{"id":21319,"date":"2026-09-07T08:04:15","date_gmt":"2026-09-07T06:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/meiser-tv.de\/politik\/wostok-oil-russland-startet-historisches-erdoelprojekt-um-das-es-der-westen-beneiden-wird\/"},"modified":"2026-09-07T08:04:15","modified_gmt":"2026-09-07T06:04:15","slug":"wostok-oil-russland-startet-historisches-erdoelprojekt-um-das-es-der-westen-beneiden-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meiser-tv.de\/en\/politik\/wostok-oil-russland-startet-historisches-erdoelprojekt-um-das-es-der-westen-beneiden-wird\/","title":{"rendered":"&#8222;Wostok Oil&#8220;: Russland startet historisches Erd\u00f6lprojekt, um das es der Westen beneiden wird"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><em>Von Olga Samofalowa<\/em><\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte moderne \u00d6l- und Gasprojekt nicht nur in Russland, sondern auch im weltweiten Ma\u00dfstab \u2013 &#8222;Wostok Oil&#8220; \u2013 ist angelaufen. Den Startschuss gab der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin per Videokonferenz. Die ersten \u00d6llieferungen gingen an das neue Terminal des Hafens &#8222;Buchta Sewer&#8220; auf der Halbinsel Taimyr und von dort weiter zum Export sowohl in westliche L\u00e4nder als auch in asiatische Staaten. Der Staatschef erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die neue \u00d6lpipeline verbindet die beiden \u00d6lfelder Wankor und Pajacha mit dem Hafen &#8218;Buchta Sewer&#8216;. Die Gesamtkapazit\u00e4t allein der ersten Ausbaustufe des Hafenterminals betr\u00e4gt 30 Millionen Tonnen Erd\u00f6l pro Jahr und wird nach der vollst\u00e4ndigen Inbetriebnahme des Terminals deutlich steigen. Damit wird &#8218;Buchta Sewer&#8216; in Zukunft der gr\u00f6\u00dfte n\u00f6rdliche \u00d6lhafen der Welt sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nach Angaben von Igor Setschin, dem Chef des russischen \u00d6lkonzerns Rosneft, wird der Hafen in der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 2027 eine Kapazit\u00e4t von 30 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen, und bis zum Jahr 2030 werden die Liefermengen auf bis zu 50 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen. Setschin f\u00fcgte hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die weitere Entwicklung des Projekts wird es erm\u00f6glichen, die Lieferungen auf den Markt bei entsprechender Marktnachfrage und g\u00fcnstiger Konjunkturlage auf bis zu 100 Millionen Tonnen pro Jahr zu steigern.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>100 Millionen Tonnen f\u00fcr ein einziges Projekt \u2013 das ist eine schier gewaltige Zahl, denn sie entspricht Lieferungen von rund zwei Millionen Barrel pro Tag, was dem Ausma\u00df eines einzelnen gro\u00dfen \u00d6lf\u00f6rderlandes entspricht.<\/p>\n<p>Interessanterweise richtete der Rosneft-Chef bei der Zeremonie einen Gru\u00df an die ehemaligen westlichen Partner dieses einzigartigen Projekts:<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich m\u00f6chte diese Gelegenheit nutzen, um den f\u00fchrenden K\u00f6pfen der weltweiten Branche meinen Gru\u00df auszurichten, mit denen wir die Perspektiven des Projekts &#8218;Wostok Oil&#8216; er\u00f6rtert haben, darunter Robert Dudley, ehemaliger Chef von BP, Rex Tillerson, herausragender \u00d6lmanager und ehemaliger Chef von ExxonMobil, sowie dem gro\u00dfartigen Geologen Tim Cook von Equinor, Stephen Greenley und Neil Daffin von ExxonMobil sowie unseren derzeitigen Partnern und Kollegen Daren Woods und Neil Chapman. Ich denke, sie werden sich sehr dar\u00fcber (\u00fcber den Start des Projekts) freuen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Nach 2022 haben sich die westlichen Partner aus den gemeinsamen Projekten zur\u00fcckgezogen, und nun zeigt der Chef von Rosneft den westlichen Gro\u00dfkonzernen, dass Russland Projekte eigenst\u00e4ndig entwickeln kann.