. August 2026. Bei seinem Besuch im wenige Tage zuvor gel\u00f6schten Waldbrandgebiet im nordrhein-westf\u00e4lischen H\u00fcrtgenwald erkl\u00e4rte er:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir m\u00fcssen damit rechnen, dass wir h\u00e4ufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und er legte nach:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Gewissheit, mit der Sie das sagen ist Bullshit, Herr Bundeskanzler! Bei dem Brand waren nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz NRW rund 300 bis 400 Hektar Wald verbrannt oder gesch\u00e4digt. Die konkrete Brandursache war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich das Problem. Selbst wenn steigende Temperaturen und Trockenheit das Waldbrandrisiko erh\u00f6hen, ist damit noch nicht bewiesen, dass ein einzelner Waldbrand durch den Klimawandel verursacht wurde. Zwischen einem langfristig ver\u00e4nderten Risiko und der Ursache eines konkreten Brandes besteht ein erheblicher Unterschied. Merz \u00fcberspringt diese Differenzierung mit drei Worten: \u201eDas ist Klimawandel.\u201c<\/p>\n<p>Noch interessanter finde ich den anschlie\u00dfenden Hinweis auf die \u201eLeugner\u201c. Der abgebrannte Wald wird damit geradezu zum Anschauungsbeweis: Schaut hin \u2013 hier seht ihr den Klimawandel.<\/p>\n<p>Das ist Framing. Ein reales und zweifellos erschreckendes Ereignis wird unmittelbar in einen bestimmten Deutungsrahmen gestellt. Der Zuschauer sieht verkohlte B\u00e4ume, zerst\u00f6rten Wald und ersch\u00f6pfte Feuerwehrleute \u2013 und bekommt gleichzeitig die Erkl\u00e4rung geliefert: Das ist Klimawandel<strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Eine differenziertere Aussage h\u00e4tte gelautet: Der Klimawandel kann die Bedingungen ver\u00e4ndern, unter denen Waldbr\u00e4nde entstehen und sich ausbreiten. Ob und in welchem Umfang er zu diesem konkreten Brand beigetragen hat, ist eine andere Frage. Das klingt allerdings weniger eindrucksvoll.<\/p>\n<p>Darin liegt die Macht des Framings: Drei Worte bleiben eher h\u00e4ngen als drei Abs\u00e4tze wissenschaftlicher Differenzierung.<\/p>\n<p>Bei Extremwetter ist die wissenschaftliche Befundlage durchaus nicht \u00fcberall gleich. Bei Hitzeextremen bewertet der IPCC die Hinweise darauf, dass der menschliche Einfluss zu ihrer langfristigen Zunahme beigetragen hat, als besonders stark. Das bedeutet jedoch nicht, dass damit jede einzelne Hitzewelle eindeutig dem menschengemachten Klimawandel zugeschrieben werden kann. Es geht zun\u00e4chst um die langfristige Entwicklung von H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t solcher Ereignisse.<\/p>\n<p>Hierzu ein kurzer Auszug aus einem Interview der <em>Bild<\/em>-Zeitung vom 18. August 2026 mit Diplom-Meteorologe Dominik Jung (1):<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eKurz vorweg: Es verschwindet nichts. Wasser wird nicht vernichtet, die Gesamtmenge auf der Erde ist praktisch konstant. Aber der Kreislauf ist global, nicht regional. Was \u00fcber Deutschland verdunstet, regnet eben nicht zwangsl\u00e4ufig wieder \u00fcber Deutschland ab \u2013 es kann Hunderte oder Tausende Kilometer weiter niedergehen.\u201c <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Vor allem in solch hitzigen Sommern sei es gut zu sehen: W\u00e4hrend bei uns die Sonne brennt, s\u00e4uft eine andere Region unter Dauerregen ab. Jung: <\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDer Wasserdampf, der bei uns aufsteigt, wird vom gro\u00dfr\u00e4umigen Wind einfach mitgenommen und kommt woanders wieder runter. Der Kreislauf l\u00e4uft \u2013 nur nicht \u00fcber unseren Vorgarten.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Da, wo der Regen dann am n\u00f6tigsten ist, f\u00e4llt er aber eben nicht. Solche Hitzeperioden, wie Deutschland sie in diesem Sommer erlebt hat, entstehen meist durch ein stabiles, kr\u00e4ftiges Hochdruckgebiet, das sich \u00fcber Mitteleuropa festsetzt und wie eine Blockade wirkt. Jung: <\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIn einem Hoch sinkt die Luft gro\u00dfr\u00e4umig ab. Sinkende Luft erw\u00e4rmt sich \u2013 und warme Luft kann viel mehr Wasserdampf aufnehmen, ohne dass er kondensiert. Die relative Feuchte sinkt, Wolken l\u00f6sen sich auf, Regen wird regelrecht \u201aausgetrocknet\u2018. Selbst wenn also Wasser verdunstet, kondensiert es hier oben nicht zu Wolken und f\u00e4llt nicht als Regen zur\u00fcck.