<\/p>\n<p><strong>Was macht dieses Rosneft-Projekt &#8222;Wostok Oil&#8220; so einzigartig?<\/strong><\/p>\n<p>Erstens die riesigen \u00d6lvorkommen. In der heutigen Welt ist dies das gr\u00f6\u00dfte Projekt zur F\u00f6rderung von Kohlenwasserstoffen. Seine Ressourcenbasis im Norden der Region Krasnojarsk und im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen wird auf etwa sieben Milliarden Tonnen hochwertiges, schwefelarmes \u00d6l gesch\u00e4tzt. Das sind 52 Lizenzgebiete, in denen sich 13 \u00d6l- und Gasfelder befinden, darunter sowohl die bereits erschlossenen Felder der Wankor-Gruppe als auch neue.<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung des \u00d6ls macht die zweite Besonderheit des Projekts aus. Igor Juschkow, leitender Analyst des russischen Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit und Dozent am Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft der Finanzuniversit\u00e4t bei der Regierung der Russischen F\u00f6deration, hebt hervor:<\/p>\n<p><em>&#8222;Es sei an das ber\u00fchmte Treffen zwischen Wladimir Putin und Setschin im Jahr 2020 erinnert, bei dem der Chef von Rosneft ihm eine Flasche dieses hochwertigen \u00d6ls mit sehr niedrigem Schwefelgehalt \u00fcberreichte. Solches \u00d6l d\u00fcrfte auf dem Weltmarkt teuer sein und so das Projekt rentabel machen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Damals erkl\u00e4rte Setschin, dies sei das beste \u00d6l der Welt, sogar besser als \u00d6l aus dem Nahen Osten.<\/p>\n<p>Drittens wird dieses Projekt unter den extremen klimatischen Bedingungen der Arktis umgesetzt. Juschkow f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Hafen &#8218;Buchta Sewer&#8216; selbst liegt im \u00f6stlichen Teil der Nordostpassage, und hier sind die Tanker sofort extremen Eisbedingungen ausgesetzt \u2013 im Gegensatz sogar zum Projekt &#8218;Jamal LNG&#8216;, von wo aus man nach Westen fahren kann, wo die Eisverh\u00e4ltnisse einfacher sind.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Daraus ergibt sich die vierte Besonderheit des Projekts: F\u00fcr den Transport des \u00d6ls sind \u00d6ltanker der h\u00f6chsten Eisklasse Arctic 7 erforderlich. Insgesamt liegt bei der fern\u00f6stlichen russischen Werft &#8222;Swesda&#8220; ein Auftrag f\u00fcr eine Serie von zehn solchen Tankschiffen der hohen Eisklasse Arctic 7 vor, und insgesamt ist im Rahmen des Projekts der Bau von 50 Schiffen verschiedener Klassen geplant, darunter Gastanker und herk\u00f6mmliche Tankschiffe. Igor Juschkow erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Situation mit der Flotte f\u00fcr &#8218;Wostok Oil&#8216; ist einfacher als bei den Gasprojekten &#8218;Jamal LNG&#8216; und &#8218;Arctic LNG-2&#8216;, da f\u00fcr den Bau von Gastankern eine spezielle Membrantechnologie erforderlich ist, um das Fl\u00fcssigerdgas in den Schiffen zu halten. \u00d6ltanker hingegen sind im Grunde genommen riesige Tanks, und es stellt f\u00fcr Russland kein Problem dar, diese zu Schiffen der h\u00f6chsten Eisklasse herzustellen, da wir sogar atomgetriebene Eisbrecher bauen k\u00f6nnen. Daher kann &#8218;Swesda&#8216; tats\u00e4chlich eigenst\u00e4ndig eine Flotte f\u00fcr &#8218;Wostok Oil&#8216; bauen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das erste \u00d6l des Projekts wurde vom Arktis-Tanker &#8222;Walentin Pikul&#8220; \u00fcbernommen, der in einer Werft im Fernen Osten Russlands gebaut wurde. Im Reede wartet der Tanker &#8222;Akademik Gubkin&#8220; mit einer Tragf\u00e4higkeit von 120.000 Tonnen auf die Verladung. Das Schiff wurde ebenfalls in der Werft &#8222;Swesda&#8220; gebaut.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist &#8222;Wostok Oil&#8220; von strategischer Bedeutung f\u00fcr die Auslastung der Nordostpassage als Alternative zu den traditionellen Routen. Im Jahr 2025 wurden 37 Millionen Tonnen Fracht \u00fcber die Nordostpassage transportiert, und bis 2030 soll sich das Frachtaufkommen verdoppeln \u2013 auf 70 Millionen Tonnen pro Jahr, verk\u00fcndete Putin. Zudem er\u00f6ffnet das Projekt neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Export der russischen Kohlenwasserstoffe in die L\u00e4nder des asiatisch-pazifischen Raums.<\/p>\n<p>Auch die Infrastruktur f\u00fcr dieses Projekt ist einzigartig. So ist der Hafen &#8222;Bu\u0441hta Sewer&#8220; auf der Halbinsel Taimyr an der M\u00fcndung des Jenissei zum n\u00f6rdlichsten Hafen der Welt geworden, und sein \u00d6lterminal liegt fast 500 Kilometer n\u00f6rdlicher als der bisherige Rekordhalter im Guinness-Buch der Rekorde, wie das Unternehmen Rosneft betont.<\/p>\n<p>Ganz zu schweigen davon, dass im Rahmen des Projekts der Bau neuer Stromerzeugungsanlagen mit einer Leistung von 3,5 Gigawatt, des Flugplatzes &#8222;Sewerny&#8220;, von 15 F\u00f6rderst\u00e4tten sowie die Modernisierung der Flussinfrastruktur des Jenissei geplant ist.<\/p>\n<p>Einige dieser Besonderheiten h\u00e4tten nat\u00fcrlich auch ihre Kehrseite. So bedeute beispielsweise die Notwendigkeit, das \u00d6l mit Tankern der h\u00f6chsten Eisklasse zu transportieren, einen Anstieg der Selbstkosten des \u00d6ls, da der Transport teuer sei und die Gesamtbetriebskosten dieses Projekts hoch seien, bemerkt Juschkow. Es stelle sich die Frage, ob Russland in der Lage sein wird, eine Flotte von 30 Tankschiffen der Klasse Arctic 7 f\u00fcr ein Frachtvolumen von 50 bis 100 Millionen Tonnen serienm\u00e4\u00dfig und fristgerecht zu bauen, sagt der Experte des russischen Fonds f\u00fcr nationale Energiesicherheit Michail Wakiljan.<\/p>\n<p>Andererseits gibt die Umsetzung des Projekts &#8222;Wostok Oil&#8220; Impulse f\u00fcr die Entwicklung verwandter Wirtschaftszweige in der Region \u2013 Maschinenbau, Metallurgie, Energiewirtschaft, Stra\u00dfenbau und Schiffbau. Laut Setschin f\u00fchre jeder in das Projekt investierte Rubel zu einer Steigerung der Nachfrage nach im Land hergestellten Waren und Dienstleistungen mit einem Multiplikatoreffekt von neun.<\/p>\n<p>Unterdessen ist das Schicksal des Projekts &#8222;Wostok Oil&#8220; nicht einfach. Man sollte bedenken, dass der Start urspr\u00fcnglich f\u00fcr das Jahr 2024 geplant war. Die Verschiebung wurde mit dem OPEC+-Abkommen in Verbindung gebracht, in dessen Rahmen Russland sich verpflichtet hat, die F\u00f6rderung von Erd\u00f6l nicht nur nicht zu erh\u00f6hen, sondern sogar zu reduzieren. Wakiljan sieht darin jedoch nicht den einzigen Grund. Er meint:<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Projekt selbst hinkte ebenfalls hinterher. Im Fr\u00fchjahr 2024 hatte der Bau des \u00d6lverladekais im Hafen &#8218;Buchta Sewer&#8216; gerade erst begonnen, und auch die \u00d6lpipeline war noch weit von der Fertigstellung entfernt. Sanktionen erschwerten zudem die Lieferung von Ausr\u00fcstung, insbesondere f\u00fcr den Schiffbau.