\u201c <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Also zum einen bilden sich keine Wolken dort, wo gro\u00dfe Hitze herrscht. Zum anderen wirkt das Hoch wie eine Barriere. Atlantik-Tiefs, die sehr feucht sind und normalerweise Regen bringen, dringen nicht durch und werden herumgeleitet. Jung: <\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eNach S\u00fcden, nach Norden, jedenfalls an uns vorbei.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>So viel auch zu dem Geschrei der Klimahysteriker \u201eWir werden alle sterben\u2026\u201c<\/p>\n<p>Bei anderen Extremereignissen ist die Zuordnung wesentlich schwieriger. Das zeigt sich beispielsweise bei D\u00fcrren. Der IPCC unterscheidet dabei verschiedene Formen \u2013 etwa meteorologische D\u00fcrren, bei denen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit ungew\u00f6hnlich wenig Niederschlag f\u00e4llt, oder landwirtschaftliche D\u00fcrren, bei denen vor allem die Bodenfeuchtigkeit f\u00fcr Pflanzen entscheidend ist. Je nach Region, Zeitraum und Art der D\u00fcrre f\u00e4llt die wissenschaftliche Bewertung unterschiedlich aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr langfristige Ver\u00e4nderungen meteorologischer D\u00fcrren stellt der IPCC in vielen Weltregionen nur eine geringe Sicherheit oder keinen eindeutigen menschlichen Einfluss fest. Bei der zentraleurop\u00e4ischen D\u00fcrre 2015 fand eine vom IPCC zitierte Untersuchung beispielsweise keinen eindeutigen Nachweis daf\u00fcr, dass der menschliche Einfluss das Niederschlagsdefizit verursacht oder verst\u00e4rkt hatte; das Ergebnis hing unter anderem vom verwendeten Modell und der Untersuchungsmethode ab. Bei einigen anderen untersuchten D\u00fcrren spielte die nat\u00fcrliche Variabilit\u00e4t eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Diese Differenzierung geht in der \u00f6ffentlichen Darstellung schnell verloren. Aus einer komplizierten wissenschaftlichen Befundlage wird dann die wesentlich einfachere Botschaft: Extremwetter ist eine Folge des Klimawandels.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass der Klimawandel keinen Einfluss auf D\u00fcrren oder Extremwetter hat. Es bedeutet etwas anderes: \u201eExtremwetter nimmt durch den Klimawandel zu\u201c ist als pauschale Schlagzeile wesentlich einfacher als die wissenschaftliche Befundlage darunter. Solche Feststellungen sind nicht okay.<\/p>\n<p>Wissenschaft unterscheidet zwischen Hitze, Starkniederschlag, meteorologischer D\u00fcrre, landwirtschaftlicher D\u00fcrre, Hochwasser, tropischen Wirbelst\u00fcrmen und vielen weiteren Ph\u00e4nomenen. Sie unterscheidet Regionen, Zeitr\u00e4ume und Wahrscheinlichkeiten. Der IPCC versieht seine Aussagen entsprechend mit Begriffen wie <em>medium confidence<\/em>, <em>high confidence<\/em>, <em>likely<\/em> oder <em>very likely<\/em>.<\/p>\n<p>Die Schlagzeile hat f\u00fcr solche Feinheiten wenig Platz.<\/p>\n<p>Aus:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBei diesem Ereignistyp hat sich in bestimmten Regionen die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6ht\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>wird schnell:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Klimawandel macht Extremwetter immer schlimmer.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und aus einem einzelnen Hochwasser, Waldbrand oder einer D\u00fcrre wird nicht selten der sichtbare Beweis daf\u00fcr. Das ist kommunikativ wirkungsvoll. Wissenschaftlich muss jedoch genauer hingesehen werden.<\/p>\n<p>Auch die Bezugsgr\u00f6\u00dfe kann die Wahrnehmung erheblich ver\u00e4ndern. Die Weltorganisation f\u00fcr Meteorologie (WMO) gab beispielsweise die globale Temperatur f\u00fcr 2024 mit rund 1,55 Grad \u00fcber dem Mittel von 1850\u20131900 an. Gegen\u00fcber dem wesentlich j\u00fcngeren Referenzzeitraum 1991\u20132020 betrug die Abweichung dagegen rund 0,67 Grad. Beide Zahlen beschreiben dasselbe Jahr und sind beide korrekt. Sie beantworten lediglich unterschiedliche Fragen. 