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Experten weisen auf eine weitere Besonderheit der Inbetriebnahme dieses Projekts hin: Derzeit ist die erste Phase des Projekts angelaufen, aber erst in der zweiten Phase werde die eigene Ressourcenbasis von &#8222;Wostok-Oil&#8220; erschlossen, von wo aus der \u00d6lexport beginnen werde, sagt Juschkow. Michail Wakiljan erg\u00e4nzt dazu:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die aktuelle Inbetriebnahme ist in der Tat von gro\u00dfer Bedeutung, da damit ein vollst\u00e4ndiger Exportkreislauf f\u00fcr das Feld entsteht \u2013 eine rund 790 Kilometer lange \u00d6lpipeline und ein eigener Seehafenterminal. Dabei darf man jedoch die Inbetriebnahme der Infrastruktur nicht mit dem Eintritt von &#8218;Wostok Oil&#8216; in den kommerziellen Betrieb verwechseln.<\/em><\/p>\n<p><em>In das Projekt ist \u00d6l aus dem seit Langem in Betrieb befindlichen Wankor-Cluster einbezogen, das bereits \u00fcber die Route Wankor\u2013Purpe in das System von &#8218;Transneft&#8216; und von dort unter anderem in die Ost-Sibirien-Pazifik-Pipeline gelangte. Die neue Infrastruktur erm\u00f6glicht es, diese Barrel nach Norden umzuleiten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Igor Juschkow merkt an, dass in der ersten Phase des Projekts eine \u00d6lpipeline und ein Exportterminal in &#8222;Buchta Sewer&#8220; gebaut wurden. Um diese sofort zu beladen, werde Erd\u00f6l aus den Krasnojarsker Feldern von Rosneft, das derzeit in die Ost-Sibirien-Pazifik-Pipeline flie\u00dft, dorthin umgeleitet. In der zweiten Phase soll dann \u00d6l direkt aus den n\u00f6rdlichen Feldern von &#8222;Wostok Oil&#8220; selbst hinzukommen, so der Experte.<\/p>\n<p>Wakilian weist hingegen auf ein seltenes Paradoxon des Projekts &#8222;Wostok Oil&#8220; hin:<\/p>\n<p><em>&#8222;\u00dcber das Projekt wird extrem viel behauptet, aber unabh\u00e4ngig davon l\u00e4sst sich vergleichsweise wenig \u00fcberpr\u00fcfen. Die Tragf\u00e4higkeit des Projekts werden wir in den kommenden Jahren anhand des Bohrfortschritts und der tats\u00e4chlichen F\u00f6rdermenge des Pajacha-Clusters bewerten k\u00f6nnen. Die erste Lieferung gibt derzeit nur Aufschluss dar\u00fcber, ob das Transportsystem funktioniert. Die Antwort auf die zentrale Frage, ob gen\u00fcgend Erd\u00f6l f\u00fcr eine gro\u00dfangelegte Auslastung vorhanden ist, steht noch aus.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem <a href=\"https:\/\/vz.ru\/economy\/2026\/9\/6\/1448962.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russischen<\/a>. Der Artikel ist zuerst am 6. September 2026 auf der Website der Zeitung &#8222;Wsgljad&#8220; erschienen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Olga Samofalowa<\/strong> ist eine russische Wirtschaftsanalystin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong> \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de-rtnews.com\/russland\/290555-hauptnachricht-oestlichen-wirtschaftsforums-russland-wird\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russlands Ferner Osten ist f\u00fcr Russland nur noch Osten und nicht mehr fern <\/a><\/p>\n<div class=\"EmbedBlock-root EmbedBlock-externalVideo EmbedBlock-rumble\">\n<div class=\"VkEmbed\"><iframe class=\"lazyload\" data-src=\"https:\/\/rumble.com\/embed\/v7cvsxe\" frameborder=\"0\" width=\"853\" height=\"480\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Olga Samofalowa Das gr\u00f6\u00dfte moderne \u00d6l- und Gasprojekt nicht nur in Russland, sondern auch im weltweiten Ma\u00dfstab \u2013 &#8222;Wostok Oil&#8220; \u2013 ist angelaufen. 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