1,55 Grad klingt selbstverst\u00e4ndlich dramatischer als 0,67 Grad.<\/p>\n<p>Daraus folgt nicht, dass die WMO trickst. F\u00fcr die Klimapolitik ist der vorindustrielle Referenzzeitraum sogar sachlich begr\u00fcndet, weil sich das Pariser Temperaturziel darauf bezieht. Das Beispiel zeigt aber eindrucksvoll, wie entscheidend eine Bezugsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Wirkung einer Zahl ist.<\/p>\n<p>Deshalb sollte bei jeder spektakul\u00e4ren Klimazahl gefragt werden: Auf was bezog sich die Zahl? Welcher Zeitraum wurde gew\u00e4hlt? Was wurde weggelassen? Handelt es sich um Messungen oder Modellrechnungen? Um globale oder regionale Daten? Um einen langfristigen Trend oder ein einzelnes Extremereignis? Und sagt die zugrunde liegende Studie tats\u00e4chlich das, was die Schlagzeile daraus macht?<\/p>\n<p>Das sind keine \u201eklimaleugnerischen\u201c Fragen. Das sind die Fragen, die kritischer Journalismus eigentlich stellen m\u00fcsste \u2013 es aber gr\u00f6\u00dftenteils nicht tut.<\/p>\n<p><strong>Konsens \u2013 aber wor\u00fcber eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt also vom viel beschworenen \u201ewissenschaftlichen Konsens\u201c?<\/p>\n<p>\u00dcber grundlegende Punkte besteht tats\u00e4chlich breite \u00dcbereinstimmung: CO\u2082 ist ein Treibhausgas, der Mensch erh\u00f6ht durch seine Aktivit\u00e4ten dessen Konzentration in der Atmosph\u00e4re und tr\u00e4gt damit zur Erw\u00e4rmung bei. Damit endet der einfache Teil der Geschichte.<\/p>\n<p>Wie in Kapitel 7 ausf\u00fchrlich dargelegt, beginnen danach die Bandbreiten, Unsicherheiten und unterschiedlichen Einsch\u00e4tzungen \u2013 etwa bei der genauen Gr\u00f6\u00dfenordnung des menschlichen Anteils, der Klimasensitivit\u00e4t, nat\u00fcrlichen Einfl\u00fcssen oder einzelnen Folgen der Erw\u00e4rmung. Das muss an dieser Stelle nicht noch einmal aufgerollt werden.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich ist etwas anderes: Ein Konsens \u00fcber grundlegende Zusammenh\u00e4nge darf nicht als Konsens \u00fcber s\u00e4mtliche daraus abgeleiteten Aussagen verkauft werden.<\/p>\n<p>Dieses Kapitel hat gezeigt: Die ber\u00fchmten 97 Prozent beziehen sich auf eine wesentlich enger gefasste Aussage, als die Zahl in der \u00f6ffentlichen Debatte h\u00e4ufig vermuten l\u00e4sst.<br \/>Climategate zeigte zumindest erhebliche Probleme im Umgang mit Transparenz und Kritik.<\/p>\n<p>Zahlen, Grafiken, Farben, Begriffe und Schlagzeilen k\u00f6nnen wissenschaftlich korrekte Informationen in einen Deutungsrahmen stellen, der beim Publikum eine wesentlich eindeutigere oder dramatischere Botschaft hinterl\u00e4sst, als diesen Informationen zukommt.<\/p>\n<p>Damit liegt das eigentliche Problem f\u00fcr mich nicht im wissenschaftlichen Konsens an sich. Wissenschaftler d\u00fcrfen und sollen zu \u00fcbereinstimmenden Ergebnissen kommen, wenn die Datenlage dies rechtfertigt. Problematisch wird es, wenn aus dieser \u00dcbereinstimmung ein Autorit\u00e4tsargument gemacht wird: Die Wissenschaft ist sich einig \u2013 also ist die Diskussion beendet. Das Gegenteil sollte gelten. Je gr\u00f6\u00dfer die gesellschaftlichen Folgen einer wissenschaftlichen Aussage sind, desto wichtiger sind Transparenz, Nachpr\u00fcfbarkeit und Dissens. Wissenschaft braucht keinen Schutz vor kritischen Fragen. Sie muss ihnen standhalten.<\/p>\n<p>Und deshalb bleibt am Ende nicht die Frage, wie viele Wissenschaftler einer Aussage zustimmen, sondern was diese Aussage tats\u00e4chlich besagt, wie belastbar sie ist \u2013 und was sich daraus vern\u00fcnftigerweise ableiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<h3 id=\"anmerkungen-und-quellen\">Anmerkungen und Quellen<\/h3>\n<p>(1) <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/news\/inland\/wenn-wasser-nicht-verschwindet-sondern-im-kreislauf-ist-wo-ist-dann-unser-regen-hin-6a82dc4ea87e8142c31d2a69?ref=apolut.net\" rel=\"noreferrer\"><u>https:\/\/www.bild.de\/news\/inland\/wenn-wasser-nicht-verschwindet-sondern-im-kreislauf-ist-wo-ist-dann-unser-regen-hin-6a82dc4ea87e8142c31d2a69<\/u><\/a><\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser! Das Buch \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B0HG4SHX89?spcref=PRINT_LISTING&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noopener noreferrer\"><u>Corona \u2013 das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben<\/u><\/a>\u201c ist am 20. August 2026 im Online-Handel erschienen. \u00dcber Corona wurde viel geschrieben \u2013 meist \u00fcber einzelne Aspekte. Dieses Buch versucht, die vielen Teile zu einem Gesamtbild zusammenzuf\u00fcgen. In 18 Kapiteln werden die politischen, gesellschaftlichen, medizinischen, medialen und psychologischen Facetten der Corona-Zeit: von Zahlen und Impfkampagne \u00fcber Grundrechtseingriffe, RKI-Protokolle und mediale Meinungslenkung bis hin zu Widerstand und der bis heute unzureichenden Aufarbeitung beleuchtet.<\/p>\n<p>Das Buch richtet sich besonders an Menschen, die angesichts widerspr\u00fcchlicher Darstellungen noch immer fragen:\u00a0<strong>Was ist damals eigentlich geschehen?<\/strong>\u00a0Es liefert keine vorgeschriebene Antwort, sondern Zusammenh\u00e4nge, Widerspr\u00fcche und unterschiedliche Perspektiven als Grundlage f\u00fcr das eigene Urteil.<\/p>\n<p>Mein Buch \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B0H761YF9H\/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noopener noreferrer\"><u>Eine Reise zum Selbst<\/u><\/a>\u201c wurde am 2. Juli 2026 ver\u00f6ffentlicht. Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualit\u00e4t, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verst\u00e4ndlichen und lebensnahen Reflexion \u00fcber das Menschsein. Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenw\u00e4rtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, pers\u00f6nliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz und Anfang April 2025 wurden meine beiden B\u00fccher<br \/>\u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Die-Friedensunt%C3%BCchtigen-Kriegstreiber-Deutschland-Europa\/dp\/B0F3XG6Q8Z\/ref=sr_1_1?__mk_de_&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noopener noreferrer\"><u>Die Friedensunt\u00fcchtigen<\/u><\/a>\u201c und \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Taumel-Niedergangs-Demokratischer-wirtschaftlicher-Deutschlands\/dp\/B0F32JS87R\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=3JJ04002EWR69&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Oj5YLI-ra13Jo1-hO3-QxpjVbqW4Zp-PgBoc_HkFZ0vRUAWpRhr9t_FAukNDd-Kjcz24yajuJ0MGZH2qtGzmxpn7IHu4XH4zz7p1a1MmegCroLWfM0lg0S7-NKT7bzhndp4CWW4gSeOmVn4mEJkRb4EDuTDPcwlTL9C2uagF3SY.y1TkrGl-reGDcZECS28yDUvz5-L9ZR9OorjTu71NTfk&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Im+Taumel+des+Niedergangs&amp;qid=1744634000&amp;s=books&amp;sprefix=im+taumel+des+niedergangs,stripbooks,110&amp;sr=1-1&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noopener noreferrer\"><u>Im Taumel des Niedergangs<\/u><\/a>\u201c ver\u00f6ffentlicht. Ende September 2024 erschien das Buch \u201e<a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Gef%C3%A4hrliche-Nullen-Kriegstreiber-Elitenvertreter-Deutschlands\/dp\/B0DJ374G6K\/ref=sr_1_2?__mk_de_&amp;ref=apolut.net\" rel=\"noopener noreferrer\"><u>Gef\u00e4hrliche Nullen \u2013 Kriegstreiber und Elitenvertreter<\/u><\/a>\u201c.<\/p>\n<p><strong>+++\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Dank an den Autor f\u00fcr das Recht zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Beitrags.<\/p>\n<p><strong>+++<\/strong><\/p>\n<p>Bild: Grafik mit 97%<br \/>Bildquelle: Dynamic360 \/ shutterstock<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer. \u201e97 Prozent der Wissenschaftler sind sich einig.\u201c Dieser Satz begegnet einem in der Klimadebatte immer wieder. Er klingt nach Gewissheit. 97 Prozent \u2013 da scheint die Sache doch gekl\u00e4rt zu sein. Wer wollte sich da noch erdreisten, Fragen zu stellen? Nur: 97 Prozent wovon? 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